Bücherregal lädt …
Dire Bound
832 Seiten

Als Meryns Schwester Saela vom Feindesland entführt wird, steht ihr Entschluss fest: Sie will an die Grenze, um ihre Schwester suchen und retten zu können. Doch wie alle neuen Rekruten muss sie die Bindungsprüfungen hinter sich bringen, die überprüfen sollen, ob sie eine Verbindung zu einem Wolf hat – und zu Meryns Entsetzen wird sie tatsächlich von einer Wölfin ausgewählt. Jetzt steckt sie nicht nur im Bezirk der Gebundenen fest, sondern muss auch mit der drohenden Gefahr leben, jederzeit ausgesiebt zu werden – eine Gefahr, die umso größer ist, da ihre Schattenwölfin Anassa sich weigert, mit ihr zu sprechen …

Dieser Roman hat mir leider gezeigt, dass ich selbst bei der besten Geschichte ein Liebesdreieck nicht ertragen kann. Zugegeben: Für etwa zwei Drittel der Handlung war es überraschend erträglich. Ich mochte es, wie es durch einen Twist eingeführt wurde, und dass es nicht ZU viel Zeit einnahm, weil der Fokus immer noch auf Meryns Ausbildung liegt, deren Umsetzung klasse war.

Aber irgendwann wurde es dann doch nervig, weil das Liebesdreieck wirklich schmerzhaft vorhersehbar war: Wir haben den einen Love Interest, der Meryn von Anfang an liebevoll behandelt, glücklich macht, alle Spice-Szenen bekommt und insgesamt sympathisch war – und den anderen Love Interest, der für lange Zeit sehr unsympathisch ist und erst gegen Ende ein wenig Wärme zeigt. Es war von Anfang an klar, dass der liebevolle Love Interest auf keinen Fall derjenige sein kann, mit dem sie zusammenkommt und dass ein Twist sein Verhalten in ein anderes Licht rücken wird. Tatsächlich wäre es für mich ein größerer Twist gewesen, hätte er sich tatsächlich als der liebevolle Love Interest dargestellt, als der er dargestellt wurde, aber leider konnte ich am Ende wirklich jeden Twist vorhersehen, weil der Aufbau des Liebesdreiecks so offensichtlich darauf hinauslief.

Auch den klassischen Anfang habe ich als Kritikpunkt wahrgenommen, wenn auch als recht kleinen, weil er von so vielen anderen Fantasyromanen geteilt wird: Eine Protagonistin, die die Handlung wegen einem Charakter in Bewegung setzt, den wir als Leser:innen kaum kennenlernen und in deren Rettung wir deshalb nicht investiert sind. Ich finde, die Handlung wäre um einiges stärker gewesen, hätte Meryn aus eigenem Wunsch an den Bindungsprüfungen teilgenommen, weil es leichter war, mit ihrer Ausbildung mitzufiebern als mit der Suche nach Saela.

Und hier kommen wir zu den positiven Punkten: Die Haupthandlung war absolut fantastisch. Ich liebte es, Meryns Entwicklung zu verfolgen, die gefährlichen Prüfungen, ihre Freundschaften mit den anderen Auszubildenden (vor allem Izabel) und vor allem ihre Bindung zu Anassa. Sie war sehr langsam und sehr realistisch aufgebaut, die beiden brauchen lange Zeit, um miteinander zurechtzukommen und es war so spannend und zufriedenstellend, den beiden dabei zuzusehen, wie sie ihre schwierige Beziehung nach und nach kitten. Von allen Beziehungen war diese mit Abstand die stärkste, weil sie glücklicherweise viel Screentime bekam und sich so realistisch entwickelt hat.

Ich mochte auch Meryn selbst und wie sie alles in Frage stellte, anstatt es einfach zu akzeptieren. Es war leicht, mich in sie hineinzuversetzen, weil ich genau dieselben Punkte in Gedanken ansprach wie sie. Sogar die grausamen Szenen, die ihre Veränderung einleiten, waren nachvollziehbar und ein wichtiger Teil ihrer Charakterentwicklung.

Insgesamt ist dieser Fantasyroman gut für Fourth-Wing-Fans geeignet, allerdings nur für diejenigen, die Liebesdreiecke mögen!

The Measure
368 Seiten

Eines Tages tauchen sie überall auf der Welt auf: Kleine braunrote Boxen, die den Lebensfaden jedes einzelnen Menschen enthalten. Plötzlich hat jeder die Möglichkeit, herauszufinden, wie lange sein oder ihr Leben sein wird, wie lange das der Partnerin oder des besten Freundes – sofern man es denn wissen will. Verschiedene Menschen müssen sich mit den Problemen, die die Boxen aufwerfen, beschäftigen.

So sind Nina und Maura entschlossen, trotz Ninas langem und Mauras kurzem Faden ein Paar zu bleiben. Ninas Schwester Amie will gar nicht erst in ihre Box sehen, beginnt aber eine unerwartete Brieffreundschaft mit Ben, der einen kurzen Faden hat. Genauso wie der Arzt Hank, der über die Länge seines Fadens lügt – ähnlich wie Jack und Javier, die beschließen, ihre verschieden langen Fäden miteinander zu tauschen, um dem jeweils anderen das Leben zu ermöglichen, das dieser sonst niemals haben könnte. Das wiederum ist kein Problem für Jacks Onkel Anthony, der mit seinem langen Faden zufrieden ist, weil dieser ihm die Präsidentschaft sichert. Das Schicksal aller acht ist miteinander verwoben und sie alle haben ihre eigene Art, mit ihrem kurzen oder langen Faden umzugehen ...

Ich habe "Die Vorhersage" bereits zweimal auf Deutsch gelesen, konnte jedoch nicht widerstehen, diese wunderschöne Geschichte auch auf Englisch zu erleben – obwohl ich zugeben muss, dass ich tatsächlich die deutsche Übersetzung bevorzuge! Nichtsdestotrotz war es erfrischend, diese Geschichte auf gleichzeitig neue und wohlbekannte Weise wieder kennenzulernen und dabei Dinge zu entdecken, die mir zuvor nicht auffielen.

Natürlich gibt es die wunderbaren Charaktere und die grandios umgesetzten Verzweigungen zwischen ihnen (die sich sogar auf Statisten auswirken), aber was mich bei diesem Re-Read besonders beeindruckt hat, war, wie realistisch das ganze Szenario dargestellt wurde. Ob es nun die Reaktion der Bevölkerung ist oder die anderer Länder: Es war alles so glaubwürdig geschrieben, als hätte Nikki Erlick tatsächlich einen Einblick in eine Welt mit Lebensfäden erhalten. Diese wunderbare Mischung aus persönlicher Geschichte und weltweiter Aufmerksamkeit war großartig umgesetzt!

Natürlich musste ich am Ende wieder mehrere Tränen vergießen, so wunderschön und emotional war es geschrieben. Das Buch lässt mich immer wieder voller Hoffnung zurück, denn so traurig manche Schicksale auch waren, waren sie gleichzeitig so zufriedenstellend geschrieben und mit einer schönen Botschaft verknüpft.

Eines meiner Herzensbücher, das ich jedem ans Herz lege – unabhängig von der Sprache, in der man es liest!

Die Fremde in meinem Haus
384 Seiten

Vor fünfzehn Jahren hat Susie ihre Tochter Sky zur Adoption freigegeben und es seitdem bitter bereut. Umso erfreuter ist sie, als sie eine E-Mail von Anna Mulcahy erhält, die ihr offenbart, ihre leibliche Tochter zu sein. Zusammen mit ihrem Mann Gabe schafft sie es schließlich, Sky aus den Fängen ihrer Familie zu befreien. Bald darauf jedoch nimmt Skys Verhalten destruktive Züge an und droht, Susies und Gabes Leben für immer zu zerstören ...

Dieser Roman ist zwar als "Thriller" gekennzeichnet, doch finde ich, dass diese Bezeichnung nicht unbedingt zu ihm passt. Zwar hat er durchaus thrillerhafte Elemente, ist letztendlich aber ein emotionaler, dramatischer Roman über die psychische Probleme eines Mädchens, die dazu beitragen, dass es alles Gute in seinem Leben zerstören will. Zwar habe ich Skys Verhalten mitnichten immer verstanden und fand es letztendlich unentschuldbar, aber JP Delaney gelang es trotzdem ganz gut, sie nicht als Monster, sondern als Mensch, der Hilfe verdient, darzustellen.

Dementsprechend gibt es in diesem Roman auch einige emotionale Szenen, die manchmal verstörend, manchmal traurig und manchmal sogar zum Haare ausraufen sind. Susie und Gabe geben ihr Bestes, um sich um Sky zu kümmern, merken bald aber, dass ihre vorigen Eltern einen guten Grund hatten, sie so bereitwillig aufzugeben; gleichzeitig haben sie mit Problemen aus ihrer Vergangenheit zu kämpfen, die sie immer noch nicht losgelassen haben. Diese Reise zu verfolgen, war manchmal durchaus frustrierend, weil Sky es ihnen sehr schwer gemacht hat. Obwohl man ihre Beweggründe kennt, ist es schwer, über ihr Verhalten hinwegzusehen.

Insgesamt würde ich sagen, dass es sich bei diesem Buch um einen spannenden Roman und nicht um einen spannenden Thriller handelt, der am besten bei den Leser*innen aufgehoben ist, die bereit sind, sich den sehr ernsten Themen zu stellen. Alle anderen sollten lieber auf Alternativen zurückgreifen, weil das Leseerlebnis mich persönlich eher mitgenommen als angetrieben hat. Dennoch: Für diejenigen, die wissen, was sie erwartet, ist dieser Roman bestens geeignet!