– I am Elektra
 375 Seiten

Als Elektra eines Tages in dem Ferienhaus ihrer Eltern aufwacht, kann sie sich nicht erinnern, was vorher passiert ist. Sie merkt jedoch schnell: Etwas stimmt nicht. Sie hat eine Narbe an ihrem Bauch und ihre Eltern berichten ihr von Dingen, die sie angeblich tat, an die sie jedoch keine Erinnerung hat. Bald begreift sie: Sie steckt im Körper ihres Klons Kelsey.

Als Kelsey eines Tages in einem Ferienhaus erwacht, weiß sie nicht, was vorher passiert ist. Doch irgendetwas stimmt nicht. Elektra Hamiltons Eltern behandeln sie wie ihre Tochter. Und immer öfter hat Kelsey Kopfschmerzen und Nasenbluten, ohne den Grund zu kennen. Bis sie schließlich begreift: Der Geist ihres Originals wohnt in ihrem Körper.

Sowohl Elektra als auch Kelsey wollen wissen, was passiert ist und ziehen dabei den Rat von Hektor (Elektras Bruder), Isabel (Elektras anderer Klon und Kelseys Schwester) und Phillip (Isabels Verlobter) zu rate. Doch viel Zeit bleibt ihnen nicht, denn lange kann ihr gemeinsamer Körper ihren geteilten Geist nicht aushalten ...

Der zweite Teil von "Becoming Elektra" löst den Cliffhanger am Ende des ersten Bandes endlich auf und gibt der Geschichte ein zufriedenstellendes Ende. Zwar hätte ich zu diesem Ende gerne ein paar mehr Erklärungen gehabt, was die Vorgehensweise der Charaktere betrifft, aber wichtiger war mir, dass es dieses Mal nicht ein fieses Cliffhanger-Ende gibt, sondern man das Buch mit einem zufriedenen Lächeln zuschlagen kann.

Elektras und Kelseys Sichtweisen und Charakterentwicklung haben mir sehr gefallen. Beide haben eine eigene Stimme, die sehr schnell deutlich macht, aus welcher Sichtweise wir lesen. Ihre kontrastreichen Persönlichkeiten sorgten für ein abwechslungsreiches Leseerlebnis.

Dadurch, dass es eine Weile dauert, bis beide realisieren, was genau geschehen ist, fängt die "eigentliche" Handlung verhältnismäßig spät an, aber mich persönlich hat das nicht gestört, weil ich es mochte, wie beide auf ihre Weise zur richtigen Schlussfolgerung gelangt sind.

Natürlich war es auch toll, Isabel, Hektor und Phillip wiederzusehen. Alle drei gehörten im ersten Band zu meinen Lieblingscharakteren und es war toll, zu sehen, wo sie gelandet sind, auch wenn ich mir wünschte, sie hätten noch mehr zur Handlung beigetragen (da der Showdown sich ausschließlich auf Elektra und Kelsey bezieht).

Insgesamt eine empfehlenswerte Fortsetzung! Den ersten Band mag ich zwar noch ein wenig mehr, aber dafür gibt uns dieser Band die Sichtweisen und das Ende, das ich mir schon im ersten Band gewünscht habe. Vielen Dank an den Autor für diesen schönen Nachfolger!

– Becoming Elektra
 416 Seiten

Isabel ist ein Klon. Zusammen mit ihrer Schwester Kelsey und zahlreichen anderen Klonen muss sie in dem Institut, in dem sie lebt, jederzeit damit rechnen, ausgeschlachtet zu werden, um ihr Original Elektra Hamilton mit Organen zu versorgen. Dann bekommt Isabel jedoch die Nachricht: Elektra ist tot und sie soll ihren Platz einnehmen, um Phillip von Halmen zu heiraten, eine Verbindung, die ihrer neuen Familie den Einfluss gibt, den sie brauchen. Isabel darf sich auf keinen Fall anmerken lassen, dass sie nicht Elektra ist - was sich als schwerer gestaltet als erwartet, nachdem sie erfährt, dass ihr Original ermordet wurde ...

"Becoming Elektra" gehört zu den Büchern, die ich bereits mehrere Male gelesen habe, weil es mir einen so großen Spaß bereitet hat, in die Geschichte einzutauchen und die Charaktere währenddessen zu begleiten. Gerade Isabel ist eine unglaublich sympathische Hauptfigur, aber auch die Mitglieder ihrer neuen Familie - namentlich Hektor, ihr "Bruder" und Sabine, ihre "Mutter" - zeichnen sich durch einen tollen Charakter und eine sich wunderbar entwickelnde Beziehung zu Isabel aus. Auch Phillip, ihr Verlobter, konnte mein Herz mit Leichtigkeit erobern, obwohl er erst in der zweiten Hälfte des Romans in Erscheinung tritt.

Die Zukunft, in die Christian Handel uns entführt, ist weder dystopisch noch utopisch, sondern fühlt sich überraschend realistisch an. Das hat mir sehr gefallen, weil es eine Abwechslung zu den Romanen war, in denen entweder alles den Bach runtergeht oder in denen es zu schön ist, um wahr zu sein.

Nicht zuletzt konnte mich auch die Handlung überzeugen. Isabels Eingewöhnung in ihr falsches Leben nimmt dabei besonders großen Raum ein, wodurch es leicht wird, sich in sie hineinzuversetzen. Aber auch die Suche nach Elektras Mörder spielt eine wichtige Rolle und findet eine zufriedenstellende Antwort.

Das einzige, was bei diesem Roman umstritten ist, ist das Cliffhanger-Ende - aber glücklicherweise hat Christian Handel inzwischen eine Fortsetzung geschrieben, in der er es auflösen wird. "I am Elektra" steht als nächstes auf meiner Leseliste und ich freue mich jetzt schon auf die Lektüre!

– Tale of Magic: Die Legende der Magie 1 – Eine geheime Akademie
 464 Seiten

Die vierzehnjährige Brystal Evergreen liebt es, zu lesen. Leider lebt sie in einem Land, in dem Lesen Frauen strengstens verboten ist, wodurch sie ständig in der Gefahr schwebt, erwischt zu werden. Als sie eine Anstellung in einer Bibliothek findet und dabei ein besonderes Buch entdeckt, ändert sich ihr Leben mit einem Mal - denn Brystal stellt fest, dass sie magisch ist! Und bald schon findet sie sich in einer magischen Akademie wieder, um ihre Ausbildung zur Fee zu beginnen ...

Interessanterweise handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine Harry-Potter-ähnliche Geschichte, wie man zuerst annehmen könnte. Brystal begegnet der Rektorin der Schule erst nach 150 Seiten und der Unterricht selbst startet erst nach 250 Seiten. Grund dafür ist, dass in den ersten 150 Seiten geschildert wird, wie Brystals Leben aussieht und durch die Entdeckung des Buches schließlich durcheinandergerät, während in den 100 Seiten danach die anderen fünf Schüler der Akademie rekrutiert werden.

Jedoch haben mir gerade diese Storylines ausgesprochen gut gefallen - ich fand Brystals Dynamik mit ihrer Familie und ihren Aufenthalt in der Heil- und Besserungsanstalt sowie die Einführung der anderen Schüler ebenso interessant wie den Unterricht selbst, der zusammen mit der Aufklärung von Geheimnissen das Zentrum der zweiten Hälfte des Romans bildet. Tatsächlich fand ich es schade, dass diese anfänglichen Probleme des Romans am Ende nur halb aufgegriffen wurden; mich hätte es zum Beispiel sehr interessiert, was mit Brystals beiden Brüdern passiert ist, nachdem Brystal ihr Zuhause verließ.

Von den anderen Schülern - Mandarina, Skylene, Xanthous, Emerelda und Lucy - haben mir vor allem Lucy und Xanthous sehr gefallen, während die anderen verhältnismäßig blass blieben, weshalb ich hoffe, dass die anderen drei in späteren Bänden mehr Charakterisierung bekommen.

Die Handlung allgemein hat mir sehr gefallen und wurde durch einen Twist gegen Ende des Romans, der alles, was bis dahin geschah, in eine andere Perspektive rückt, sogar noch besser. Der flüssige Schreibstil trug zusätzlich dazu bei, dass ich das Buch in Windeseile las.

Insgesamt ein tolles Debüt von Chris Colfers neuer Serie, deren weitere Bände ich auf jeden Fall verfolgen werde!

– Broken Things – Alles nur (k)ein Spiel
 400 Seiten

Mit nur 13 Jahren sollen Mia und Brynn ihre beste Freundin Summer ermordet haben. In einer Fanfiktion haben sie die Details zum Mord niedergeschrieben. Während Brynn sich hat einweisen lassen, um dem öffentlichen Hass zu entkommen, versucht Mia, so normal wie möglich weiterzuleben. Beide sind jedoch unschuldig - und als Mia auf einen neuen Hinweis stößt, nimmt sie wieder Kontakt zu Brynn auf, um herauszufinden, wer Summer damals wirklich umgebracht hat ...

"Broken Things - Alles nur (k)ein Spiel" ist ein Jugendthriller, bei dem mir vor allem der Schreibstil, die Details und die Rätselkomponente gefallen haben. Die Charaktere selbst sind einerseits recht blass, andererseits aber gefüllt mit Details ihres Lebens. Es war ein merkwürdiger Kontrast; ich kann mich, um ehrlich zu sein, immer noch nicht entscheiden, ob ich die Charaktere nun dreidimensional fand oder nicht. Sie waren zumindest sympathisch genug, um ihre Geschichte weiterlesen zu wollen ;)

Die fiktive Welt Lovelorn, in die Summer, Brynn und Mia als junge Jugendliche eingetaucht sind, ist ein zentrales Thema des Romans und sehr gut umgesetzt. Eine Verbindung zur Realität ist hierbei natürlich vorhanden, hätte meiner Meinung nach aber noch stärker ausgebaut sein können.

Die Nebencharaktere schwächeln ein wenig, wie ich zugeben muss. Mir sind nur sehr wenige im Gedächtnis geblieben, weil sie alle eine verhältnismäßig kleine Rolle spielen.

Am schönsten fand ich letztendlich den Schreibstil; mir sind während des Lesens so viele schöne und allgemein herausragende Sätze aufgefallen, dass ich sie am liebsten alle schnell niedergeschrieben hätte.

Insgesamt also ein Jugendbuch mit Stärken und Schwächen, bei denen jeder selbst entscheiden sollte, wie stark er sie gewichtet. Letztendlich hat mir persönlich der Roman gut gefallen, war aber nichts Herausragendes - was er aber natürlich auch nicht sein muss. Wer gerne Jugendthriller liest, darf hier aber gerne zugreifen!

– Am Ende sterben wir sowieso
 368 Seiten

Mateo und Rufus bekommen beide am selben Tag einen Anruf vom Todesboten, der ankündigt, dass sie heute sterben werden. Für ihren letzten Tag suchen beide einen letzten Freund, den sie durch die App "Letzte Freunde" im jeweils anderen finden - entschlossen, gemeinsam an ihrem letzten Tag ein ganzes Leben zu leben.

Ich habe dieses Buch schon mehrmals gelesen, weil mich so ziemlich alles daran begeistert hat: Die beiden Hauptcharaktere und deren überraschend realistisch beschriebene Beziehung; das Premise eines Todesboten und seine Einflüsse auf die moderne Welt; die einzelnen Nebenhandlungen, die ein größeres Bild bilden; und die vielen unvergesslichen Momente, die Mateo und Rufus miteinander erleben.

Ihre Beziehung hat mir gezeigt, dass es nicht darauf ankommt, wie lange man jemanden kennt, sondern, wie man diese Zeit miteinander verbringt. Wie gesagt wurde ihre wachsende Beziehung sehr realistisch beschrieben, da beide sich erst am letzten Tag ihres Lebens kennenlernen, ihre Zeit aber mit vielen wertvollen Momenten füllen, die sie auf glaubwürdige Weise aneinander näher bringen.

Die Nebencharaktere verdienen definitiv auch eine Erwähnung. Manchmal springen wir als Leser kurz zu einer anderen Figur und lesen ein bisschen was aus ihrem Leben und dem Einfluss, den der Todesbote auf sie hatte. Hier haben mich die Details und die Art und Weise, wie sie miteinander verwoben wurden, sehr beeindruckt.

Ein großes Lob auch dafür, dass beide Hauptcharaktere zwar wie angekündigt sterben, ihre jeweilige Todesart aber auch dann passiert wäre, wenn sie sich nicht kennengelernt hätten. Als jemand, der den "Bury Your Gays"-Tropus nicht mag, fand ich die Tode sehr gut umgesetzt.

Insgesamt habe ich dieses Buch sehr genossen und werde es sicher noch ein paar Mal mehr lesen!

– Das Gold der Krähen
 592 Seiten

Nachdem Inej am Ende des ersten Bandes von Jan Van Eck entführt wurde, sind Kaz, Nina, Matthias, Jesper und Wylan entschlossen, sie zu retten. Zu diesem Zweck erstellen sie einen komplexen Plan, der mit einem Zusammenspiel von Einbrüchen, Betrügereien und Lügen für Inejs Freiheit sorgen soll. Zudem sucht Kaz weiterhin nach einem Weg, Rache an dem Mann zu üben, der ihm seinen Bruder genommen hat ...

Auch der zweite Band der Duologie begeisterte mich durch eine wunderbare Charakterisierung, eine spannende Handlung und mehreren Schichten eines absolut genialen Plans. Während mich im ersten Band vor allem Kaz, Nina und Matthias begeisterten, sind es hier Inej, Jesper und Wylan, deren Sichtweisen ich besonders gern verfolgte - wobei die anderen drei aber mitnichten zu kurz kommen. Tatsächlich sind die Rollen der einzelnen Charaktere sogar ausgewogener als im ersten Teil.

Sehr schön fand ich es auch, dass die romantischen Beziehungen zwischen den Charakteren eine größere Rolle bekamen, die Romanzen selbst aber weiterhin eine Nebenhandlung blieben. So hat die Romanze den Plot angenehm gewürzt, statt im Weg zu stehen.

Das einzige, was mir nicht ganz so gut gefiel, war das Schicksal von einem der Hauptcharaktere - in meinen Augen mutete es leicht unnötig an und hätte ebenso gut durch ein glücklicheres ersetzt werden können. Natürlich erwarte ich nicht, dass jeder Charakter sein Happy End bekommt, aber in diesem Fall hätte ich es gegenüber dem eigentlichen Ende bevorzugt.

Insgesamt genauso empfehlenswert wie der erste Band und ein schöner Abschluss der Duologie!

– Das Lied der Krähen
 576 Seiten

Für dreißig Millionen Kruge bekommt Kaz Brekker einen unmöglichen Auftrag: Er soll in das Eistribunal, ein ausbruchssicheres Gefängnis, einbrechen und einen gefährlichen Wissenschaftler daraus befreien. Zu diesem Zweck stellt er sich eine Truppe zusammen: Inej, das "Phantom" und seine rechte Hand; Nina, eine Magierin aus den Slums; Matthias, ein Verurteilter mit dem Verlangen nach Rache; Jesper, ein Scharfschütze und einer seiner treuesten Begleiter; und Wylan, ein Ausreißer mit einem Händchen für Sprengstoff. Zu sechst stellen sie einen Plan zusammen, um dieses unmögliche Ziel zu erreichen - nur, dass oft sie selbst es sind, die sich im Weg stehen ...

Ich habe diese wundervolle Duologie schon mehrmals gelesen und jedes Mal begeistert sie mich wieder. Die Charaktere, die zuerst durch ihre obengenannte Position vorgestellt werden, bekommen während des Romans unglaublich viel Tiefe und jeden einzelnen von ihnen schließt man früher oder später ins Herz. In diesem ersten Band der Duologie mochte ich vor allem Kaz und die Beziehung zwischen Nina und Matthias, aber auch Inej, Jesper und Wylan glänzten durch ihren dreidimensionalen Charakter.

Nicht zuletzt ist auch die Handlung unglaublich spannend, sodass man konstant mitfiebert und es genießt, die Charaktere mit verschiedenen Problemen umgehen zu sehen. Die eigentliche Handlung um den Einbruch ins Eistribunal beginnt zwar recht spät, gibt einem dafür aber genügend Zeit, die Charaktere kennenzulernen.

Den einzigen Wermutstropfen kann man verschmerzen: Das Alter der Charaktere in Zusammenhang mit ihrem Verhalten und ihrer Vergangenheit. Sie sind alle um die siebzehn, doch würde man als Leser niemals darauf kommen, weil sie alle viel erwachsener wirken, sodass ich es realistischer gefunden hätte, ihr tatsächliches Alter wenigstens um ein paar Jahre anzuheben.

Insgesamt absolut empfehlenswert für alle, die eine spannende Handlung, vielschichtige Charaktere und eine gut ausgebaute Welt lieben - mit anderen Worten: Für alle, die gerne Bücher lesen!

– Pretty Dead. Wenn zwei sich lieben, stirbt die Dritte
 384 Seiten

Mitten auf einer Halloween-Party bricht Sarah Matthews plötzlich in den Armen ihres Freundes Chase zusammen und stirbt. Schnell wird klar: Sie wurde ermordet. Mehrere Jugendliche aus ihren Bekanntenkreis sind verdächtig: Chase, ihr Freund; Brooke, ihre beste Freundin; Devin, ihr Stiefbruder; Piper, ihre Erzfeindin; und Jam, Chases ehemaliger Freund. Sie alle waren circa ein Jahr vor Handlungsbeginn direkt oder indirekt in einen Autounfall verwickelt, der danach geheim gehalten wurde und der jetzt ans Licht zu kommen droht. Zudem finden Chase und Brooke, die heimlich ineinander verliebt sind, rote Kraninche, in denen ihnen gedroht wird, ihre Geheimnisse ans Tageslicht zu bringen ...

Was die Charaktere angeht, hatte ich ein merkwürdiges Leseerlebnis: Einerseits habe ich mich für die Charaktere an sich nicht sonderlich interessiert, andererseits waren es ihre Geheimnisse und ihre teils geheimen Beziehungen zueinander, die mich am meisten zum Weiterlesen antrieben. Gerade die Beziehung zwischen Brooke und Chase ist wundervoll beschrieben, aber auch andere Freund- und Liebschaften kommen nicht zu kurz.

Drei Kernfragen bilden die Basis des Romans: Wer hat Sarah Matthews vergiftet? Wer schickt den beiden Hauptcharakteren Brooke und Chase die roten Kraninche? Und was genau ist damals beim Autounfall passiert? Es hat sehr viel Spaß gemacht, diese Fragen zusammen mit den Charakteren zu lösen, wobei ich eine von ihnen sogar richtig beantwortet habe, während ich bei den anderen beiden total falsch lag XD

Insgesamt ein schöner Jugendthriller mit einer liebevoll beschriebenen Romanze, der imho zwar nicht ganz so tiefgründige Charaktere enthält, dafür seine Handlung mit Fragen und Geheimnissen füllt, die man als Leser unbedingt aufdecken will. Insgesamt empfehlenswert!

– Not Your Type
 368 Seiten

Fynn hat ein großes Geheimnis: Er ist trans und zögert wegen schlechter Erfahrungen, sich anderen Menschen anzuvertrauen und ihnen überhaupt nahe zu kommen. Bis er sich in seine Kommilitonin Marie verliebt, die zusammen mit ihren Freunden einen Roadtrip nach Italien plant. Unerwartet wird auch Fynn Teil des Roadtrips - und fühlt sich bald hin und her gerissen zwischen seinen Gefühlen für Marie und seiner Transidentität, die er für nicht liebenswert hält ...

Mit "Not Your Type" liefert uns Alicia Zett einen wunderschönen Liebesroman, der feinfühlig transgeschlechtliche Probleme beschreibt und deutlich macht, dass jeder so perfekt ist, wie er ist, unabhängig von seiner sexuellen Identität und Orientierung. Mehrmals habe ich beim Lesen ein lautes "Danke!" ausgerufen, weil die Autorin so viele wertvolle Botschaften einbaut, die bei anderen Büchern leider oft unter den Tisch fallen.

Erfreut war ich auch darüber, dass Marie mit genauso viel Liebe behandelt wurde wie Fynn; bei vielen Büchern mit zwei Sichtcharakteren fokussiere ich mich oft auf eine von ihnen, aber hier mochte ich sowohl Fynn als auch Marie gleich gern und habe beide Sichten mit Freuden gelesen.

Zuletzt fand ich auch Maries Freunde Joon, Noah und Chiara sehr sympathisch. Sie bekommen natürlich nicht ganz so viel Tiefe wie Marie und Fynn, aber das, was sie uns zeigen, reichte bereits aus, um zu demonstrieren, was für wundervolle Freunde sie sind :)

Eine sehr starke Empfehlung für alle, die sich speziell mit der Transidentität näher beschäftigen, Missverständnisse aus dem Weg räumen und allgemein eine wunderschöne Liebesgeschichte lesen möchten :)

– Hard Land
 352 Seiten

Der fünfzehnjährige Sam hat eine kranke Mutter und ein distanziertes Verhältnis zu seinem Vater, weshalb er, um seinen Problemen zu entfliehen, im Sommer einen Ferienjob in einem Kino annimmt. Dort trifft er auf drei Menschen, die bald zu seinen Freunden werden - und durch die er das Leben erst richtig kennenlernt. Bis sein größter Albtraum wahr wird und die unbeschwerte Schwebe dieses Sommers verfliegt ...

Erwachsenwerden ist das Thema von Benedict Wells' neuestem Roman und absolut fantastisch umgesetzt. Nicht nur beschreibt er Sams Sicht sehr realistisch, sondern auch dieses Gefühl des Unsterblichseins der Jugend, wenn alles möglich und die Zukunft Millionen Jahre entfernt scheint. Das Buch weckte die Nostalgie nach meiner eigenen Jugend und ich bin mir sicher, dass alle sich mit diesem Gefühl identifizieren können.

Die Einbindung von "Hard Land", Sams fiktionaler Schullektüre, ist gut gelungen, nur hätte sie imho ruhig öfter vorkommen und zwischen den Charakteren diskutiert werden können; dafür war die Pointe absolut genial und ein persönliches Lesehighlight.

Wer eine wunderbare Coming-of-Age-Story lesen will, ist hier bestens bedient! Nostalgie gibt es dabei gratis dazu :)

– Ein letzter erster Augenblick
 496 Seiten

Joel kann in seinen Träumen die Zukunft sehen. Gute, schlechte und neutrale Ereignisse weiß er oft Tage, Monate oder sogar Jahre im Voraus. Weil die Träume ein großer Ballast für ihn sind, hat er bisher darauf verzichtet, eine ernste Beziehung anzufangen - bis er auf Callie trifft. Sie arbeitet in einem Café, hat kürzlich ihre beste Freundin verloren und traut sich nicht so richtig, aus sich rauszukommen. Sie und Joel verlieben sich ineinander, doch Joels Träume drohen, ihre Beziehung zu zerstören ...

Der übernatürliche Aspekt in diesem Roman hat mir sehr gut gefallen und ich fand, dass Holly Miller mit Joel realistisch beschrieb, was für einen Einfluss solche Träume auf einen Menschen haben können. Callie war am Anfang zugegebenermaßen nicht so interessant und ich brauchte eine ganze Weile, bis ich mit ihr warm wurde, aber letztendlich gewann auch sie mein Herz.

Die Liebe zwischen den beiden ist rührend beschrieben, wobei sie vor allem in der Mitte des Buches Überhand nimmt. Mir persönlich war sie stellenweise zu lang gezogen, aber Fans romantischer Geschichten werden sich an ihr erfreuen.

Die Nebencharaktere bleiben größtenteils leider blass und ich muss zugeben, dass ich mir letztendlich nur ein paar wenige Namen merken konnte, weil der Fokus definitiv auf Joel und Callie selbst liegt. Wie ihre Beziehung sich gerade nach der Hochphase entwickelt, hat mir dafür außerordentlich gut gefallen!

Weinen musste ich während des Buches zwar nicht, aber emotional ist es durchaus. Von daher würde ich raten, vorsichtshalber ein paar Taschentücher einzupacken ;)

– Ein Fluch so ewig und kalt
 560 Seiten

Prinz Rhen von Emberfall ist verflucht. Er lebt in einer Art Zeitschlaufe und verwandelt sich an deren Ende in ein monströses Ungeheuer. Nur durch die wahre Liebe kann sein Fluch gebrochen werden. Rhens Kommandant Grey bringt ihm für seinen letzten Versuch ein Mädchen namens Harper aus Washington D.C., die ganz andere Sorgen hat, als die Märchenprinzessin zu spielen - bis sie sieht, wie schlecht es den Bewohnern Emberfalls geht. Während sie beschließt, ihnen zu helfen, muss Rhen sein Geheimnis vor ihr und allen anderen verbergen ...

Was wie eine ziemlich märchenhafte Handlung ohne Überraschungen klingt, entwickelt sich schnell zu einer wunderbar realistischen Interpretation davon. Im Fokus stehen die Beziehungen zwischen Rhen, Harper und Grey, wobei Brigid Kemmerer sich erfreulicherweise nicht nur auf die (sich sehr realistisch entwickelnde) Beziehung zwischen Rhen und Harper konzentriert, sondern auch auf die Freundschaft zu Grey, die beide teilen. Weil ich überhaupt nicht erwartet habe, neben dem Hauptpaar noch andere wichtige Beziehungen zu verfolgen, freute ich mich, dass auch anderen Freundschaften genügend Platz eingeräumt wurde. Zusätzliche Pluspunkte gibt es dafür, dass alle drei unglaublich sympathische Figuren waren!

Auch die Handlung begeisterte mich, vor allem, weil sie sich ab einem bestimmten Punkt überhaupt nicht so entwickelte, wie ich es vorhersah. Viel mehr kann ich leider nicht verraten, ohne zu spoilern, aber seid euch versichert, dass es sich bei diesem Roman definitiv nicht um eine einfache Interpretation von "Die Schöne und das Biest" handelt!

Der einzige Kritikpunkt besteht für mich in der Qual, die der arme Rhen erleiden muss. Harper sagt von ihrem Bruder Jake an einer Stelle, dass er so aussieht, als hätte das Leben ihn ein paar Dutzend Mal gegen die Wand geworfen, doch auf Rhen hätte diese Beschreibung noch besser gepasst. Ihm geschehen während des Romans so viele schlimme Dinge, dass es ganz schön am Realismus des Romans kratzte. Hier hätte die Autorin meiner Meinung nach eine Grenze ziehen sollen, weil es ab einem bestimmten Punkt schwer wurde, sich mit all seinem Leid zu identifizieren.

Davon abgesehen war der Roman allerdings hervorragend und hat meine Erwartungen in jedem Punkt um ein Vielfaches übertroffen. Ich kann das Buch jedem ans Herz legen, der sich besonders für die Beziehungen zwischen verschiedenen Charakteren interessiert und mal eine etwas andere Märchenfantasy lesen möchte :)

– Hush – Verbotene Worte
 416 Seiten

Nachdem ihre Mutter umgebracht wird, gibt es für Shae nur ein Ziel: Sie will herausfinden, wer der Mörder ist und warum er es getan hat. Zu diesem Zweck reist sie zum Hohen Haus, wo die Barden das schriftliche Wort bewachen. Einer von ihnen ist der Mörder. Nebenbei stellt sich heraus, dass Shae selbst eine Bardin ist ...

Das Buch hat einen sehr angenehmen, flüssigen Schreibstil und setzt die eben erwähnte Haupthandlung gut um, aber leider zieht die unnötige "Romanze" zum unnahbaren Ravod das Buch ganz schön runter. Am Anfang streiten sie sich nur, Ravod blockt Shae stets ab und wettet sogar, dass sie höchstens eine Woche in ihrer Barden-Ausbildung durchhalten wird - aber natürlich fühlt sich Shae trotzdem zu ihm hingezogen, weil er so gut aussieht. Erst ab dem Punkt, als Ravod ihr Ausbilder und etwas sanfter wird, werden ihre Gefühle einigermaßen glaubhaft.

Shaes Beziehung zu ihrem Kindheitsfreund Mads, die am Anfang behandelt wird, gefiel mir dabei um einiges mehr; er ist für Shae da, als es kein anderer ist und riskiert sogar, dass seine Familie ihren Status verliert, als er Shae einen Antrag macht. Die beiden hatten trotz der Tatsache, dass Shae ihn nicht liebt, meiner Meinung nach mehr Chemie als Shae und Ravod.

Bei Shaes Ausbildung fand ich es im Übrigen ein wenig merkwürdig, dass ihre Gabe, gestickte Dinge in der Wirklichkeit erscheinen zu lassen, nie Anwendung fand. Stattdessen beschwört sie mit Worten und das Sticken nimmt eher eine Nebenrolle ein. Das ist hierbei jedoch kein Kritikpunkt, sondern nur etwas, das mir seltsam vorkam.

Zuletzt ist mir die Darstellung von Illusionen positiv ins Auge gefallen - mehrmals zweifelt Shae, ob sie gerade wahnsinnig wird und diese Momente waren außerordentlich gut beschrieben.

Insgesamt handelt es sich um einen recht gewöhnlichen Romantasy-Roman; wer so etwas gerne liest, ist hier also bestens bedient, alle anderen sollten lieber mit etwas anderem Vorlieb nehmen.

– The Cousins
 432 Seiten

"Ihr wisst, was ihr getan habt."

Mit diesem Satz enterbte Mildred Story ihre vier Kinder vor über zwanzig Jahren, wobei alle vier behaupten, nicht zu wissen, was ihre Mutter damit gemeint hat. Als Mildred ihren Enkeln - Milly, Aubrey und Jonah - eine Einladung schickt, während des Sommers auf ihrer Insel zu arbeiten, damit sie sie kennenlernen kann, stimmen die Cousins aus unterschiedlichen Gründen diesem Angebot zu. Nur, dass ihnen schnell ein paar Ungereimtheiten auffallen: Als sie ihre Großmutter treffen, scheint diese überhaupt nicht zu wissen, dass sie kommen würden. Das Geheimnis ihrer Eltern ist ebenfalls etwas, was es aufzudecken gilt. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass einer der Cousins nicht die Person ist, die sie vorgibt zu sein ...

Mit ihrem neuesten Roman "The Cousins" beweist Karen M. McManus ein weiteres Mal ihre Erzählkunst. Ich habe Millys, Aubreys und Jonahs Sichten mit Spannung verfolgt und bei jeder neuen Offenbarung mitgefiebert und mitgerätselt, um das ganze Puzzle zusammenzusetzen. Die drei Cousins waren mir unglaublich sympathisch, wobei ich spontan gar nicht sagen könnte, wen ich am liebsten mag, weil es der Autorin hervorragend gelungen ist, sie alle dreidimensional zu beschreiben.

Dasselbe trifft auch auf die Handlung zu. Ich hing förmlich an den Zeilen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht und welches neue Geheimnis an Licht kommen wird. Gerade die Offenbarung um einen der Cousins hat mich komplett aus der Bahn geworfen, aber auch die Probleme der anderen zwei fesselten mich. Insgesamt waren alle drei - in Ermangelung eines passenden deutschen Wortes - relatable und neben den tollen Twists das Highlight des Buches.

Wer also Lust hat, einen spannenden Roman mit sympathischen Protagonisten zu lesen, ist hier bestens bedient; für mich war der Roman mindestens genauso gut wie "One of Us is Lying"!

– Thalamus
 448 Seiten

Das eigentliche Thema dieses Romans ist ein Spoiler, weshalb ich stattdessen die Grundlagen schildern will: Nach einem schweren Unfall und einem Schädelhirntrauma wird Timo in eine spezielle Klinik eingewiesen, in der er lernen soll, wieder mit seinem Körper umzugehen. Besonders beschädigt ist bei ihm das Sprachzentrum. Das wird bald zum Problem, als seltsame Dinge passieren: Timos Zimmerkollege Magnus, der tagsüber kaum mehr tun kann als abwesend auf seinem Bett zu sitzen, wandert nachts durch die Gänge der Klinik und bedroht Timo. Und Timo selbst beginnt bald, Fähigkeiten zu entwickeln, die er nicht haben sollte - und er hat keine Möglichkeit, sich jemandem verständlich zu machen.

Auf eindringliche Weise schildert Ursula Poznanski das Leben vor allem körperlich Eingeschränkter: ihre Frustration, ihre Hoffnung, ihre Verzweiflung und ihre Fortschritte. Gleichzeitig verwebt sie eine fortlaufende Spannung in ihrem Roman, die durch die seltsamen Geschehnisse stets präsent bleibt. Es war leicht, sich in die Handlung fallen zu lassen und mit den Charakteren mitzufühlen; mir sind Timo, Carl, Mona und die anderen Patienten schnell ans Herz gewachsen und ich habe angespannt verfolgt, ob es ihnen gelingt, die Rätsel der Klinik zu lösen.

Ein paar kleine Längen hat der Roman durchaus und das Ende war imho nicht ganz realistisch, aber das hat meiner Lesefreude keinen Abbruch getan. Zusammen mit "Aquila", das ich bereits vor längerer Zeit las, gehört "Thalamus" nun zu meinen liebsten Romanen aus Ursula Poznanskis Feder. Meiner Meinung nach sehr empfehlenswert!