Bohm ist 35 seit Jahren auf der Strasse. Alles, was er besitzt, passt in einen alten Rucksack: ein paar selbst geschnitzte Holzmäuse und ein Brief, den er sich weigert zu öffnen.
Alina arbeitet als Journalistin bei einem Kölner Fernsehsender, der Stellen abbaut. Die Angst, als Nächste gehen zu müssen, treibt sie um. Eine Reportage über Obdachlose scheint ihre letzte Chance auf eine Karriere vor der Kamera zu sein und sie lässt sich auf eine Zusammenarbeit mit einem zwielichtigen Star-Journalisten ein.
Als Alina auf Bohm trifft, stösst sie zunächst auf Widerstand. Er will nicht darüber reden, was ihn aus dem Leben geworfen hat. Erst als ein kleiner Hund auftaucht, ändert sich für Bohm alles.
Mir hat das Buch gut gefallen. Es liest sich einfach und flott, auch wenn die Liebesgeschichte mit ihrer „Liebe überwindet alle Grenzen“-Formel an einen Sonntagabendfilm erinnert. Aber fünf Sterne weil es eine Geschichte ist, die man gut allen zum Lesen geben kann.
Mein Bild vom Helden Odysseus war von den alten Hollywood-Filmen geprägt. Nach der Lektüre ist davon nichts mehr übrig geblieben: «Lügen, Täuschen und Betrügen sind die Waffen des kleinen Mannes, und kleine Männer waren die homerischen Helden […]: oft nicht mehr als unzivilisierte Raufbolde.» Odysseus erweist sich dabei als ihr grösster Vertreter.
Iryna Fingerovas Protagonistin ist Mira Zehmann, eine junge ukrainische Ärztin, die noch vor der russischen Invasion nach Deutschland kam. Die ukrainischen und russischen „Landsleute" stehen Schlange bei ihr und möchten behandelt werden. Die unterschiedlichsten Verletzungen und Krankheiten sind da zu versorgen, der Krieg hinterlässt seine Spuren bei Körper, Seele und Geist. Und manchmal greift Mira auch zu unkonventionellen Mitteln.
Neben all dem Leid fragt sich Mira, wie sie ein normales Leben führen kann und ob sie das überhaupt darf. Denn neben ihrem Beruf als Ärztin sind da auch noch ihr Mann und ihre Tochter. Zudem schlägt ihr Herz für die Literatur. So schwankt sie hin und her zwischen der Angst und Hilflosigkeit angesichts des Krieges, der Fremdenfeindlichkeit und dem Rassismus, wovon sie als Jüdin doppelt betroffen ist, einerseits und trotz allem dem Wunsch nach Liebe, Freude und Leben andererseits. Und gerade die Reise nach Odesa, in ihre Heimatstadt, wo ständig mit Bomben zu rechnen ist, öffnet ihr die Augen.
Ein Roman, dem auch eine Prise Humor nicht abgeht. Man spürt, dass viel von Iryna Fingerova, die selbst als Ärztin in Deutschland lebt, in der Figur Mira Zehmann steckt. Das gibt dem Buch eine hohe Glaubwürdigkeit.
Der Protagonist dieses Romans heisst Adrian Reiter. Er wird 1901 in die österreichische Monarchie hineingeboren. Sein Vater, ein bekennender Sozialist, zertrümmert ihm kurz vor dem 1. Weltkrieg mit einer Axt sein Bein, so dass er dienstuntauglich ist. So erleben wir die Geschichte Österreichs, beginnend mit den beiden Weltkriegen bis in die 80er Jahre aus den Augen eines „Verschonten“, der nicht im Krieg stirbt. Die Geschichte zeigt aber auf, dass im Krieg nicht nur auf dem Feld Menschen sterben und verstümmelt werden, auch die Heimkehrer und die Daheimgebliebenen und die ganze Gesellschaft sind Geschädigte. Gstrein zeigt den Krieg in seinem ganzen Schrecken, und vor allem im Bild des Österreichischen Kaisers mit seiner Kavallerie auch in seiner Absurdität. Ein eindrücklicher und sehr lesenswerter Roman, wenn auch düster und wenig aufmunternd.
Fulminant erzählt und gut geschrieben. Lässt sich in einem Zug lesen. Aber auch etwas verstörend.
Beate ist Ende 60 und kümmert sich um ihren kranken Mann. Gleichzeitig realisiert sie, dass sie an Demenz erkrankt. Das Buch ist aber vor allem eine Liebesgeschichte und erzählt, wie sich Beate in einen anderen Mann verliebt und trotz immer stärkerer Anzeichen von Demenz eine grosse Liebe erleben darf. Der Schluss der Geschichte wird von ihrer Enkelin Emma erzählt. Ein tröstliches Buch, in einer schönen Sprache erzählt.