& Erzählende Affen
528 Seiten

Geschichten beeinflussen unser Leben. Solange sie gut erzählt sind, ignorieren wir gerne die Wahrheit und leben stattdessen in unserer bequemen, angenehmen Welt. In ihrem Sachbuch beschreiben Samira El Ouassil und Friedemann Karig, wie uns das Erzählen bereits in unserer frühesten Vergangenheit beeinflusst hat, wie mächtig selbst einzelne Wörter sind und wie (Lügen-)Geschichten bis heute unsere Gesellschaft prägen.

Obwohl mir natürlich schon bekannt war, wie einflussreich Geschichten sind, war es faszinierend, anhand der zahlreichen Beispiele zu lesen, wie sehr sie tatsächlich mit unserem innersten Wesen verknüpft sind, wie leicht es uns fällt, sie zu erschaffen und ihnen zu glauben. Selbst, wenn man sich in diesem Bereich gut auskennt, ist es schockierend, wie viel Schaden eine einzige Lügengeschichte anrichten kann. Viele von ihnen haben sich über hunderte, gar tausende von Jahren gehalten (Rassismus, Sexismus) und selbst junge Lügen halten sich oft hartnäckig, selbst, wenn es Leute gibt, die gegen sie kämpfen.

Deswegen war die Lektüre eine sehr ernste, oft harte Kost, die sich aber immer noch sehr interessant las; nur bei den letzten zwei Kapiteln wurde mir ein wenig langweilig, die übrigen zehn waren dagegen umso packender. Das hängt auch mit privaten Interessen zusammen, sodass andere Leser*innen sicher ihre eigenen Favoriten finden werden.

Insgesamt war es sehr verständlich, warum dieses Buch für den Sachbuchpreis nominiert wurde; es behandelt etwas, das uns seit Menschengedenken beeinflusst und bis an unser Ende beeinflussen wird: Die Macht der Worte.

Atlas der ausgestorbenen Länder
238 Seiten

Im „Atlas der ausgestorbenen Länder“ beschreibt Gideon Defoe in kurzen Kapiteln auf humorvolle Weise, wie es dazu kam, dass 48 verschiedene Länder nicht mehr existieren. Den Untertitel „Länder, die von der Landkarte verschwunden sind“ fand ich dabei ein wenig irreführend, weil es zwar keines der Länder mehr gibt, aber ihre Territorien durchaus existieren. Das soll hier aber nur eine minimale Kritik sein, zumal es darauf ankommt, wie genau man den Untertitel versteht.

Die Kapitel waren kurz und knackig und vor allem sehr, sehr humorvoll. Gideon Defoes Stil war sehr spaßig zu lesen und seine Fußnoten, die auf fast jeder Seite zu finden sind, waren sogar noch erheiternder. Er benutzt dabei moderne Ausdrücke und Formulierungen, was hervorragend zum Buch gepasst hat und es es leicht machte, zu verstehen, was genau mit den jeweiligen Ländern passiert ist.

Die einzige Kritik ist wohl, dass die Kapitel so kurzweilig sind, dass mir letztendlich nur wenige in Erinnerung blieben – das Buch war sowohl humorvoll als auch wissenswert, doch sollte man auch aufgrund der Kürze nicht erwarten, dass es einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Für ein paar angenehme Lesestunden reicht es aber allemal aus!

Vom Erzählen
206 Seiten

Was ist eine Erzählung?

Mit dieser Frage beschäftigt sich der im November 2021 verstorbene Hermann Bausinger in seinem Buch „Vom Erzählen“. Dabei geht er vor allem auf Alltagserzählungen ein (z.B. Anekdoten, die man sich bei einem gemütlichen Gespräch erzählt), stellt den Unterschied zwischen Märchen und Lügen klar und geht auch auf Witze ein, die eine Art Mini-Erzählung darstellen.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt, wobei Teil 1 („Erzählen im Alltag“) sich zunächst mühsam las, weil mir ein paar Fremdwörter am Anfang die Leselust raubten; doch Teil 2 („Traditionsbestand: Erzählmuster“) und 3 („Sprache – Starthilfe und Stilbestimmung“) gefielen mir dafür umso mehr. In diesen Teilen geht Hermann Bausinger auch auf meine persönlich liebsten Themen ein, Märchen und Witze, deren Erzählgehalt er anhand zahlreicher Beispiele bildlich aufzeigt. Hier machte mir das Lesen sehr viel Spaß, wobei auch die anderen in diesen Teilen besprochenen Themen (wie z.B. die Zählgeschichten) mein Interesse weckten.

Wer das Buch also anfängt und sich wie ich zunächst abgeschreckt fühlt, sollte meiner Meinung nach auf jeden Fall weiterlesen, weil die richtig interessanten Themen früh genug starten; die Kürze der Kapitel macht es glücklicherweise einfach, auch die anfänglichen, teils schwieriger zu lesenden Kapitel hinter sich zu bringen.

Ein kurzes und knackiges Sachbuch, das mich gelehrt hat, die Erzählungen des Alltags zu schätzen zu wissen!

& Der Hund, der Eier legt
320 Seiten

„Der Hund, der Eier legt“ hat mich durch seinen Titel und seinen Untertitel („Erkennen von Fehlinformationen durch Querdenken“) schnell angesprochen, doch während ich das Sachbuch letztendlich sehr interessant fand, entsprach es nicht ganz den Erwartungen, die ich an es gesetzt hatte.

Titel und Untertitel suggerieren, dass es sich um ein locker zu lesendes Sachbuch handelt, das einen über Irrtümer aufklärt und Wege anbietet, sie zu erkennen. Und während es technisch gesehen genau das tut, ist es um einiges naturwissenschaftlicher und mathematischer aufgebaut, als es den Anschein hat. Statistiken spielen eine zentrale Rolle und werden von den Autoren fleißig berechnet und erklärt. Das war teilweise sehr mühsam zu lesen, weil mich die genauen Zahlen weit weniger interessiert haben als Strategien, ihre Fehlinformationen anhand anderer Kriterien zu erkennen. Allein deshalb würde ich dieses Sachbuch wirklich nur denjenigen empfehlen, die ein wenig in die Tiefe gehen wollen, was verschiedene Beispiele der manipulativen Zahlenverdrehung betrifft.

Darunter gibt es auch viele bekannte Beispiele, die Rolf Dobelli später in „Die Kunst des klaren Denkens/klugen Handelns/guten Lebens“ ebenfalls aufgeführt hat. Es war interessant, hier eine der Ursprungsquellen zu sehen, weil hier nicht nur die Beispiele selbst, sondern auch Grafiken und Tabellen zum näheren Verständnis abgebildet sind.

Das einzige Thema, das ich mit kritischen Augen betrachtete, war die Aussage der Autoren, globale Erwärmung würde nicht existieren und der Treibhauseffekt unterläge fälschlichen Annahmen. Natürlich gibt es auch dazu Grafiken, die das belegen sollen, doch ausgerechnet diese waren nicht besonders überzeugend. Von den Thesen, die die Autoren aufstellen, ist diese hier definitiv die gewagteste, alle anderen bewegen sich im Rahmen des Nachvollziehbaren.

Positiv zu erwähnen, sind die vielen praktischen Übungen, die man selbst als Leser durchführen kann, um zu überprüfen, ob die Autoren mit ihren Hypothesen richtig liegen. Hier sollte man am besten ein paar Würfel griffbereit haben.

Insgesamt ist mir dieses Sachbuch zu mathematisch geworden, was allerdings nichts daran ändert, dass es trotzdem wertvolle Erkenntnisse lieferte, die sich zu einem bemerkenswerten Teil direkt praktisch testen ließen.

Die Kunst des digitalen Lebens
246 Seiten

In „Die Kunst des digitalen Lebens“ listet Rolf Dobelli mehrere Argumente dafür auf, warum man auf News verzichten sollte. Als jemand, der selbst kaum News konsumiert, bestärkte er mich damit in meinem Entschluss, das weiter so zu halten (und allgemein den Konsum Sozialer Medien einzuschränken).

Einige der Argumente, die er anbrachte, nutzte ich bereits selbst (vor allem, dass News im Grunde Zeitverschwendung sind, die für das eigene Leben nichts nützen), aber davon abgesehen gab es noch viele, viele weitere gute Gründe, auf News zu verzichten, die mir bisher gar nicht so bewusst waren und die nur umso mehr verdeutlichten, wie schädlich News und wie viel besser lange, ausführliche Artikel zu einem Thema sind.

Insofern war die Lektüre für mich vielleicht nicht unbedingt notwendig, aber dennoch sehr bereichernd, wenn es darum geht, meinen News-Verzicht vor anderen zu verteidigen. Ob News-Junkies sich von Dobellis Argumenten überzeugen lassen, ist dagegen schwerer zu sagen – schließlich gehört es zu unseren Denkfehlern, konsequent alles auszublenden, was gegen die eigene Meinung spricht.

An der Qualität seiner Argumente ändert das natürlich nichts, weshalb ich letztendlich eine Leseempfehlung ausspreche – sowohl an diejenigen, die bereits auf News verzichten (weil es gut ist, sich regelmäßig in Erinnerung zu rufen, warum man es tut) als auch an diejenigen, die diesen Weg erst noch beschreiten müssen. Ich hoffe, es funktioniert.

Die Kunst des klugen Handelns (Neuausgabe)
393 Seiten

Auch "Die Kunst des klugen Handelns" hat eine Neuausgabe mit einem Workbook bekommen, das es einem erlaubt, sich tiefergehend mit den genannten Denkfehlern zu beschäftigen und die zu finden, auf die man am öftesten hereinfällt.

Besonders betroffen bin ich persönlich bei Schwarzen Schwänen (mit denen ich nie rechne), was in Verbindung mit dem Default-Effekt, unter dem ich ebenfalls sehr stark leide, eine ungute Kombination ist, die ich ohne Rolf Dobelli zum ersten Mal bewusst als meinen größten Denkfehler wahrnahm.

Eine weitere gefährliche Kombination bei mir war der House Money Effect in Verbindung mit der Angst vor Reue - obwohl Geld Geld ist, tendiere ich dazu, geschenktes Geld schnell und gedankenlos für Dinge auszugeben, die ich eigentlich nicht brauche.

Das waren nur vier erwähnte Denkfehler aus der Top-Ten-Liste, die ich mir anhand des Workbooks erstellt habe, aber sie haben mir einen guten Einblick in mein Denken gewährt, das ich zuvor, was meine Denkfehler angeht, falsch einschätzte, jetzt aber das Gefühl habe, besser an ihnen arbeiten zu können. (Wobei es erwähnenswert ist, dass Affektheuristik ebenfalls zu meinen Top-Denkfehlern gehört.)

Es war wie schon in "Die Kunst des klaren Denkens" schwierig, einzuschätzen, welche Denkfehler denn nun am gravierendsten sind, doch trotz der Tatsache, dass ich mich sehr viel besser bewertet habe, als ich bin, habe ich einen guten Eindruck davon gewonnen, auf welche Denkfehler ich besonders häufig hereinfalle.

Von daher kann ich sowohl die eigentliche Lektüre als auch das Workbook sehr empfehlen; selbst, wenn man es nur teilweise durcharbeitet, gewinnt man viel für sein Leben!

Die Kunst des klaren Denkens (Neuausgabe)
397 Seiten

In der Neuausgabe von "Die Kunst des klaren Denkens" kam ein Workbook-Teil dazu, mit dem man seine eigenen häufigsten Denkfehler identifizieren kann. Die eigentlichen Kapitel über die Denkfehler blieben gleich, aber zusätzliche Beispiele und eine Bewertungsskala fand man dafür im Workbook.

Ironischerweise wurde ich beim Bearbeiten des Workbooks Opfer eines Denkfehlers: die Häufigkeit, mit der ich einen Denkfehler beging, verband ich mit der Stärke der Konsequenzen, den er trug, obwohl beides nicht zwingend miteinander zusammenhängt. Es war schwer, auf einer Skala von 1-10 beides zu bewerten, weil ich mir nicht immer sicher war, welche Zahl nun denn angebracht ist. Aber natürlich half es mir trotzdem, meine häufigsten Denkfehler zu finden.

Mein eindeutig größter Denkfehler ist das Framing, das ich zwar auch zu meinem Vorteil nutze, auf das ich aber ebenso oft hereinfalle. Auch der Confirmation Bias und die Sunk Cost Fallacy erzielten bei mir hohe Werte. Und natürlich war auch der Anker (den ich für die Bewertung der Denkfehler nicht außer acht lassen konnte) unter den Top 5.

Das Buch war bereits ohne den Workbook-Teil eine wertvolle Lektüre, die mir half, meine Denkfehler besser wahrzunehmen, wobei der Workbook-Teil selbst letztendlich ganz praktisch, aber auch verzichtbar ist. Das liegt größtenteils daran, dass viele der zusätzlichen Beispiele, die Rolf Dobelli anführte, für mich nicht von Relevanz waren (ganz besonders die Beispiele zu Aktien) und ich fand, dass die eigentlichen Kapitel die Denkfehler bereits gut genug zusammenfassen. Es half durchaus, sich tiefergehender mit den Denkfehlern auseinander zu setzen, doch um eine klare Bewertung abzugeben, ist die Zeitspanne noch zu kurz - wer ernsthaft an sich arbeiten will, wird das Workbook nicht nur einmal, sondern zumindest Teile davon mehrmals durchgehen müssen.

Insgesamt also ein sehr lesenswertes Sachbuch, das hilft, seinen eigenen Blickwinkel zu schärfen - unabhängig davon, ob man den Workbook-Teil nun mitmacht oder nicht.

Zeichnen beginnt im Kopf - Die ultimative Zeichenschule von YouTube-Zeichnerin LinaFleer
128 Seiten

Ich bin ganz und gar keine Zeichnerin und habe auch kein Interesse daran, eine zu werden, aber da ich die Youtuberin Lina Fleer sehr mag und wissen wollte, wie sie eine Zeichenschule gestaltet, kaufte ich mir ihr Buch - und war positiv überrascht darüber, wie viel ich gelernt habe!

Ein paar der Übungen habe ich spaßeshalber sogar mitgemacht (mit gemischtem Erfolg, aber großer Freude), was mir gezeigt hat, dass sogar in mir eine Künstlerin stecken könnte, die sich schlicht entschied, einen anderen Weg einzuschlagen. Das ist insofern beeindruckend, dass ich zuvor vollkommen überzeugt davon war, null Talent zu besitzen.

Die Lektionen selbst sind für pure Anfänger zugegeben nicht immer geeignet, denn auch, wenn Lina Fleer Schritt für Schritt aufzeigt, was zu tun ist, sollte man, wenn man Zeichnen ernsthaft anstrebt, jede Lektion am besten sehr oft wiederholen. Das ist zwar selbstverständlich, aber selbst dann ist es ein steiler Weg vom Amateur zum Künstler.

Am interessantesten fand ich das Kapitel zu Proportionen, weil es einiges Wissen enthielt, das mir bisher unbekannt war. Allgemein mochte ich es, wie Lina stets an ihren eigenen Zeichnungen illustriert hat, wie genau sie arbeitet. Selber machen ist natürlich immer etwas Anderes, doch gibt Lina nichtsdestotrotz ein paar wichtige Tipps.

Wer an Zeichnen interessiert ist, gerne einen Einblick in Linas Arbeitsprozess bekommen und/oder ein paar interessante Dinge über das Zeichnen lernen möchte, ist hier gut bedient!

Papyrus. Die Geschichte der Welt in Büchern. Eine Leseprobe.
320 Seiten

In dieser umfassenden Leseprobe, die etwa die Hälfte des eigentlichen Buches ausmacht, erzählt Irene Vallejo auf wundervolle Weise die Geschichte des Buches. Verschiedene Kontinente, verschiedene Länder, verschiedene Zeiten: Sie alle werden kurz anhand der Art und Weise, wie man mit dem geschriebenen Wort umging, vorgestellt.

Irenes Vallejos Schreibstil ist hierbei sehr bildlich und das Buch flüssig geschrieben - beschrieben wird es als "Sachbuch, das sich liest wie ein Abenteuerroman" und ich kann dieser Einschätzung aus vollem Herzen zustimmen. Irene Vallejo zählt nicht nur die Fakten auf, sondern verbindet sie mit Lebensgeschichten, mit Bildern, mit Personen. Es war schlicht unglaublich, wie mühelos es ihr gelungen ist, die "Geschichte der Welt in Büchern" selbst wie eine Geschichte zu erzählen, die man gespannt verfolgt.

Zwar handelt es sich bei diesem Sachbuch wie gesagt "nur" um eine Leseprobe, war aber aufgrund der Länge umfassend genug, um mich jetzt schon auf das komplette Buch zu freuen. Wer Bücher liebt, ist hier an der richtigen Stelle!

Ende offen – Das Buch der gescheiterten Kunstwerke
608 Seiten

Ob es um Filme, Bücher, Songs, Bilder oder Bauten geht: Immer gibt es diejenigen, die von ihren Erschaffern aus diversen Gründen nicht vervollständigt wurden. Manchmal waren sie einfach nicht realisierbar. Manchmal kam der Tod dazwischen. Und manchmal hatte man einfach Pech.

In seinem Sachbuch stellt uns Thomas von Steinaecker in kurzen, überschaubaren Kapiteln sowohl die Künstler als auch ihre unvollständigen Werke vor. Je nachdem, welche Interessen man selbst hegt, sind manche Kapitel interessanter als andere (als Leserin war ich selbstverständlich am meisten von den unvollständigen Büchern fasziniert), aber so oder so bekommt man einen guten Einblick in alle möglichen Arten des Scheiterns.

Natürlich bleibt einem nicht jedes einzelne Kapitel in Erinnerung, doch hat es Spaß gemacht, über all die Kunstwerke zu lesen, die wir selbst nie in ihrer Vollständigkeit bewundern können werden. Wer gerne Sachbücher liest, die kurz und prägnant über verschiedene Werke - und ihrer Unvollkommenheit - berichten, ist hier bestens bedient!

Im Grunde gut
480 Seiten

"Im Grunde gut" stellt uns ein neues Menschenbild vor: Nämlich, dass der Mensch, nun ja, "im Grunde gut" ist. Seit Hobbes und Rosseau stellen sich Philosophen immer wieder die Frage, ob Menschen gut bzw. böse geboren werden oder ob das Gut- bzw. Schlechtsein im Lauf des Lebens angeeignet wird. Bregman zeigt in seinem Sachbuch auf, warum er an die Theorie des "guten Menschen" glaubt.

Sehr gut gefallen hat mir an dem Sachbuch, dass Bregman kritische Punkte in unserer Geschichte aufgeführt und anhand mehrerer Recherchen gezeigt hat, warum viele von ihnen nicht so waren, wie sie scheinen. Dazu gehört u.a. das Stanford-Prison-Experiment, die Stanley-Pilgrim-Schockmaschine und der Tod von Catherine Susan "Kitty" Genovese. Es war sehr faszinierend, zu lesen, wie viele Informationen da unterschlagen wurden!

Gut gefallen haben mir auch Bregmans Erklärungen dafür, warum der Mensch sich trotz seiner guten Seele für "Schlechtes" entscheidet, aber einen Kritikpunkt habe ich bei seinen Beispielen, was die guten Taten des Menschen betrifft: So schön es auch war, zu lesen, wie viel Gutes es in der Welt gab und gibt, hätte ich mir gewünscht, Bregman hätte die dazugehörigen Quellen ebenso scharf betrachtet, wie er es bei den "schlechten" Ereignissen tat. Stattdessen bekam ich den Eindruck, er würde Quellen, in denen das Gute des Menschen hervorgehoben wird, unkritischer betrachten als Quellen, die das Gegenteil zeigen.

Deshalb habe ich meine eigenen Recherchen durchgeführt und festgestellt, dass Bregmans Kritik an verschiedenen negativen Experimenten sehr gerechtfertigt ist, er selbst aber tatsächlich weniger Kritik an den positiven Experimenten zeigte. (Insgesamt bewiesen diese aber dennoch, dass der Mensch nicht automatisch böse ist.)

Die Schlussfolgerung, die ich ziehe, ist letztendlich die, dass der Mensch nicht unbedingt "im Grunde gut" ist - aber auch nicht im Grunde böse. Letztendlich überzeugt mich das positive Menschenbild zwar mehr, weil Bregman so vorzüglich aufgezeigt hat, warum das negative einfach nicht stimmt, aber da es dem Menschen letztendlich doch überraschend leicht fällt, in negative Verhaltensweisen zu verfallen, würde ich auch nicht behaupten, dass er gut ist.

So oder so eine wunderbare Lektüre, wenn man ein wenig über den Tellerrand hinausschauen und sein eigenes Weltbild zumindest ein Stück weit erweitern möchte!

Schwarz. Weiß. Denken!
428 Seiten

Kategorien – mit ihnen sehen wir die Welt. Mit ihnen machen wir die Welt. Ohne es zu wollen, ordnen wir alles mit unserem beschränkten Denken ein, darauf bedacht, alles abgegrenzt und ordentlich zu halten. Und oft denken wir dabei schwarzweiß.

Natürlich wissen wir, dass es Graustufen gibt. Aber oft ist es schwierig, sie tatsächlich zu benutzen – und genauso wie binäres Denken sind auch zu viele Graustufen nicht unbedingt gut. Beides kann, je nachdem, worum es geht, durchaus praktisch sein, aber genauso oft machen diese Denkweisen alles nur schlimmer. Darauf geht Kevin Dutton glücklicherweise auch ein – dass beide Denkweisen sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Und was passiert, wenn verschiedene Denkweisen und Kategorien miteinander kollidieren.

Ob es um Framing, Überzeugungskunst oder Manipulation geht: Alle Themen, die sich mit Schwarzweißdenken beschäftigen, sind Themen, mit denen Kevin Dutton sich in diesem Sachbuch beschäftigt. Sehr schön dabei war, dass er dabei anhand zahlreicher realer Beispiele seinen Standpunkt deutlich gemacht hat; die vielen kleinen Geschichten, die er erzählt, haben sein Buch sehr viel bildlicher und zugänglicher gemacht, als es ansonsten der Fall wäre.

Sachbuchleser, die sich bereits mit diesen Themen beschäftigt haben, haben aus diesem Grund trotz der Themen, die sie eventuell schon kennen, trotzdem einen Anreiz, das Buch zu lesen: Es kann meiner Meinung nach nicht genug Beispiele dafür geben, um zu zeigen, wie leicht beeinflussbar wir sind.

Eine Kritik habe ich jedoch: In einem Kapitel geht Dutton auf drei Superkategorien ein: „Kampf versus Flucht“, „wir versus sie“ und „richtig versus falsch“, die er auch anhand zahlreicher Beispiele aufzeigt … nur, dass ich bis auf den „wir/sie“-Aspekt kein einziges seiner Beispiele logisch mit Kampf/Flucht und richtig/falsch assoziieren konnte. Dutton zitiert mehrere Persönlichkeiten, um zu zeigen, wie diese die drei Superkategorien benutzen, aber so sehr ich es auch versuchte, gelang es mir nicht, die Verbindung zwischen den Kategorien und den Zitaten zu sehen. Mag durchaus an mir liegen, aber dennoch fand ich dieses spezielle Kapitel sehr verwirrend. Glücklicherweise ist es damit auch das einzige; die anderen waren nicht nur informativ, sondern auch reizvoll zu lesen, weil die vielen Beispiele hervorragend illustrierten, wie schwarzes, weißes und grauen Denken uns beeinflusst.

Zu wenige Kategorien sind schädlich – aber zu viele auch.

Fake Brain
222 Seiten

"Fake Brain" liefert Lesern von Sachbüchern, die sich mit den falschen Interpretationen des Gehirns beschäftigen, nicht allzu viel Neues, ist aber immer noch ein schönes, zusammenfassendes Leseerlebnis.

In zehn Kapiteln wird auf verschiedene Aspekte eingegangen, die sich alle damit beschäftigen, dass das Gehirn uns austrickst - seien es unsere eigenen Erinnerungen, intuitives Denken, oder verschiedene Illusionen, deren Opfer wir sind: Wissen und Gewissheit, kognitive Dissonanz, Kontrolle, Kontext ... kurz, prägnant und mit größtenteils neuen Beispielen zeigt Albert Moukheiber auf, warum wir unserem Gehirn nicht trauen sollten.

Diese neuen Beispiele zeigen sich sowohl in präsentierten Bildern als auch bei der Beschreibung von Studien. Zumindest ich hatte das Glück, von vielen noch nichts gehört zu haben; aber natürlich ist es ironischerweise möglich, dass mein Gehirn gewisse Informationen einfach vergessen hat und ihre wiederholte Präsentation als neu interpretiert.

Dadurch, dass es an Informationen im Allgemeinen nicht viele neue gibt und sie so schön zusammengefasst dargestellt werden, eignet sich dieses Buch vor allem für Einsteiger zum Thema, die einen ersten Überblick über die Fehlfunktionen unseres Gehirns erhalten wollen. Diejenigen, die sich damit bereits auskennen, können dieses Buch immer noch als schnelle, kompakte Zusammenfassung lesen. Ich selbst habe dieses Sachbuch zum Auffrischen meines Wissens gelesen und fand es dafür mehr als gut genug.

Kein weltbewegendes Sachbuch also, aber hervorragend, wenn man einen ersten Überblick über unser Gehirn erhalten will.

The Comfort Book - Gedanken, die mir Hoffnung machen
256 Seiten

"The Comfort Book" ist ein sehr kurzweiliges Buch. Ich habe ungefähr zwei Stunden gebraucht, um es zu lesen, weil es aus sehr kurzen (oft nur aus ein paar Zeilen bestehenden) Kapiteln besteht, die Matt Haigs Weisheiten, Lieblingszitate und Erfahrungsberichte kurz und prägnant schildern - insgesamt alle Gedanken, die ihm auf die eine oder andere Weise Hoffnung gemacht haben.

Trotz der Kürze war es ein sehr intensives Leseerlebnis. Während ich Matt Haigs Ratschlägen nicht immer zugestimmt habe (vor allem der "Sei du selbst"-Ratschlag ist einer, mit dem ich nicht so viel anfangen kann und den ich persönlich lieber durch "Sei die beste Version deiner Selbst" ersetze), hat es mir insgesamt tatsächlich erstaunlich viel Trost gegeben, seine Gedanken zu lesen.

Das liegt teils an seinem wunderschönen Schreibstil, teils daran, dass ich mich mit einigen Dingen gut identifizieren konnte. Für mich war dieses Buch eine angenehme Lektüre und ist meiner Meinung nach perfekt dafür geeignet, es einfach irgendwo aufzuschlagen, um dort einen Gedanken zu lesen, den man durch den Tag trägt.

Aus diesem Grund empfehle ich, das Buch langsam zu lesen, vielleicht tatsächlich nur einen Gedanken pro Tag. So kann sich seine Wirkung am besten entfalten und jedem Leser und jeder Leserin ein tröstender Begleiter sein!

Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
624 Seiten

Der "Schwarze Schwan": Etwas, womit wir nicht rechnen, aber im Nachhinein zu erklären versuchen, warum es unvermeidlich war. Sei es der Angriff auf die Twin Towers im Jahr 2001, der Börsencrash im Jahr 2008 oder auch etwas Kleines wie ein unerwartet populäres Buch eines Autors - diese und ähnliche Beispiele überraschen uns immer wieder und es gibt nichts, um uns auf sie vorzubereiten. Bei unserer Planung beachten wir Schwarze Schwäne nicht, doch wenn sie dann mal kommen, scheinen sie im Rückblick unaufhaltsam gewesen zu sein.

Sehr informativ legt Taleb zahlreiche Beispiele für Schwarze Schwäne dar und warum wir so große Probleme damit haben, mit ihnen umzugehen. Am Ende gibt er auch Tipps, um uns robuster gegen Schwarze Schwäne zu machen, auch wenn diese Tipps sich größtenteils auf Professionelle beziehen und natürlich nicht vollkommen verhindern können, dass uns Schwarze Schwäne überfallen.

Das einzige, was mich bei dem Buch gestört hat, war Talebs unangenehme Gewohnheit, gewisse Mitmenschen recht offen zu beleidigen und ganze Personengruppen über einen Kamm zu scheren. Zuerst hielt es noch für einen (nicht gut gelungenen) Scherz, wenn er sich beispielsweise über die Franzosen lustig machte, aber schnell wurde Talebs respektlose Ader, die mir auch sehr oberflächlich vorkam, äußerst störend. Das tat zwar der Informativität seines Buches keinen Abbruch, aber ich wünschte dennoch, er hätte seine Antipathie auf neutralere Weise gezeigt.

Stellenweise kam mir das Buch etwas zu lang vor, aber insgesamt bin ich froh, dass ich es gelesen habe - und kann jedem, der an der Macht ungewöhnlicher Ereignisse interessiert ist, raten, dasselbe zu tun, solange er oder sie sich nicht von Talebs durchscheinenden charakterlichen Zügen abschrecken lässt.