Yuko liebt Haikus und Schnee, und vor allem Haikus, die sich mit der Schönheit des Schnees befassen. Doch um Hofdichter werden zu können, muss er lernen, Farbe in seine Gedichte zu bringen - und lernt auf diese Weise den blinden Soseki kennen, dessen Geschichte sowohl die Farben als auch das Weiß des Schnees auf schmerzhafte Weise miteinander verbindet ...
"Schnee" ist ein sehr kurzweiliger Roman, der sich in Windeseile durchliest, aber einen starken Eindruck hinterlässt. Mit wenigen Worten schafft Maxence Fermine es, Bilder zu malen, die einem im Gedächtnis bleiben und eine Atmosphäre zu erschaffen, von der man sich gerne mitziehen lässt.
Sehr schön fand ich, wie erwähnte Szenen zu Beginn am Ende noch einmal relevant wurden; die Frau unter dem Eis, die Yuko sieht, sowie die Begegnung mit einer anderen jungen Frau wirkten zunächst wie einzigartige, nahezu magische Momente, bis schließlich deren wahre Bedeutung aufgedeckt wurde.
Übrigens würde ich nicht empfehlen, die Geschichte in einem Rutsch zu lesen, wie ich es getan habe. Ihre Wirkung ist stärker, wenn man die einzelnen Kapitel auf sich wirken lässt, über sie nachdenkt und die ganze Schönheit des Stils somit würdigt. Dieses Buch will nicht nur gelesen, sondern genossen werden!
Eigentlich soll Lea nur die Waldhütte ihres Chefs ein wenig herrichten. Doch als sie beim Besuch der dortigen Quelle fast ertrinkt, werden ihre Pläne auf den Kopf gestellt, denn ihr Retter, der Wassergeist Fynn, macht ihr nach und nach bewusst, dass ihre Welt viel magischer ist, als sie je dachte. Doch wie soll sie als Mensch jemals Teil seiner Welt werden?
In dieser herzerwärmenden Liebesgeschichte verliert man sich gerne, denn Leas und Fynns wachsende Anziehung ist einfach so wunderbar beschrieben, dass man die Chemie zwischen ihnen sofort spürt und gerne mit ihnen mitfiebert. Die beiden sind sehr unterschiedlich, doch gelingt es Jacqueline Vellguth hervorragend, den Funken überspringen zu lassen. Ich war positiv erstaunt darüber, wie gut es der Autorin trotz der relativ kurzen Zeit, die die beiden Charaktere miteinander verbringen, gelang, ihre Liebe realistisch zu beschreiben.
Auch die Magie kommt nicht zu kurz, sondern sorgt für mehrere magische Momente, von denen mir speziell der Besuch bei den Feen und der Vollmondzauber in Erinnerung blieben. Hier mochte ich es auch, dass die Magie weder zu grob, noch zu genau beschrieben wurde; man bekommt ein gutes Gespür für ihre Regeln, versinkt aber nicht in komplizierten magischen Gesetzen.
Das Finale war so spannend beschrieben, dass es eine Extra-Erwähnung verdient hat; ich hielt unwillkürlich den Atem an, weil ich so tief in der Geschichte drin war! Das Ende selbst hat mich - ohne zu viel zu verraten - sehr zufriedengestellt :)
Das einzige Manko, das ich sehe, sind die Nebencharaktere. Es wird so viel Fokus auf Lea und Fynn gelegt, dass die Nebencharaktere ein bisschen zu kurz kommen. Speziell zu Bibi hätte ich gerne noch mehr erfahren, weil sie im Buch stets nur ein SMS-Charakter war und ich sie gerne kennengelernt hätte.
Insgesamt also eine herrliche Liebesgeschichte, die das Herz höher schlagen lässt und perfekt für Fantasy- und Romanzen-Fans geeignet ist!
Isabel hat die unglaubliche Fähigkeit, als Beobachterin ihre Bücher zu besuchen und die Geschichte so passiv, aber live mitzuerleben. Als sie jedoch eines Tages "Zauberhaftes Aschenputtel" liest, stellt sie fest, dass sie immer dann mit den Figuren interagieren kann, wenn sie außerhalb der eigentlichen Storyline mit ihnen redet. Als sie so auf Aschenputtels Prinz Leo trifft, entwickelt sich sehr bald eine Romanze zwischen den beiden. Doch wie soll Isabel jemals mit Leo zusammenkommen, wenn das Ende seiner Geschichte längst feststeht?
Insgesamt bin ich sehr hin- und hergerissen, was "Die Welt zwischen den Zeilen" angeht. Einerseits hat es mir "Zauberhaftes Aschenputtel" ruiniert, weil ich Anna und Leo durchaus zusammen mochte und Isabel mir sehr lang wie ein Eindringling vorkam, der Leo wie einen Betrüger und Lügner aussehen ließ; andererseits mochte ich die Chemie, die sie mit Leo entwickelte, und auch ihre einzigartige Entscheidung am Ende des Buches, die Fantasie endlich mal als etwas Gutes und Reales darstellt.
Die Autorin ist beim Erzählen beider Geschichten sehr gewieft vorgegangen, indem sie in "Zauberhaftes Aschenputtel" gewisse Dinge uneindeutig gelassen hat, die in "Die Welt zwischen den Zeilen" offenbart wurden. So wurden die Probleme der Charaktere sehr intelligent gelöst, doch blieb ein bitterer Nachgeschmack zurück, weil ich das Gefühl hatte, in "Zauberhaftes Aschenputtel" von der Autorin belogen worden zu sein.
Am liebsten wäre es mir gewesen, hätten Leo, Anna und Isabel einfach eine polyamorische Beziehung gestartet (weil Polygamie früh im Buch auf positive Weise angesprochen wird), weil so die Handlung von "Zauberhaftes Aschenputtel" aufrechterhalten worden wäre. (Wobei ich zugegeben durchaus das Ende, das Anna letztendlich wählt, mag.)
Insgesamt glaube ich, dass ich die Lektüre mehr genossen hätte, ohne "Zauberhaftes Aschenputtel" zu kennen; denn ohne dieses Wissen haben wir hier eine sehr herzerwärmende Liebesgeschichte, doch mit der Erwartung, dass Anna dieselbe Lektion wie in "Zauberhaftes Aschenputtel" lernt (nämlich, einen Menschen mit seinen Stärken und Schwächen zu lieben, statt sich an einen unrealistischen Traum zu klammern), fiel es mir um einiges schwerer, Isabels und Leos Liebesgeschichte zu genießen. Dabei war diese sehr schön, sogar schöner als Annas und Leos, aber versalzt durch die Tatsache, dass ich sie als Paar trotzdem mochte und mir wünschte, sie hätten es bleiben können.
Von daher empfehle ich, "Zauberhaftes Aschenputtel" erst nach diesem Buch zu lesen, damit man die Romanze in vollen Zügen genießen kann :)
Als die Schauspielerin Jane zufällig in Ivys Blumenladen läuft, ist es um beide geschehen: Sie sind sofort voneinander fasziniert und wollen sich unbedingt wiedersehen. Das gestaltet sich allerdings als schwieriger als erwartet, weil eine Beziehung, vor allem eine mit einer Frau, Janes aufblühender Karriere schaden könnte. Ivy ist zwar bereit, sich auf die Geheimhaltung einzulassen, aber leicht fällt ihr das nicht – vor allem, als Janes Manager darauf besteht, ihre freundschaftliche Beziehung zu ihrem Schauspielerkollegen als romantisch darzustellen, während Ivys Blumenladen um seine Existenz kämpft …
Zugegeben fiel es mir am Anfang schwer, mich auf die Beziehung zwischen Ivy und Jane einzulassen, weil sie wahnsinnig schnell vorankommt und dadurch zunächst unglaubwürdig wirkt. Das ändert sich glücklicherweise, als die beiden einen Kurztrip nach London unternehmen, der es perfekt geschafft hat, ihre Verbindung auf glaubwürdige, süße Weise zu präsentieren. Ihre Charaktere an sich sind wunderbar sympathisch, sodass man gerne mit beiden mitfiebert – sowohl bei der Romanze als auch bei ihren eigenen Handlungssträngen.
Die Nebencharaktere verdienen eine eigene Erwähnung, weil speziell die Gruppe um Ivy (ihre Mitbewohner Parker, Matteo, Joon, Luke und Jackson, die beiden letzteren waren hierbei die Hauptcharaktere aus „Maybe Not Tonight“) einfach großartig war und mir schnell ans Herz gewachsen ist. Auch hier mochte ich, wie die einzelnen Handlungsstränge der Figuren in die Geschichte eingebaut und schließlich aufgelöst wurden. Bei Janes Gruppe mochte ich ihre Schwester Lucia und ihren Schauspielkollegen Nick sehr gern, hätte mir aber gerne noch mehr Screentime von ihnen gewünscht.
Insgesamt also eine sehr süße Liebesgeschichte, die davon abgesehen noch so einiges mehr zu bieten hat und mir sehr viel Spaß machte. Meine einzige Kritik? Ich hätte gerne noch mehr Infos zu der fiktiven Netflix-Serie, in der Jane mitspielt, erfahren ;-) (Ernsthaft, ich war sehr interessiert daran und fand es ein wenig schade, dass wir die meisten Informationen nur am Anfang bekommen und gar nichts vom Ende erfahren haben!)
So oder so hoffe ich, in Zukunft noch mehr schöne Liebesgeschichten von Alicia Zett zu lesen :)
El und Orion sind in ihrem Abschlussjahr, was heißt, dass sie umso schwerer trainieren müssen, um es mit den Maleficaria aufzunehmen und die Abschlussprüfung zu bestehen. Doch irgendetwas scheint nicht zu stimmen: In der Schule lassen sich auf einmal nur wenige Maleficaria blicken und die Schule macht es El ungewöhnlich schwer, all ihre Aufgaben zu erledigen. Nichtsdestotrotz ist sie fest entschlossen, es zu schaffen - und alle anderen Schüler und Schülerinnen sicher mit rauszubringen ...
Größtenteils besteht der zweite Band aus den Trainingseinheiten, die El mit ihren Freunden und den anderen Schülern bestreitet; so kommt sowohl das Worldbuilding als auch das Magiesystem sehr gut heraus, auch wenn Els innere Monologe dazu manchmal von der eigentlichen Handlung ablenkten.
Ihre Beziehung zu Orion wurde schön beschrieben, aber ich mochte auch ihre Bindung zu Aadhya, Liu und Chloe sehr - andere Schüler und Schülerinnen wie Alfie und Luise, die ich ebenfalls sehr mochte, bekommen teilweise zwar auch wichtige Screentime, aber am liebsten mochte ich immer noch Els engste Freundschaften. Sie selbst bleibt auch im zweiten Band eine hervorragende Protagonistin, deren Taten man vielleicht nicht immer billigt, aber dafür versteht. Selten habe ich über eine Protagonistin gelesen, deren Stärken und Schwächen so wundervoll umgesetzt wurden!
Ansonsten bleibt der zweite Band spannend und endet mit einem epischen Finale und einem fiesen Cliffhanger, der einen gespannt auf den dritten und abschließenden Band macht. Da bleibt nur die Hoffnung, dass die Wartezeit nicht allzu lang sein wird!
Auf einer Party kommt Benny und seinen Freunden Darya, Liv, Nando und Till eine gewagte Idee: Um zu zeigen, wie leichtgläubig ein paar ihrer Kommilitonen sind (und um Liv bei ihrer Bachelorarbeit zu helfen), denken sie sich eine abstruse Verschwörungstheorie aus, in der sie behaupten, Aliens hätten sich auf der Erde niedergelassen und gewisse Menschen als „Shelter“ benutzt. Fleißig bringen sie überall in der Stadt Graffiti an, einen Doppelmond, der schnell als „OC“ im Internet kursiert. Überrascht stellen sie fest, dass es Menschen gibt, die ihnen glauben. Doch als ein User namens Octavio ihre Verschwörungstheorie kapert und auf eigene Weise weiterspinnt, geraten Benny und seine Freunde bald selbst in Gefahr …
Zugegeben: Die Grundlage dieses Romans ist tatsächlich ein bisschen unglaubwürdig. Zwar recherchieren Benny und co., was eine gute Verschwörungstheorie ausmacht, aber allein, dass sie nachts in der Stadt unterwegs sind, um ihr Symbol an öffentlichen Plätzen anzubringen, kam mir unglaubwürdig vor, weil es sehr viel Aufwand für etwas ist, das sie selbst als Spaß ansehen. Sieht man über diesen anfänglichen Stolperstein allerdings hinweg, finden wir einen weiteren tollen Poznanski-Thriller, der es hervorragend schafft, einem selbst Verfolgungswahn zu bescheren.
Ich war positiv überrascht darüber, wie Ursula Poznanski die Verschwörungstheorie gehandhabt hat. Zwar gibt es so einige leichtgläubige Leute, die auf Benny und co. hereinfallen, doch ernten sie auch gehörige Kritik und Ungläubigkeit, was ich nur angemessen fand. Selbst, als die Theorie immer verbreiteter wird, merkt man, dass es letztendlich eine Minderzahl ist, die ihr Glauben schenkt. Gleichzeitig werden die potentiellen Gefahren und Konsequenzen einer solchen Theorie sehr gut beleuchtet, sodass man einen guten Eindruck davon bekommt, wie sehr alles aus dem Ruder laufen kann, wenn genug Leute hinter einer gewagten Theorie stehen.
Wie erwähnt kommt der Verfolgungswahn der Charaktere sehr gut heraus, sodass ich zusammen mit den Charakteren oft Panik (sowohl nötige als auch unnötige) geschoben habe, weil ich niemandem mehr trauen wollte. Nur andere Spannungsaspekte haben mir ein wenig gefehlt; zwar muss Benny neben seinem wachsenden Verfolgungswahn auch mit seinen verschwindenden Freunden fertig werden, doch hätte seine Angst um sie deutlicher hervorgehoben werden können.
Dafür ist Benny an sich ein wunderbarer Protagonist, den ich schnell lieb gewonnen und mit dem ich gerne mitgefiebert habe. Wie viele Protagonisten hat auch er ein Trauma hinter sich, das nach und nach aufgedeckt wird, doch wird er nicht durch sein Trauma definiert, sondern hat davon abgesehen eine sympathische Persönlichkeit. Hervorheben möchte ich seinen Job und sein Studium: Als Schauspielstudent übt Benny während des Romans mehrmals verschiedene Monologe, hat aber auch einen Job als Barista, wo es seine Spezialität ist, aus Kaffeeschaum coole Formen zu machen. Speziell, wie Bennys Schauspielerei letztendlich in die Haupthandlung eingewoben wurde, war einfach großartig, aber davon abgesehen war es so erfrischend, einen Hauptcharakter zu sehen, der neben der eigentlichen Handlung ein Leben hat. Viel zu oft stolperte ich über Protagonisten, deren Hobbys entweder nicht existent, nicht relevant oder ein bisschen zu passend für die Handlung waren (im Sinne von „Protagonist*in hat Hobby nicht, weil er oder sie es mag, sondern, weil es später nützlich wird“). Ursula Poznanski jedoch hat die perfekte Mischung gefunden und mich damit sehr begeistert!
Die Nebencharaktere treten dafür leider in den Hintergrund; sowohl Darya als auch Till verschwinden im Verlauf der Handlung für längere Zeit, während Liv und Nando zwar mehr Screentime bekommen, jedoch mitnichten so viel Charaktertiefe wie Benny haben. Tatsächlich gibt es neben Benny nur einen Charakter, der Tiefe und Dreidimensionalität zeigt: Octavio, sein Widersacher. Ich war während des Lesens fest davon überzeugt, dass es sich bei ihm um einen Charakter aus Bennys Vergangenheit handeln würde, aber die Lösung, die Ursula Poznanski letztendlich fand, war zum Glück kreativer und passte viel besser zum Thema des Romans. Auch dafür Hut ab!
Insgesamt hat mir dieser Thriller sehr gut gefallen, seine einzige Schwachstelle sehe ich im Spannungsaufbau, der mehr Aspekte stärker hätte hervorheben sollen. Davon abgesehen hat Ursula Poznanski es wieder geschafft, einen wunderbaren Jugendroman zu schreiben!
- Der Circle
- Dave Eggers
- Kiepenheuer & Witsch
- Belletristik
- Internet
- Social Media
- Kontrolle
- Transparenz
- Privatsphäre
- Highlight
Der Circle ist ein Unternehmen, das nahezu die ganze Welt beherrscht: Social Media, Produkte, Unternehmen, Menschen. Durch ihre beste Freundin Annie, die ein hohes Tier im Circle ist, wird Hauptfigur Mae Angestellte, zunächst im Customer Service, bei dem sie Kundenfragen beantworten soll. Doch nach und nach wird Mae immer tiefer in den Circle hineingezogen, einem Teufelskreis, dem sie nicht entkommen kann - und vielleicht auch gar nicht will ...
Sehr fesselnd stellt Dave Eggers uns eine Welt des transparenten Internets vor, mit allen Konsequenzen, die daraus entstehen. Faszinierend war hierbei, dass es im Buch zwar zwei, drei wichtige Figuren gibt, die sich gegen den Circle aussprechen, es letztendlich aber den Lesern überlassen wird, eine Entscheidung über ihn zu fällen. Wie weit darf man gehen, um Sicherheit zu gewährleisten? Wie viele Informationen sollten für alle offen einsehbar sein? Wie viel Einfluss sollten die Social Media haben?
Detailliert stellt Eggers uns diese hypothetische Zukunft vor, wobei er bei seiner Detailliebe nicht spart: Wir bekommen nicht nur die Zahlen von Maes Followern, Kommentaren und Zuschauern, sondern auch den Inhalt der zahlreichen Beiträge und Anfragen, mit denen Mae sich beschäftigt. In jedem anderen Roman wären solche Informationen nutzloser Filler gewesen, aber hier stellen sie die Besessenheit, die Mae bald entwickelt, perfekt dar. Mehrmals ertappte ich mich, Maes Umgang mit ihren Social Media mit meinem eigenen zu vergleichen, im positiven und negativen Sinne.
Je weiter der Roman fortschritt, desto unangenehmer wurde das Gefühl, das die Geschichte in mir weckte: Wie eine Clickbait-Nachricht, die man gierig aufsaugt, obwohl man sich nach ihrem Konsum nicht besser fühlt. Wie dieser endlose Drang, eigene und fremde Erwartungen zu befriedigen, obwohl man sich überfordert fühlt. Eggers hat dieses Gefühl - man sollte aufhören, kann es aber einfach nicht - perfekt eingefangen und es geschafft, auf diese Weise einen wahren Pageturner zu schreiben, den man nicht aus der Hand legen möchte. Es ist, als würde man einem Zug beim Entgleisen zusehen: Man ist schockiert über die Macht des Circle, aber gerade deshalb will man unbedingt wissen, wie weit sie wirklich geht.
Insgesamt ein weltveränderndes Leseerlebnis!
- Age of Darkness
- Into the Dying Light
- Henry Holt
- Jugendbuch
- Fantasy
- Charaktere
- Beziehungen
- Twists
- Romanze
- Freundschaft
- Trilogie
- LGBTQ
- Highlight
Weil ich so unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte von Anton, Jude, Hassan, Ephyra und Beru endet, beschloss ich, nicht bis zum Erscheinen der deutschen Übersetzung im Dezember zu warten, sondern bereits jetzt das englische Original zu lesen (wobei ich aber natürlich auch die Übersetzung lesen werde, sobald sie herauskommt).
Für unsere Protagonisten sieht es schlecht aus: Anton ist seit zwei Monaten verschwunden und laut Kopfgeldjägern, die Jude anheuert, um ihn zu finden, sogar tot. Hassan hat sich entschieden, sein Zuhause – und seine Freundin Khepri – hinter sich zu lassen und Jude und Hector dabei zu helfen, Beru aus den Händen Pallas' zu befreien. Sie wird gezwungen, die Gaben der Menschen auf die Zeugen zu übertragen; wehrt sie sich, wird ihre Schwester Ephyra dafür bestraft. Doch ausgerechnet in Antons Bruder Illya finden beide einen potentiellen Verbündeten, der sie befreien könnte …
Es hat mich unglaublich gefreut, über die neuen und alten Beziehungen der Charaktere zu lesen, weil viele von ihnen nur Kontakt zu einer oder zwei Personen in den vorigen zwei Bänden hatten, hier jetzt aber tatsächlich die Dynamik zwischen allen Protagonisten und Deuteragonisten beleuchtet wird. Natürlich wird auf manche Beziehungen mehr Fokus gelegt als auf andere, aber insgesamt bekommt so ziemlich jedes mögliche Paar zwischen den Charakteren mindestens eine wichtige Szene.
Die Beziehung zwischen Anton und Jude war hierbei natürlich ein Highlight, aber ich mochte es auch, wie beide eine Freundschaft mit Hector geschlossen bzw. erneuert haben, während Hector selbst eine Freundschaft mit Hassan schließt; die Chemie zwischen den beiden Charakteren hat mich positiv überrascht. Auch Ephyra und Hectors Beziehung war aufgrund ihrer Feindschaft und ihrer schwesterlichen bzw. romantischen Liebe zu Beru sehr interessant zu lesen. Zuletzt war Illyas komplizierte Beziehung zu Ephyra und Anton eine, die ich ebenfalls hervorragend umgesetzt fand.
Die Handlung bleibt durchgehend spannend und Katy Rose Pool schafft es hervorragend, den Charakteren Steine in den Weg zu legen. Kein Plan, den sie beschließen, läuft glatt, weil immer etwas Unerwartetes passiert, das sie zwingt, eine andere Lösung zu finden. Das hat sehr zur Spannung beigetragen, weil man nie sicher sein konnte, dass alles problemlos vonstatten geht. Die Enden, die die Autorin letztendlich für die fünf Sichtcharaktere findet, fand ich sehr zufriedenstellend, nur für Hector und Illya hätte ich mir gerne ein anderes Ende gewünscht.
Insgesamt gehört diese Trilogie zu den besten Jugendfantasy-Büchern, die ich je gelesen habe, weil speziell die Charaktere hervorragend umgesetzt sind. Die „Age of Darkness“-Trilogie war Katy Rose Pools Debüt und lässt mich schon jetzt auf ihr nächstes Werk freuen!
"Die Wahrheit über das Lügen" versammelt zehn Kurzgeschichten, die Benedict Wells im Lauf der Jahre geschrieben hat. Es war ein kurzweiliges Leseerlebnis, das mir dennoch Spaß gemacht hat.
Die Hauptgeschichte "Das Franchise", in der jemand in die Vergangenheit reist und George Lucas die Idee zu "Star Wars" klaut, ist dabei definitiv das Highlight. Sie war sehr gut recherchiert und verstand es, die Konsequenzen für den Eingriff in die Zeitlinie realistisch zu halten, anstatt uns eine übertrieben schlechte oder gute Zukunft zu präsentieren, wie es oft bei Zeitreisegeschichten vorkommt. Dürfte ich nur eine der zehn Kurzgeschichten lesen, würde ich definitiv diese wählen.
Die anderen neun waren im Gegensatz dazu durchwachsen - "Die Wanderung", "Die Muse", "Ping Pong", "Die Fliege" und "Hunderttausend" haben mir gut bis sehr gut gefallen, während ich mit "Das Grundschulheim", "Richard", "Die Nacht der Bücher" und "Die Entstehung der Angst" nicht so viel anfangen konnte. Ein/e andere/r Leser/in mag jedoch eine ganz andere Liste von persönlichen Lieblingen finden.
Allein für die Lektüre der Star-Wars-Geschichte lohnt sich das Lesen jedoch, finde ich. Ich bin noch nicht einmal Star-Wars-Fan und habe nur eine grobe Ahnung, was die Handlung und die Charaktere betrifft, aber Benedict Wells hat "Das Franchise" so gut geschrieben, dass das keinen Unterschied für mich machte. (Obwohl es sicher noch mehr Spaß macht, die Geschichte als eingefleischter Fan zu lesen.)
Eine weitere Kurzgeschichtensammlung würde ich durchaus begrüßen, am besten mit Geschichten, die so gut ausgebaut sind wie "Das Franchise"!
Robert Beck ist Lehrer, in seinem Herzen jedoch Musiker. Als er in einer seiner Klassen ein unglaubliches Musiktalent, den Jungen Rauli Kantas, entdeckt, blüht ein neuer Traum auf: Rauli als Manager helfen, ganz oben anzukommen. Während er sich auch um Lara, seine zehn Jahre jüngere Affäre, und Charlie, seinen depressiven besten Freund, kümmert, wird Beck langsam klar, dass er auch sein eigenes Leben in den Griff bekommen muss ...
"Becks letzter Sommer" ist ein wunderbarer Roman, der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat, was vor allem an den Charakteren (speziell Beck und Rauli) als auch an den verschiedenen Handlungssträngen liegt, die Benedict Wells sehr gut in die Handlung eingebaut hat. Speziell die Geheimnisse der Charaktere laden sehr zum Weiterlesen ein, z.B., was es mit den gelben Zetteln auf sich hat, die Rauli dauernd schreibt und warum Charlie plötzlich seine Mutter in Istanbul besuchen will. Einzig zu Lara hätte ich gerne noch mehr gelesen, aber dafür hat sie immer, wenn sie aufgetreten ist, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Am Anfang eines Kapitels (die hier "Songs" genannt werden) folgt eine kurze Zusammenfassung der Dinge, die den Leser erwarten, was bereits Vorfreude und Neugier in mir geweckt hat. Sehr gut gefiel mir auch, dass Becks Geschichte eine Erzählung in einer Erzählung war - ab und ab springen wir zum Autor seiner Geschichte über und wie dieser Interviews mit Beck führt, um herauszufinden, wie es nach einem bestimmten Punkt weitergegangen ist.
Das einzige, das mir nicht gefallen hat, kann man letztendlich verschmerzen: Der Hund stirbt. D: Das fand ich ganz schön unnötig, aber davon abgesehen? Ein absolut hervorragender Roman, der einem nicht nur gute Unterhaltung bietet, sondern auch die wichtigen Fragen des Lebens stellt!
„Spinner“ ist der erste Roman, den Benedict Wells geschrieben hat – und um ehrlich zu sein, merkt man das auch. Das Buch ist mitnichten schlecht, aber definitiv schräg, was vor allem dadurch zustande kommt, dass der Hauptcharakter Jesper Lier seine eigene Geschichte gerne ausschmückt, teils an Halluzinationen leidet und die Struktur des Romans, die ihn in sieben Wochentage einteilt, es erlaubt, so einige seltsame Dinge geschehen zu lassen.
So geht es nicht nur im Jespers schwieriges Leben, sondern auch um seine Freunde Gustav und Frank, seine Schwärmerei für die Studentin Miriam, seinen Roman „Der Leidensgenosse“ und noch einige Dinge mehr. Was mir hier sehr gefallen hat, ist, dass insgesamt jeder Handlungsstrang ein Ende fand, was für mich nach dem leicht episodenhaften Beginn nicht selbstverständlich war. Auch den Humor, den Benedict Wells einbaut, mochte ich. Trotzdem war der Roman mir stellenweise zu schräg, weil mich die Zufälle, die Jesper passieren, teils aus der Geschichte holten, weil sie nicht wie natürliche Zufälle wirkten, sondern welche, die der Autor eingebaut hat. (Natürlich entscheidet letztendlich alles der Autor, aber normalerweise wird das nicht so deutlich wie hier.)
Gegen Ende lassen diese Zufälle glücklicherweise nach und es wird auf ernstere Themen eingegangen, vor allem im Bezug auf Jespers Zustand, den dieser den gesamten Roman lang ignoriert hat, bis er es nicht mehr konnte. Hier gibt es auch einige notwendige Erklärungen – zum einen Wahrheiten, die Jesper vor sich verbarg bzw. die vor ihm verborgen wurden sowie die Tatsache, dass einige seiner Geschehnisse zumindest teilweise halluziniert waren. Es ist relativ deutlich, um welche Geschehnisse es sich hierbei handelt, aber verwirrend war es trotzdem ein wenig.
Insgesamt ein Erstlingswerk, dem es gut gelingt, seine Handlungen zu Ende zu führen, jedoch nicht ganz so gut, sie wie eine natürliche Konsequenz von Jespers Handlungen darzustellen. Umso mehr freue ich mich schon darauf, zu sehen, wie Benedict Wells sich im Lauf der Zeit verbessert hat!
"Das Leben der Heiligen" ist nach "Die Sprache der Dornen" bereits der zweite Sonderband, der die Welt des Grishaverse expandiert. Das fragliche Buch wurde von Alina Starkov sowohl in ihrer Trilogie als auch in der Netflix-Verfilmung "Shadow and Bone - Legenden der Grisha" gelesen. Nun bekommen auch wir seinen Inhalt zu Gesicht.
Beim Blick auf den Preis musste ich erst mal schlucken - das Buch hat unter 150 Seiten, kostet aber mehr als ein fast 600 Seiten langer Band der Krähen-Duologie. Glücklicherweise erklärt sich diese Diskrepanz schnell, sobald man das Buch aufschlägt, den neben den kurz beschriebenen Leben der Heiligen gibt es jeweils ein wunderschönes, farbiges Bild dazu, das den Heiligen bzw. die Heilige in einem wichtigen Moment seines/ihres Lebens darstellt. Jedes einzelne dieser 28 Illustrationen war ein kleines Kunstwerk für sich und nach dem Lesen habe ich sie mir alle noch mal angeschaut. Sie entschuldigen den teuren Preis vielleicht nicht vollkommen, machen ihn aber verständlicher.
Und dann sind da natürlich die Erzählungen über die Heiligen selbst. In der Regel schildert Leigh Bardugo, wie jemand zu einer Heiligen bzw. einem Heiligen wurde, erzählt aber auch ab und an die Geschichte der Person(en), die sich in ihrer Not an sie oder ihn wandten. Natürlich sind auch bekannte Namen wie Alina oder Yuri dabei, die ihren Auftritt in der "Shadow and Bone"-Trilogie hatten.
Müsste ich meine Lieblingsheiligen auswählen, fiele meine Wahl - nach einigem Überlegen - auf Sankta Anastasia (die ihr Blut zur Heilung spendete), Sankt Nikolai (der einzige Überlebende eines Schiffes), Sankt Emerens (der Ratten vom Getreide fernhielt), Sankt Valentin (der half, den Mord an einer Braut aufzudecken), Sankt Petyr (der sich opferte, um einen Dämon zu besiegen), Sankt Lukin (der selbst nach seinem Tod unermüdlich Ratschläge gab) und Sankt Dimitri (der bis zu seinem Tod treu an die Heiligen betete).
Das soll natürlich nicht heißen, dass die anderen Heiligen schlechter waren, mich haben schlicht die jeweiligen Erzählungen meiner Lieblingsheiligen am meisten beeindruckt. Das Schöne hierbei ist, dass wohl jeder seine eigene Liste von Lieblingsheiligen hat, weil sie alle ein abenteuerliches Leben und vor allem einen abenteuerlichen Tod hatten. Würde man mich nächste Woche fragen, sähe meine Liste vermutlich leicht anders aus, so schwer fiel es mir, mich für nur sieben Heilige zu entscheiden.
Insgesamt würde ich das Buch trotzdem nur Hardcore-Fans des Grishaverse empfehlen, die gerne noch mehr Infos dazu bekommen wollen. Ohne das Wissen, das in den Hauptbüchern gesammelt wurde, stelle ich mir die Lektüre recht schwer vor; ist man aber wie ich ein großer Fan von der Welt, die Leigh Bardugo geschaffen hat, darf man sich auf eine kurzweilige Lektüre freuen, die das Lesen der Hauptbücher sicher bereichern wird!
Fünf Jahre sind vergangen, seit es Ursula gelang, Triton zu töten und Arielle zu besiegen. Als Vanessa herrscht sie grausam über Eriks Königreich, während der Prinz immer noch hypnotisiert ist. Arielle, ihrer Stimme beraubt, herrscht über Atlantica, ist jedoch unglücklich. Doch dann erfährt sie von Scuttle, dass ihr Vater noch lebt. Entschlossen, ihn zu retten, kehrt Arielle als Mensch an die Oberfläche zurück - doch gestaltet sich ihre Mission bald als schwieriger, als sie gedacht hatte ...
"Inmitten der Wasserwelt" ist eine wunderbare Fortsetzung zu dem alternativen Ende, das Liz Braswell für "Arielle, die Meerjungfrau" schreibt. Ich war positiv überrascht darüber, wie natürlich sich die Handlung anfühlte - so natürlich, dass dieser Roman sich mehr nach einer würdigen Fortsetzung anfühlte als die eigentlichen Disney-Sequels!
Am besten hat es mir gefallen, Arielles, Eriks und Ursulas Plänen zu folgen, weil sie sich wie ein Schachspiel lasen, in denen die beiden Seiten sich gegenseitig übertrumpfen. Es war äußerst spannend, wie alle Charaktere noch einen Trumpf im Ärmel hatten, sodass ich umso mehr mitfieberte, weil man sich nie sicher sein konnte, ob ein Plan wirklich funktioniert. Jedes Mal, wenn eine Seite die Oberhand zu gewinnen schien, hatte die andere Seite noch einen gefährlichen Spielzug auf Lager; das war für mich das Highlight des Romans!
Auch die Charaktere begeisterten mich. Arielle, Erik und Ursula stechen wieder positiv hervor, weil ihre Dynamik in den Szenen, in denen zwei oder drei von ihnen zusammentreffen, großartig war; aber auch neue Charaktere wie Scuttles Urenkelin Jona, Ursulas Dienerin Vareet oder die Marktfrau Argent sind hervorragend in die Geschichte eingebaut und fühlen sich wie ein natürlicher Teil des Arielle-Universums an.
Insgesamt bin ich sehr begeistert von dieser "Twisted Tale", sie gehört zusammen mit "Die Schöne und ihr Geheimnis" zu meinen beiden liebsten Twisted Tales. Insofern hoffe ich, dass Liz Braswell noch viele weitere schreiben wird!
Aurora lebt in ihrem Schloss, nachdem Maleficent die Welt und die letzten Überlebenden gerettet hat. Jedoch langweilt sie sich sehr, weil es außer monatlichen Bällen nichts zu tun gibt - bis sie durch einen Minnesänger eine Vogelfeder in den Besitz bekommt, die darauf hinweist, dass die Welt draußen noch existiert. Und bald darauf muss sich Aurora sich mit der Frage konfrontieren, ob die Welt, in der sie lebt, überhaupt real ist ...
Insgesamt bin ich sehr zwiegespalten, was den neuen Teil der "Twisted Tales" betrifft. Einerseits liebe ich es, wie die Beziehung von Aurora und Phillip hier mehr Tiefe bekommt und die Schwächen des Original-Films angesprochen werden (z.B. Maleficents Grund, Baby-Aurora zu verfluchen, die Liebe auf den ersten Blick zwischen Aurora und Phillip oder auch die Lügen, mit denen Aurora aufwuchs und nie infrage stellte).
Andererseits gibt es viele Pacing-Probleme, bzw. Szenen, die die Geschichte unnötig strecken (in der Regel eine weitere Falle von Maleficent, in die Aurora und Phillip hineinlaufen). Das wurde bald sehr ermüdend, weil vieles locker hätte gestrichen werden können.
Was die Charaktere angehen, ist es schön, dass Aurora und Phillip mehr Tiefe bekommen, andererseits nicht ganz so schön, dass vor allem Aurora sich zeitweise out-of-character verhält - gerade in der zweiten Hälfte verhielt sie sich überhaupt nicht so wie Aurora im Film, was ich schade fand. Ich habe mitnichten was dagegen, dass sie für sich selbst einsteht, doch sollte das nicht auf Kosten ihrer Charakterzüge entstehen.
Auch beim Ende bin ich zwiegespalten. Das Finale war ein wenig zu lang und die autoritäre Aurora am Ende ähnelte mehr Maleficent als Film-Aurora, aber dafür mochte ich es, dass alles, was in Auroras Traum geschah, tatsächlich Konsequenzen in der Realität hatte, sodass es am Ende kein reines Happy End gibt, sondern ein realistisches.
Insgesamt also ein Roman mit vielen Höhen und Tiefen, bei dem es mir schwer fällt, eine Bewertung abzugeben - er war weder großartig noch schrecklich, aber auch nicht durchschnittlich. Umso gespannter bin ich, wie sich die gleichzeitig erschienene Twisted-Tales-Variante von Arielle schlagen wird, die als nächstes auf meiner Liste steht!
Eigentlich soll Maya nur Professor Maximilian Wagner während eines Kongresses betreuen, doch schnell fällt ihr auf, dass mehr hinter dem Professor steckt, als sie ursprünglich annahm. Als er sie bittet, ans Schwarze Meer zu fahren, damit er dort Geige spielen kann, stellt Maya Nachforschungen an - und erfährt von Nadja, der Frau, die er verloren hat ...
"Serenade für Nadja" ist keine Liebesgeschichte. Zwar fokussiert sich ein Kapitel speziell auf Maximilian und Nadja und bildet meiner Meinung nach auch das Highlight des Buches, aber viel mehr geht es um Maya und ihr Leben sowie um die historischen Hintergründe, die schließlich zu Nadjas Tod führten.
Ich muss zugeben, dass ich deswegen zunächst enttäuscht war - aufgrund der Kurzbeschreibung las ich das Buch mit der Erwartung, die Liebesgeschichte würde, ähnlich wie in anderen Büchern, regelmäßig in Rückblenden erzählt werden, weshalb ich in der ersten Hälfte der Geschichte recht ungeduldig wurde, weil das nicht geschah. Dabei ist Mayas Leben und speziell ihre Beziehung zu ihrem Sohn Kerem sehr eindringlich beschrieben worden, was ich aber erst im Nachhinein wertzuschätzen wusste. Hier wünschte ich wirklich, die Kurzbeschreibung hätte es nicht so klingen lassen, als würde Maximilians und Nadjas Liebe eine Hauptrolle spielen. (Sie ist natürlich wichtig, wird aber recht spät erzählt.)
Was die historischen Bezüge angeht, sind sie vor allem im Hinblick auf das Rückblende-Kapitel bemerkenswert: In der ersten Hälfte las ich all die Informationen mit mildem Interesse, doch als ich begriff, wie sie mit der persönlichen Geschichte von Maximilian und Nadja zusammenhingen, nahmen sie sofort eine andere Bedeutung an.
Stilistisch gibt es einen kleinen Kritikpunkt: Oft gibt es ganze Dialog-Batzen, in denen die Sprecher nicht erwähnt werden. Ich bin mehrmals durcheinander gekommen, weil ich während des anhaltenden Dialogs vergaß, wer nun mit Sprechen an der Reihe ist.
Ansonsten handelt es sich um eine schöne Geschichte, die alleinig von der Erwartungshaltung, die man ihr entgegen bringt, gemildert werden könnte. Wer sich für Geschichte interessiert und eine kleine Liebesgeschichte als bittersüßen Zusatz möchte, wird zufrieden sein; wer Fokus auf Liebesgeschichten legt und nicht viel mit historischen Ereignissen anfangen kann, sollte besser zu einem anderen Buch greifen. Ich fing an, die Geschichte zu genießen, sobald mir klar wurde, worum es eigentlich ging: Maya und ihre Konfrontation mit ihrer eigenen und Maximilians Vergangenheit.