Survivor
448 Seiten

Hannah, Meg und Carter leben in einer Zombie-Apokalypse, in der Whistler noch das geringste Problem sind, als sie sich alle in einer gefährlichen Situation wiederfinden. Hannah ist nach einem Busunglück mit den anderen Überlebenden in den Trümmern gefangen. Meg wacht in einer Gondel mit ein paar Fremden auf, mit einer Leiche an Bord. Und Carter lebt mit anderen Überlebenden im Retreat, bis der Strom zusammenbricht und die Gruppe zu einer Bedrohung für sich selbst wird. In jeder Gruppe befindet sich ein Mörder, doch wie soll man ihn finden, während man gleichzeitig ums Überleben kämpft?

Sowohl das Setting als auch die Erzählweise haben diesen Thriller sehr besonders gemacht – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Roman gelesen habe, der in einer Zombie-Apokalypse spielt, sodass es sehr erfrischend war, nicht nur einen, sondern gleich drei Thriller-Geschichten zu lesen. Das war ebenfalls etwas, was den Roman besonders machte, weil die drei Thriller-Geschichten zwar auf geniale Weise miteinander zusammenhängen, aber für den Großteil der Handlung voneinander unabhängig sind.

Doch es gab trotzdem ein paar sehr wichtige Aspekte, die mich gestört haben und es letztendlich schwer machen, eine umfassende Empfehlung auszusprechen. Zum einen gibt es definitiv zu viele Charaktere, als dass man den Überblick über sie behalten könnte. So konnte ich nicht so sehr mit ihnen mitfiebern, wie ich es gerne gewollt hätte. Selbst, nachdem die ersten Personen sterben und der Cast kleiner wird, gab es in jeder Geschichte meistens nur einen Charakter, dessen Wohlergehen mir am Herzen lag.

Das hing auch damit zusammen, dass so ziemlich alle Charaktere äußerst unsympathisch sind, mit nicht mal einer Handvoll Ausnahmen, was es zusätzlich erschwerte, sich um sie zu sorgen. An sich ist es vollkommen in Ordnung, wenn Charaktere und speziell Sichtcharaktere moralisch grau sind, aber zusammen mit der großen Menge an Figuren habe ich exakt zwei Lieblingscharaktere für mich gefunden: Lucas, der in Hannahs Story auftaucht, und Meg, die meine liebste Protagonistin war. Alle anderen waren mir – leider – mehr oder weniger egal, weil sie nicht genug Fokus und sympathische Charakterzüge bekamen, als dass ich mit ihnen mitgefiebert hätte. (Traurig fand ich auch, dass das negative Bild, das manche Protagonisten über dicke Charaktere hatten, in der Handlung nur bestätigt wurde, anstatt ihnen das Gegenteil zu beweisen.)

Zum anderen entsprach das Ende nicht unbedingt meinem Geschmack. Einerseits machte es durchaus Sinn, wenn man den Twist der Handlung bedenkt und die Tatsache, dass es in den beschriebenen Situationen nur selbstverständlich ist, dass Menschen umkommen. Doch andererseits verliere ich schlicht das Interesse, wenn Menschen wie die Fliegen sterben, bis man am Ende ein ganzes Massaker hat.

Von daher hatte dieser Thriller eine sehr kreative Ausgangssituation, drei packende Settings und eine hervorragende Art und Weise, alle drei Geschichten miteinander zu verbinden – doch die Charaktere waren dafür die große Schwäche des Thrillers, weshalb ich ihn nur den Leserinnen und Lesern empfehlen würde, denen es nichts ausmacht, einen besonders hohen Body Count zu haben.

Seven Days
592 Seiten

Eddies Flynn neuester Fall bringt ihn nach Alabama, wo der afroamerikanische Junge Andy Dubois beschuldigt wird, das weiße Mädchen Skylar Edwards umgebracht zu haben. Der zuständige Staatsanwalt Randal Korn ist berühmt-berüchtigt dafür, Angeklagte in die Todeszelle zu bringen und hat das auch mit Andy vor. Um gegen ihn vorzugehen, muss Eddie alle Register ziehen. Doch wie soll er eine Verteidigung für Andy aufbauen, wenn alle Zeugen, die ihn unterstützen könnten, vorher erpresst oder ausgeschaltet wurden?

Ich bin ein großer Fan der Eddie-Flynn-Reihe und auch "Seven Days" zeigt das Talent Steve Cavanaghs, einen packenden Thriller zu schreiben, der einen in Atem hält. Dieses Mal bekommen wir neben Eddies auch viele andere Sichtweisen zu sehen, die nicht nur die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Ereignissen und Charakteren gut zeigen, sondern uns Leserinnen und Lesern teuflisch gut vermitteln, wie gewaltig die Aufgabe ist, die sich Eddie dieses Mal aufgehalst hat. Mehr als einmal hatte ich Panik, weil ich mich fragte, wie zur Hölle Eddie sich aus gewissen Situationen manövrieren soll – da hat Steve Cavanagh wirklich hervorragende Arbeit geleistet!

Besonders gut gefielen mir die Verbindungen der verschiedenen Handlungsstränge, die am Ende unter anderem in einer epischen Gerichtsverhandlung wipfeln, die es in sich hat. Die Gerichtsszenen gefielen mir ohnehin immer am meisten, weshalb ich froh war, auch hier ein grandioses Finale zu erleben.

In der eigentlich Handlung gab es durchaus Szenen, die zuerst als Längen anmuteten, weil ihre Relevanz zunächst nicht klar war. Aber spätestens am Ende klären sich die letzten Fragen, sodass letztendlich ein spannendes Leseerlebnis entstand, das mich sehr mitgerissen hat.

Wer schon vorige Eddie-Flynn-Romane gelesen hat, wird mit "Seven Days" einen weiteren Thriller erleben, der einen begeistert!

Die Sturmschwester
576 Seiten

Nach dem Tod ihres Vaters hat Ally, seine zweitälteste Tochter, ein besonders schlechtes Gewissen, weil sie währenddessen eine glückliche Zeit mit ihrem Seelenverwandten Theo verbrachte. Deshalb fühlt sie zunächst auch nicht den Drang, mehr über ihre Vergangenheit herauszufinden, sondern will lieber in die Zukunft blicken. Bis ein tragisches Ereignis sie dazu motiviert, den Hinweisen ihres Vaters zu folgen und in Norwegen nach ihrer leiblichen Familie zu suchen. Sie hat die Vermutung, dass sie mit den Halvorsens, einer Familie von Musikern mit einem beeindruckenden Stammbaum, verwandt sein könnte. Doch wer waren die Halvorsens eigentlich? Ally taucht in deren Familiengeschichte ein und entdeckt dabei ihre eigene ...

Auch im zweiten Band entführt Lucinda Riley uns in ein anderes Land und in eine fiktive Geschichte, die mit realen Ereignissen verknüpft ist. Der zweite Band hat mir dabei noch besser gefallen als der erste, wobei ich speziell mit Allys Geschichte und der von Jens "Pip" Halverson mitgefiebert habe. Beide erleben schöne, tragische und trotzdem hoffnungsvolle Romanzen, die mir sehr ans Herz gingen.

Dafür habe ich nicht ganz so stark mit der Geschichte von Anna Halvorsen mitgefühlt, weil sie im Grunde von einer Frau handelt, deren Leben gut verläuft, solange es von Männern gesteuert wird, bis sie im Bezug auf einen Mann eine eigene Entscheidung trifft, die ihr Leben stark verschlechtert, bis sie wiederum von einem Mann gerettet wird. Obwohl ihre Geschichte letztendlich ein imho zufriedenstellendes Ende findet, hätte ich mir gerne gewünscht, dass sie sich selbst aus ihrer Situation hätte befreien können.

Doch da ich ihre Geschichte immer noch gut erzählt fand und Allys und Pips Geschichte umso schöner und emotionaler war, hat mir der Roman trotzdem sehr gefallen – und ich freue mich darauf, die Schwestern-Reihe langsam, aber sicher fortzusetzen!

Das Waldhaus
416 Seiten

Vor dreiundzwanzig Jahren ist Hannahs Mutter Jen ermordet worden, ohne dass der Täter je gefasst wurde. Ihr Vater wurde zwar verdächtigt, aus Mangel an Beweisen jedoch nie verurteilt; Hannah selbst glaubt an seine Unschuld. Bis ihr inzwischen dementer Vater sie mit ihrer Mutter verwechselt und sie immer wieder um Verzeihung bittet. Hat er sie etwa doch getötet? Während Hannahs Bruder Reece an dieser Theorie festhält, entscheidet Hannah sich, weitere Untersuchungen anzustellen ...

Ich wünschte, ich hätte diesen Thriller mehr gemocht, als ich es letztendlich getan habe. Die Handlung war sehr solide, die Mysterien sehr gut aufgebaut und die Enthüllung am Ende sowohl überraschend als auch nachvollziehbar. Doch trotz dieser guten Elemente konnte ich den Thriller nicht genießen – und der Grund dafür ist Hannah selbst.

Über den ganzen Roman hinweg verurteilt sie andere Personen, egal ob sie sie kennt oder nicht, aufgrund oberflächlicher Tatsachen. Sie ist so negativ eingestellt, sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber, dass es mir schlicht keinen Spaß gemacht hat, aus ihrer Sichtweise zu lesen.

Auch die anderen Charaktere sind nicht besonders sympathisch sind und es gab nur zwei, die ich mochte (Reece, Hannahs Bruder, und Chris, der zuständige Polizeibeamte). Natürlich sind unsympathische Charaktere an sich nichts Schlechtes, aber es ist auch wichtig, ihre guten Seiten zu zeigen – und das ist imho nur bei Reece und Chris geschehen, während die anderen Charaktere recht flach blieben.

Erwähnen möchte ich auch, dass die Geschichte nicht zwingend von der Spannung, sondern eher vom Mystery-Anteil lebt. Der Reiz des Thrillers besteht darin, weitere Geheimnisse der Vergangenheit aufzudecken und eigene Vermutungen anzustellen, die Spannung selbst steht dabei an zweiter Stelle – was ich allerdings durchaus erfrischend fand.

Insgesamt würde ich also sagen, dass ich diesen Thriller ganz gut fand, die Protagonistin es mir jedoch leider unmöglich gemacht hat, ihn bedingungslos zu mögen.

Klytämnestra
560 Seiten

Klytämnestra wächst als spartanische Prinzessin frei und ungebunden auf, bis sie gezwungen wird, König Agamemnon von Mykene zu heiraten. Entschlossen, sich nicht von ihm unterwerfen zu lassen, beginnt ein Spiel um Macht – und um die vielen Opfer, die sie bringen muss …

Ich habe schon zwei oder drei Romane gelesen, in denen die griechische Sagengestalt Klytämnestra eine tragende Rolle spielte, doch das hier ist der erste Roman, der sich ausschließlich ihr widmet. Zu meiner Freude ist Costanza Casati eine großartige Darstellung Klytämnestras gelungen: Man spürt während des Lesens regelrecht, wie ihre Verluste ihre Seele erhärten und sie Entscheidungen trifft, die man mitnichten bewilligt, aber dennoch versteht. Sie kann eine kaltherzige, grausame Königin sein – und noch so viel mehr.

Mir war Klytämnestra trotz mancher kontroverser Taten sehr sympathisch, weil die Autorin es leicht machte, sich in sie hineinzuversetzen. Hier hilft es auch, dass über zwei Drittel der Handlung vor der Opferung ihrer Tochter spielten, sodass man Klytämnestra als Charakter sehr gut kennenlernt und mit ihr mitfiebert. Für die einen oder anderen Leserinnen und Leser könnte das zwar ein zu langsames Tempo sein, doch aufgrund des angenehmen Schreibstils habe ich mich nie daran gestört.

Ironischerweise habe ich mir dafür gewünscht, noch ein bisschen mehr über Klytämnestras Geschwister zu erfahren, zu denen unter anderem die schöne Helena gehört. Zunächst bekommt man durchaus genug von ihnen mit, aber ab Iphigenies Opferung geraten sie in den Hintergrund, was ich ein wenig schade fand. Für mich ist das deshalb ironisch, weil ich mir bei anderen Romanen gerne wünschte, sie hätten nur von Klytämnestra gehandelt, jetzt aber bei einem Roman, der sich bis auf wenige Szenen ausschließlich auf ihre Sichtweise konzentriert, gerne noch mehr von anderen Charakteren mitbekommen hätte. Aber um ehrlich zu sein, ist das keine starke Kritik – ich mochte es viel zu sehr, an Klytämnestras Seite ihr Leiden und ihre Rache zu verfolgen, sodass ich die mangelnde Relevanz anderer Charaktere durchaus verschmerzen kann.

Insgesamt handelt es sich bei diesem Roman fraglos um die beste Darstellung von Klytämnestra und ist deshalb zu einem meiner liebsten auf griechischen Mythen basierte Romane überhaupt geworden!

& Die großen Unbekannten der Mathematik
400 Seiten

Wenn es um die Geschichte der Mathematik geht, gibt es so einige bekannte Namen, die einem spontan einfallen – Pythagoras, Kepler, Newton, Turing –, doch ist die Liste der Mathematiker:innen so viel größer und weit gefasster, als es den Anschein hat.

In ihrem Sachbuch erzählen Kate Kitagawa und Timothy Revell von den unbekannten Größen der Mathematik: Von Frauen, die lange keine Anerkennung für ihre Forschungen bekamen und von Ländern, die schon viel früher als die europäischen bedeutende mathematische Entdeckungen machten.

Auch die mathematischen Formeln kommen hierbei nicht zu kurz, wobei diese zugegeben für Laien-Interessierte wie mich nicht besonders verständlich waren. Aus diesem Grund gibt es leider auch so einige spätere Kapitel, die sich schwer lasen, weil mir schlicht das mathematische Verständnis für sie fehlte. Die früheren Kapitel waren hier sehr viel zugänglicher.

Aus diesem Grund würde ich diesen Sachbuch aufrichtig interessierten Mathematiker:innen empfehlen, doch nicht unbedingt denjenigen, die wie ich eher ein grobes Interesse an der Mathematik haben. Die Recherche-Arbeit der beiden Autor:innen ist jedoch so oder so wertzuschätzen!

Die sieben Schwestern
576 Seiten

Maia ist die älteste von sechs adoptierten Schwestern und auch die erste, die vom Tod ihres Vaters Pa Salt erfährt. Dieser hat ihr und den anderen Schwestern nicht nur einen Abschiedsbrief, sondern auch eine Armillarsphäre mit den Koordinaten ihrer Geburtsorte hinterlassen. Maia zögert zunächst, ihr trautes Heim zu verlassen, doch schließlich macht sie sich doch auf die Reise nach Rio de Janeiro auf, wo sie in die Geschichte ihrer Urgroßmutter Izabela hineingezogen wird – und deren tragischer Liebesgeschichte …

Die Reihe um die sieben Schwestern gehört zu denjenigen, von denen ich so viel Positives gehört habe, dass ich schließlich selbst neugierig wurde und beschloss, den ersten Band der Schwestern zu lesen. Und nach der Lektüre muss ich sagen, dass es kein Wunder ist, dass sich diese Reihe so viel Beliebtheit erfreut! Die Geschichte von Maia ist hierbei noch nicht einmal der Fokus (obwohl auch in ihrem Leben dramatische Dinge passiert sind), sondern vielmehr ihre Vorfahrin Izabela, die sich zwischen Pflicht und Liebe nicht entscheiden will und versucht, beides gleichermaßen unter einen Hut zu bringen. Dabei lernen wir auch einige historische Ereignisse kennen (speziell den Bau der Christusstatue in Rio), sodass wir neben der schönen Geschichte sogar noch in die Vergangenheit von Ländern blicken können, die nicht oft in Romanen thematisiert werden.

Der Schreibstil las sich sehr angenehm, sodass ich selbst die ein, zwei etwas langatmigeren Stellen des Romans gut überwand und mich vom gesamten Rest einnehmen ließ. Das Einzige, was mich ein wenig verwunderte, war, dass Maias Geschichte so sehr im Hintergrund stand, dass sie im Grunde nicht wichtig war; selbst ihre leibliche Mutter und Großmutter spielen fast keine Rolle, weil der Roman sich so stark auf ihre Urgroßmutter Izabela konzentriert. Hier habe ich mich durchaus gefragt, wie relevant diese Geschichte überhaupt für Maia sein könnte, da die Ereignisse zwar durchaus für ihre Gegenwart relevant sind, aber jetzt auch nicht so stark, dass ich verstehen würde, warum ihr Vater ausgerechnet wollte, dass sie die Geschichte ihrer Urgroßmutter aufdeckt.

Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre trotz dieser kleinen Logikfrage sehr genossen und bin durchaus gewillt, mir nach und nach auch die anderen Schwestern-Bände zu Gemüte zu führen; wann genau das der Fall sein wird, kann ich zwar noch nicht sagen, aber ein Interesse dafür habe ich nach der Lektüre dieses schönen Romans durchaus!

Liar
512 Seiten

Strafverteidiger Eddie Flynn soll Leonard Howell bei einer Lösegeldübergabe zur Seite stehen. Seine Tochter Caroline wurde entführt und Leonard muss das FBI hereinlegen, um dem Entführer das Lösegeld übergeben zu können. Eddie hilft ihm. Doch dann wird am Scheinort der Lösegeldübergabe ein Handy gefunden, auf dem behauptet wird, Leonard hätte seine Tochter Caroline ermordet – und es liegt an Eddie, ihn zu verteidigen …

So wie die vorigen Eddie-Flynn-Fälle ist auch „Liar“ ein spannender Gerichtsthriller, der Eddie vor neue Herausforderungen stellt. Der Schreibstil war sehr angenehm und aufgrund der konstanten Spannung war es für mich kein Problem, das Buch wie im Flug zu lesen. Und doch bin ich nicht überrascht, dass dieser dritte Fall von Eddie Flynn erst jetzt übersetzt worden ist – denn obwohl er wie gesagt ein guter Fall ist und speziell die Gerichtsszenen wie immer einmalige Klasse waren, schien der Fall nicht ganz so komplex und verworren aufgebaut zu sein wie die, die vor ihm kamen und ihm nachfolgten. Einen coolen Twist gab es, den ich nicht erwartet habe, aber davon abgesehen fand ich die Handlung und auch die Auflösung ein klein wenig zu vorhersehbar (auch, wenn die ganze Wahrheit zugegeben nicht hundertprozentig das war, was ich erwartet habe).

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich diesen Thriller schlecht fand; er hat mich definitiv in Atem gehalten und ich liebe die Art und Weise, wie Steve Cavanagh uns von Anfang bis Ende mitfiebern lässt. Es hat immer noch sehr großen Spaß gemacht, ihn zu lesen. Aber bei inzwischen fünf Eddie-Flynn-Thrillern war klar, dass einer dabei sein musste, der ein klein wenig schwächer als die anderen ist – und genau das ist „Liar“ für mich. Ein sehr cooles Leseerlebnis ohne Frage (vor allem, wenn man noch nicht so viele der anderen Thriller gelesen hat), aber, was den Fall betrifft, nicht ganz so packend wie die vorigen. Tatsächlich galt meine größte Sorge die ganze Zeit Leonard selbst, während die Falldetails für mich eher zweitrangig waren.

Insgesamt also ein Thriller, der sich gut in die Reihe der anderen einfügt, von dem ich mir aber gerne einen anspruchsvolleren Fall gewünscht hätte. Trotzdem sehr spannend geschrieben!

Der Salzpfad
412 Seiten

Raynor und Moth Winn haben ihr Haus verloren und wissen nicht mehr, wie sie weitermachen sollen. Inspiriert von einem Buch, das sie vor langem gelesen haben, beschließen sie, den South West Coast Path, einen über tausend Kilometer langen Wanderweg in Großbritannien, in Angriff zu nehmen. Und so entfaltet sich vor ihnen eine lange, strapazierende Reise, nach dessen Ende sie in eine neue Zukunft schauen wollen …

Ich lese nicht allzu oft Erfahrungsberichte, aber nachdem ich schon so viel Gutes über „Der Salzpfad“ gehört hatte, beschloss ich, ihm eine Chance zu geben. Eine Chance, die mir gezeigt hat, warum das Buch so beliebt ist! Denn trotz der vielen Schwierigkeiten, denen Raynor und Moth sich stellen, geben sie nicht auf, machen weiter, wandern weiter, leben weiter. Es war tatsächlich sehr inspirierend, ihrer Reise zu folgen, auch wenn die Beschreibungen mir gut verdeutlicht haben, warum ich mich selbst ganz sicher niemals auf so einen langen Wanderweg einlassen werde.

Doch gerade die harten Zeiten haben natürlich umso mehr gezeigt, warum man die schönen Momente der Reise umso mehr wertschätzen sollte. Auf eine Weise ist es im Grunde die Reise unseres Lebens: Voller Hindernisse, doch auch voller glücklicher Augenblicke. Unabhängig davon, wie akkurat Raynor Winns Beschreibungen der Reise sind, hat mir ihr Buch gezeigt, was für positive Veränderungen sie bei einem bewirken kann.

Ab und zu gab es spirituelle Momente, die bei mir persönlich eher für Augenrollen gesorgt haben, aber zum Glück waren es so wenige, dass ich mich ganz gut auf die anderen Momente konzentrieren konnte. Trotzdem war ich ein wenig überrascht, dass die Autorin ihren Erfolg nicht ihren eigenen Bemühungen, sondern manchmal zufälligen Erlebnissen zugeschrieben hat.

Insgesamt jedoch handelte es sich um eine angenehme Lektüre, die mich mein Leben noch mehr hat wertschätzen lassen. Jeder, der gerne Reise- oder allgemein Erfahrungsberichte liest, wird mit „Der Salzpfad“ einen schönen finden!

Gegen alle Regeln
573 Seiten

Eddie Flynn hat schon viele schwierige Fälle gelöst, doch als er den Fall David Child übernehmen soll, kommt selbst er an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Denn Eddie glaubt fest daran, dass sein Mandant unschuldig ist – nur sprechen die Beweise definitiv dagegen. Dazu kommt, dass das FBI ihn dazu zwingen will, David Child ein Schuldeingeständnis zu entlocken. Kooperiert er nicht, wird stattdessen seine Frau Christine, die unwissentlich ein brisantes Dokument unterzeichnet hat, lebenslang ins Gefängnis kommen …

Schon die vorher übersetzten Eddie-Flynn-Fälle mochte ich sehr, sodass es keine Überraschung für mich war, dass auch „Gegen alle Regeln“ mich begeistern konnte. Er ist sehr spannend geschrieben, sodass man aufgrund der kurzen Kapitel, die oft in einem Mini-Cliffhanger enden, angeregt ist, weiterzulesen. Zudem sorgt er aufgrund der Art und Weise, wie neue Beweise auftauchen und dem Fall eine andere Bedeutung verleihen, dafür, dass man stets mitfiebert, vor allem bei den Szenen im Gerichtssaal. Steve Cavanagh versteht es wirklich meisterhaft, die wichtigsten Informationen an den passenden Stellen zu offenbaren!

Nur Christines Rolle hätte ich gerne noch ausführlicher gesehen, denn im Grunde ist es für die Handlung selbst nicht SO relevant, dass ihre Freiheit ebenfalls auf dem Spiel steht. Eddie beschließt nämlich sehr schnell, sowohl für sie als auch für David Child zu kämpfen, was das Ultimatum deutlich abgeschwächt hat. Zwar sorgt dieser Handlungsaspekt durchaus für spannende Szenen, aber allzu notwendig fand ich ihn wie gesagt nicht.

Schön ist, dass Steve Cavanagh, der selbst Rechtsanwalt war, sein Wissen auch in diesem Roman einbaut. Ich finde es einfach faszinierend, all die großen und kleinen Details zu erfahren, die bei einem Prozess eine Rolle spielen könnten. Das war definitiv ein Bonuspunkt!

Insgesamt also ein unglaublich spannender Thriller, der einen in Atem hält und zum Weiterlesen anregt!

Manhattan Love Story
352 Seiten

Gracie Cooper wollte eigentlich Malerin werden, hat dann aber den Champagner-Laden ihres Vaters übernommen. Allerdings sieht es um seine Zukunft nicht gut aus, und ein großer Konzern bietet an, den Laden aufzukaufen. Gracie lehnt das Angebot des CEO Sebastian Andrews entschieden ab, weil sie das Erbe ihres Vaters auf keinen Fall verlieren will. Schade dabei ist nur, dass sie Sebastian bei ihrer ersten Begegnung ursprünglich für ihren Traumprinzen gehalten hat. Aber immerhin gibt es da noch Sir, den sie über eine Dating-App kennengelernt hat und zu dem sie sich hingezogen fühlt. Natürlich ahnt sie nicht, dass es sich dabei um ihren selbsternannten Erzfeind handelt ...

Dieser Liebesroman erzählt die klassische "E-Mail für dich"-Geschichte, in der sich zwei Personen gleich doppelt ineinander verlieben, doch trotz seiner Vorhersehbarkeit hat mir das Lesen außerordentlich Spaß gemacht! Gracie und Sebastian waren beide unglaublich sympathische Protagonisten, denen man gerne dabei zugesehen hat, wie sie ihre anfängliche Abneigung überwinden und sich ineinander verlieben. Auch die Nebencharaktere gefielen mir überraschend gut, weil sie trotz ihrer zugeschnittenen Rolle immer noch wie Menschen mit ihrer eigenen Geschichte herüberkamen.

Kritisieren kann man definitiv, wie lange Gracie braucht, um zu begreifen, wer Sir wirklich ist, und durchaus auch, dass die Dialoge mit ihm in der Regel nur eine Seite am Anfang eines Kapitels einnehmen. Gracies Beziehung zu Sebastian ist deutlich stärker hervorgehoben, was zwar durchaus verständlich ist, es aber auch ein wenig schwierig machte, nachzuvollziehen, warum Gracies Liebe für Sir so groß ist.

Aber um ehrlich zu sein, sind das im Vergleich zu der Freude, die mir die Geschichte bereitet hat, nur kleine Mankos. Klar, eigentlich bietet sie nichts, was man nicht schon mal gesehen hat. Aber da mir die Umsetzung so unglaublich gut gefiel, kann ich diesen Roman jedem empfehlen, der mal wieder eine süße Romanze lesen möchte!

Und morgen ein neuer Tag
448 Seiten

1.214 Tage - so lange hat Meredith zu Beginn der Handlung das Haus nicht verlassen. Über den Grund spricht sie mit niemandem. Stattdessen arbeitet sie als Texterin von zu Hause aus, puzzlet in ihrer Freizeit und bekommt ab und an Besuch von ihrer besten Freundin. Doch dann treten Tom und Celeste in ihr Leben, die Meredith dazu motivieren, sich anderen zu öffnen. Nur ist der Weg zur Heilung nicht ganz so gerade, wie Meredith es sich erhofft ...

Dieser Roman wird als "warmherzig und hoffnungsvoll" beschrieben, doch um ehrlich zu sein, fand ich ihn hauptsächlich traurig, stellenweise sogar deprimierend. Die kleinen Hoffnungsschimmer, die es gibt, werden sehr schnell vom Verlauf der Handlung und Merediths allgemeiner Situation zerdrückt. Nichts läuft so, wie Meredith es plant, und die Erlebnisse, die sie und andere Charaktere durchmachen mussten, haben mich ganz schön runtergezogen.

Der Roman selbst ist sehr ruhig erzählt, es passiert eigentlich nicht allzu viel, was zur melancholischen Stimmung des Romans beitrug. Es ist natürlich möglich, dass es nur mir so geht, aber als "warmherzig und hoffnungsvoll" habe ich den Roman höchstens an ein paar Stellen empfunden, während ich die Hauptstimmung eher als "schwermütig und tiefsinnig" beschreiben würde. Er war, um klar zu sein, kein schlechter Roman, aber er erfüllte nicht die Erwartungen, die ich an ihn stellte.

Deshalb würde ich den Roman explizit nicht denjenigen empfehlen, die einen Feel-Good-Roman suchen, sondern eher denjenigen, die bereit sind, zusammen mit Meredith den komplizierten, teils frustrierenden Weg der Heilung zu gehen, der im Grunde nie ganz abgeschlossen ist.

Zu wenig Zeit zum Sterben
448 Seiten

Seit fast einem Jahr hat Eddie Flynn nicht mehr als Strafverteidiger gearbeitet, doch nun wird er buchstäblich zurück in den Dienst gezwungen: Volchek, das Oberhaupt der Russenmafia, wird vor Gericht angeklagt und will nicht nur, dass Eddie ihn verteidigt, sondern auch, dass er eine Bombe mit sich trägt und ins Gerichtsgebäude schmuggelt. Wenn Eddie sich weigert, wird seine entführte Tochter Amy sterben. Verzweifelt versucht er, sie zu finden und gleichzeitig den Prozess erfolgreich hinter sich zu bringen …

„Zu wenig Zeit zum Sterben“ ist offiziell der erste Eddie-Flynn-Fall, doch genau wie die anderen im Grunde wie ein Einzelband geschrieben; er ist genauso gut für den Einstieg geeignet wie jeder andere Fall. Glücklicherweise ist er auch genauso spannend: Ich war sehr von der Handlung gefesselt, nicht nur von Eddies Plänen, seine Tochter zu finden, sondern vor allem auch davon, wie er sein Talent als Strafverteidiger einsetzt. Ich war mehr als einmal beeindruckt davon, wie er den Prozess nach und nach für sich entschieden hat!

Das Finale war von den Eddie-Flynn-Romanen, die ich bisher gelesen habe, imho am spannendsten gestaltet, wobei mir auch die Umsetzung des Zeitdrucks, unter dem Eddie sich befindet, sehr gut gefallen hat. Die einzige Kritik, die ich wohl habe, ist, dass Amy eher einem MacGuffin als einem Menschen glich; sie war buchstäblich nur dafür da, die Handlung voranzutreiben, ihr Charakter war nicht relevant. Das fand ich ein wenig schade, möchte aber anmerken, dass der Autor das in späteren Bänden besser hinbekommt.

Insgesamt also wieder ein guter Eddie-Flynn-Thriller, der „Thirteen“ und „Fifty Fifty“ an Spannung in nichts nachsteht!

Das Sanatorium
512 Seiten

„Le Sommet“ ist ein frisch renoviertes Hotel in der Schweiz, das ursprünglich als Sanatorium benutzt wurde. Hier will Erins Bruder Isaac seine Verlobung feiern und hat dazu sie und ihren Ehemann eingeladen. Erin ist jedoch nicht nur wegen der Verlobung da, sondern weil sie endlich eine Frage aus ihrer Vergangenheit klären will: Hat Isaac damals ihren jüngeren Bruder umgebracht? Doch bevor sie dieser Frage weiter nachgehen kann, verschwindet Isaacs Verlobte – und kurz danach geschieht ein grausamer Mord …

Insgesamt gefiel mir dieser Thriller recht gut, vor allem seine Atmosphäre hat mir sehr gefallen. Mir gefiel es, wie die Autorin uns, was den Täter betrifft, geschickt hinters Licht führte und wie sie mit Erins Trauma umgegangen ist. Doch ein wenig muss ich sowohl am Ende als auch am Täter kritisieren. So ist das Ende des Falls an sich zwar sehr zufriedenstellend, doch dafür gibt es, was Erins Storyline betrifft, einen Cliffhanger, der mich unzufrieden zurückgelassen hat, weil ich davon ausging, einen Einzelband und keine potentielle Reihe zu lesen. Hier wäre es nett gewesen, irgendwo zu vermerken, dass es sich bei diesem Thriller technisch gesehen um einen Mehrteiler handelt, der zwar den Fall abschließt, aber nicht die persönliche Geschichte der Protagonistin.

Auch die Motive des Täters waren … zweifelhaft. Ich möchte hier natürlich nicht zu viel verraten, aber ich habe ganz schön die Stirn gerunzelt, als ich herausfand, warum genau all diese Morde verübt wurden. Die Motive kamen mir einfach viel zu … schwach vor. Sie erklären, wenn überhaupt, nur einen der Morde einigermaßen gut, können aber mitnichten als gute Begründung für die anderen herhalten.

Aufgrund des flüssigen Schreibstils und der steigenden Spannung hat mir dieser Thriller immer noch gut gefallen, doch aufgrund der genannten Kritikpunkte kann ich ihn nicht als „sehr gut“ bezeichnen. Für Zwischendurch ist er allerdings allemal gut geeignet!

Fifty-Fifty
509 Seiten

Fast gleichzeitig reichen die Schwestern Alexandra und Sofia einen Notruf ein: Ihr Vater sei von der jeweils anderen Schwester ermordet worden. Verteidiger Eddie Flynn ist ratlos. Eine der beiden Schwestern ist unschuldig, die andere eine grausame Mörderin. Während Eddie schließlich beschließt, Sophia vor Gericht zu verteidigen, nimmt Verteidigerin Kate Brooks Alexandra unter ihre Obhut. Beide sind davon überzeugt, dass ihre Mandantin unschuldig ist. Doch einer der beiden irrt sich ...

Schon "Thirteen" hat mir aufgrund seines flüssigen Schreibstils und seiner konstanten Spannung gefallen, und auch hier schaffte Steve Cavanagh es, mich mühelos in seine Geschichte hineinzuziehen. "Fifty-Fifty" überzeugt vor allem durch die Art und Weise, wie die beiden Angeklagten präsentiert wurden - es ist sehr leicht, sich auf eine Schwester zu verbeißen und alle Hinweise dementsprechend zu interpretieren, doch sehr viel schwerer ist es, tatsächlich bei seiner Meinung zu bleiben. Mehrmals bekam ich Zweifel an meinen eigenen Theorien, wechselte von einer Schwester zu anderen und wieder zurück, unschlüssig, ob ich vom Autor hinters Licht oder auf die richtige Spur geführt wurde.

Insofern haben mir vor allem Alexandra und Sofia sehr gefallen - einfach, weil es so schwer war, zu entscheiden, welche von beiden nun schuldig ist. Die anderen Charaktere sind, mit Ausnahme vielleicht von Eddie und Kate, recht eindimensional, weil der Fokus eindeutig auf der spannenden Handlung liegt. Wobei ich das keineswegs als Kritik meine - zwar gefällt es mir in der Regel besser, wenn sowohl die Charaktere als auch die Handlung ausgebaut werden, doch hier war die Handlung so spannend, dass es mich nicht allzu sehr kümmerte, dass die Charaktere dafür weniger entwickelt waren.

Wer also einen spannenden und flüssig zu lesenden Thriller für zwischendurch braucht, ist hier an der richtigen Adresse!