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Einträge mit dem Tag biography.
Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung
 288 Seiten

Der Titel suggerierte bei mir eine Argumentation pro/con Kapitalismus (mit einem Kompromissvorschlag?). Das ist das Buch aber nicht wirklich. Stattdessen ist es eine Geschichte der Ökonomie mit Fokus auf Biografie und Theorien von Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes. Vor allem die Lehren Keynes scheinen sich mit denen der Autorin zu decken, sie kommen nämlich ziemlich gut weg.

Wer gar nicht gut weg kommt sind Anhänger der Neoklassik oder (noch schlimmer) des Neoliberalismus. Laut Ulrike Herrmann sind sie heute vor allem so populär, weil es nach dem 2. Weltkrieg zu einem natürlichen "Wirtschaftswunder" gekommen sei - trotz der Lehren des Neoliberalismus; nur dass es gelungen ist, den Neoliberalismus als Treiber dieses Booms zu etablieren. Sie lässt kein gutes Haar an Milton Friedman und Ludwig Erhard und ist gerade in den letzten 2 Kapiteln sehr positionsstark und kritisch. Das steht ein bisschen im Kontrast zu den ersten 80% des Buches, die sich eher historisch beschreibend lesen.

Ein bisschen unsicher bin ich noch, ob die aktuelle Wirtschaftslehre wirklich so hoffnungslos ist, wie die Autorin es klingen lässt. Die Warnung, dass sich seit den 1980ern eine "gigantische Spekulationsblase" aufbläht, klingt ungemütlich ähnlich zu der Schar der Crashpropheten der letzten Jahre. Auch an der Effizientmarkthypothese lässt sie kein grünes Haar (das ist die Grundlage meiner persönlichen Altersvorsorge, wohlgemerkt). Und gleichzeitig ist das Buch keine Brandschrift gegen den Kapitalismus, eher ein Plädoyer für eine Rückkehr zu einem Kapitalismus der Realwirtschaft, nicht einen der entkoppelten Finanzmärkte.

Ich habe sehr viel gelernt (wusste vorher eigentlich nichts über Ökonomie). Ohne Frage habe ich (noch) nicht alles aus den vielen verschiedenen Lehren verstanden, aber viel zum Nachdenken und Weiterlesen mitgenommen.

Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist
 320 Seiten

Endlich mal eine Buffett-Biografie gelesen, beziehungsweise gehört. Die kam erst vor ein paar Monaten raus und war sehr angenehm weg zu hören.

Das Buch bietet einen guten Überblick über Warren Buffetts Leben und Handeln. Ganz nebenbei lernt man auch viel über die amerikanische Geschichte und das Aufblühen des amerikanischen Kapitalismus.

Buffett ist auf jeden Fall ein ulkiger Charakter, der außerdem zu einem der reichsten Menschen der Welt wurde und sich gerade in seiner zweiten Lebenshälfte bewusst für gute Dinge wie Bürgerrechte, Recht auf Abtreibung und universelle Krankenversicherung einsetzt.

↑ 2021
2019 ↓
& Schach mit Karpov
 145 Seiten

Aus irgendeinem Bücherschrank mitgenommen, weil "man könnte ja mal was über Schach lesen". Und wenn es auch ein vergilbtes Unikum von 1978 ist. Vielleicht lernt man ja was.

Und ja, irgendwie habe ich jetzt einen Einblick in die Schachsubkultur in der UdSSR der 70er Jahren. Vor allem habe ich aber gelernt, dass Langeweile mehr als eine Dimension hat: Das hier war vielleicht prinzipiell interessant, aber null packend.

Egal, ging schnell.

Permanent Record
 432 Seiten

It was a pleasure to read Snowden's own account of how he ended up being what he is now - the world's most well-known whistleblower (I suppose).

At times, in the chapters about his childhood, I caught myself thinking "huh, so you really have to describe how clever and smart you were as a kid, did you". But then, maybe he simply was, and also what does it matter. This is his version of his story. The actions he took stand for themselves.

All in all, I really really enjoyed this. I have always found his story fascinating before. And to find his own writing to be this clear and engaging was a pleasant experience.

Reinhard Heydrich
 478 Seiten

Reinhard Heydrich: Der Kopf hinter dem Sicherheitsdienst “SD” der Nazis, das agierende "Hirn" von Himmler, der Organisator der Wannsee-Konferenz und der ranghöchste Nazi, bei dem je einem Attentat Erfolg hatte.

Diese Biografie liest sich sehr sachlich und erzählt vor allem die Faktenlage zu Heydrichs Leben. Es gibt ein paar Interpretationen dazu, an welcher Stelle seiner Laufbahn er welche Ziel verfolgt haben mag, aber hauptsächlich betreibt der Autor akribische und unaufgeregte Quellenarbeit. Ich fand das sehr gut zu lesen und habe das Gefühl, jetzt einen guten Überblick über Heydrichs Leben zu haben.

Was ich mitnehme: Wieder einmal ein gebildeter und musisch interessierter Mensch “aus gutem Haus”, der im Laufe seines Lebens eine entscheidende Rolle bei radikalen Entscheidungen des Holocausts spielte. Da fragt man sich doch: Wie passt das zusammen?

Und hierzu gibt es nicht wirklich eine Diskussion in der Biografie. Vielleicht ist das auch nicht die Aufgabe des Formats. Der Autor hat sich an den Lebensweg gehalten, und hat lediglich verschiedene Punkte der Radikalisierung aufgezeigt - ein paar externe Faktoren werden auch benannt. Daher also nichts, was ich dem Buch vorwerfe.

Die eigentliche Frage, die mich also interessiert, finde ich wohl eher bei Hannah Arendt und ähnlichen Werken beantwortet. Denn wie bei Adolf Eichmann sehe ich auch bei Heydrich: Ein banal “normaler” Mensch, der in einem System agiert, vor seinen Vorgesetzten Brillieren will und in dem Rahmen zu immer drastischeren Maßnahmen bereit ist, weil es in dem Kontext “normal” ist. So mal ganz grob verkürzt formuliert.

Ich werde der Frage in anderen Büchern weiter auf den Grund gehen. Aber diese Biografie hier fand ich so oder so: Gut.

When Breath Becomes Air
 256 Seiten

The deeply reflective thought process of a young neurosurgeon who is faced with his own diagnosis of terminal lung cancer when his life was supposed to be just taking off.

This book really touched my. I could only read it in segments, to have some of the chapters sink in and also let my emotions come and go.

The writing itself was simply beautiful. Serious and thought-provoking, yet life-affirming and also happy in places where death usually overshadows everything else. Probably one out of every three paragraphs could simply be printed, framed and read over and over again.

Grand illnesses are supposed to be life-clarifying. Instead, I knew I was going to die -- but I'd known that before. My state of knowledge was the same, but my ability to make lunch plans had been shot to hell.

If I am being totally honest with myself, I think I have mostly avoided really thinking about death up to this point in my life. Maybe this book has not changed that completely, but it has definitely shone a light on a topic I have conveniently glanced over most of the time.

↑ 2019
2018 ↓
Karl Jäger
 288 Seiten

Karl Jäger, von seinen Nachbarn als feinsinniger und höflicher Mensch beschrieben, entwickelte sich vor der Kulisse des Zweiten Weltkrieges vom Musiker und Instrumentenbauer zum Mörder der Litauischen Juden. Seinen eigenen fast prahlenden Aufzeichnungen nach, hat dieser Mensch in wenigen Monaten des Jahres 1941 die jüdische Bevölkerung Litauens von über 170,000 auf 34,500 niedergemetzelt. Bei den Details eines einzelnen Mordes dreht sich einem schon der Magen um. Aber unter Aufsicht dieses SS Kommandeurs hat sich dieser Mord 137,000-fach zugetragen.

Wolfram Wette trägt hier die Biografie eines der Täter der Nazi-Aktionen in Osteuropa zusammen; einer Biografie, wie sie erschreckend, aber offensichtlich doch so typisch für diese Zeit war.

Und wie es immer wieder bei diesen Tätern vorgekommen ist, ereilte ihn nach dem Krieg keine wirkliche juristische Aufarbeitung, geschweige denn zeigte er irgendeine Art von Reue oder auch nur ein Zeichen von Mitgefühl für die Opfer. Selbstmitleid und immer noch Gedanken an angebliche soldatische Pflichterfüllung herrschen vor und werden von großen Teilen der Deutschen Öffentlichkeit der Nachkriegszeit auch noch verschwiegen und gedeckt.

Wir sind die Generation, der diese Schrecken zumindest in zeitlicher Nähe vertraut sind, und gleichzeitig haben wir den Abstand, den Täter keine nachbarschaftliche oder scheinbar gemeinschaftliche Deckung mehr zu geben. Lasst uns gemeinsam aufpassen, dass diese menschlichen Abgründe nicht wieder hervorbrechen. Denn menschlich war es anscheinend leider doch -- im schlimmsten Sinne des Wortes.

Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen
 448 Seiten

Es gibt so viel aus der deutschen Geschichte, für das ich einfach kein richtiges Verständnis zu entwickeln mag, aber ich probiere es zumindest. Und so gehörte auch das Standardwerk über den Eichmann Prozess irgendwann dazu. Ich kann nicht jeder Facette von Hannah Arendts Rhetorik wirklich folgen, aber dennoch war es gut zu lesen und wirklich interessant. Inwiefern ich nun mehr "verstehe", vermag ich aber noch nicht zu beurteilen.

Das Beunruhigende an der Person Eichmann war doch gerade, dass er war wie viele und dass diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind.

↑ 2018
2017 ↓
↑ 2017
2016 ↓
↑ 2016
2014 ↓
& Amon
 272 Seiten

Ein Buch, von dem ich hörte und das ich zufällig am nächsten Tag in einem der öffentlichen Bücherregale entdeckte. Vom Cover blickt einem die dunkelhäutige Autorin freundlich entgegen. Ihre Geschichte: Mit 38 erfährt sie von der Familiengeschichte außerhalb ihrer Adoptivfamilie. Gebürtig ist sie die Enkelin von Amon Göth, dem berüchtigten KZ Kommandanten, der uns aus Schindler's Liste bekannt ist. Spannend erzählt sie von ihrer persönlichen Konfrontation mit der Tatsache, ihrer andauernden Suche nach ihrer eigenen Herkunft und ihren Gedanken über Erbschuld und Verantwortung. Das Buch hat Höhen und Tiefen, liest sich insgesamt aber gut, da ihre Geschichte irgendwie unwahrscheinlich und daher so packend ist.

Hans Scholl
 432 Seiten

Die Geschichte der Weißen Rose fasziniert mich ja schon lange. Diese Biografie über Hans Scholl ist nun aber relativ neu - die persönlichen Briefwechsel sind erst seit ein paar Jahren einsehbar.

Mein Respekt für die Aktionen der Gruppe um die Scholl-Geschwister bleibt unvermindert und die Einblicke in Hans' Denken und seine Suche nach der Wahrheit berühren mich und sind gut nachzuvollziehen. Persönlich beschäftigt mich der tiefe christliche Glaube, der die Gruppe leitete. So sehe ich die Argumentationen teilweise anders, obwohl ich mit den Schlussfolgerungen zum Moralischen Handeln dann doch überein stimme.

Mir wird klar, dass man "mit Gott" leicht etwas "objektiv falsches" begründen kann. Möchte man diese "objektive Falschheit" ohne ein göttliches Fundament begründen, wird es schon schwieriger und man fällt leicht zurück auf Begründungen mit "irgendeiner höheren Instanz". An so etwas glaube ich aber nicht, so dass ich da noch etwas nachdenken muss.

Die Geschichte gibt an so vielen Stellen Punkte zum Überlegen, dass mich das Buch sicherlich noch länger beschäftigen wird.

Geheimnisvolles Tibet
 63 Seiten

Sven Hedin, der "letzte große Landreisende" hat mit seinen Expeditionen viele weiße Flecke auf der Karte Asiens erschlossen. In dieser kurzen Erzählung seiner Expeditionen um 1907 wird deutlich, dass seine Reisen tatsächliche Abenteuer waren mit Transhimalaya-Überquerungen im tiefsten Winter. Es würde mich interessieren, noch mehr von und über ihn zu lesen, da er mit seinen vielen Entdeckungen und Sympathien für den Nationalsozialismus ein komplexer und spannender Charakter zu sein scheint. Abenteuerlich war auch das Blättern in der vergilbten Ausgabe aus den 1940ern, die ich auf einem Berliner Markt für 0,50€ erstand.

↑ 2014
2013 ↓
Die weiße Rose
 79 Seiten

Hans Scholl war 25, Sophie Scholl 22, als die Geschwister wegen ihres passiven Widerstandes gegen die Nazis hingerichtet wurden. Ihre Aufrichtigkeit, Willensstärke, Natur- und Geistesliebe und ihren friedlichen Freiheitswillen finde ich zutiefst beeindruckend. Das erste Mal habe ich jetzt auch die Flugblätter bewusst wirklich gelesen (die sind im Anhang dabei, insgesamt sind es also noch 50 Seiten mehr).

Briefe
 112 Seiten

Lose Sammlung von Briefen, nicht nur an bedeutende Persönlichkeiten, sondern auch an Fans™. Habe endlich heraus gefunden, wo die ganzen Einstein Zitate herkommen. Hier ein gutes: "Man hat als Mensch gerade noch so viel Verstand mitbekommen, dass man von seiner intellektuellen Ohnmacht dem Seienden gegenüber eine deutliche Vorstellung erlangen kann." Netter Schmöker für Zwischendurch mit Einblicken in Einsteins Sicht auf gute Menschen, böse Menschen, die Presse, Musik, Religion und den Sinn des Lebens. Wirklich nur Fetzen, daher keine klassische Leseempfehlung, aber bei Interesse an Albert bestimmt das Richtige.

Inside Steve's Brain
 320 Seiten

Interesting read to learn about Apple's history and Steve Jobs' leadership style. The premise of the book however sounds a bit strange to me, as it seems to be trying to tell the reader what to do to be like Steve Jobs without questioning his actions. Also the writing is a bit out of date of course, as it was written a few years before Jobs' passing away. He certainly was an inspiring person and this book seems to give a good introduction to his role at Apple (and Pixar), but to have a more profound image about his life I think I'll read more from different sources.