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Valdivia - Die Geschichte der ersten deutschen Tiefsee-Expedition
237 Seiten

Nettes Büchlein zur ersten deutschen Tiefsee-Expedition, angereichert mit Zeichnungen und Bildern, die auf der Expedition entstanden sind. Schöne Übersicht mit vielen Zitaten und gut erklärtem Reiseverlauf. Kann man so weglesen und ist trotz der mitunter schwierigen Thematik (Rassismus, Kolonialismus..) nicht zu schwer. Schade, dass es nicht ausführlicher war.

Wachs
187 Seiten

Frankreich, im 18. Jahrhundert. Es lieben sich zwei sehr verschiedene Frauen: Marie Biheron sezierte bereits in jungen Jahren Leichen, um deren Innenleben aus Wachs zu modellieren, während Madeleine Basseporte die Anatomie von Blumen zeichnete, da Menschen oft stören und wenig Ahnung haben. Männer spielen Nebenrollen – ein nervöser Bestseller-Autor, ein junger Nichtsnutz und Diderot, der Kaffee trinkt und viel redet. Ein historischer (Liebes-?)roman, der zwischen friedlichen Zeiten und den Schreckenstagen der Revolution pendelt.

Erzähl's nicht deinem Bruder
301 Seiten

Meir Shalevs letzter Roman - genauso schön wie alle seine Geschichten. Boas und Itamar, zwei Brüder, treffen sich jährlich in Israel und erzählen sich in der Brüdernacht bei Feigenschnaps Geschichten. Dieses Mal erzählt der mit Schönheit gesegnete aber extrem kurzsichtige Itamar von einem One Night Stand mit einer Frau, die ihm seine Brille wegnimmt. Die Brüder erinnern sich an Mutter, an Vater, ans Älterwerden der Eltern, an Ehefrauen und Liebeskummer, an Hilflosigkeit und Zusammenhalt. Die Geschichte ist so schön, sie legt sich wie Balsam auf die Haut und bleibt dort.

Walzer in Zeiten der Cholera – Eine Seuche verändert die Welt
352 Seiten

Zu recht auf der Shortlist zum Wissenschaftsbuch des Jahres 2022 und passend zu einer Pandemie. Die Cholera steppt durch Europa, die Wiener trinken Donauwasser und dann kommen ein Schmetterlingsforscher und ein Geologe und wollen eine Hochwasserleitung aus den Alpen bauen. Was wie Wahnsinn klingt ist der Beginn eines Großprojekts mit all seinen Problemen und Hatern und eine Geschichte der modernen Großstadt. Sehr lesenswert und unterhaltsam. Ich trinke Leitungswasser mit neuer Demut und mit großer Freude, auch wenn es ein bisschen verkalkt ist.