Ich brauchte mal wieder eine Auffrischung bezüglich Denkfehlern, wofür Rolf Dobellis Bücher wirklich fantastisch geeignet sind. Ich bin immer wieder beeindruckt davon, wie viel Wissen er in drei Seiten vermitteln kann!
- Guter Mensch
- Armin Falk
- Siedler
- Sachbuch
- Verhalten
- Moral
- Eigennutz
- Selbstbild
- Fremdbild
- Reziprozität
- Gruppendenken
Es ist nicht leicht, ein guter Mensch zu sein. Doch warum eigentlich? Was genau hindert uns daran, das Richtige zu tun? Warum sind wir bereit, moralisch fragwürdige Entscheidungen zu treffen, obwohl wir genau wissen, dass sie anderen schaden? Und was können wir tun, um etwas daran zu ändern? Diese und ähnliche Fragen beantwortet Armin Falk in seinem Sachbuch „Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein“.
Zugegeben: Das meiste hat man sich schon gedacht. Sowohl, was die Probleme, als auch, was die Lösungen angeht. Deshalb fand ich nicht einmal zwingend das „Warum?“ hinter unserem Verhalten am interessantesten, sondern die verschiedenen Studien, die Armin Falk und seine wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen zu diesem Zweck durchgeführt haben. Diese waren sehr erfrischend zu lesen und hatten dabei teils vorhersehbare, teils überraschende Ergebnisse.
Was die Gründe angeht, weswegen wir uns auf bestimmte Weisen verhalten, faszinierte mich besonders das Thema der Reziprozität („wie du mir, so ich dir“) mit den beschriebenen Beispielen und Studien. Zu sehen, wie stark unser Verhalten von anderen abhängt, war sehr aufschlussreich, weil ich die Effekte nicht so groß eingeschätzt habe, wie sie tatsächlich sind.
Ebenfalls wichtig ist, wie stark man sich mit diesem Sachbuch identifizieren kann. Des Öfteren bin ich darüber gestolpert, dass ich mich genauso verhalten habe, wie der Autor es beschrieben hat, so ungern man sich das vielleicht eingestehen möchte.
Insofern hat dieses Sachbuch für mich zwar keine neuen Informationen geboten, doch dafür die Gelegenheit, über mein eigenes Verhalten zu reflektieren und es bestenfalls zu ändern. Deshalb empfehle ich das Buch vor allem den Leserinnen und Lesern, die bereit sind, ihr eigenes Selbst zu konfrontieren und zu verbessern – so schwierig das auch sein mag.
In der Neuausgabe von "Die Kunst des klaren Denkens" kam ein Workbook-Teil dazu, mit dem man seine eigenen häufigsten Denkfehler identifizieren kann. Die eigentlichen Kapitel über die Denkfehler blieben gleich, aber zusätzliche Beispiele und eine Bewertungsskala fand man dafür im Workbook.
Ironischerweise wurde ich beim Bearbeiten des Workbooks Opfer eines Denkfehlers: die Häufigkeit, mit der ich einen Denkfehler beging, verband ich mit der Stärke der Konsequenzen, den er trug, obwohl beides nicht zwingend miteinander zusammenhängt. Es war schwer, auf einer Skala von 1-10 beides zu bewerten, weil ich mir nicht immer sicher war, welche Zahl nun denn angebracht ist. Aber natürlich half es mir trotzdem, meine häufigsten Denkfehler zu finden.
Mein eindeutig größter Denkfehler ist das Framing, das ich zwar auch zu meinem Vorteil nutze, auf das ich aber ebenso oft hereinfalle. Auch der Confirmation Bias und die Sunk Cost Fallacy erzielten bei mir hohe Werte. Und natürlich war auch der Anker (den ich für die Bewertung der Denkfehler nicht außer acht lassen konnte) unter den Top 5.
Das Buch war bereits ohne den Workbook-Teil eine wertvolle Lektüre, die mir half, meine Denkfehler besser wahrzunehmen, wobei der Workbook-Teil selbst letztendlich ganz praktisch, aber auch verzichtbar ist. Das liegt größtenteils daran, dass viele der zusätzlichen Beispiele, die Rolf Dobelli anführte, für mich nicht von Relevanz waren (ganz besonders die Beispiele zu Aktien) und ich fand, dass die eigentlichen Kapitel die Denkfehler bereits gut genug zusammenfassen. Es half durchaus, sich tiefergehender mit den Denkfehlern auseinander zu setzen, doch um eine klare Bewertung abzugeben, ist die Zeitspanne noch zu kurz - wer ernsthaft an sich arbeiten will, wird das Workbook nicht nur einmal, sondern zumindest Teile davon mehrmals durchgehen müssen.
Insgesamt also ein sehr lesenswertes Sachbuch, das hilft, seinen eigenen Blickwinkel zu schärfen - unabhängig davon, ob man den Workbook-Teil nun mitmacht oder nicht.
Kategorien – mit ihnen sehen wir die Welt. Mit ihnen machen wir die Welt. Ohne es zu wollen, ordnen wir alles mit unserem beschränkten Denken ein, darauf bedacht, alles abgegrenzt und ordentlich zu halten. Und oft denken wir dabei schwarzweiß.
Natürlich wissen wir, dass es Graustufen gibt. Aber oft ist es schwierig, sie tatsächlich zu benutzen – und genauso wie binäres Denken sind auch zu viele Graustufen nicht unbedingt gut. Beides kann, je nachdem, worum es geht, durchaus praktisch sein, aber genauso oft machen diese Denkweisen alles nur schlimmer. Darauf geht Kevin Dutton glücklicherweise auch ein – dass beide Denkweisen sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Und was passiert, wenn verschiedene Denkweisen und Kategorien miteinander kollidieren.
Ob es um Framing, Überzeugungskunst oder Manipulation geht: Alle Themen, die sich mit Schwarzweißdenken beschäftigen, sind Themen, mit denen Kevin Dutton sich in diesem Sachbuch beschäftigt. Sehr schön dabei war, dass er dabei anhand zahlreicher realer Beispiele seinen Standpunkt deutlich gemacht hat; die vielen kleinen Geschichten, die er erzählt, haben sein Buch sehr viel bildlicher und zugänglicher gemacht, als es ansonsten der Fall wäre.
Sachbuchleser, die sich bereits mit diesen Themen beschäftigt haben, haben aus diesem Grund trotz der Themen, die sie eventuell schon kennen, trotzdem einen Anreiz, das Buch zu lesen: Es kann meiner Meinung nach nicht genug Beispiele dafür geben, um zu zeigen, wie leicht beeinflussbar wir sind.
Eine Kritik habe ich jedoch: In einem Kapitel geht Dutton auf drei Superkategorien ein: „Kampf versus Flucht“, „wir versus sie“ und „richtig versus falsch“, die er auch anhand zahlreicher Beispiele aufzeigt … nur, dass ich bis auf den „wir/sie“-Aspekt kein einziges seiner Beispiele logisch mit Kampf/Flucht und richtig/falsch assoziieren konnte. Dutton zitiert mehrere Persönlichkeiten, um zu zeigen, wie diese die drei Superkategorien benutzen, aber so sehr ich es auch versuchte, gelang es mir nicht, die Verbindung zwischen den Kategorien und den Zitaten zu sehen. Mag durchaus an mir liegen, aber dennoch fand ich dieses spezielle Kapitel sehr verwirrend. Glücklicherweise ist es damit auch das einzige; die anderen waren nicht nur informativ, sondern auch reizvoll zu lesen, weil die vielen Beispiele hervorragend illustrierten, wie schwarzes, weißes und grauen Denken uns beeinflusst.
Zu wenige Kategorien sind schädlich – aber zu viele auch.
- Schnelles Denken
- Langsames Denken
- Daniel Kahneman
- Siedler
- Sachbuch
- Irrtümer
- Selbstüberschätzung
- Entscheidungen
"Schnelles Denken, langsames Denken" - diese beiden Denkarten, die Daniel Kahneman mit System 1 und System 2 abkürzt, bilden das Zentrum dieses Sachbuchs. Ausführlich legt Kahneman dar, wie richtig - und vor allem: wie falsch - unser intuitives Denken ist und wie es unser bewusstes Denken beeinflusst.
Von Heuristiken, Selbstüberschätzung und Entscheidungen ist alles dabei: Es war sowohl faszinierend als auch erschreckend, wie leicht wir uns durch bestimmte Formulierungen und viele andere Dinge beeinflussen lassen, ohne, dass wir es infrage stellen. Allein deshalb ist dieses Buch ein Must-Read für alle, die sich für den Bereich Psychologie interessieren, weil es alle Fehler abdeckt, die wir, ob wir es wollen oder nicht, begehen.
Nur die beiden Essays im Anhang fand ich etwas unnötig, weil sie die wichtigsten Aspekte des Buches im Grunde zusammengefasst wiedergeben, ohne uns neue Informationen zu liefern. Dafür sind sie zugegeben gut geeignet, um einen schnellen Überblick über das Buch zu bekommen, ohne alle 500 Textseiten zu lesen.
Am faszinierendsten fand ich zum Einen die ersten beide Teile des Buches (in der Kahneman unsere beiden Denksysteme beschreibt und anhand praktischer Beispiele zeigt, wie sehr unsere Intuition uns beeinflusst), zum Anderen den fünften Teil, in dem das erlebende Ich mit dem erinnernden Ich kontrastriert wird. Aber natürlich waren auch der dritte und der vierte Teil äußerst lesenswert ;) Thematisch haben mich schlicht die anderen drei Teile mehr angesprochen.
Wer einen umfassenden Überblick über unser Denken - und die Fehler unseres Denkens - haben möchte, ist hier bestens bedient! Ich persönlich habe das Gefühl, durch die Lektüre dieses Sachbuchs um einiges bewusster in meinem Denken geworden zu sein :)
Wie funktioniert eigentlich unser Gehirn und wie können wir es am besten nutzen, um Entscheidungen zu treffen, Fehler zu vermeiden und uns allgemein besser zu verstehen? Diese Fragen beantwortet Dr. Jens Foell in seinem neuesten Sachbuch, das nicht nur wissenswert zu lesen ist, sondern auch humorvoll geschrieben.
Foell redet dabei über so ziemlich alles: Den Aufbau des Gehirns (ich bin übrigens definitiv für die Bezeichnung „Foell-Region“), wie es sich schützt und warum es das manchmal nicht tut (Stichwort Alkohol), inwiefern es sich von Künstlicher Intelligenz unterscheidet, und noch viel, viel mehr.
Dabei geht er auch auf Dinge ein, die mir bereits bekannt waren (z.B. die fehlerhafte Darstellung des Kitty-Genovese-Falls), Dinge, bei denen ich etwas Neues dazulernte (wie der Phineas-Gage-Fall, bei dem ich nicht wusste, wie sein Charakter sich im Lauf der Zeit entwickelte) und Dinge, die mir komplett neu waren (z.B. das Experiment über Hoffnungslosigkeit). Das war eine gute Mischung, die der Autor natürlich nicht vorhersehen konnte, die aber gut aufgezeigt hat, dass es selbst, wenn man bereits einige Bücher dieser Art gelesen hat, hier auch neue Informationen auf einen warten.
Nach Möglichkeit habe ich stichprobenartig recherchiert, ob gewisse Fakten stimmen, weil ich bei einigen sehr überrascht war, zuvor noch nichts von ihnen gehört zu haben (Stichwort halbes Hirn). Noch wertvoller fand ich aber die Tipps, die Jens Foell bezüglich Schlaf, Alkohol und Eingreifen mit uns teilte – obwohl die ersten beiden Themen nicht für mich relevant waren, war es trotzdem so hilfreich, tatsächliche Ratschläge zu lesen, die die Gehirn- und Handlungsleistung verbessern können.
Insgesamt also ein informatives Sachbuch mit wertvollem Wissen und genau der richtigen Prise Humor!