Bücherregal lädt …
– Cryptos
 443 Seiten

Jana ist eine erfolgreiche Weltendesignerin, doch ausgerechnet in ihrer friedlichsten Welt Kerrybrook geschieht ein mysteriöser Mord – und zwar ein echter, was in den virtuellen Welten gar nicht möglich sein sollte. Um den Mord aufzuklären, sucht Jana in den verschiedenen Welten nach Hinweisen, worauf sie immer wieder auf das Motiv einer aufgespießten Taube stößt. Als sie die Welten verlassen will, stellt sie mit Schrecken fest, dass das nicht möglich ist, und erfährt zudem, dass ein Tod in einer der Welten für sie final wäre …

Ich habe Cryptos bereits vor sechs Jahren gelesen, doch zum Erscheinen des zweiten Bandes wollte ich mein Wissen auffrischen, weil ich zwar noch vieles in Erinnerung hatte, aber einiges nicht mehr und deshalb sicher gehen wollte. (Außerdem hatte ich ohnehin Lust, das Buch wieder zu lesen.) Es war wieder ein spaßiges Lesevergnügen, durchaus mit ein, zwei Kritikpunkten, aber sowohl unterhaltsam als auch zum Nachdenken anregend.

Damals liebte ich vor allem die verschiedenen Welten und tue es immer noch, weshalb mir vor allem die erste Hälfte des Romans sehr gut gefällt, in der Jana durch diese verschiedenen Welten reist. Was mir aber bei diesem Re-Read sehr positiv aufgefallen ist, sind die vielen subtilen Hinweise darauf, wie schlimm es in der realen Welt ist. All diese Hinweise habe ich beim ersten Mal definitiv überlesen, weshalb es umso interessanter war, sie bei diesem Re-Read zu entdecken. Vor allem die Art und Weise, wie sie nebenbei eingebaut wurden und Jana am liebsten auch ihre Zeit nur in virtuellen Welten verbringen würde, fand ich großartig, weil es leicht war, sich in sie hineinzuversetzen und die vielen kleinen Kommentare zur realen Welt zu ignorieren. Das machte die Geschichte auf erschreckende Weise noch realer.

Janas Romanze mit Tivon fand ich leider nicht besonders überzeugend, weil ich nur freundschaftliche Chemie zwischen ihnen spürte, weshalb ich ihren besten Freund Matisse und ihren Bruder Monty lieber mochte, obwohl sie nur wenig Screentime hatten. Tivon als Charakter war immer noch gut, aber die Romanze hätte meiner Meinung nach mehr Szenen gebraucht.

Zu den Dingen, die ich nicht mehr in Erinnerung hatte, gehörte das Ende – und das aus gutem Grund, weil es sehr offen und überhaupt nicht zufriedenstellend war. Umso froher bin ich, dass es eine Fortsetzung gibt, die die offenen Handlungsstränge hoffentlich auf gute Weise abschließen wird!

– Reap & Sow – Dämonenpakt
 528 Seiten

Eda und ihre Brüder sind dazu gezwungen, für Mr. Night, einen an sie gebundenen Dämon, Paktlinge zu finden, die ihm gegen die Erfüllung eines Wunsches einen Teil ihrer Lebenszeit geben. Kurz vor Ablauf der Frist fehlt nur noch ein Pakt von zehn Jahren, um sich endgültig von ihm zu befreien, doch in dem Versuch, einen willigen Paktling zu finden, wird Eda hereingelegt und ihre Brüder gefangen genommen. Um sie zu retten, erbittet Eda die Hilfe des Dämons Kit’rath, dem sie dafür einen Großteil ihrer Lebenszeit gibt. Zusammen müssen sie einen Weg finden, ihre Brüder zu retten, ihren Pakt mit Mr. Night rechtzeitig aufzulösen und dabei einen korrupten Bischof zu entblößen. Und als wäre das noch nicht genug, wird Kit Eda unfreiwillig immer sympathischer …

Diese Fantasyromanze hat mich positiv überrascht, weil ich zwar schon viele gelesen habe, diese aber durch ihren flüssigen Schreibstil, ihre spannende Handlung und vor allem durch ihre fantastische Romanze stark hervorsticht. Schon gleich am Anfang mochte ich es, wie angenehm sich der Schreibstil las, mit einem gewissen Suchtpotenzial, das zum Weiterlesen antreibt; der Text fließt gut dahin und machte es leicht, in der Geschichte zu versinken.

Auch die Handlung bzw. die verschiedenen Handlungsaspekte gefielen mir sehr, wobei die größte Stärke allerdings die Romanze ist: Eda und Kit haben eine absolut fantastische Chemie miteinander, die durch humorige Schlagabtäusche, intime Gespräche und schöne Momente perfekt demonstriert wird. Ihre wachsenden Gefühle füreinander entwickeln sich auf realistische Weise und es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, den beiden dabei zuzuschauen, wie sie sich langsam, aber sicher ineinander verlieben. Hier hilft es auch, dass beide sehr sympathische Charakter waren; auch wenn ich mir wünschte, dass Eda im Buch etwas mehr Action bekommen hätte, lässt sich nicht leugnen, dass ihr Charakter im Allgemeinen sehr einnehmend war.

Auch Robin, die Alchemistin, die Kit hilft, mochte ich sehr, hätte aber gerne noch mehr von den anderen Nebencharakteren gesehen; dadurch, dass der Fokus so stark auf Edas und Kits Romanze liegt, profitiert diese zwar enorm davon, lässt andere Charaktere und Beziehungen dafür aber schwächer aussehen, als sie es tatsächlich sind. So fand ich Ben und Lawrie, Edas Brüder, zwar sehr sympathisch, aber sie hatten nicht ganz so viel Screentime, wie ich es mir erhofft hatte. Dasselbe gilt für andere Nebencharaktere, z.B. die Kommandantin Tenelle, über die ich gerne noch mehr gelesen hätte; all diese Charaktere haben zwar genug Zeit, um einen Eindruck zu hinterlassen, aber nicht genug, um sie tatsächlich lieb zu gewinnen. Gleichzeitig bin ich trotzdem froh, dass sie es dafür erlaubten, mich ganz in die Romanze fallen zu lassen, da ich mir sicher bin, dass das bei mehr Screentime für die Nebencharaktere nicht möglich gewesen wäre.

Die Geschichte bleibt stets spannend, obwohl es keine richtigen Twists gibt, sondern eher Andeutungen auf welche, die im zweiten Band offenbart werden könnten. Wobei ich sagen muss, dass sich dieser Band sehr komplett las; die Handlung, um die es geht, wird zufriedenstellend abgeschlossen und lässt sich problemlos als Einzelband lesen, weil das Ende kein Cliffhanger ist, sondern eher ein Versprechen auf ein anderes Abenteuer.

Insgesamt eine sehr gute Empfehlung für Romantasy-Fans, die mir großen Spaß gemacht hat!

– Wellness
 704 Seiten

Am Anfang beobachten Jack und Elizabeth sich nur durch ihr jeweiliges Fenster, ohne Kontakt aufzunehmen. Es scheint, als würden sie sich stets verpassen, sogar gar nicht füreinander geeignet zu sein – Jack ist ein mittelloser Fotograf, Elizabeth eine aus einem reichen Haus stammende Psychologiestudentin. Doch trotzdem werden sie ein Paar, heiraten, bekommen einen Sohn – und stellen irgendwann fest, dass ihre Ehe feststeckt. Sie wissen nicht, warum, oder wie sie ihre Ehe retten könnten. Denn zunächst müssen sie ihre eigenen Probleme bewältigen, die gewaltiger und tiefer sind, als ihr Partner je ahnen könnte …

Die Kurzbeschreibung beschreibt leider nicht mal ansatzweise, worum es in diesem Roman geht, denn er beleuchtet so viele Themen, dass es schwer ist, ihn akkurat zusammenzufassen. Natürlich sind Liebe und Ehe wichtige Themen, aber daneben spielen noch Familiengeschichten, Trauma, der Placebo-Effekt, Lebensverbesserungen und Perfektionismus, der Horror der Kindererziehung, Kunst, Verschwörungstheorien, Denkfehler, nicht-monogame Liebesbeziehungen, Selbstbetrug und noch so viel mehr eine Rolle. Ich war aufrichtig beeindruckt davon, wie viel Nathan Hill in diesen Roman gepackt hat – und noch dazu auf eine Weise, die alle Themen hervorragend miteinander verbindet, sodass sie niemals wie zu viel wirken, sondern wie eine natürliche Erweiterung der bisherigen Themen.

Aber nicht nur das: Das Foreshadowing bezüglich Elizabeths und Jacks Vergangenheiten war meisterhaft umgesetzt. Während des ganzen Romans werden mehrmals schlichte Fakten erwähnt, die ich als Leserin als gegeben annahm, ohne sie weiter zu hinterfragen; ich sah in ihnen schlicht zusätzliche Informationen zu den Hauptcharakteren und in der Regel nicht mehr. Aber dann hat Nathan Hill diese Fakten in einen anderen Kontext gesetzt, sehr viel weiter vertieft und Verbindungen zu anderen, scheinbar nicht zusammenhängenden Informationen geschaffen. Und obwohl er es schaffte, das während des ganzen Romans zu tun und mich immer wieder zu überraschen, rechnete ich trotzdem nie damit, wenn es wieder geschah. Die gesamte Geschichte von Jack und Elizabeth zu erleben, war eine Erfahrung, die mich nachhaltig beeindruckte!

Das machte es leicht, mit beiden Charakteren gleichwertig mitzufiebern, während sie ihre Probleme in verschiedenen Lebensphasen konfrontieren. Ich hatte zunächst befürchtet, dass ich mich nur für einen der beiden interessieren würde, aber letztendlich konnte ich mich mühelos in beide Charaktere hineinversetzen. Wirklich ein großes Lob an Nathan Hill dafür, wie er die Geschichte der beiden beschrieb!

Sogar einige Nebencharaktere bekommen überraschend Tiefe, doch der Fokus liegt definitiv auf Jack und Elizabeth selbst. Das ist vermutlich meine einzige Kritik: Es gibt Handlungsstränge bezüglich der Nebencharaktere, die nicht komplett aufgelöst werden (bzw. bei denen ich mir mehr gewünscht hätte) und auch kurzzeitige Obsessionen, die Elizabeth und Jack haben, die letztendlich keine Rolle für die eigentliche Handlung spielen. Im Vergleich zu der fantastisch konstruierten Handlung ist das aber eine vergleichsweise kleine Kritik, denn ich hatte selten einen Roman, von dem ich so beeindruckt war wie von diesem. Eine Rundum-Empfehlung für alle, die großartig konstruierte Geschichten lieben!

– Waschbären, die im Dunkeln leuchten
 224 Seiten

Nachdem ich „Geister, die ihre Rezepte teilen“ vor kurzem gelesen hatte, war ich interessiert, welche skurrilen Persönlichkeiten in „Waschbären, die im Dunkeln leuchten“ vorgestellt würden. Wieder habe ich die Lektüre vor allem als Inspiration benutzt, fand aber tatsächlich so einige Einträge, die mich davon abgesehen fasziniert haben.

Ob es nun eine Wissenschaftlerin ist, die in ihrem Namen das Heilmittel findet, das sie sucht, der verstorbene John Lennon, der sich in einer rückwärts abgespielten Zeile vorstellt, Pflanzen, die einen Täter erkennen oder ein Astronaut, der eine Botschaft zur Erde senden will: Die Welt ist voller Kuriositäten, seltsamer Zufälle und vor allem voller Personen, die sich ihnen widmen. Ohne ihre Ideen wären viele tatsächlich wissenschaftliche Dinge nicht oder zumindest nicht so schnell entdeckt worden, aber gleichzeitig haben diese Menschen auch viele Dinge vertreten, die für den Großteil der Menschen bestenfalls unglaubwürdig und schlimmstenfalls verrückt klingen. Ich war tatsächlich überrascht davon, wie viele renommierte Persönlichkeit komplett unwahrscheinlichen Theorien anhingen, die teilweise selbst für die Zeit, in der sie lebten, ungewöhnlich waren.

Insofern stellt dieses Sachbuch natürlich kein Wissen vor, aber dafür viele überrascht interessante Sichtweisen. Als rationaler Mensch konnte ich zwar nicht ganz verstehen, wie man so überzeugt davon sein kann, dass Delfine Englisch sprechen können, aber andererseits gab es durchaus Theorien, bei denen ich zumindest nachvollziehen konnte, warum man sie (den Umständen geschuldet) glauben könnte.

Insgesamt eine kurzweilige Lektüre für alle, die „nutzloses“ Wissen mögen – oder allgemein nach Inspiration suchen!

– Geister, die ihre Rezepte teilen
 224 Seiten

Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist manchmal sehr dünn, was Dan Schreiber in seiner humorvollen Sammlung „Geister, die ihre Rezepte teilen“ gut zeigt. Ob es nun um Medien geht, die im Namen toter Autoren deren Romane schreiben, Verschwörungstheorien um den Untergang der Titanic, Gedanken über das Leben im Universum oder Nostradamus’ Prophezeiungen: Zu allen Zeiten haben verschiedene Menschen an verschiedene, heutzutage absurde Theorien geglaubt, die ihnen manchmal sogar dabei halfen, wissenschaftliche Tatsachen aufzudecken.

Wichtig dabei ist zu wissen, dass diese absurden Theorien genau das sind: Absurd. Was Dan Schreiber in seiner Einleitung betont, ist, dass er über keine Tatsachen berichtet, sondern über die (für uns offensichtlich falschen) Vorstellungen früherer Zeiten. Was dabei faszinierend war, ist, wie wahrscheinlich gewisse Erklärungen aus der Perspektive von jemanden, der es nicht besser wusste, klangen. Natürlich klangen bei weitem nicht alle Ideen logisch, aber teilweise konnte ich schon verstehen, warum man an manche geglaubt hat.

Das Sachbuch bietet eine lockere Lektüre für zwischendurch, die kurz und bündig über alle möglichen Kuriositäten berichtet. Für mich war sie zusätzlich eine Inspiration für Geschichtsideen, weil es überraschend viel Spaß macht, sich zu überlegen, wie eine Welt aussehen würde, in der unmögliche Sachen möglich sind.

Dennoch möchte ich betonen, dass man wissen sollte, worauf man sich einlässt. Das ist kein Sachbuch, das die Vorstellungen über die Jahrhunderte und Jahrzehnte hinweg ausführlich beleuchtet, sondern sich spezielle aussucht, kurz vorstellt und gleich zum nächsten Punkt übergeht. Sehr gut für kurzweilige Lektüren, worauf ich gerade große Lust hatte, aber nicht unbedingt für alles andere. Trotzdem habe ich Interesse daran, das andere Buch des Autors über seltsame Glaubensvorstellungen zu lesen, einfach, weil die Lektüre Spaß gemacht hat!

& – Fake Facts: Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen
 353 Seiten

Verschwörungen haben in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, obwohl sie selten mehr als aus Gerüchten und Lügen bestehen. Katharina Nocun und Pia Lamberty untersuchen in diesem Sachbuch, wie Verschwörungen entstehen, welche berühmten Verschwörungen es gibt und was man tun kann, um nicht in ihren Sog eingefangen zu werden.

Es war wirklich erschreckend, zu lesen, welche absurden Verschwörungen tatsächlich geglaubt werden. Die meisten waren menschenfeindlich und so offensichtlich falsch, dass ich kaum glauben konnte, dass es so viele Menschen gibt, die sie nicht näher hinterfragen. Klar, auf den ersten Blick ist es durchaus spaßig, sich über Verschwörungen zu informieren, aber die beiden Autorinnen zeigen gut auf, dass es in der Regel nicht beim Spaß bleibt.

Das einzige, was ich ein wenig kritisch fand, war der Appell der Autorinnen, bei Anekdoten-Erzählungen vorsichtig zu sein – denn, nun ja, sie selbst erzählen während dieses Sachbuchs auch viele Anekdoten, die nicht unbedingt für das größere Bild stehen. Hier hätte ich stärker verdeutlicht, welche Art von Anekdoten kritischer zu beleuchten sind und welche nicht. Denn natürlich braucht man Beispiele, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, aber es ist genauso wichtig, darüber hinaus Faktenwissen zu haben und bei Umgang mit Verschwörungen die richtigen Fragen zu stellen. (Was die Autorinnen zum Glück tun, sollte das nicht klar geworden sein.)

Insgesamt gelingt es den Autorinnen letztendlich, aufzuzeigen, warum man Verschwörungen kritischer betrachten sollte und wie gefährlich es sein kann, wenn man es nicht tut. Gerade für diejenigen, die sich im „unsicheren“ Spektrum befinden, was den Glauben daran angeht, sollte die Lektüre Augen öffnend sein. Aber auch für diejenigen, die längst wissen, dass Verschwörungen nicht zu trauen ist, bietet dieses Sachbuch fundiertes Wissen darüber, wie sie überhaupt entstanden sind – und wie sie unsere Gesellschaft beeinflussen.

– Kingdoms of Smoke - Die Verschwörung von Brigant
 544 Seiten

Catherine, die Prinzessin von Brigant, soll mit einem Mann verlobt werden, den sie noch nie getroffen hat. Ambrose, ihr Leibwächter, der heimlich in sie verliebt ist, muss aus dem Land fliehen, weil der König von Brigant ihn töten lassen will. Der Diener March, dessen gesamtes Volk ermordet wurde, will sich an seinem König rächen, indem er dessen illegitimen Sohn dem Feind übergibt. Edyon, der dieser illegitime Sohn ist, muss sich mit den Konsequenzen seiner Vergangenheit und seiner Zukunft auseinandersetzen. Und Tash, einer jungen Dämonenjägerin, gelingt es, eine ungewöhnliche Form von Dämonenrauch mit speziellen Kräften einzufangen. Alle fünf Charaktere spielen eine tragende Rolle im kommenden Krieg, doch sie müssen vorsichtig sein, sich bei ihren Entscheidungen nicht gegenseitig im Weg zu stehen …

Ein bisschen dauert es schon, bis die Geschichte in Fahrt kommt, weil wir erst einmal vier der Charaktere kennenlernen, bevor die Handlung mit der Einführung des fünften Charakters an Geschwindigkeit zulegt. Da ich das bei Büchern mit mehreren Sichtcharakteren durchaus gewöhnt bin, machte mir das persönlich nichts aus, auch wenn ich durchaus verstehen kann, wenn jemandem die Handlung am Anfang zu langsam ist.

Dafür glänzt die Geschichte umso mehr mit seinen Charakteren. Catherine war einfach wunderbar und hat es problemlos geschafft, sich in mein Herz zu schleichen. Ambrose war ein wenig blasser, aber trotzdem sympathisch. March hat mich mit seiner Zerrissenheit zwischen seinen Plänen und seiner Beziehung zu Edyon sehr angesprochen. Edyon war unglaublich charmant und neben Catherine mein liebster Protagonist. Und Tash war einfach cool, auch wenn ich eher in ihre Beziehung zu ihrer Vaterfigur Gravell als in ihren Plot allgemein investiert war. Der Cast an Hauptcharakteren hat es also definitiv geschafft, mich zu überzeugen.

Was die Nebenfiguren angeht, mochte ich neben dem erwähnten Gravell auch Catherines Verlobten Tzsayn sehr, wobei ich hier positiv erwähnen möchte, dass das potentielle Liebesdreieck zwischen Catherine, Ambrose und Tzsayn sogar eines war, das mir durchaus gefiel, weil alle drei Charaktere so sympathisch waren. Hier hat es auch geholfen, dass das Dreieck eher eine Nebenhandlung war und die drei Charaktere sich nicht allein dadurch definiert haben. Das wahre Highlight war aber immer noch die aufblühende Beziehung zwischen Edyon und March; ich freue mich schon darauf, herauszufinden, wie sie sich weiterentwickelt!

Insgesamt also ein lesenswerter Auftakt der Trilogie, der zwar ein bisschen durch seinen langsamen Anfang leidet, es ansonsten aber schafft, gute Hauptcharaktere mit guten Storys zu verknüpfen. Auf geht’s zum zweiten Teil!

– Shelter
 432 Seiten

Auf einer Party kommt Benny und seinen Freunden Darya, Liv, Nando und Till eine gewagte Idee: Um zu zeigen, wie leichtgläubig ein paar ihrer Kommilitonen sind (und um Liv bei ihrer Bachelorarbeit zu helfen), denken sie sich eine abstruse Verschwörungstheorie aus, in der sie behaupten, Aliens hätten sich auf der Erde niedergelassen und gewisse Menschen als „Shelter“ benutzt. Fleißig bringen sie überall in der Stadt Graffiti an, einen Doppelmond, der schnell als „OC“ im Internet kursiert. Überrascht stellen sie fest, dass es Menschen gibt, die ihnen glauben. Doch als ein User namens Octavio ihre Verschwörungstheorie kapert und auf eigene Weise weiterspinnt, geraten Benny und seine Freunde bald selbst in Gefahr …

Zugegeben: Die Grundlage dieses Romans ist tatsächlich ein bisschen unglaubwürdig. Zwar recherchieren Benny und co., was eine gute Verschwörungstheorie ausmacht, aber allein, dass sie nachts in der Stadt unterwegs sind, um ihr Symbol an öffentlichen Plätzen anzubringen, kam mir unglaubwürdig vor, weil es sehr viel Aufwand für etwas ist, das sie selbst als Spaß ansehen. Sieht man über diesen anfänglichen Stolperstein allerdings hinweg, finden wir einen weiteren tollen Poznanski-Thriller, der es hervorragend schafft, einem selbst Verfolgungswahn zu bescheren.

Ich war positiv überrascht darüber, wie Ursula Poznanski die Verschwörungstheorie gehandhabt hat. Zwar gibt es so einige leichtgläubige Leute, die auf Benny und co. hereinfallen, doch ernten sie auch gehörige Kritik und Ungläubigkeit, was ich nur angemessen fand. Selbst, als die Theorie immer verbreiteter wird, merkt man, dass es letztendlich eine Minderzahl ist, die ihr Glauben schenkt. Gleichzeitig werden die potentiellen Gefahren und Konsequenzen einer solchen Theorie sehr gut beleuchtet, sodass man einen guten Eindruck davon bekommt, wie sehr alles aus dem Ruder laufen kann, wenn genug Leute hinter einer gewagten Theorie stehen.

Wie erwähnt kommt der Verfolgungswahn der Charaktere sehr gut heraus, sodass ich zusammen mit den Charakteren oft Panik (sowohl nötige als auch unnötige) geschoben habe, weil ich niemandem mehr trauen wollte. Nur andere Spannungsaspekte haben mir ein wenig gefehlt; zwar muss Benny neben seinem wachsenden Verfolgungswahn auch mit seinen verschwindenden Freunden fertig werden, doch hätte seine Angst um sie deutlicher hervorgehoben werden können.

Dafür ist Benny an sich ein wunderbarer Protagonist, den ich schnell lieb gewonnen und mit dem ich gerne mitgefiebert habe. Wie viele Protagonisten hat auch er ein Trauma hinter sich, das nach und nach aufgedeckt wird, doch wird er nicht durch sein Trauma definiert, sondern hat davon abgesehen eine sympathische Persönlichkeit. Hervorheben möchte ich seinen Job und sein Studium: Als Schauspielstudent übt Benny während des Romans mehrmals verschiedene Monologe, hat aber auch einen Job als Barista, wo es seine Spezialität ist, aus Kaffeeschaum coole Formen zu machen. Speziell, wie Bennys Schauspielerei letztendlich in die Haupthandlung eingewoben wurde, war einfach großartig, aber davon abgesehen war es so erfrischend, einen Hauptcharakter zu sehen, der neben der eigentlichen Handlung ein Leben hat. Viel zu oft stolperte ich über Protagonisten, deren Hobbys entweder nicht existent, nicht relevant oder ein bisschen zu passend für die Handlung waren (im Sinne von „Protagonist*in hat Hobby nicht, weil er oder sie es mag, sondern, weil es später nützlich wird“). Ursula Poznanski jedoch hat die perfekte Mischung gefunden und mich damit sehr begeistert!

Die Nebencharaktere treten dafür leider in den Hintergrund; sowohl Darya als auch Till verschwinden im Verlauf der Handlung für längere Zeit, während Liv und Nando zwar mehr Screentime bekommen, jedoch mitnichten so viel Charaktertiefe wie Benny haben. Tatsächlich gibt es neben Benny nur einen Charakter, der Tiefe und Dreidimensionalität zeigt: Octavio, sein Widersacher. Ich war während des Lesens fest davon überzeugt, dass es sich bei ihm um einen Charakter aus Bennys Vergangenheit handeln würde, aber die Lösung, die Ursula Poznanski letztendlich fand, war zum Glück kreativer und passte viel besser zum Thema des Romans. Auch dafür Hut ab!

Insgesamt hat mir dieser Thriller sehr gut gefallen, seine einzige Schwachstelle sehe ich im Spannungsaufbau, der mehr Aspekte stärker hätte hervorheben sollen. Davon abgesehen hat Ursula Poznanski es wieder geschafft, einen wunderbaren Jugendroman zu schreiben!

– Tale of Magic: Die Legende der Magie 2 – Eine dunkle Verschwörung
 336 Seiten

Als Gute Fee gibt Brystal sich Mühe, den Menschen im Land zu helfen, was sich schnell als eine Verantwortung entpuppt, der sie sich nicht gewachsen fühlt. Eine fremde Stimme in ihrem Kopf lässt ihre Zweifel wachsen. Sie zerstreitet sich mit ihrer Freundin Lucy, die durch mehrere Umstände an die neue Ravencrest-Schule für Hexenkunst kommt. Und die Rückkehr der sogenannten Drei-Dreiunddreißig, die es auf Brystal abgesehen haben, sorgt für zusätzlichen Ärger …

Im zweiten Teil der „Tale of Magic“-Reihe bekommen wir vor allem einen Einblick in Brystals und Lucys Seelenleben, weil beide durch ihren Streit zwar immer noch dasselbe Ziel verfolgen, aber unterschiedliche Wege gehen, um es zu erreichen. Lucy wird dabei durch ihre Gabe, Ärger anzuziehen, gelenkt, während Brystal sich von der Stimme beeinflussen lässt, die ihr Zweifel ins Ohr flüstert.

Von anderen Charakteren wie Brystals Familie (die mich besonders interessierte), den anderen Mitgliedern im Rat und den Schülern an der Ravencrest-Schule bekommen wir zwar auch einen Einblick, aber insgesamt fokussiert die Geschichte sich eindeutig auf Brystal und Lucy. Das fand ich einerseits gut, weil wir beide Charaktere so noch besser kennengelernt haben, andererseits aber schade, weil die Nebencharaktere bereits im ersten Band relativ blass waren und hier im zweiten Band leider nicht die Gelegenheit bekamen, mehr Charakter zu zeigen.

Überraschenderweise wirkt sich die eindimensionale Charakterisierung sogar auf den Antagonisten aus, was mich überraschte, weil der Antagonist im ersten Band ein Charakter mit Tiefe war. Der Antagonist hier ist nach der Offenbarung seiner wahren Identität leider nichts weiter als ein eindimensionaler Bösewicht, den es zu bekämpfen gilt. Hier hätte es mir besser gefallen, wären alle Charakterzüge, die der Antagonist gezeigt hat, tatsächlich ein Teil von ihm gewesen, weil ihm das die nötige Tiefe verliehen hätte.

Sehr gut dafür hat mir die eigentliche Handlung und die Botschaft der Geschichte gefallen. Abwechselnd Brystals und Lucys Sichtweise zu verfolgen, hat dem Roman genug Abwechslung gegeben und das Ende, das betont, wie wichtig es ist, sich nicht von Selbstzweifeln plagen zu lassen, sondern Hoffnung zu bewahren, war sehr schön und hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Insofern ist meine Hoffnung für den dritten Band, dass er speziell den Nebencharakteren mehr Tiefe gibt, weil das bisher mein einziger Kritikpunkt der Reihe ist. Denn sowohl der fesselnde Schreibstil, als auch die liebenswerten Hauptcharaktere als auch die gut entworfene Handlung haben mich begeistert – nur von den Nebencharakteren und dem Antagonisten hätte ich mir mehr erhofft.

Trotz dieses Makels bleibt der zweite Teil ein schönes Leseerlebnis, das mich gespannt auf den dritten Teil macht!