Der dritte Teil der Trilogie. Jura ist nach Charkiw zu Wolodja gezogen. Doch das Liebesglück währt nicht lange, denn einerseits leiden beide darunter, ihre Beziehung im Verborgenen leben zu müssen, und Jura leidet zudem je länger je mehr unter dem Druck seiner Arbeit, die zu einer grossen Schaffenskrise führt. Jura fällt in eine tiefe Depression und der Alkohol dominiert seinen Alltag. Wolodja möchte ihm helfen, merkt aber, dass wahrscheinlich nur die Rückkehr nach Deutschland ihn wirklich heilen kann. Juras Krise stellt ihre Beziehung hart auf die Probe. Auch Wolodjas Schlafprobleme kommen zurück. Aber sie kämpfen... mit Happy End. :)
Der dritte Band hat mich jetzt am wenigsten "abgeholt", wieso kann ich aber gar nicht so genau sagen. Teilweise fand ich die Kapitel etwas langatmig (besonders bei denen es um die Musik von Jura ging). Aber schön, wie die Trilogie endet, ich mag es Jura und Wolodja sehr gönnen. :) Insgesamt war es eine sehr traurige, berührende Trilogie.
Es dauert 20 Jahre, bis sich Jura und Wolodja nach ihrer Begegnung im Pionierlager endlich wiedersehen - und sich neu verlieben. Jura wohnt mittlerweile in Berlin und hat sich seinen Traum als Musiker erfüllt, Wolodja lebt in Charkiv und ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Jura lebt seine Homosexualität offen, Wolodja hadert noch immer mit seiner "Diagnose". Erst mit dem Zusammensein mit Jura getraut er sich langsam, sich bei seiner Familie und Freund*innen zu outen. Doch wie befürchtet, findet das in der Ukraine keinen Anklang...
Auch der zweite Band hat mich sehr berührt. Im Gegensatz zum ersten Band fand ich jetzt auch keine Stelle mehr, die mich langatmig dunkte. Ich mochte es sehr, wird im 2. Band nun aus Wolodjas Sicht geschrieben, während der 1. Band aus Juras Sicht geschrieben wurde. Das heisst, der gesamte Erzählstrang wiederholte sich zu Beginn zwar, aber er wurde so fest gekürzt, dass keine Langeweile aufkam - insbesondere auch aufgrund der anderen Sichtweise.
Jetzt freue ich mich noch auf den dritten und letzten Teil der Serie.
Marina Jungs Sohn hat mit 22 Jahren zum ersten Mal Kokain konsumiert. Es folgen vier Jahre der Sucht. Mit 26 verliert ihr Sohn den Kampf gegen die Droge.
Die Autorin erzählt schonungslos vom vierjährigen Kampf gegen die Sucht, was diese mit ihrem Sohn und auch mit ihr und ihrem Mann als Eltern gemacht haben. Sie untermalt ihre persönlichen Erfahrungen mit fundierten Fakten und macht auch Verweise zu anderen Betroffenen.
Das Buch zeigt deutlich auf, mit wie vielen falschen Vorurteilen die Gesellschaft Suchterkrankten gegenübertreten, mit wie vielen Stigmatisierungen die Betroffenen sowie die Angehörigen zu kämpfen haben. Ich habe unglaublich viel gelernt über die zerstörerische Wirkung von Kokain und über den schwierigen Weg, aus einer Abhängigkeit wieder herauszukommen.
Die für mich wohl wichtigste Message aus diesem Buch:
Sucht hat nichts mit Willensschwäche zu tun, Sucht ist eine Krankheit. (S.17)
Sucht ist eine anerkannte Krankheit. Sucht als Willens- oder als Charakterschwäche zu qualifizieren ist nicht nur grundlegend falsch, sondern auch diskriminierend. (S.39)
Oder genauer:
So glauben viele Menschen nach wie vor, Sucht sei ein Zeichen Charakter- oder Willensschwäche. Manchmal wird sogar die Meinung vertreten, die von einer Konsumstörung betroffenen Personen hätten es nicht besser verdient, weil sie ihren Zustand letztendlich sich selbst zuzuschreiben hätten. Diese Annahmen sind grundlegend falsch, denn Substanzkonsumstörungen sind biopsychosozial herleitbare psychiatrische Erkrankungen, die meist chronisch verlaufen und eine hohe Morbidität und Mortalität aufweisen. (S.10)
Spannend fand ich zudem auch das:
Neurobiologisch wird eine ADHS oft mit einem Ungleichgewicht im Dopaminsystem erklärt. [...] Dopamin [ist] ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle spielt bei der Regulation von Aufmerksamkeit, Motivation und Belohnung. Bei Menschen mit einer ADHS ist die Dopaminaktivität im Gehirn eingeschränkt, was unter anderem zu Unaufmerksamkeit und Impulsivität führen kann. Auf Basis dieser Dopmaindefizit-Hypothese haben Menschen mit einer ADHS ein deutlich erhöhtes Abhängigkeitsrisiko, weil sie empfänglich sind für die Wirkung von psychoaktiven Substanzen. [...] Es mag daher nicht erstaunen, dass bei Personen mit einer ADHS eine Kokainabhängigkeit vergleichsweise häufiger auftritt als bei Personen ohne ADHS. In Fachkreisen gilt eine konsequente ADHS-Behandlung bereits ab dem Kindes- und Jugendalter als eine der sinnvollsten Präventionsmassnahmen für Suchterkrankungen. Kinder mit einer ADHS haben ein doppelt so hohes Risiko für eine Kokainabhängigkeit als andere, unter anderem, weil sie unbekümmerter, neugieriger und begeisterungsfähiger unterwegs sind. (S.187)
Mich hinterlässt das Buch fassungslos zurück, es wird bei mir wohl noch lange nachhallen. Ich bin erschüttert über das, was die Autorin und vor allem ihr Sohn durchgemacht haben. Und ich bin unglaublich beeindruckt, dass Marina Jung diese vier Jahre nie aufgegeben hat, ihrem Sohn beizustehen und zu kämpfen für ein Leben ohne Drogen, auch wenn das unvorstellbar kräftezehrend gewesen sein musste - für alle. Grossen Respekt an sie, auch dafür, dass sie ihre ganzen Erfahrungen ungeschönt und absolut transparent in diesem Buch gesammelt hat, um anderen Suchterkrankten und Angehörigen von Suchterkrankten zu helfen.
<"Drug, wir brauchen solche Leute wie dich", sagte Schabla damals, und du wusstest, das sind keine leeren Komplimente, und du wusstest auch, es geht ihm nicht darum, dass du für den Kriegsdienst besonders geeignet wärst. Aber du kannst drei Sprachen, darunter Ukrainisch, du kannst einen Geländewagen steuern, sogar im Gelände, du weisst, wei ein Reduktionsgetriebe funktioniert und wozu man die Achsblockierung braucht, du kannst schiessen, obwohl diese Fähigkeit hier nicht so entscheidend ist, du bist körperlich einigermassen in Form, läufst immer noch zehn Kilometer in der Stunde und schaffst fünf Klimmzüge, bist entscheidungsstark, gerätst nicht in Panik, bist ein guter Organisator, mehr braucht man für so einen Krieg nicht. (S.94)
Das warst du und bist es weiterhin, der Mensch, den man nicht töten kann, weil er schon ohne Leben ist. [...] einer, der den Tod sucht und jetzt plötzlich festgestellt hat, dass er doch leben will, einer, der im Chaos der Welt wenigsten ein paar Spuren von Sinn finden wollte und mitten in der Brandung begann, die Sandkörner am Strand zu ordnen. (S.100)
"Warum hast du gesagt, wir leben nicht mehr?", fragst du Jagoda erneut. "So muss man denken", antwortet Jagoda. "Damit man vor Angst nicht durchdreht. Wenn du glaubst, du bist schon tot, hast du zwar weiter Angst, klar, Angst muss man haben, wer keine Angst hat, der ist verrückt, der zieht sich und den Kameraden Probleme auf den Hals. Am schlimmsten sind die, die keine Angst haben, Idioten. Aber wenn du glaubst, du könntest leben, wenn du glaubst, es gibt etwas nach dem Krieg, irgendeine Art von Leben, [...] dann kriegt die Angst dich zu packen; wenn du an eine Leben nach dem Krieg glaubst, willst du unbedingt bis dahin leben, du wirst schliesslich die Maschinenepistole auf Dauerfeuer stellen und sie dir unters Kinn setzen, denn wenn jemand das Kriegsende erleben will, dann wird der Krieg unerträglich, und besser nicht zu leben, als auf ein Leben nach dem Krieg zu warten." (S.129)
Die Hauptfiguer, der Soldat Kón, kommt aus einer ukrainisch-polnischen Familie, aufgewachsen in Polen. Als Freiwilliger ist er in den Krieg gezogen und harrt nun als Drohnenflieger nahe der Nulllinie aus. Es geht brutal zu und her, Twardoch beschönigt nichts. Die Sprache der Soldaten ist derb, die Hoffnung auf ein Überleben gleich Null.
Ein Buch, welches erschüttert und ein grausames Bild zeigt, was in der Ukraine gerade passiert. Ein Buch nahe der Soldaten. Die einzelnen Exkurse zu antiker Literatur hätten mich etwas durchatmen lassen, interessierten mich jetzt aber nicht so. Viele technische Ausführungen des Krieges verstand ich nicht.
Auf jeden Fall ein schwer verdauliches Buch, aber eines, das sich lohnt.
ich kann entweder fühlen, dass sie meine liebende Mutter ist. Oder daran denken, dass sie die russischen Mörder unterstützt. Beides gleichzeitig fühlen und denken kann ich nicht. (S.33)
Kapitelman (in Kiew geboren, mit 8 Jahren nach Leipzig gekommen) beschreibt in seinem Roman, was der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine mit ihm macht. Vor allem aber beschreibt er, wie sich der Krieg auf die Beziehung zu seiner Mutter auswirkt. Sie steht nämlich auf Putins Seite. Plötzlich ist die russische Sprache noch das scheinbar einzig Verbindende zwischen ihr und ihm. Kapitelman schafft es gut, diese Ambivalenz von der Liebe zu seiner Mutter und seiner Verzweiflung bzw. Unverständlichkeit, dass sie Putins Propaganda verfällt, darzustellen.
Trotz der Schwere des Themas ist das Buch sehr humorvoll geschrieben, was der Geschichte etwas Leichtigkeit verschafft und die Brutalität des Krieges erträglicher macht, ohne sie in Abrede zu stellen. Das Buch schafft einen persönlichen Einblick in den Alltag Einheimischer in einem Kriegsgebiet. Ich hätte mir von Seiten des Autors aber mehr Konfrontation/Auseinandersetzung gewünscht, mehr Gespräche mit seiner Mutter.
Jura (16) und Wolodja (18) lernen sich 1986 in einem Sommer-Pionierlager in Charkiv, im ehemaligen Sowjetunion, kennen. Schnell freunden sie sich an und bald merken sie auch, dass sie mehr füreinander empfinden als nur Freundschaft. Im Geheimen nähern sie sich an, wohlwissend, dass ihre Liebe in der sowjetischen Gesellschaft nicht akzeptiert ist und es ihr Geheimnis bleiben muss. Nach diesem Sommer versprechen sie sich, den Kontakt zueinander nicht zu verlieren. Ein paar Jahre schreiben sie sich fleissig Briefe, doch dann verlieren sie sich dennoch aus den Augen. 20 Jahre nach ihrem gemeinsamen Sommer beschliesst Jura endlich, Wolodja wiederzufinden...
Mich hat die Geschichte sehr berührt. Da ich vor 25 Jahren selbst längere Zeit in Russland verbrachte, fand ich es sehr spannend, der Geschichte im geschichtlichen Kontext zu folgen, welche in der Sowjetunion begann, die Perestrojka und den Zerfall der Sowjetunion durchlebte. Besonders Wolodjas Hadern mit seiner Homosexualität, die vor allem der homofeindlichen Gesellschaft geschuldet war, hat mich sehr ergriffen. Ich bangte all die Seiten um die Liebe der beiden Männer und wünschte mir nichts mehr, als dass sie endlich wieder zueinanderfinden und ihre Liebe ausleben können. Dass dieses Buch in Russland verboten ist, überrascht mich zwar nicht, macht mich aber dennoch sehr traurig und wütend.
Gewisse Teile der Geschichte fand ich sehr langatmig, und zwar all die Theaterproben im Sommerlager, insbesondere die finale Theateraufführung. Da hätten ruhig ein paar Seiten zusammengekürzt werden können. Ich bin schon sehr gespannt auf den 2. Teil.
Es gibt einen alten Witz aus der Zeit des Euromaidan-Aufstands von 2014: "Wenn es aussieht wie ein Pferd, klingt wie ein Pferd und sich verhält wie ein Pferd, ist es sehr wahrscheinlich ein Pferd. Und wenn es sagt, es sei kein Pferd, dann ist es mit Sicherheit ein russisches Pferd." (S. 114)
Nora Krug fragte nach dem 24. Februar 2022 eine in Kiew lebende Journalistin und einen in St.Petersburg lebenden Künstler an, ob sie sie zu ihren Erfahrungen interviewen und ein illustriertes Tagebuch gestalten dürfe. Ein Jahr begleitet Krug die beiden. Pro Woche ist je eine Seite entstanden, die sich einander gegenüberstehen. In den beiden Tagebüchern geht es um die Gedanken und Ängste der beiden, wie sie die Kriegs-Ereignisse erleben und damit umgehen, mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen haben.
Ein sehr schön gestalteter Graphic Novel mit erschütterndem, bedrückendem Inhalt. Das Buch erlaubt einen sehr privaten Einblick dieser beiden Menschen, die Geschichten nimmt einem richtiggehend ein.
"Einer der Polizisten zieht dem Toten das blau-weiss gestreite T-Shirt nach oben. Der massive Bauch ist blutverschmiert und wackelt hin und her. Der Polizist hält die Kamera mit der rechten Hand, die linke Hand vergräbt er in seiner Jackentasche. Er wird die Bilder später auf die Festplatte eines Computers laden und mit Datum und Ort beschriften: Butscha, 10. April 2022. Und wo speichern wir die Bilder in unseren Köpfen? Nach wie vielen Toten stumpfen der Polizist, mein Kameramann oder ich als Journalistin ab?" (S. 168)
"Die Gesichter aller sind müde, die Hände von Russ und Dreck verfärbt. Sergei erzählt: 'Die Russen sind einfach auf Jagd gegangen. Säuberungen haben die gemacht.' Säuberungen von was? Vom Leben? Der Hausmüll der Anwohner türmt sich. Die russischen Soldaten haben nur den Tod, aber keine Müllabfuhr gebracht." (S.169)
"Ein Kollege von der SRF-Bundeshausredaktion begleitet die Parlamentarier auf ihrer Reise in die Ukraine. 'Luzia, wie gehst du mit der Realität in der Ukraine, mit diesen Bildern um?' Ehrliche Antwort: 'Gar nicht. Dafür bleibt keine Zeit.' " (S.178)
Luzia Tschirky war während 5 Jahren Korrespondentin des Schweizer Fernsehens (SRF) für Russland, Belarus und der Ukraine. Am 24. Februar 2022, als Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine startete, war sie in Kiev. Ab da war sie täglich im SRF zu sehen mit ihren Berichterstattungen. Im Buch verarbeitet sie ungeschönt ihr Erlebtes aus der Zeit von März 2019 bis September 2022.
Beim Lesen fiel mir auf, dass ich immer wieder durch die Kapitel "hetze" und etwas unaufmerksam lese. Ich glaube, das liegt daran, dass mich das Thema zu fest bedrückt und ich so versuchte, das Ganze nicht zu nah an mich heranzulassen. Das Buch richtet unter anderem die Aufmerksamkeit auf die ukrainische Bevölkerung, wie es ihr im/mit dem Krieg bisher erging und immer noch ergeht und welche fürchterlichen Dinge sie tagtäglich erlebt.
"Die Menschen glauben, dass Pflanzen nichts wehtut. Aber Wachstum ist generell nur selten frei von Schmerz." (S.23)
"Wir sitzen eine ganze Weile still nebeneinander. Es ist eine gute Stille, wie zwischen zwei Menschen, die einander genug vertrauen, um sich nicht vor dem Schweigen zu fürchten." (S.126)
Philipp wünscht sich nichts sehnlicher als einen Freund. Als Faina aus der Ukraine nach Deutschland in seine Schule kommt, wird sie diesen Freund. "Er macht sie zu seiner Faina". Als Erwachsene verlieren sie sich aus den Augen, bis Faina, verschuldet und schwanger, sich wieder bei ihm meldet. Er nimmt sie auf, sie ziehen das Kind gemeinsam auf. Philipp wird immer obsessiver und gewaltttätig, sie ist ihm ausgeliefert.
Ein packendes, erschütterndes Buch über eine toxische Beziehung, die furchtbar endet. Die Autorin wechselt zwischen der Ichperspektive von Opfer und Täter. Ich konnte das Buch kaum weglegen.
"Iwan ist ein freier Mann. Er macht das, was ihm sein Gewissen sagt und was seine Seele will. Wir tun immer nur, was wir müssen." (S.67)
Die Geschichte beginnt mit der erwachsenen Darina. Sie lebt in der Bukowina, redet nicht (nur am Grab seines Vaters) und leidet immer wieder unter schrecklichen Kopfschmerzen. Besonders, wenn ihr Süssigkeiten angeboten werden. Um die Schmerzen zu lindern, sitzt sie in ein Erdloch oder steigt ins eiskalte Wasser. Die Leute im Dorf nennen sie "Darina, die Süsse", meinen aber damit eigentlich "die Dumme". Als sie sich mit dem Iwan "Zwytschok" anfreundet, finden die Dorfbewohner:innen erneut Grund, über sie zu lästern. Iwan ist ein nicht sesshafter Taglöhner, der bislang bei keiner Frau lange blieb. Er weiss, dass Darina alles andere als dumm, sondern hochtraumatisiert ist und Iwan kümmert sich liebevoll um sie. Im zweiten Teil des Buches wird die Zeit zurückgedreht, in die Jahre des 2.Weltkrieges, es wird von Mychajlo und Matronka erzählt. Lange war mir nicht klar, wie ihre Geschichte mit Darinas zusammenhängt. Zu lange hing ich während dem Lesen noch immer bei Darina und ärgerte mich ein bisschen, wieso die Geschichte eine, für mich fälschlicherweise angenommen, neuen Weg einschlug. Bukowinas Geschichte zu Kriegszeiten ist mit den historischen (politischen) Ereignissen sehr bewegt, ich verlor teilweise etwas die Übersicht. Gegen Ende des Buches wurde mir dann endlich klar, wie die beiden Teile miteinander verbunden sind, die Geschichte führt schliesslich zurück zu Darina und ich war wieder versöhnt.
Es ist ein trauriges, bedrückendes Buch über ein Dorf und ihre Bewohner:innen in einer entlegenen und (mir) unbekannten Region der Ukraine. Das Buch nimmt einem mit auf eine Zeit- wie auch geographische Reise. Darinas Geschichte hat mich von Beginn in ihren Bann gezogen, so dass ich lange grosse Mühe hatte, im zweiten Teil des Buches plötzlich mit einer vermeintlich neuen Geschichte konfrontiert zu werden.
WOW, was für ein Leseerlebnis! In diesem Buch steckt so viel drin: Feministische Gesellschaftskritik, düstere Dystopie (im Jahre 2031). Es geht um toxische Männlichkeit, Gaslighting, verschwindende Frauenrechte, Misogynie, künstliche Intelligenz und deren wachsende Entwicklung wie auch grundsätzlich neuen Technologien, wie z.B. Fembots, die reale Frauen ersetzen sollen.
Das Buch ist zudem sehr originell (zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig) geschrieben, als wäre mensch als Leser*in live mit dabei, es gibt Werbeunterbrüche und die Mitleser (bewusst nicht gegendert) stellen dem HappySystemBot zwischendurch Fragen, die sogleich "live" vom Bot beantwortet werden. Es ist bitterböse und zugleich voller (schwarzem) Humor. Das Lachen blieb mir oft fast im Hals stecken, denn so vieles, was die Autorin aufgreift, kommt leider nicht von ungefähr. Ihre Figurenzeichnung ist sehr stark und glaubwürdig. Die männliche Hauptcharaktere machte mich permament wahnsinnig und wütend.
Die Geschichte zog mich richtiggehend in einen Sog und ich konnte das Buch je länger je weniger aus der Hand legen. Die Geschichte hätte auch durchaus ein Yorgos Lanthimos-Drehbuch sein können, ich sehe Emma Stone bereits vor mir. :) Und sie erinnert auch stark an The Handmaids Tale.
Grosse, satirische Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt.