Bücherregal lädt …
Magicalia
336 Seiten

Bitsy ist schockiert, als ihr Vater von einer Frau mit einer seltsamen Kreatur entführt wird. Bei der Kreatur handelt es sich um einen Magicore – ein Wesen, das aus einem bestimmten Gefühl heraus entsteht. Die Entführerin, Melasina Spires, verlangt von Bitsy, ihr Arkwoods Kreiselrad zu besorgen, wenn sie ihren Vater retten will. Dafür müssen Bitsy und ihr bester Freund Kosh nicht nur lernen, wie man Magicores beschwört, sondern auch eine Schnitzeljagd durch verschiedene Städte bewältigen, um Arkwoods Kreiselrad zu finden …

Am Anfang hat mich dieses Kinderbuch erst mal ganz schön überfordert, denn es gibt wirklich sehr viel Infodump bezüglich der Magicores, den ich mir nicht einmal ansatzweise komplett merken konnte. Ich hatte sofort das Gefühl, dass diese Informationen flüssiger hätten eingebaut werden können (ähnlich wie die späteren Wesen, die nach und nach erscheinen), weil die Art und Weise, wie sie präsentiert sind, ein wenig zu viel auf einmal war.

Doch das, was sie beinhalten, war mit Abstand die größte Stärke des Romans: Die verschiedenen Magicores. Sie waren unglaublich kreativ, gut beschrieben, hatten coole Fähigkeiten und deren Bindung zu verschiedenen Emotionen war ebenfalls fantastisch umgesetzt. Am Anfang eines jeden Kapitels gibt es eine kleine Zeichnung von einem bestimmtem Magicore (der in der Regel auf für das Kapitel relevant ist) und es hat mich sehr begeistert, sie in die Handlung eingebaut zu sehen. Das ganze System war um einiges tiefer, als ich es erwartet habe und das hat es so fantastisch gemacht.

Die Schnitzeljagd gefiel mir ebenfalls gut, auch wenn sie durchaus Szenen hatte, die sich ein wenig zogen. Es war einfach spaßig, Bitsy und Kosh dabei zuzusehen, wie sie die verschiedenen Aufgaben zusammen bewältigen – auch, wenn ich zugegeben muss, dass sie als Charaktere nicht besonders hervorstachen. Ja, ich mochte ihre Freundschaft, aber im Vergleich zu den Wesen, die sie heraufbeschwören, blieben sie relativ blass. Das trifft auch auf die anderen Charaktere zu, von denen ich gerne mehr gesehen hätte, weil die Geschichte zu stark von der Handlung lebt.

Apropos: Natürlich gab es auch zwei, drei Twists, wobei ich ironischerweise den Endtwist bereits sehr früh erahnte, den Mitteltwist allerdings nicht kommen sah. Sie waren auf jeden Fall nett und haben die Handlung bereichert.

Insgesamt also ein Buch, das vor allem durch seine Kreativität hervorsticht!

Elektra, die hell Leuchtende
368 Seiten

Klytämnestra, Kassandra und Elektra sind drei Frauen, die direkt oder indirekt in den Trojanischen Krieg hineingezogen werden. Sie alle haben mit verschiedenen Problemen zu kämpfen: Klytämnestra sinnt auf Rache an ihrem Ehemann, nachdem dieser ihre älteste Tochter opfert; Kassandra versucht vergeblich, den kommenden Krieg zu verhindern, doch keiner will ihren Prophezeiungen glauben; und Elektra ist erzürnt über die Entscheidungen ihrer Mutter Klytämnestra und stellt sich gegen sie.

Obwohl es Elektras Name ist, der im Titel steht, fühlt sich dieser Roman sehr viel mehr nach Klytämnestras Geschichte an. Tatsächlich habe ich spaßeshalber nachgerechnet und tatsächlich ist es Klytämnestra, die am meisten Screentime einnimmt, während Elektra und Kassandra etwa gleich viel Screentime haben. Dazu kommt, das Elektra erst ab dem letzten Viertel mit ihren eigenen Entscheidungen die Handlung wesentlich beeinflusst, während Klytämnestra den ganzen Roman über die Zügel in der Hand hält und ihr Schicksal dadurch selbst formt. Und als wäre das noch nicht genug, fand ich Klytämnestras Beweggründe um einiges verständlicher als Elektras, in die ich mich nur gegen Ende einigermaßen gut hineinversetzen konnte. (Was Kassandra angeht, hat sie selbst zwar am wenigsten Einfluss auf ihr Schicksal, war mir dafür aber sehr sympathisch.)

Das ist also meine einzige Kritik an diesem Roman: Dass er Elektra nur so spät in den Fokus der Handlung rückt und deshalb nicht als Roman über „Elektra, die hell Leuchtende“ bezeichnet werden sollte. Sieht man von diesem Manko ab, war der Roman absolut fesselnd! Besonders faszinierte mich natürlich Klytämnestras Geschichte, aber nicht nur, weil ich diese am interessantesten fand, sondern auch, weil sie so viel Einfluss auf ihr eigenes Schicksal hatte. Das fand ich besonders faszinierend, weil der letzte Roman, den ich las und der Klytämnestra als eine der Hauptfiguren hatte, eher ihre Hilflosigkeit betonte, während dieser hier den Fokus auf ihre Entscheidungsgewalt legte. Ich war darüber sehr erfreut!

Mir gefiel auch die Art und Weise, wie Elektra, die den Großteil der Handlung nicht viel beitragen konnte, ab dem letzten Viertel ihr Schicksal schließlich in die eigene Hand genommen hat, was auch der Zeitpunkt war, ab dem ich mit ihr mitfieberte. Der Mutter/Tochter-Konflikt war hier sehr gut umgesetzt und ich war zum ersten Mal hin und hergerissen zwischen den beiden Seiten, weil beide gute Gründe für ihr Handeln hatten.

Kassandra blieb damit die einzige Protagonistin, die zu keinem Zeitpunkt eine freie Wahl über ihr Schicksal hatte, was für eine traurige und oft auch entmutigende Atmosphäre während ihrer Sichtweisen sorgte. Kassandra selbst war mir dafür sehr sympathisch und ich habe sehr mit ihr mitgelitten.

Insgesamt war es sehr mitreißend, das Schicksal dieser drei Frauen zu verfolgen: Eine, die keinen Einfluss auf ihr Leben hatte; eine, die sich den Einfluss letztendlich nahm; und eine, die ihn die ganze Zeit hatte. Wer griechische Mythologie mag und gerne verschiedene Blickwinkel einnimmt, wird hier ein angenehmes Leseerlebnis finden!

Ich, Ariadne
416 Seiten

Ariadne gehörte bisher zu den Figuren der griechischen Mythologie, über die ich so gut wie nichts wusste, weshalb ich gespannt war, in "Ich, Ariadne" mehr von ihr zu erfahren.

Den Mythos um sie fängt Jennifer Saint gut und akkurat ein, wobei sie sich an Stellen, wo er dank Überlieferungen nicht eindeutig ist, für die meiner Meinung nach beste Variante entscheidet. Auch der Mythos von Ariadnes Schwester Phädra wird geschildert, der mir sogar noch unbekannter war als der Ariadnes.

Am besten hat mir bei Ariadne selbst der Anfang gefallen, in dem sie auf Theseus trifft und ihm hilft, den Minotaurus zu besiegen; auch Ariadnes wachsende Beziehung zu Dionysos wurde gut umgesetzt, doch muss ich zugeben, dass ich ab dem Zeitpunkt, an dem Ariadne auf ihn traf, am meisten interessiert in Dionysos' Geschichte und Phädras Leben war. Diese wird nach Ariadnes Verschwinden nämlich als Braut zu Theseus geschickt und ich fieberte sehr mit ihrer tragischen Geschichte mit.

Bei Ariadne selbst ging es ab ihrer Ankunft in Naxos sehr ruhig zu, erst später entstand Dramatik durch ihre bröckelnde Beziehung zu Dionysos. Tatsächlich würde ich deshalb dem Klappentext, der behauptet, Ariadnes eigene Geschichte würde erst in Naxos beginnen, widersprechen - denn sie selbst tut nicht mehr allzu viel, sobald sie da ist, während es im Gegenteil Phädras Gechichte ist, die ab diesem Zeitpunkt aufblüht.

Insgesamt handelte es sich um eine gute Umsetzung der griechischen Mythologie; mir gefiel nicht sonderlich, wie sehr Ariadnes und Phädras Leben letztendlich an einem Mann hing, aber dafür kann die Schriftstellerin natürlich nichts - sie hat es nichtsdestotrotz geschafft, ein paar wunderbare Frauenfiguren zu entwerfen.