Der Verdacht
128 Seiten

Als ich das Buch damals zum ersten Mal las, beeindruckte es mich sehr. So sehr, dass ich es einige Zeit sicherlich als mein Lieblingsbuch bezeichnet habe. Aber war das nur der jugendlichen Lebensphase geschuldet? Ich musste das mal herausfinden. Und wie ich jetzt festgestellt habe, haut mich das Buch immer noch um. Obwohl es eine der Geschichten um Kommissar Bärlauch ist, ist das für mich kein Krimi, sondern ein Gedankenexperiment über ein Weltbild, in dem Moral anders funktioniert. Das ganze Buch ist kurz, fix gelesen und enthält einige Zeilen, über die ich Stunden nachdenken könnte.

Tiere essen
392 Seiten

Endlich habe ich es gelesen. Und so langsam frage ich mich, ob ich das wohl unterbewusst so lange vor mir hergeschoben haben.

Die Fakten sind einem im Großen und Ganzen bekannt, wenn man nicht völlig blind durch die Welt läuft. Das besondere an dem Buch ist die Selbstfindungsreise von Foer, auf die er einen mit nimmt -- und die Gedankengänge, die er einem präsentiert.

Meine Haupterkenntnis ist zumindest, dass es nicht Vegetarier sind, die einer romantischen Idealvorstellung hinterher hängen. Wenn man Fleisch isst, braucht man viel eher eine romantische Sentimentalität, um über eine Menge Fakten hinweg sehen zu können.

Die Argumentation muss nicht geführt werden, warum man kein Fleisch essen sollte/könnte/dürfte. Viel mehr im Argumentationsdruck ist man, wenn man Fleischkonsum begründen möchte.

Und der Satz, der seit Tagen in meinem Kopf umherschwirrt:

Es ist immer möglich, jemanden aus dem Schlaf zu wecken, aber kein Lärm der Welt kann jemanden wecken, der nur so tut, als würde er schlafen.

Warum esse ich nochmal Fleisch?

Blade Runner
268 Seiten

Die Geschichte beschäftigt sich mal wieder mit der interessanten Frage, wo in Zukunft noch der Unterschied zwischen Mensch und Maschine liegen wird. Irgendwie schafft der Text es, relativ knapp eine bedrückende Welt zu beschreiben - nuklear verseucht, und von Müll und nur noch wenig Leben bestimmt. Klassische Science Fiction, die mir gefällt.

Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen
368 Seiten

Romane mit Quellenverzeichnis — ganz mein Geschmack. Aber auch so insgesamt hat mir dieses Buch einfach gut gefallen. Man spürt die Liebe des Autors. Die Liebe zum Meer, die Liebe zu Nordnorwegen. Mein 2017 ist soeben um ein Reiseziel reicher geworden.

Die Zwerge
635 Seiten

Als ich mitten in meiner Fantasy-Phase mal wieder etwas Deutsches lesen wollen, kamen Die Zwerge wie gerufen. Laut Internet wirkt Markus Heitz selbst sehr sympathisch, und um mich herum hatte plötzlich jeder irgendeine Connection zu ihm. Alle Zeichen standen gut. Aber dann... gefiel mir der Text leider so gar nicht. Die Handlung ist okay und irgendwie wollte ich auch ein bisschen wissen, wie es weiter geht. Aber von den Charaktermotivation hat mich nichts so wirklich überzeugt, die Welt hat mich nicht verschlungen und sprachlich hat es mir einfach nicht zugesagt. Es gab zu viele Floskeln, bei denen ich die Augen verdrehen musste, Namen, die wie aus einem Fantasy-Generator gefallen wirkten und zig offensichtliche "Andeutungen", deren gewollte Subtilität mich kirre gemacht hat. Liebe Zwerge, ich wollte euch mögen. Aber es ging einfach nicht.

Die elektronische Welt mit Arduino entdecken
1080 Seiten

Teilweise ein wenig albern, aber wenn man sich darauf einlassen kann, ist das Buch eine gute und praktische Einführung in die Thematik. Gut: Alles wird in praktischen Projekten erklärt. Manchmal nicht so gut: Einige Projekte sind einfach Selbstzweck, um eine gewisse Sache zu illustrieren. Das ist okay - aber Projekte, die wirklich einzusetzen sind, sind schon cooler (gibt es aber auch im Buch). Ich habe übrigens die erste Ausgabe gelesen. Die war "nur" 600 Seiten lang. Ging aber erstaunlich schnell, da man mit Programmiererfahrung ungefähr ein Drittel einfach überfliegen kann.

Diesseits des Van-Allen-Gürtels
184 Seiten

Hatte mit einem Roman gerechnet, tatsächlich ist das hier eine Sammlung von lose miteinander verbundenen Kurzgeschichten. Jede aus einer anderen Perspektive und unterschiedlich wirr geschrieben.

Sprachlich super. Irgendwie fehlte mir aber noch der rote Faden, irgendein Rahmen der die einzelnen Geschichten besser verbindet. Bei jeder Geschichte hatte ich den Wunsch, den Charakter noch länger verfolgen zu dürfen. Stattdessen war dann plötzlich Schluss.

Habe das Buch unter Schlafmangel auf einer langen Zugreise gelesen. Vielleicht lag es daran, dass ich mich nicht auf alles perfekt einlassen konnte, aber mitgerissen hat das Buch mich nicht.

Winter der Welt
1024 Seiten

Meine liebe Güte, wo soll ich anfangen. Dies war meine erste Ken Follett Lektüre. Wahrscheinlich wird es auch die letzte bleiben. Eventuell habe ich entgegen meiner Gewohnheit lediglich den Fehler gemacht, eine deutsche Übersetzung in die Hand zu nehmen.

Die Geschichte an sich war gut: Mehrere Familien in den 1930er und 1940er Jahren leben in verschiedenen Teilen der Welt und nehmen mit ihren persönlichen Schicksalen an der politischen Stimmung und Entwicklung vor und während des Krieges teil. Gelegentlich gibt es zwischen den amerikanischen, britischen, deutschen und Sowjetischen Charakteren auch Berührungspunkte. So weit, so gut.

Was dem Lesespaß aber extrem geschadet hat, war die stumpfe Sprache. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber 1000 Seiten Aneinanderreihung von kurzen Sätzen und simplen Worten sind nicht das, was ich von einem so etablierten Autor erwarte. Das gelegentliche komplexere Wort wirkte auch eher als künstliches Futter, damit Otto-Normal-Leser sich intellektuell fühlen kann?

So war das dicke Buch natürlich trotzdem schnell zu lesen, und da ich das Thema an sich spannend fand und sowieso ungern Romane abbreche, habe ich es dann wirklich komplett gelesen... nur um dann zu erfahren, dass dies nur 1 Teil einer Trilogie über das ganze Jahrhundert ist.

Sorry Herr Follett, aber ohne mich.

Place de l'Étoile
192 Seiten

Es geht um das jüdische Leben in Frankreich vor, während und nach dem Krieg. So viel habe ich noch halbwegs verstanden, mehr dann aber nicht. Diese 190 Seiten lange wirre Erzählung fand ich einfach nicht gut. Wechselnde Erzählperspektiven in verschiedenen Zeitlinien mit voller Dröhnung französisch-kultureller Referenzen, die ich nicht verstehe. Das ist kein guter Mix, da hilft auch der "Nobelpreis für Literatur 2014" des Autors nicht weiter. Es bleibt der Eindruck eines Axolotl Roadkill für ein intellektuelles frankophones Publikum meiner Elterngeneration, da kommt das Buch bestimmt gut an.

& Amon
272 Seiten

Ein Buch, von dem ich hörte und das ich zufällig am nächsten Tag in einem der öffentlichen Bücherregale entdeckte. Vom Cover blickt einem die dunkelhäutige Autorin freundlich entgegen. Ihre Geschichte: Mit 38 erfährt sie von der Familiengeschichte außerhalb ihrer Adoptivfamilie. Gebürtig ist sie die Enkelin von Amon Göth, dem berüchtigten KZ Kommandanten, der uns aus Schindler's Liste bekannt ist. Spannend erzählt sie von ihrer persönlichen Konfrontation mit der Tatsache, ihrer andauernden Suche nach ihrer eigenen Herkunft und ihren Gedanken über Erbschuld und Verantwortung. Das Buch hat Höhen und Tiefen, liest sich insgesamt aber gut, da ihre Geschichte irgendwie unwahrscheinlich und daher so packend ist.