Lesetagebuch
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Expectation
 336 Seiten

Ich habe das Buch gekauft, weil mich der blurp "If you wished Normal People had tackled female friendship, try expectation" angesprochen hat.

Das Buch hat mir noch besser gefallen, wahrscheinlich, weil es gefühlt mehr auf mein Alter zugeschnitten ist (RIP Jugend ☠️). Dieses Buch tat an sehr vielen Stellen sehr weh. Zwischendurch war ich besorgt, dass es auch mit Schmerzen endet, aber das tat es nicht, weil das Schmerzhafte notwendig war für die Entwicklung. Es ist nicht immer alles gut am Ende, zumindest nicht so, wie es gewünscht wurde - so ist das Leben eben nicht. Und das ist okay.

"for this is what marriage does it flows out beyond the couple, engendering love, engendering life, making us believe, even for an afternoon, in a happy ending, or at least, at the very least, in the expectation that a story will continue as it should."

A History of What Comes Next
 304 Seiten

Der Autor beschreibt den Roman am Ende als "slightly-homicidal-alien-clone-space-race Story". Besser kann ich es auch nicht zusammenfassen, zumal alles darüber hinaus ein Spoiler wäre. Insgesamt sehr kurzweilig und space race ist ansich schon spannend, Neuvel baut aber noch eine besondere Familiengeschichte drum herum. Auch mochte ich sehr, dass er am Ende noch ganz begeistert seine Recherche zusammenfasst: hier habe ich zum Beispiel gelernt, was der Begriff Amazone wirklich meint und warum die Sache mit den Brüsten die Schuld eines alten weißen Mannes ist (wie unerwartet).

Hidden Valley Road
 400 Seiten

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Galvin Familie. Mimi und Don haben zwölf Kinder bekommen - was alleine schon ein Buch wäre - wovon sechs eine Schizophrenie entwickelt haben. Darin verwoben erzählt der Autor jeweils den aktuellen Forschungsstand zur Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten. Ein gutes Buch, welches deutlich macht wie schwerwiegend diese psychische Störung für das ganze Umfeld ist.

Morning Star
 524 Seiten

Wow, dieses Buch war zwischenzeitlich so spannend und ich war so gestresst beim Hören, dass ich mich kurz spoilern musste, um mich beruhigen zu können. Das ist ein Lob!? Das war das dritte Buch der Red Rising Trilogie und insgesamt ist die Reihe wirklich sehr gut. Kurz zu den guten Sachen: gute Twists, guter Spannungsbogen, gute Bösewichte, gute Charakterentwicklung. Der einzige Grund, warum dieses Buch auch wieder keine 5 Sterne von mir bekommt, ist, dass es mir oft einfach zu hart, zu gewalttätig, zu grausam war (denkt: Red Wedding aus GoT). Darin spiegelt sich wider, dass ich ständig Angst hatte, was den Charakteren als nächstes furchtbares passiert und auch, was sie sich gegenseitig noch schreckliches antun können. Auch spiegelt sich darin wider, dass Pierce Brown ein beeindruckender Autor ist, der sehr gut darin ist, Action und Gewalt zu beschreiben. Also für Leute mit seichtem Gemüt ist diese Reihe wirklich nichts.

The Silence of the Girls
 291 Seiten

Ein Buch mit einer guten Prämisse. Leider scheint diese Idee - den trojanischen Krieg aus der Perspektive der Frauen zu erzählen - nach circa der Hälfte des Buchs nicht mehr zu funktionieren. Das Leben der versklavten Frauen, wie Briseis, ist einfach zu trist in seiner Grausamkeit. Deswegen kommt später Achilles als Perspektive dazu. Er ist in diesem Buch ein interessanter Charakter, aber mich hat es irgendwie enttäuscht, dass dann doch wieder ein Mann in den Fokus rückte. Wahrscheinlich ist es allerdings einfach "realistisch" (sofern man das über eine Geschichte mit Göttern sagen kann), dass das Leben der Männer einfach spannender war. Insgesamt dennoch lesenswert wenn man sich für Geschichten aus dem Altertum interessiert.

Golden Son
 430 Seiten

Deutlich besser als der erste Teil aber irgendwie doch keine 5 Sterne. Warum? Auch wenn es nachvollziehbar ist, wie der Protagonist handelt, hat mich das Pathetische an ihm genervt. Auch die Beziehungen zwischen den Charakteren sind frustrierend - nicht unbedingt unplausibel, aber eben frustrierend.

Was ich mochte: world building, politics, twists and turns, roman mythology/aesthetics.

Kim Jiyoung, Born 1982
 256 Seiten

"A howl of anger" sagt die Sunday Times auf dem Cover und ich denke das passt sehr gut. Das Buch hat als Frau - selbst ohne in Korea aufgewachsen zu sein - viele #relatable-Momente. Wenngleich es in Korea noch eine Stufe härter zu sein scheint, eine Frau zu sein. Ich mochte die gut eingewobenen Statistiken sehr und denke man kann es gut Menschen in die Hand drücken, die dumme Dinge sagen wie: "Warum brauchen wir denn Feminismus, es gibt doch Gleichberechtigung".

Red Rising
 576 Seiten

Erinnerte mich positiv an Hunger Games und ich mag die "mein ganzes Leben ist eine Lüge"-Auflösungen. Davon gibt's hier einige. Ich war kein Fan von der ganzen sexuellen Gewalt gegen Frauen und war von vielen Nebencharakteren, die eigentlich die Elite sein sollen, enttäuscht. Irgendwie haben die ganzen goldenen Kids nicht viel gemacht.

Happy Fat
 352 Seiten

Das ist eins der Bücher wo ich vorher dachte, dass es mir etwas ganz anderes erzählen würde. Ich hatte gehofft, dass mir das Buch sagt "Dicksein ist gar nicht so schlimm, weil.." (So wie man sagt "Du bist doch gar nicht dick!"). Stattdessen hat es mir erzählt: "Dicksein ist schlimm und der Kapitalismus ist Schuld." (stark vereinfacht). Und das hat mich die erste Hälfte des Buches etwas empört, schließlich wurde ich gut erzogen vom Kapitalismus usw. und dazu gehört, dass meine vielleicht größte Angst im Leben ist, eines Tages aufzuwachen und dick zu sein ("unfickbar" wie Sofie so eindrücklich schrieb und das gehört sich nun wirklich nicht als weiblich gelesene Person!). Ich musste also viel über mich und mein thin privilege nachdenken und hoffe, langfristig etwas gelernt zu haben. Ich habe das also auch alles sehr internalisiert und versuche auch schon eine Weile meine negativen Gedanken in Bezug auf das Thema zu bearbeiten - allerdings glaube ich der Groschen ist erst jetzt gefallen. Ich folge schon einigen nicht-normschönen Menschen auf verschiedenen Kanälen, die ich alle sehr schätze. Habe mir aber vorgenommen das weiter auszubauen. Deswegen habe ich auch die eingestreuten Interviews geschätzt! Auch will ich zukünftig versuchen nicht wie die normschönen, dünnen Influencer_innen zu sein, die etwas für sich beanspruchen obwohl sie nun überhaupt nicht marginalisiert sind, sondern tatsächlich solidarisch den Mund aufzumachen.

Sehr empfehlenswert. Sofie Hagen ist dazu noch unerhört sympathisch (und benutzt viele reizende Fußnoten, so wie ich gerne Klammern, als Bonus Gedanken).

A Promised Land
 768 Seiten

Ich habe es als Hörbuch gehört und es ist ein Genuss Obamas besonnene Stimme zu hören in Zeiten starker Verunsicherung. Auch sonst ist es ein tolles Buch, um die letzten Jahre mit einem anständigen amerikanischen Präsidenten Revue passieren zu lassen. Obama reflektiert sich und seine Entscheidungen kritisch und man merkt, was es für ein ätzender Job es sein muss, wenn man doch eigentlich nur das Beste für alle will und dann republikanische Echsenmenschen um die Ecke kommen, einen sabotieren, blockieren und einem sagen (sinngemäß): "Sorry Bro, je schlechter es der Bevölkerung geht, desto besser ist es für uns! 🌚"

Ich freue mich auf die zweite Hälfte!