Eine Geschichte des Römischen Reiches in 21 Frauen
433 Seiten

Ich war zu Beginn des Hörbuchs, als angefangen wurde, Witze zu machen und etwas derbe Formulierungen zu benutzen, sehr skeptisch. Ich reagiere wohl allergisch auf polemische pop-feministische Bücher. Aber Gott sei Dank war das hier gar nicht so eines! Emma Southon erzählt eine chronologische Geschichte des römischen Reiches aus der Perspektive von Kaiserinnen, Müttern, Ehefrauen, Schwestern, Töchtern, heiligen Jungfrauen, Sexarbeiterinnen, Christinnen und so weiter.

Dabei habe ich besonders ihre Quellennähe bewundert. Es wird nie irgendetwas dazugedichtet, was nicht da ist, ohne es als Spekulation darzustellen. Es war so gut recherchiert und aufgearbeitet, dass ich persönlich die lustig-freche Note im Erzählstil gar nicht gebraucht hätte, aber ich verstehe, dass sie vermutlich ein weiteres Publikum ansprechen wollte. An manchen Stellen musste ich wirklich laut lachen!

Mein einziges Problem war, dass es sich, trotz der ausführlichen Einordnung in den historischen Kontext, nicht unbedingt um ein Einsteiger-Werk handelt, aber dafür, dass ich nicht jeden Tag ans römische Reich denke, kann ja die gute Frau auch nichts.

This Is Your Mind on Plants
288 Seiten

Ich habe bisher ein Buch von Michael Pollan gelesen ("Cooked") und das mochte ich sehr gerne. Dann wurde ein anderes Buch von ihm ("The Omnivore's Dilemma") mal von Michael Hobbes und Aubrey Gordon in Maintenance Phase besprochen, und seitdem stehe ich ihm etwas kritischer gegenüber. Aber ich dachte, ich gebe ihm mit diesem Buch nochmal eine Chance.

"This Is Your Mind on Plants" behandelt drei unterschiedliche pflanzliche Drogen: Opium, Koffein und Mescalin. Das erste Kapitel über Opium fand ich sehr interessant, auch wenn ich da schon das Gefühl hatte, dass er mehr drauf eingehen sollte, mit was für einem riesigen Privileg er als weißer upper-middle class Mann sich dem Thema annähert (es geht in großen Teilen darum, dass er selbst Opium in seinem Garten anbaut und sich damit strafbar macht). Das zweite Kapitel über Koffein war an sich schon interessant aber ich musste auch teilweise sehr die Augen darüber rollen, als er sein Selbstexperiment mit Koffeinentzug beschrieben hat.

Beim dritten Kapitel über Mescalin wurde es meiner Meinung nach richtig haarig. Er hat verschiedene Native Americans dazu interviewed, die ihm eigentlich alle gesagt haben, dass er als weißer Mann die Finger von dieser für sie heiligen Praxis lassen sollte. Er will nämlich eigentlich unbedingt an so einer Zeremonie teilnehmen, aber sagt dann auch selbst, dass das cultural appropriation wäre. Nur um dann doch eine Nicht Native American Person zu finden, die auch Zeremonien anbietet, und ihn zu einer einlädt. Das letzte Kapitel war dann ein Bericht von dieser Zeremonie und hat, finde ich, gezeigt, dass es Pollan nicht wirklich darum ging, die Kultur rund um Mescalin/Peyote zu respektieren sondern es vor allem einfach selbst ausprobieren wollte, egal wie.

Der Gott des Waldes
590 Seiten

Finde das ist richtige Schreibkunst, die Erzählstränge aus unterschiedlichen Epochen und verschiedenen Perspektiven so kunstvoll zusammenzubringen dass man trotzdem nicht den Überblick über die Figuren verliert, nicht permanent genervt von unnötigen Cliffhangern ist und es trotzdem so spannend ist, dass man es nicht weglegen kann. Ein top Buch für mich

Weltalltage
281 Seiten

Ein Buch über Freundschaft UND Endometriose UND Nachwendekinderdasein, ist das denn die Wirklichkeit, ich bin völlig von den Socken, das sind ja fast alle meine Lieblingsthemen! Würden noch Fledermäuse rumflattern wärs komplett um mich geschehen... (Und also echt jetzt, das ist glaube ich das erste Buch das mir jemals über den Weg gelaufen ist in dem es um Endometriose geht, gibts überhaupt noch mehr endometriotische Schriftstücke?!) Es gibt viele Listen, das mag ich. Die Klinikdarstellung am Ende finde ich etwas hanebüchen, das klang nach Kalenderspruchtherapiepsychologie (ach gibts ja vielleicht auch wirklich), aber sonst erste Sahne, gutes Buch. ich glaub das körpermanifest am ende hats wieder rausgerissen, das war erfrischend, schön dass die körpis zu wort gekommen sind, kurz hab ich sogar überlegt das zu kopieren und an eine meiner vielen wände zu hängen, so sympathisch fand ichs, aber das war mir dann doch zu pathetisch.

Was mich noch beschäftigt: wie soll ich in den nächsten tagen 11 Bücher lesen?!?!? Ich werde mein Leseziel wohl nicht erreichen:( das ist traurig, der Anspruch war mal wieder zu hoch... muss ich das dann zu meinem leseziel 2026 dazuaddieren?! Oder noch schnell ein paar Pixibücher?

Die Wand
276 Seiten

Apparently it’s the season of books about a female narrator damned to fend alone for the rest of their lives. Very cool to read after “I who have never known men”, comparing and contrasting how two women, 30 years apart approached a similar concept.

Love the interiority, the honesty and the beautiful use of language.