Ich habe irgendwo auf einer schlechteren Plattform ein Review gesehen, das meinte, das Buch beschäftigt sich zu viel mit allgemeiner Geschichte und nicht genug mit der Geschichte der Frauen. Dieses Review hat nicht unbedingt unrecht. Es wird immer sehr viel außenrum erklärt, so dass es manchmal aufhört, Kontext zu sein und halt einfach Geschichte wird. Aber ich fand das, wenn ich ehrlich bin, auch nicht so schlimm, weil es eigentlich immer interessant war. Mein liebstes Kapitel war das über Jadwiga von Polen.
Ich wünschte, jemand hätte dem Autor eine Umschalttaste geschenkt. Aber vielleicht muss das so bei naturalistischen Essays...
Eine meiner Lieblingsstellen:
es gab eine zeit, da trainierte ich abhärten. ich hängte über meinen schreibtisch ein bild des geliebten meines freundes, das tat weh, und ich hängte über meinen schreibtisch ein bild von nina hagen. wenn meine freunde an diesen schreibtisch traten, dann sagten sie: oh, nina hagen, dufte! aber warum hängst du dir ein bild des geliebten deines freundes auf? das sagten sie, weil sie nicht wußten, wie sehr das bild von nina hagen mich schmerzte.
Ich war zu Beginn des Hörbuchs, als angefangen wurde, Witze zu machen und etwas derbe Formulierungen zu benutzen, sehr skeptisch. Ich reagiere wohl allergisch auf polemische pop-feministische Bücher. Aber Gott sei Dank war das hier gar nicht so eines! Emma Southon erzählt eine chronologische Geschichte des römischen Reiches aus der Perspektive von Kaiserinnen, Müttern, Ehefrauen, Schwestern, Töchtern, heiligen Jungfrauen, Sexarbeiterinnen, Christinnen und so weiter.
Dabei habe ich besonders ihre Quellennähe bewundert. Es wird nie irgendetwas dazugedichtet, was nicht da ist, ohne es als Spekulation darzustellen. Es war so gut recherchiert und aufgearbeitet, dass ich persönlich die lustig-freche Note im Erzählstil gar nicht gebraucht hätte, aber ich verstehe, dass sie vermutlich ein weiteres Publikum ansprechen wollte. An manchen Stellen musste ich wirklich laut lachen!
Mein einziges Problem war, dass es sich, trotz der ausführlichen Einordnung in den historischen Kontext, nicht unbedingt um ein Einsteiger-Werk handelt, aber dafür, dass ich nicht jeden Tag ans römische Reich denke, kann ja die gute Frau auch nichts.
Ich habe bisher ein Buch von Michael Pollan gelesen ("Cooked") und das mochte ich sehr gerne. Dann wurde ein anderes Buch von ihm ("The Omnivore's Dilemma") mal von Michael Hobbes und Aubrey Gordon in Maintenance Phase besprochen, und seitdem stehe ich ihm etwas kritischer gegenüber. Aber ich dachte, ich gebe ihm mit diesem Buch nochmal eine Chance.
"This Is Your Mind on Plants" behandelt drei unterschiedliche pflanzliche Drogen: Opium, Koffein und Mescalin. Das erste Kapitel über Opium fand ich sehr interessant, auch wenn ich da schon das Gefühl hatte, dass er mehr drauf eingehen sollte, mit was für einem riesigen Privileg er als weißer upper-middle class Mann sich dem Thema annähert (es geht in großen Teilen darum, dass er selbst Opium in seinem Garten anbaut und sich damit strafbar macht). Das zweite Kapitel über Koffein war an sich schon interessant aber ich musste auch teilweise sehr die Augen darüber rollen, als er sein Selbstexperiment mit Koffeinentzug beschrieben hat.
Beim dritten Kapitel über Mescalin wurde es meiner Meinung nach richtig haarig. Er hat verschiedene Native Americans dazu interviewed, die ihm eigentlich alle gesagt haben, dass er als weißer Mann die Finger von dieser für sie heiligen Praxis lassen sollte. Er will nämlich eigentlich unbedingt an so einer Zeremonie teilnehmen, aber sagt dann auch selbst, dass das cultural appropriation wäre. Nur um dann doch eine Nicht Native American Person zu finden, die auch Zeremonien anbietet, und ihn zu einer einlädt. Das letzte Kapitel war dann ein Bericht von dieser Zeremonie und hat, finde ich, gezeigt, dass es Pollan nicht wirklich darum ging, die Kultur rund um Mescalin/Peyote zu respektieren sondern es vor allem einfach selbst ausprobieren wollte, egal wie.
Holy shit, ihre Eltern waren furchtbar
Ich finde es gut, dass es jetzt quasi Tradition ist, dass mein erstes Buch im Jahr immer der neue Richard Osman ist. Denn dafür sind sie wirklich perfekt!
Finde das ist richtige Schreibkunst, die Erzählstränge aus unterschiedlichen Epochen und verschiedenen Perspektiven so kunstvoll zusammenzubringen dass man trotzdem nicht den Überblick über die Figuren verliert, nicht permanent genervt von unnötigen Cliffhangern ist und es trotzdem so spannend ist, dass man es nicht weglegen kann. Ein top Buch für mich
Sehr interessant und auch wirklich gut und unterhaltsam geschrieben. Ich wünschte, alle würden dieses Buch lesen (vor allem meine Kolleg*innen und Familienmitglieder).
Am Anfang war es mir ein bisschen viel Exposition mit dem Holzhammer, aber als die Handlung mal Fahrt aufnahm, wurde es ganz nett.