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Eigentlich meldet sich Liv nur deshalb bei einem berühmten Autorenwettbewerb an, um Werbung für ihren Webtoon zu machen. Was sie dagegen nicht erwartet hat, ist, dass der Wettbewerb von tatsächlichen Musen geleitet wird, die ihr und den anderen Teilnehmern verschiedene Prüfungen stellen – und dabei nur ein Verbot haben: Romantische Liebe. Das ist nicht nur für Livs neue Freunde Shelly und Sawyer problematisch, die seit Jahren ein Paar sind, sondern auch für Liv selbst – denn sie hat schnell eine besondere Verbindung zum Teilnehmer Flame aufgebaut, die immer stärker wird …
Etwas, das Sabine Schoder einfach gut kann, ist es, eine sehr unterhaltsame Geschichte zu schreiben und dabei eine süße Liebesgeschichte zu schreiben. Obwohl die Handlung natürlich schon zahlreiche Male von anderen Autorinnen und Autoren umgesetzt wurde, hat Sabine Schoder etwas an sich, das ihre Geschichte trotzdem besonders macht – wahrscheinlich die perfekte Mischung aus Romanze, Humor, Spannung, Magie, Drama und noch einigem mehr. Tatsächlich kenne ich nicht viele Autor:innen, deren Geschichten mir so viel Spaß machen!
Ein gehöriger Anteil bildet der Humor, der genau meinem Geschmack entspricht und Liv zu einer sehr sympathischen Protagonistin gemacht hat. Sie war schlagfertig, freundlich, allgemein witzig und ist mir schnell ans Herz gewachsen. Wie jeder der Teilnehmer bekommt sie am Anfang ein sprechendes Buch, das ihr dabei helfen soll, die Prüfungen zu bestehen – und in ihrem Fall ist das ein Erotikmanga, der für noch mehr witzige Szenen gesorgt hat. Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieser Charakter so gut gefällt, aber er war einfach herrlich!
Mein Lieblingscharakter war er aber nicht, denn diese Ehre gebührt gleich drei Charakteren: Flame, in den ich mich zusammen mit Liv verliebte, sowie die beiden Teilnehmer Shelly und Sawyer. Zunächst einmal war die Chemie zwischen Liv und Flame großartig; nicht nur ist ihre Dynamik sehr spaßig zu lesen, sie verbringen auch viele wichtige und ernste Momente miteinander, die sie einander näherbringen. Es war der perfekte Mix, der ihre schnelle Romanze überraschend realistisch gemacht hat – ein wenig wie eine Disney-Romanze, die trotz ihrer kurzen Zeitspanne genau die richtige Chemie zwischen den Charakteren vermittelt, um an ihre Liebe zu glauben. Auch Sabine Schoder ist das gelungen, mit nur einem zugegeben wichtigen Kritikpunkt: Ich fand, dass ihre Romanze zu weit ging. Denn tatsächlich gibt es auch ein paar spicy Szenen, die mir sehr unnötig und unrealistisch vorkamen, weil sie die ursprünglich süße, unschuldige Romanze zu einer kurzen Affäre machten. Hier wünschte ich, die beiden hätten sich schon länger gekannt, bevor sie so schnell zum nächsten Schritt springen.
Neben den beiden gibt es aber noch ein Beta-Paar, nämlich Shelly und Sawyer, in die ich unglaublich investiert war. Ihre Liebesbeziehung war ungewöhnlich dramatisch und gerade deshalb umso spannender zu lesen, weil so viel für sie auf dem Spiel stand. Ihre Gefühle füreinander kommen fantastisch rüber und ich hätte gerne sogar noch mehr von ihnen gelesen, aber so oder so gehörten sie mühelos zu meinen Lieblingscharakteren.
Die anderen Charaktere spielen zwar auch wichtige Rollen (vor allem die Muse der Liebe, Erato), aber diese vier stachen am meisten heraus. Übrigens gibt es entgegen der Andeutung in der Kurzbeschreibung kein Liebesdreieck im Buch, was mich sehr erleichterte, weil das das einzige war, das mich bei Sabine Schoders vorheriger Reihe störte. Tatsächlich shippt Erato Liv und Flame sogar, und kann als Muse der Liebe ohnehin keine genuine Liebesbeziehung mit einem von ihnen eingehen, weshalb ich hoffe, dass auch der zweite Band sich auf das Hauptpaar konzentrieren wird.
Wie zu erwarten, reagieren die Charaktere zwar zunächst schockiert auf die Existenz der Musen, nehmen sie aber sehr schnell an. Da ich nicht erwartet habe, dass die Charaktere tatsächlich realistisch auf die Existenz von Magie reagieren, machte mir das nichts aus, aber es könnte für andere Leser:innen störend sein.
Ein richtiges Highlight waren die Prüfungen, die überraschend kreativ waren und sehr gut umgesetzt wurden, mit einer guten Mischung aus der nötigen Spannung und auch ein wenig Liebe und Humor. Die Twists, die mit den Prüfungen zusammenhängen, sieht man wahrscheinlich kommen, aber die Twists, die die Charaktere betreffen, haben mich dafür umso mehr überrascht. So war Flames Vergangenheit um einiges dramatischer, als ich es erwartet habe, und die der anderen Charaktere auch. Gute Arbeit hier!
Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, waren die Themen, die Sabine Schoder ansprach. Von Sexismus bis zu den Quellen von Inspiration spricht sie so einige Dinge an, die man in unserer Welt hinterfragen sollte, sowie andere, die gut zeigen, wie leicht und gleichzeitig schwer es sein kann, eine Geschichte zu schreiben. Dadurch, dass ihr Schreibstil so locker ist, liest sich ihre gesellschaftliche Kritik allerdings nicht fingerzeigend, sondern schlicht wie ein Teil der Geschichte.
Das Ende war nicht so gemein, wie ich es erwartet habe, aber ich freue mich trotzdem sehr auf den zweiten Band, der hoffentlich mit dem ersten mithalten kann!
- Weit über der
- smaragdgrünen See
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- Piraten
- Humor
Tress lebt auf einer kleinen Insel im smaragdgrünen Kosmeer, wo sie ihre Zeit mit Fenster putzen, Tassen sammeln und ihrem besten Freund Charlie verbringt. Die beiden sind ineinander verliebt, werden jedoch auseinandergerissen, als Charlie in die Fänge der mächtigen Zauberin gerät. Entschlossen, ihn zu befreien, landet Tress auf einem Piratenschiff voller skurriler Charaktere und einer sprechenden Ratte, mit denen sie Freundschaft schließt. Doch die Kapitänin des Schiffs, Krähe, hat eigene Pläne mit der Besatzung. Schnell wird klar, dass Tress zunächst ihren neuen Freunden helfen muss, bevor sie Charlie retten kann …
Dieser kreative Fantasyroman ist lustig, skurril, herzerwärmend und erzählt ein klassisches Abenteuer in einem neuen Gewand. Er wird aus der Perspektive des Schiffsjungen Hoid erzählt, der gerade unter einem unglücklichen Fluch leidet, der je nach Perspektive sehr lustig oder sehr traurig ist. Obwohl Tress definitiv die Protagonistin ist, haben die Szenen mit Hoid besonders viel Spaß gemacht.
Die Handlung plätschert manchmal ein wenig vor sich hin und Tress wachsende Freundschaft zu der Crew war leider nicht genug, um die teils langsame Geschwindigkeit der Geschichte auszugleichen. Zwar hat sie so einige interessante Szenen mit der Kapitänin Krähe und den Crewmitgliedern Fort, Salay und Ann, doch obwohl mir Fort sehr sympathisch war und Krähe eine sehr gute Antagonistin, waren die Charaktere selbst eher zweidimensional. Für den Zweck der Geschichte mehr als ausreichend, aber nicht unbedingt genug, um mein Interesse konstant aufrechtzuerhalten. Tatsächlich dachte ich eine ganze Weile, dass das Piratenschiff nur eine von vielen Etappen auf der Reise sein wird, aber tatsächlich verbringt Tress fast die gesamte Geschichte dort.
Was dafür umso gelungener war, war Tress und die Welt selbst. Sie war eine wirklich sympathische Protagonistin, die mir schnell ans Herz gewachsen ist – sie ist loyal, schlau, denkt nach bevor sie handelt, macht manchmal Fehler und lernt aus ihnen und ist entschlossen, ihren Freunden zu helfen. Als Protagonistin im Speziellen war sie sehr erfrischend, weil sie Qualitäten zeigte, die Hauptcharaktere viel zu selten haben (speziell, nicht voreilig Schlüsse zu ziehen und um Hilfe zu bitten). Sie bekommt viele Stellen, ihren Mut und ihre Kreativität zu beweisen, was mir sehr gefallen hat. Dadurch, dass die Welt des Kosmeers allgemein so interessant ist, waren es eher diese beiden Faktoren als die Charaktere, die mich zum Weiterlesen antrieben.
Am Ende gibt es einen Twist, den ich wirklich sehr früh kommen sah, bis zu dem Punkt, an dem ich mich fragte, ob ich mich vielleicht doch irre – doch weil der Twist der Handlung sehr diente und es mir erlaubte, schon früh gewisse Szenen in einem anderen Kontext zu sehen, machte mir das nichts aus, im Gegenteil. Teils frage ich mich sogar, ob man den Twist vorher ahnen soll, weil er eine potentielle Schwäche des Romans komplett ausmerzt.
Insgesamt also ein kreativer Abenteuerroman in einer Fantasywelt und mit einer Protagonistin, der mir gut gefiel!
- Moralische Ambition
- Rutger Bregman
- Rowohlt
- Sachbuch
- Abolitionismus
- Widerstand
- Rechte
- Menschen
- Moral
- Inspiration
- Spenden
- Aktionen
- Führungspersonen
In der Geschichte der Menschheit gab es mehrere Personen, die sich von den anderen abhoben: Die für ihre Ziele kämpften, die damals utopisch und unmöglich erschienen, teils sogar verboten waren. Menschen, die ihre moralische Ambition dafür nutzten, sich für die Gruppen einzusetzen, die niemand anderen hatten, der für sie kämpfte. Sklaven, Frauen, queere Personen, Tiere: Erst nach und nach bekamen sie Rechte, weil es wenige Menschen gab, die fest daran glaubten, dass sie sie verdienen. So viele Ideen, so viele Maßnahmen, die nicht existieren würden, hätte es niemanden gegeben, der tatsächlich etwas getan hätte, um sie umzusetzen.
Über diese Menschen spricht Rutger Bregman und stellt fest: Wir alle könnten so wie sie sein, wenn wir einfach handeln, statt über das Handeln zu reden. Doch er spricht auch darüber, warum es so viele Menschen gibt, die es eben nicht tun, und warum. Welche Ausreden wir finden, um nichts an unserem Status Quo ändern zu müssen und wie überraschend leicht es sein kann, doch Unterstützer zu finden, wenn man etwas bewegen will. Wie Rutger Bregman selbst beschreibt, ist die Lektüre von „Moralische Ambition“ nicht immer angenehm, weil sie einen mit dem eigenen Nichtstun konfrontiert – und dass man selbst dann, wenn man aktiv etwas tut, nie genug tun kann. Anfangen ist dabei der schwierigste Teil, der erfordert, dass man dazu inspiriert wird. Und obwohl Rutger Bregman mich tatsächlich dazu inspirierte, mich über die verschiedenen Organisationen und Menschen zu informieren und nach Spendemöglichkeiten zu suchen, hat die Lektüre nichts daran geändert, dass ich nicht mein komplettes Leben dafür umkrempeln will.
Denn ein Thema, das Rutger Bregman nicht anspricht, sind die persönlichen Leidenschaften der Menschen, die ihre Talente „verschwenden“. So erwähnt er z.B. früh einen Abonnementdienst für elektrische Zahnbürstenköpfe, der alle zwei Monate automatisch eine neue schickt und wundert sich, warum die Erfinder ihre Engagement nicht für wichtigere Themen einsetzen. Meine persönliche Antwort darauf ist: Es ist nichts verwerflich daran, seinen eigenen Träumen nachzugehen. Genauso, wie es Menschen gibt, die ambitioniert sind, ihren größten Traum, das Leben vieler Menschen zu verbessern, zu erfüllen, gibt es Menschen, die ihren größten Traum, etwas Kleineres zu erreichen, erfüllen wollen. Auch, wenn die eine Menschengruppe sehr viel Wichtigeres erreicht als die andere, tun beide etwas, wofür sie brennen – und das möchte ich nicht verurteilen. Ich selbst bin mit Leidenschaft Buchhändlerin und würde diesen Beruf nicht aufgeben wollen, um dafür eine Kämpferin verschiedener Rechte zu werden.
Aber ja: Wir sollten trotzdem mehr tun. Rutger Bregman hat mir gezeigt, dass gerade der Akt des Spendens wirklich nicht schwierig ist und ebenfalls Menschenleben verändern kann. Es hat mich überraschend fasziniert, über all diese Personen zu lesen, die es gegen alle Wahrscheinlichkeit schafften, eine weltweite Bewegung in Gang zu setzen, einfach, indem sie damit anfingen. Mein Respekt für diese Menschen ist nach der Lektüre dieses Sachbuchs noch mehr gestiegen, speziell die Art und Weise, wie sie andere Menschen mit ihrem Glauben ansteckten. Gleichzeitig möchte ich offen zugeben, dass die Lektüre mich zwar zum Nachdenken und sogar teilweise zum Handeln (sprich: Spenden) angeregt hat, aber nicht dazu, selbst jemand zu werden, der andere dazu inspiriert.
Empfehlen würde ich die Lektüre aber trotzdem, denn egal, welche Meinung selbst man zu moralischer Ambition hat: Sie ist trotzdem inspirierend, nur der Grad der Inspiration wird sich von Person zu Person wahrscheinlich stark unterscheiden.
Prinzessin Tandy bemüht sich nach Kräften, ihre wenigen Pflichten zu aller Zufriedenheit zu erfüllen, doch als sie eines Tages eine Buchhandlung besucht, wird sie dazu verflucht, dort zu bleiben, bis sie ihren Herzenswunsch erfüllt hat. Als jemand, der Bücher über alles liebt, ist sie überglücklich über ihre neue Aufgabe, den Buchladen zu führen, doch ihre Eltern sehen das natürlich anders: In der Hoffnung, den Fluch durch den Kuss der wahren Liebe zu brechen, senden sie Tandy nach und nach die Prinzen der umliegenden Königreiche. Tandy verbringt ihre Zeit jedoch lieber mit ihrer Assistentin Sasha und dem verfluchten Piraten Bash, der ihr zwar mir seinen regelmäßigen Diebstählen auf die Nerven geht, aber außerordentlich charmant ist. Während Tandy sich ein neues Leben aufbaut und die Prinzen sie besuchen, muss sie sich der Frage stellen, was sie eigentlich will …
Diese gemütliche Fantasyromanze ist einfach herrlich zu lesen und bietet eine lustige, unterhaltsame Lektüre, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Die Romanze war dabei sogar nur ein verhältnismäßig kleiner Teil, denn obwohl Tandy und Bash eine gute Chemie miteinander haben, schien sie sich eher auf sein Äußeres als auf sein Inneres zu fokussieren (und errötete dabei wirklich, wirklich oft). Das war insofern überraschend, weil Bash über den Roman hinweg auch andere Qualitäten wie seinen Charme erfolgreich zeigt, seine Charaktereigenschaften aber nie als Grund erwähnt werden, aus dem Tandy sich in ihn verliebt. Die beiden hatten immer noch eine gute Chemie und waren einnehmende Charaktere, aber ich hätte mir definitiv mehr Szenen gewünscht, in denen Tandy seinen Charakter und nicht sein Aussehen hervorgehoben hätte.
Das wahre Highlight des Romans bestand für mich aus den sieben Prinzen, die Tandy einen Besuch abstatten. Obwohl jeder der Prinzen im Grunde nur eine wichtige Szene hat – die Szene, in der er (bzw. sie) Tandy von ihrem Fluch erlösen will –, waren sie extrem erinnerungswürdig und eine absolut herrliche Ergänzung zu der gemütlichen Geschichte. Ich fieberte jedem neuen Prinzen hinterher, weil ihre Auftritte jedes Mal wieder grandios waren und ich mir deshalb gerne noch mehr Fokus auf sie gewünscht hätte. Die einzige Kritik, die ich diesbezüglich habe, ist, dass fünf der sieben Prinzen Tandy vorher nicht um Erlaubnis fragen, ehe sie sie küssen – ein Verhalten, das meiner Meinung nach negativ hätte hervorgehoben werden sollen, anstatt dass Tandy es akzeptiert. Letzteres passt zwar gut zu ihrem Charakter, aber auch im Nachhinein wird dieses problematische Verhalten nie als solches dargestellt.
Was die anderen Charaktere angeht, hob sich Sasha, Tandys Assistentin, positiv hervor, weil sie Tandy so gut dabei half, ihren Buchladen aufzubauen. Dieser langsame Aufbau von einem Laden mit null Kunden bis zu einem Geschäft mit zahlreichen war sehr zufriedenstellend zu verfolgen und ebenfalls ein Highlight des Romans.
Zuletzt fand ich es großartig, wie Tandys Fluch gebrochen und Bash‘ Grund für seinen Fluch aufgelöst wurde. Ich hatte bezüglich beiden natürlich meine Theorien, die sich zu meiner Freude als falsch herausstellten; Amy Coombie gibt den beiden eine sehr viel bessere Auflösung, als ich es mir selbst überlegt hatte.
Insgesamt eine wunderbare cozy Romantasy, die zwar ihre Schwächen hat, aber letztendlich durch ihre Handlung brilliert!