Ich war zu Beginn des Hörbuchs, als angefangen wurde, Witze zu machen und etwas derbe Formulierungen zu benutzen, sehr skeptisch. Ich reagiere wohl allergisch auf polemische pop-feministische Bücher. Aber Gott sei Dank war das hier gar nicht so eines! Emma Southon erzählt eine chronologische Geschichte des römischen Reiches aus der Perspektive von Kaiserinnen, Müttern, Ehefrauen, Schwestern, Töchtern, heiligen Jungfrauen, Sexarbeiterinnen, Christinnen und so weiter.
Dabei habe ich besonders ihre Quellennähe bewundert. Es wird nie irgendetwas dazugedichtet, was nicht da ist, ohne es als Spekulation darzustellen. Es war so gut recherchiert und aufgearbeitet, dass ich persönlich die lustig-freche Note im Erzählstil gar nicht gebraucht hätte, aber ich verstehe, dass sie vermutlich ein weiteres Publikum ansprechen wollte. An manchen Stellen musste ich wirklich laut lachen!
Mein einziges Problem war, dass es sich, trotz der ausführlichen Einordnung in den historischen Kontext, nicht unbedingt um ein Einsteiger-Werk handelt, aber dafür, dass ich nicht jeden Tag ans römische Reich denke, kann ja die gute Frau auch nichts.
Unglaublich faszinierend, interessant und berührend. Was ich am meisten mochte war, mit welcher Selbstverständlichkeit die Sexualitäten der Frauen behandelt wurden. Kein ewiges Hin- und Her, und kann man so jetzt nicht sagen, und wir wollen ja nicht über sie urteilen – die Frauen lieben Frauen und das war's. Sehr erfrischend im Umgang mit Geschichte! Am Ende habe ich vielleicht ein bisschen geweint.
Eine unglaublich gut recherchierte Zusammenfassung von dem Leben des berüchtigten Verbrecherpaares Bonnie und Clyde. Jeff Guinn beginnt mit den Familien, den Umständen, in denen Bonnie und Clyde geboren sind: Die große Depression, Armut, die Slums von West Dallas. Dann verfolgt er nicht nur die beiden Stars des Buchs, sondern auch ihre Familien, ihre Freunde und Verbündeten, und sogar ihre Feinde. Natürlich ist der Mann, der sie später wie wilde Tiere durch die Staaten jagt ein Texas Ranger, der glaubt, Gerechtigkeit könnte mit Gewalt erreicht werden. Raymond Hamiltons Leben mit den beiden, aber auch zu den Zeiten, in denen er nicht Mitglied der Barrow Gang ist, ist faszinierend genug, um ein eigenes Buch zu verdienen. W.D. Jones schafft es von einem ängstlichen Teenager zu einem festen Bestandteil der Truppe und verdient schließlich sogar Clydes Respekt. Und durch alles, durch Gefängnisse, Verstecke, Shootouts und Verletzungen bleibt eine Konstante für den Leser immer sichtbar: Die Liebe zwischen Bonnie Parker und Clyde Barrow. Eine Biographie erzählt von quasi jeder Person, die jemals mit ihnen in Kontakt gewesen ist, durch einen Filter gepresst, der Verkünstelungen, Lügen und eigene Interessen erkennbar macht und vernachlässigt, um die Wahrheit ans Licht zu bringen: Bonnie und Clyde hatten kein einfaches, glamouröses Leben, ganz im Gegenteil. Aber spannend war es trotzdem, bis zum Zeitpunkt ihres verfrühten Todes. Es gibt ihnen etwas von ihrer Menschlichkeit zurück. Weder waren sie sorglose Kinder, deren Spritztour ein bisschen aus den Fugen geraten war, noch waren sie kaltblütige Killer. Sie waren arm und rutschten unweigerlich ins Verbrechen, aber zwischen ihren Überfällen und Schusswechseln mit der Polizei blieben sie großzügig, liebten ihre Familien und waren immer loyal.
Ich habe dieses Buch in Vorbereitung auf den NaNoWriMo gelesen, in dem ich ein Buch über Piraten schreiben möchte. Ich habe eigentlich nur die Kapitel über die “typischen” Piraten gelesen, also die Piraten der Karibik um 1700, weil das das Wichtige für mich war, aber ich fand es unglaublich interessant! Es war sehr gut strukturiert, von der Lebensweise der Piraten, Sachen wie Essen und Trinken, Regeln an Deck, spannende Foltermethoden usw. bis zu einzelnen Persönlichkeiten, die in den historischen Kontext gestellt werden. Begleitet ist es von Zitaten und Darstellungen von (sowohl von ihnen gemacht, als auch sie darstellend) Piraten und deren Zeitgenossen. Ich habe auf jeden Fall eine Menge gelernt und freue mich darauf, dieses Wissen in meine Geschichte einfließen zu lassen, um ihr einen Hauch von Authentizität zu verleihen.
Ich habe irgendwo auf einer schlechteren Plattform ein Review gesehen, das meinte, das Buch beschäftigt sich zu viel mit allgemeiner Geschichte und nicht genug mit der Geschichte der Frauen. Dieses Review hat nicht unbedingt unrecht. Es wird immer sehr viel außenrum erklärt, so dass es manchmal aufhört, Kontext zu sein und halt einfach Geschichte wird. Aber ich fand das, wenn ich ehrlich bin, auch nicht so schlimm, weil es eigentlich immer interessant war. Mein liebstes Kapitel war das über Jadwiga von Polen.