Eine Reise ohne Beschwerlichkeiten ist gar keine. (S.25)
[...], und dann ist da plötzlich das Schwarze Meer. In mir sprüht eine Konfettikanone. (S.57)
Und das sind nur die Ländergrenzen. Was zwischen und an ihnen passiert, die Tönungen und Schattierungen, die Höhenunterschiede und Kontraste des Terrains, der gebauten Welt, der gesellschaftlichen Realitäten, der kulturellen Erzählungen - diese zuerst grob und nach und nach immer feiner nachzuzeichnen, damit sie in der Psychogeographie meiner inneren Landkarte lebendig werden: Darum setze ich mich in den Zug. (S.64)
Es ist der Schwellenschlaf, der im Nachtzug so viel Spass macht, diese besondere Art der bewussten Bewusstlosigkeit, die es nur hier gibt. Von der rauschenden Bewegung betäubt zu werden, in einen taumelnden Schlaf zu fallen, der sich aber als Schlaf wahrnimmt, der unentwegt dem Rattern der Räder auf den Schienen lauscht, die flüstern: Du schläfst und bist im Zug, ist das nicht irre schön? (S.67)
Manchmal sieht man sowieso nur die eigenen Gedanken, wenn man aus dem Zugfenster schaut, egal was dort draussen geboten wird. Kilometerlang das Gesicht dem Fenster zugewandt, aber in Wahrheit ist das Auge nach innen gekehrt, nach aussen blind. (S.81)
Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Verreisen mit dem Zug. Die Autorin reist an jedes noch so weit entfernte Reiseziel mit dem Zug. Sie schreibt über all die Beschwerlichkeiten, aber noch viel mehr über all den Mehrwert, den eine Zugreise gegenüber einer Anreise mit dem Flugzeug hat. Mit ihren Geschichten macht sie richtig Lust auf eigene neue Reiseabenteuer mit dem Zug. Manchmal waren mir die Berichte aber dann doch etwas zu langfädig. Im Grossen und Ganzen aber eine Freude! :)
Will hat für sich und seine frischgebackene Ehefau Sara eine Woche in einer Lodge der Familie McAlpine in den Bergen gebucht. Es soll ihre Hochzeitsreise werden. Schon in der ersten Nacht jedoch wird ihre Auszeit durch einen Mord getrübt. Sie finden Mercy, die Tochter der McAlpines und Managerin der Lodge, schwerverletzt beim See und noch bevor sie sagen kann, wer auf sie mehrmals eingestochen hat, stirbt sie. Will und Sara, die beide bei der Polizei arbeiten (Sara als Gerichtsmedizinerin), versuchen alles, den Fall zu lösen. Fast alle in der Familie von Mercy haben ein Motiv...
Oft etwas langatmig, manchmal handelten die einzelnen Charakteren, meiner Meinung nach, unglaubwürdig, was mich störte. Im Grossen und Ganzen war ich aber unterhalten ab der Geschichte.
Yes. I believe he might have been happy during our time of intimacy. But then he was dragged off me and pinned down. His twentyseven seconds of fame were over. He was nobody again. (S.15)
What makes hospitals happiest is when the patient says he is having bowel movements. Hospitals really don’t like it when your bowels are not moving and they give you medication that causes diarrhea and you ask them to please stop and you promise in pleading tones that your bowels will move soon, they really will, and then, finally, they do move, and everyone cheers up. (S.66)
To write would be my way of owning what had happened, taking charge of it, making it mine, refusing to be a mere victim. I would answer violence with art. (S.129)
Salman Rushdie wird 2022 an einer öffentlichen Lesung von einem jungen Mann mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Vor über 30 Jahren sprach das iranische Regime aufgrund seines Buches „Die satanischen Verse“ gegen ihn eine Fatwa aus. Das Attentat wird damit in Zusammenhang gebracht.
In diesem Buch verarbeitet Rushdie den Angriff, schreibt über das Attentat, seinen Weg durch alle Operationen, Therapien und Reha zurück in den Alltag, er imaginiert ein Gespräch mit dem Attentäter und besucht nach 13 Monaten den Ort des Attentats. Seine Frau Eliza ist die heimliche Hauptfigur in diesem Buch. Mit überraschend viel Humor schreibt er nicht nur über seine Ängste und Schmerzen, auch die Liebe und Dankbarkeit sind sehr zentrale Themen.
Rose flüchtet sich gerne in ihre Fantasywelt, die sie sich erschaffen hat. Dort trägt sie auch mal Kriege aus mit ihren Stofftieren. Eines Tages verschwimmt ihre Fantasy mit der Realität, was schwerwiegende Folgen hat. Rose wird in eine Geschichte verwickelt, die tief in der Vergangenheit ihren Ursprung hat.
Ein sehr gelungener Comic, fantastische Bilder und eine spannende Geschichte.
Ich will kein Mädchen sein. Ich will auch kein Junge sein. Ich will nur ich selbst sein. (S.71)
Ein berührender und sehr ansprechend illustrierter Graphic Novel, welcher das Aufwachsen, die Identitiätsfindung, das Coming-Out von Maia Kobabe, Autor*in des Buches, darstellt.
Ich bin mir sicher, dieser Graphic Novel kann vielen jungen Menschen helfen, die auf der Suche nach sich selbst sind und sich in ihrer Rolle, in die sie von der Gesellschaft von Kleinauf reingedrückt werden, verloren und fehl am Platz fühlen.
Die Autorin Lowen soll die Psychothriller der erfolgreichen Autorin Verity Crawford weiterschreiben, da diese einen Unfall hatte und seitdem pflegebedürftig ist. Lowen soll ein paar Tage im Haus von Verity verbringen, wo auch deren Mann Jeremy mit seinem Sohn lebt, um die Notizen von Verity durchzuschauen. Sie lässt sich auf dieses gutbezahlte Angebot ein, auch, weil Jeremy es ihr sehr angetan hat. Als sie in den Notizen von Verity ein autobiografisches Manuskript findet, wird es ihr im Haus immer ungeheuerlicher...
Eine voraussehbare Liebesgeschichte, sehr viel Sex, grosse Spannung durch das gesamte Buch hinweg, eine überraschende Wendung am Schluss. Ein für mich neues Genre. Auch wenn es nicht die Art Buch ist, die ich sonst gerne lese, hat es mich sehr gepackt, und zwar schon nach wenigen Seiten.
" 'Gab es nie einen bestimmten Moment, in dem Sie alles verstanden, definitiv verstanden?', frage ich Stella. 'Das ist eine Frage aus dieser Welt, Michael, nicht aus jener Welt. Es gab nicht nur keinen präzisen Moment, in dem ich alles verstand, es gab auch sehr lange keinen Moment, in dem ich oder eine von uns zuliess, etwas zu fühlen. Wir waren zu sehr mit dem Überleben beschäftigt.' Sie hält inne. 'Aber es war natürlich da, überall, die ganze Zeit. Dieses Wissen. Wie eine Flamme. Zu brutal, um ihr nahe zu kommen. Wenn wir sie berührt hätten, wären wir vielleicht selbst gestorben.' " (S.206)
Während hundert Samstagen besucht Michael Frank die Holocaust-Überlebende Stella Levi, um ihre Geschichte kennenzulernen. Geboren 1923 im jüdischen Viertel in Rhodos, wird sie 1943 nach Ausschwitz deportiert. Sie überlebt und beginnt ihr neues Leben in New York.
Eine sehr berührende Geschichte einer beeindruckenden Frau mit grausamster Vergangenheit.
Then, as he went shooting up to the surface of the sea, desperate for a breath of air, two new trends of thought dominated his brain. One was that he must instantly apprise the Arabella of his predicament. The other was that it was all hilariously funny - a man of his age falling off a ship. (S.26)
"A pity a man can't live like this forever, just feeling happy without having to think for a reason," Standish had said slowly, gazing at the setting sun. (S.99)
Ein Geschäftsmann geht nach einer mentalen Krise alleine auf Schiffreise, um sich zu erholen. Dies gelingt ihm gut, bis er eines Morgens durch ein Missgeschick in den Pazifik fällt. Er ist sich sicher, dass seine Abwesenheit auf dem Schiff bald bemerkt wird und das Schiff umkehrt, um ihn zu retten. Anfänglich noch zuversichtlich, schwappt sein hoffnungsvolles Denken langsam in leise Panik über.
Die Story ist tragisch, die aber mit viel Komik einhergeht. Sie nimmt einem beim Lesen fast den Atem. Als Leserin war ich hautnah mit dabei, fühlte mich beim Protagonisten im Wasser und hoffte bis auf die letzte Seite auf seine Rettung. Noch Tage später hingen mir die Bilder der hohen See nach, die Hilfeschreie, die Gedanken des Protagonisten.
Eine ergreifende Geschichte, ein grandioses Buch. WOW!
"Jedes Mal holte Mama mich zu sich unter die Decke, hielt mich ganz fest, strich mir übers Haar und flüsterte: 'Morgen kommt ein neuer Himmel, mein Schatz, warts nur ab.' Und wie durch ein Wunder erwachte ich am nächsten Morgen und sah bernsteingelbe Strahlen durch die Spitzengardine fallen."
Ein sehr liebliches Buch fürs Herz, aber mir doch zu kitschig.
Ein Buch über die 900 Tage Belagerung in Leningrad (heutiges St.Petersburg) während des 2. Weltkrieges. Der Grossvater von Benioff lebte damals in Leningrad. Er wurde aufgrund einer Kleinigkeit festgenommen und wartete auf die Hinrichtung. Der Geheimdienstchef schlägt ihm und einem Deserteur, ebenfalls festgenommen, einen Deal vor: Innerhalb von 6 Tagen an ein Dutzend zu kommen. Im belagerten Leningrad schier unmöglich, machen sich die zwei auf den Weg und erleben tragische, aufwühlende Dinge. Sie freunden sich an. Gemeinsam erreichen sie sogar ihre Aufgabe. Trotzdem gibt es für die beiden kein Happy End.
Ich habe das Buch vor allem gelesen, um mehr über die 900 Tage Belagerung zu erfahren. Das Buch war sehr spannend zu lesen. Für mich waren die Dialoge zwischen den beiden Protagonisten aber oft etwas aufgebauscht.
"Aber jetzt zweifle ich an meinem Hass. Innerhalb weniger Wochen, seit ich wieder in diesem Haus bin, scheint er sich aufgelöst, seine scharfen Konturen verloren zu haben. Ich vermute, dass alles, was geschehen ist, kein Zufall ist, sondern zu einem Schicksal gehört, das vor meiner Geburt entworfen worden ist und dass Esteban Garcia ein Teil dieses Entwurfs ist. Er ist ein roher, krummer Strich, aber kein Strich ist nutzlos."
Rika und Michael. Sie wuchsen miteinander auf, sie verehrte ihn seit Kindheit, er sie genauso, ignorierte sie aber konsequent. Dann kommt die Devil's Night, die für Michaels Freunde verheerende Konsequenzen hat. Und Rika soll schuld daran sein. Michael und seine Freunde möchten sie dafür bezahlen lassen und er beginnt ein böses Spiel mit ihr. Und sie kontert. Und eigentlich geht es in diesem Buch nur darum, irgendwelche Spielchen zu spielen und die eigenen sexuellen Verlangen zu unterdrücken und manchmal dann doch ausleben zu können. Böse, gefährlich und leidenschaftlich.
...Ich habe nicht gezählt, wie oft diese und noch viele andere Ausdrücke im Buch vorkamen, aber es war soooo oft, dass ich sie nicht mehr hören kann. Sprachlich sehr schwach. Und grundsätzlich nicht mein Genre. Ich verstehe den Hype darum nicht. Aber muss ich auch nicht. :)