Ich war zu Beginn des Hörbuchs, als angefangen wurde, Witze zu machen und etwas derbe Formulierungen zu benutzen, sehr skeptisch. Ich reagiere wohl allergisch auf polemische pop-feministische Bücher. Aber Gott sei Dank war das hier gar nicht so eines! Emma Southon erzählt eine chronologische Geschichte des römischen Reiches aus der Perspektive von Kaiserinnen, Müttern, Ehefrauen, Schwestern, Töchtern, heiligen Jungfrauen, Sexarbeiterinnen, Christinnen und so weiter.
Dabei habe ich besonders ihre Quellennähe bewundert. Es wird nie irgendetwas dazugedichtet, was nicht da ist, ohne es als Spekulation darzustellen. Es war so gut recherchiert und aufgearbeitet, dass ich persönlich die lustig-freche Note im Erzählstil gar nicht gebraucht hätte, aber ich verstehe, dass sie vermutlich ein weiteres Publikum ansprechen wollte. An manchen Stellen musste ich wirklich laut lachen!
Mein einziges Problem war, dass es sich, trotz der ausführlichen Einordnung in den historischen Kontext, nicht unbedingt um ein Einsteiger-Werk handelt, aber dafür, dass ich nicht jeden Tag ans römische Reich denke, kann ja die gute Frau auch nichts.
If no one else got me, I know the random Youtube Short I watched with "Top 5 non-fiction books I would recommend" got me! Dieses Buch war so unglaublich gut, interessant, fesselnd geschrieben. Breitwieser ist schon wieder so ein character of a man, alles was er macht und denkt ist so absolut crazy.
Ein sehr informatives Buch über den Chirurgen, der während des Ersten Weltkriegs das Feld der plastischen Chirurgie begründet hat.
Ich persönlich fand einige der Beschreibungen der Kriegsverletzungen zu detailliert, andererseits verstehe ich, dass sie nötig sind, um die Arbeit, die Harold Gillies geleistet hat, zu kontextualisieren. Ich bin schon froh, dass ich das Hörbuch gehört habe, bei dem offensichtlich keine Fotos dabei waren. Dann wiederum ist das eine zentrale Aussage des Buchs: Verletzungen im Gesicht werden sozial anders behandelt als andere Verletzungen. Gillies war für viele dieser Männer eine der einzigen Personen, die ihnen vorurteilsfrei und völlig ohne jegliche Scheu gegenübergetreten sind.
Auch den Abschnitt über die Masken, die manchmal anstelle von Operationen gewählt wurden, fand ich sehr spannend. Und den Epilog, in dem erzählt wird, dass Gillies die erste Phalloplastie an einem trans Mann durchgeführt hat, und so viel für ihn getan hat, dass er sich sicher und wohl fühlt, hat mich extrem gerührt.
Auf jeden Fall ein sehr gutes Buch über eine sehr beeindruckende Persönlichkeit!