Das Hörbuch hatte ich schon Ende 2018 gekauft, aber jetzt erst angehört. Jedes Mal, wenn ich von einem Spaziergang nach Hause kam, hatte ich das Gefühl, dass sich die Geschichte noch mehr zugespitzt hatte, und fragte mich, wie weit es wohl noch gehen könnte. Es war so spannend, zu sehen, wie immer mehr Ebenen aufgebaut wurden und wie irgendwann, ganz langsam, übernatürliche Phänomene in die Geschichte vordrangen. Auch das Hörbuch selbst fand ich sehr gelungen und hörte gerne zu. (Bis vielleicht auf die Stimme für Holly, die ich etwas übertrieben fand.)
Ein Buch über Douglas Adams und The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, großteils geschrieben von Neil Gaiman, erschienen 1986. Das Buch ist unglaublich interessant. Es erklärt (mehr oder weniger chronologisch), wie Douglas Adams den Anhalter immer wieder neu erfunden hat, wie er mit anderen Leuten zusammengearbeitet hat, und wie er so viel schaffen konnte, obwohl er alles bis zur letzten Sekunde aufgeschoben hat (und dann noch etwas weiter.) Ich mochte die charmanten, geradzu romantischen Einblicke in chaotische Arbeitsweisen – zum Beispiel, wie Douglas Adams noch am Dialog einer Szene schrieb, während im Nebenraum bereits die Aufnahmen begonnen hatten.
Nach dem Teil von Neil Gaiman folgen ein paar später (nach 1986) hinzugefügte Kapitel von anderen Leuten. Diese zusätzlichen Kapitel ziehen das Buch etwas herunter. Zum einen, weil sie erst nach Douglas Adams’ Tod hinzugekommen sind, zum anderen sind sie einfach nicht so gut geschrieben. Sie vergreifen sich im Ton, machen ein paar müde Witze und sind an seltsamen Stellen viel zu detailliert. Etwas schade, aber nicht so schlimm.
Oh je. David Sudnow beschreibt in diesem Buch von 1983, wie er über Wochen und Monate hinweg quasi zwanghaft Breakout für den Atari 2600 spielt. Ich dachte, das Buch würde genau in meine Interessen passen, aber es hat mir leider gar nicht gefallen. Breakout ist kein besonders komplexes Spiel, aber in Kapitel um Kapitel kämpft Sudnow mit sich selbst und dem Controller, denkt sich neue „Strategien“ aus und verwirft sie wieder, verliert mehrmals jeglichen Spaß am Spiel, philosophiert nebenbei über die Bedeutung von diesen (damals) brandneuen „Videospielen“ und über Computer allgemein und benutzt dabei so unglaublich viele Worte, dass er es zwar schafft, ein Buch zu füllen, aber ohne, dass ich etwas Interessantes daraus mitnehmen konnte. Etwas schade.
Glücklicherweise vor einigen Wochen bei Dussmann mitgenommen, weil es eine Prize Winner-Markierung am Regal hatte. Ich verstehe nicht ganz, wie ich nicht schon früher auf die Idee kam, eine Spionage-Geschichte könnte mir gefallen. Slow Horses ist exakt das, was ich mir von einem Roman über Spione erhoffen würde. Hoffentlich lese ich schon bald den nächsten Teil!
Das Buch war letzten Dezember im geheimen Adventskalender von Dussmanns English Bookshop, mit der rätselhaften Beschreibung „As good as Sally Rooney, but you haven't read this one yet.“
Jetzt habe ich es gelesen (auch, wenn es etwas gedauert hat), und es ist wirklich gut. Kurz (eher wie eine Novelle!), mit ganz eigenem Stil. Ich mochte, wie die Geschichte sehr harmlos beginnt, aber kontinuierlich Fahrt aufnimmt. Ab dem letzten Drittel konnte es nicht mehr weglegen. Berührend und bedrückend.
Ich war schon fast auf dem Weg in den Urlaub, als mir auffiel, dass ich kein Buch dabeihatte. Also stolperte ich durch eine Bahnhofsbuchhandlung, navigierte an Darm mit Charme vorbei und landete schließlich bei Die Vermessung der Welt, von dem ich eigentlich nur wusste, dass es gut sein soll. Und das ist es auch! Es lässt sich wunderbar lesen und steckt voller interessanter Fakten. Die Geschichte ist mitunter bestimmt sehr fiktionalisiert und ein paar Stellen werden sehr schnell abgearbeitet, aber das Buch ist sehr lesenswert und sehr schön.
Eine relativ kurze Sammlung von Gedichten. Das namensgebende Gedicht „Meditations in an Emergency“ war Thema von Episode 59 von 99% Invisible und der Satz „I can’t even enjoy a blade of grass unless I know there’s a subway handy“ hat sich (hoffentlich) für immer in mein Gedächtnis gebrannt. Nur etwa ein Jahr später habe ich mir endlich dieses Buch gekauft, um ein bisschen meinen literarischen Horizont zu erweitern, und es ist sehr gut.
Bestimmt zum fünften Mal gelesen, aber ich hatte einfach voll Lust, und es ist immer noch extrem gut. Vielleicht ist es einfach mein Lieblingsbuch, was soll‘s!
Meine Rezension zu Untenrum Frei trifft auch hier komplett zu, insbesondere „Wenn ihr noch ein paar verständliche Argumente für den nächsten Streit auf einer Familienfeier braucht, dann schaut doch mal rein und streicht euch was an!“
Ebenfalls sehr gut ausgedrückt hat es Anna-Lena in ihrer Rezension:
Sie hat recht. Und genervt ist man von ihr wohl nur, wenn man selbst so privilegiert ist, dass man vieles überzogen findet, worüber sie schreibt. Sie schreibt über wichtige Themen, in klarer Sprache ohne uns zu schonen, und trotzdem steckt in fast jedem Text auch etwas Witz. Wie eine bittere Medizin, die man auf ein Stück Zucker tropft um sie besser zu vertragen.
Stokowski schafft es, dass alle Texte an einem Strang ziehen (kommen ja auch aus dem gleichen Herz!) und sich trotzdem nicht wiederholen. Eher im Gegenteil, es wird ein relativ weites Feld abgesteckt! Klar, es geht immer irgendwie um Fortschritt und Gleichstellung und Menschen, aber das sind ja auch gute Themen, die uns alle was angehen!
Ich mochte die ganzen Denkanstöße für Dinge, über die ich so noch nicht nachgedacht hatte: Was für unfairer Quatsch Ehegattensplitting ist, die langersehnte genauere Absteckung ihres Anarchiebegriffs (der offenbar einigen Leuten in Untenrum Frei schlecht bekommen ist!), warum auch Männer von der Abschaffung des Patriarchats profitieren können, wie seltsam es ist, dass Worte wie „Hexenjagd“ oder „Genderkrieg“ benutzt werden, etc etc.
Können wir uns einfach darauf einigen, dass Stokowski die Stimme einer Generation ist? Vielleicht stehen wir dann bei zukünftigen Generationen nicht ganz so dumm da.
Das Buch war einigermaßen interessant, aber auch sehr frustrierend. Es geht meistens darum, wie Manager von großen Computerspielherstellern (mehrere dutzend bis wenige hundert Mitarbeiter) fragwürdige Entscheidungen treffen und dann alle normalen Angestellten hundert Stunden pro Woche arbeiten müssen. Aber ohne das so richtig zu thematisieren. Das Kritischste, was gegen das allgegenwärtige „Crunchen“ gesagt wird, ist ungefähr „Ist es wirklich nötig, den Geburtstag seines Kindes zu verpassen? Alle sagen ‚Ja!‘“. Da hätte ich mir schon eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht.
Ohje. Was für ein Trainwreck von einem Buch.
Die Hauptfigur arbeitet in einem Startup, das einen Roboterarm entwickelt, der menschliche Arbeit ersetzen soll. Sie gelangt in den Besitz eines Sauerteigstarters und entdeckt so ihre Freude an manueller Arbeit. Dann (und das ist kein Spoiler, weil es absolut offensichtlich ist und ihr das Buch ohnehin nicht lesen solltet) benutzt sie natürlich den Roboterarm, um die Brote zu backen. Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass das nicht passieren würde, aber natürlich passierte es. Und hier liegt auch mein großes Problem mit diesem Buch: Es romantisiert, ohne für irgendwas Respekt zu haben. Der Sauerteig ist literally magisch, die Hauptfigur kann vom ersten Versuch an perfekt backen, jegliche Idee von sowas altmodischem wie Handwerk wird direkt zugunsten von Roboterarmen aus dem Fenster geworfen, und die Frage, ob kochen oder essen vielleicht Spaß machen könnte, wird gar nicht erst gestellt.
Stattdessen bekommt man eine Hauptfigur, die wie ein Flipperball von Nebenfigur zu Nebenfigur springt, mit jedem ein bisschen über Brot spricht, sich nicht für die Geschichte von irgendwas interessiert, keinerlei Motivation in irgendeine Richtung hat, und durch ihre Meinungslosigkeit auch gar nicht erst den Hauch eines Konfliktes aufkommen lässt. Und natürlich ist jede Figur im Buch so kauzig, dass sie die Hauptfigur in einem Buch von John Green sein könnte. Das ganze Buch wirkt, als ob sich Robin Sloan erst auf den letzten Seiten dafür entschieden hätte, wie er diese Geschichte, die wie ein übermütiger Sauerteigstarter vor sich hinblubbert, so schnell wie möglich beenden kann, bevor ihm die Seiten ausgehen.
Über meinen Verdruss mit dem Plot hinaus wirkt das Buch auch an vielen Stellen einfach sloppy geschrieben. Charaktere, die mit „Er war der einzige, mit dem mich sowas wie Freundschaft verband“ eingeführt werden, werden danach nie wieder erwähnt, für jedes kleine Problem taucht sofort eine weitere Figur mit einer Lösung auf, alles klappt immer beim ersten Versuch, ohnehin findet alles in einer komischen Fantasy/Science Fiction-Version von San Francisco statt, und … ich höre hier auf. Die Liste von Sachen, über die ich mich beschweren könnte, ist einfach zu lang. Bitte lest einfach etwas anderes.