Lesetagebuch
Jetzt anmelden Zum Login
Bücherregal lädt …
Einträge mit dem Tag nonfiction.
Hidden Valley Road
 400 Seiten

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Galvin Familie. Mimi und Don haben zwölf Kinder bekommen - was alleine schon ein Buch wäre - wovon sechs eine Schizophrenie entwickelt haben. Darin verwoben erzählt der Autor jeweils den aktuellen Forschungsstand zur Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten. Ein gutes Buch, welches deutlich macht wie schwerwiegend diese psychische Störung für das ganze Umfeld ist.

Happy Fat
 352 Seiten

Das ist eins der Bücher wo ich vorher dachte, dass es mir etwas ganz anderes erzählen würde. Ich hatte gehofft, dass mir das Buch sagt "Dicksein ist gar nicht so schlimm, weil.." (So wie man sagt "Du bist doch gar nicht dick!"). Stattdessen hat es mir erzählt: "Dicksein ist schlimm und der Kapitalismus ist Schuld." (stark vereinfacht). Und das hat mich die erste Hälfte des Buches etwas empört, schließlich wurde ich gut erzogen vom Kapitalismus usw. und dazu gehört, dass meine vielleicht größte Angst im Leben ist, eines Tages aufzuwachen und dick zu sein ("unfickbar" wie Sofie so eindrücklich schrieb und das gehört sich nun wirklich nicht als weiblich gelesene Person!). Ich musste also viel über mich und mein thin privilege nachdenken und hoffe, langfristig etwas gelernt zu haben. Ich habe das also auch alles sehr internalisiert und versuche auch schon eine Weile meine negativen Gedanken in Bezug auf das Thema zu bearbeiten - allerdings glaube ich der Groschen ist erst jetzt gefallen. Ich folge schon einigen nicht-normschönen Menschen auf verschiedenen Kanälen, die ich alle sehr schätze. Habe mir aber vorgenommen das weiter auszubauen. Deswegen habe ich auch die eingestreuten Interviews geschätzt! Auch will ich zukünftig versuchen nicht wie die normschönen, dünnen Influencer_innen zu sein, die etwas für sich beanspruchen obwohl sie nun überhaupt nicht marginalisiert sind, sondern tatsächlich solidarisch den Mund aufzumachen.

Sehr empfehlenswert. Sofie Hagen ist dazu noch unerhört sympathisch (und benutzt viele reizende Fußnoten, so wie ich gerne Klammern, als Bonus Gedanken).

A Promised Land
 768 Seiten

Ich habe es als Hörbuch gehört und es ist ein Genuss Obamas besonnene Stimme zu hören in Zeiten starker Verunsicherung. Auch sonst ist es ein tolles Buch, um die letzten Jahre mit einem anständigen amerikanischen Präsidenten Revue passieren zu lassen. Obama reflektiert sich und seine Entscheidungen kritisch und man merkt, was es für ein ätzender Job es sein muss, wenn man doch eigentlich nur das Beste für alle will und dann republikanische Echsenmenschen um die Ecke kommen, einen sabotieren, blockieren und einem sagen (sinngemäß): "Sorry Bro, je schlechter es der Bevölkerung geht, desto besser ist es für uns! 🌚"

Ich freue mich auf die zweite Hälfte!

Educated
 352 Seiten

"My life was narrated for me by others. Their voices were forceful, emphatic, absolute. It had never occurred to me that my voice might be as strong as theirs."

Ein beeindruckendes Buch über Familie, Fanatiker, Bildung, Emanzipation, Realitätszweifel, Erwachsenwerden und sich-selbst-finden. Ich war an vielen Stellen geschockt über das, was die Autorin durchstehen musste und konnte aber auch nachfühlen wie wichtig es für sie war, sich selbst im eigenen Narrativ nicht als Opfer zu sehen.

↑ 2021
2020 ↓
Cat Sense
 336 Seiten

Ein informatives von wissenschaftlich Studien (davon gibt es nicht so viele) getragenes Buch über Katzen. Allerdings passt es an einigen Punkten nicht zu meiner Katze, da es viel auf Freigänger-Mischlings-Katzen bezieht und Rassekatzen häufig von ihm ausgenommen werden - letzteres fand ich nicht ganz nachvollziehbar. Bei der Beantwortung meiner Frage ("Will meine Wohnungskatze mit Stammbaum einen Kumpel?") konnte mir das Buch also nicht so wirklich helfen.

What Happened
 512 Seiten

Ich kann bis heute nicht verstehen, wie ein Land diese vergammelte Orange ins höchste Amt wählen konnte. Für uns alle war das Wahlergebnis in 2016 schlimm, aber für niemanden war es so schlimm wie für Hillary Rodham Clinton. Noch nie war jemand so qualifiziert für einen Job und hat ihn nicht bekommen, weil sie eine Frau ist. Unfassbar. Schon als das Buch erschien, hatte es mich interessiert, allerdings schmerzte die Realität noch zu sehr und ich wollte nicht auch noch all den Frust von HRC mit(er)tragen. Nun - nachdem der Wahlausgang dieses Jahr positiver ausfiel - wollte ich es aber doch mal lesen. Naja, ich hörte es dann, weil HRC es auch selber liest. Erwartungsgemäß macht sie das sehr gut.

Was soll ich sagen, ich mag sie. Sie ist schlau und würdevoll. Ich fand das Buch entgegen meiner Erwartungen nicht deprimierend sondern inspirierend. Wenn HRC es schafft weiterzumachen nachdem sie gegen die rassistisch-sexistische Orange verloren hat, dann kann ich alles schaffen. "Losing is hard for everyone, but losing a race you thought you would win is devastating." Das Buch ist auch voller guter Zitate, sowohl von ihr selbst als auch von Zitaten, die sie anführt. Auch wenn ich es nicht mag, wenn Menschen die Stärke von Frauen exzessiv betonen (es erscheint sexistisch, so als wäre es unglaublich und besonders herausragend, dass eine Frau stark sein könnte), finde ich es beeindruckend wie sie damit umgeht. “My mistakes burn me up inside. But as one of my favorite poets, Mary Oliver, says, while our mistakes make us want to cry, the world doesn’t need more of that.”

Besonders gut gefallen hat mir der Einblick in ihr Leben, ihre Erfahrungen, Gedanken und ihre Beziehungen zu (bekannten) Personen. Auch hat sie gut herausgearbeitet, welche Rolle ihr Geschlecht bei der Wahl gespielt hat - traurigerweise eine beachtliche (siehe auch: Invisible Women). Sie scheut sich aber auch nicht, ihre eigenen Fehler hervorzuheben. Ich war aber schon vor dem Lesen davon überzeugt, dass sie im Wahlkampf unfair behandelt worden ist und stimme daher auch mit ihrer Konklusion überein: Sicher hat sie Fehler gemacht, aber die erklären nur einen geringen Teil an dem Endergebnis.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe, ist, dass einige Punkte in meinen Augen sehr redundant auftreten (“But her emails! —the internet, 2017”) - aber hey, HRC, wenn du meinst, dass das wichtig die Dinge so zu betonen, steh ich hinter dir.

Am Ende kann ich nachvollziehen, warum 2016 passiert ist, aber fassen kann ich es immer noch nicht.

Last Chance to See
 256 Seiten

Wie man anhand des Autors erwarten konnte, war das Buch sehr lustig geschrieben, ich habe mehrfach wirklich lachen müssen. Gleichzeitig behandelt es ein trauriges Thema: seit 1970 ist die Hälfte aller wilden Tiere auf der Erde verschwunden und das sechste große Massensterben ist noch nicht vorbei. Das Buch erschien 1990 und endet mit einem aktuellen Nachwort von Mark Carwardine zum aktuellen Stand der dargestellten Tiere. Eine Art - der Yangtze Delfin - ist inzwischen ausgestorben, von einer andere Art existieren noch genau zwei Tiere. Beides sind Weibchen. Nach jedem Kapitel habe ich ganz besorgt die Tierart gegoogelt und mir kamen zeitweise die Tränen. Zum Glück geht es mit den Kakapos aufwärts - falls ihr noch kein Weihnachtsgeschenk habt: verschenkt doch eine Patenschaft für einen der drolligen Piepmatzis. Oder esst dieses Jahr mal keinen Braten, das Klima und damit viele Tiere werden es euch danken.

Invisible Women
 432 Seiten

Ich musste das Buch einige Male weglegen, weil ich so wütend geworden bin. Mir war natürlich schon länger klar, dass Frauen gesellschaftlich diskriminiert werden, ich habe mich mit der Notwendigkeit des Feminismus auseinandergesetzt und dennoch war ich wütend nach diesem Buch - denn das Ausmaß der Diskriminierung war mir nicht bekannt. Ich bin schockiert. Das allererste Kapitel heißt "Can snow-cleaning be sexist?" (Spoiler: ja) und inzwischen bin ich erstaunt, wenn etwas nicht sexistisch entworfen worden ist.

Die Autorin hat am Ende eine gute Zusammenfassung für meinen Ärger: "There is one more trend I kept coming across while writing this book: the excuses. Chief amongst these is that women are just too complicated to measure. Everyone was saying this, from transport planners, to medical researchers, to tech developers: they were all knocking their heads up against Freud's riddle of femininity and coming away baffled and defeated. Female bodies are too unharmonious, too menstrual and too hormonal. Women's travel patterns are too messy, their work schedules are too aberrant, their voices are too high. (...) The consensus is clear: women are abnormal, atypical, just plain wrong. Why can't woman be more like a man?"

Die Gesellschaft von Männern für Männer kreiert hat keinen Blick für Frauen - wie auch? Wenn niemand in den Gremien der Forschung, Planung und Entscheidungen diese Sicht repräsentiert oder - hot take - mal jemanden dazu befragen würde? Denn oftmals gibt es nicht einmal Daten dazu! Es ist nicht so, dass die Bedürfnisse von Frauen ignoriert würden, sie werden schlicht nicht gefragt. Der Prototyp Mensch ist ein Mann und dieser Verzerrung unterliegen nicht nur Männer sondern auch Frauen sind es gewohnt aus diesem Blickwinkel die Dinge zu betrachten. Es ist wahrlich Zeit für eine Veränderung.

Übrigens ist die Autorin eine ausgezeichnete Wissenschaftsautorin, die ihre ausführliche Recherchen wunderbar darstellen kann. Ich denke ich werde das Buch beizeiten noch einmal lesen und sei es in zehn Jahren mit der Hoffnung, dass die Welt dann schon etwas anders organisiert ist.

tl;dr: Menschen sind Männer. Ich empfehle dieses Buch.

↑ 2020
2019 ↓
Alte weiße Männer
 304 Seiten

Angelegt als Schlichtungsversuch, als Versuch auf Menschen zuzugehen, mit denen man sich sonst nicht umgibt und dem ominösen alten weißen Mann zu begegnen. Sophie Passmann war mir dabei leider häufig unterwürfiger (zahm, um Schlichtung bemüht - was ja das Ziel war), als ich es gern gehabt hätte, gleichsam war das Buch dennoch zumindest unterhaltsam. Ich hab aber irgendwie mehr erwartet.

Playing with FIRE
 200 Seiten

Ich bin jemand, der wirklich kein Fan von Lohnarbeit ist (wer ist das schon, sagt ihr zurecht). Die Vorstellung, dass ich noch viele Jahre meines Lebens einen Großteil meiner Zeit mit arbeiten verbringen werde, um dann gebrechlich und mit einer mickrigen Rente meinen Lebensabend verbringen zu können, ist gruselig und lässt mich eher wünschen entweder noch reich zu heiraten oder früh zu sterben. Immer wenn ich darüber nachdenke, wie der "klassische" Verlauf eines Erwachsenenlebens ist, bin ich enttäuscht und frustriert und denke mir: das kann's doch echt nicht sein? (#millenial)

Turns out, muss es offenbar nicht. Darum geht es in diesem Buch, um FIRE - Financial Independence, Retire Early. Das Konzept ist fast etwas zu simpel um wahr zu sein finde ich (immer noch), aber offenbar sagt die Mathematik folgendes: Wenn man es schafft, das 25-fache seiner jährlichen Ausgaben anzusparen und anzulegen, kann man frühzeitig in Rente gehen, weil durch die 4-Prozent-Regel dein Geld reichen sollte, wenn du jährlich nicht mehr als eben diese 4% aus dem angesparten Topf herausnimmt. Doch schon sehr simpel. Natürlich muss man es erstmal schaffen in einer angemessenen Zeit (z.B. 10 Jahre) eine entsprechende Menge an Geld (~50% des Einkommens) zu sparen, aber wenn man das schafft, ist man theoretisch befreit von der Lohnarbeit - financially independent.

Das Buch ist gut geschrieben - fast wie Blogeinträge, also gut für die Aufmerksamkeitsspanne von uns Internetkidzz - und wirkt authentisch, weil es die einjährige Reise einer Familie begleitet, die dieses FIRE ausprobiert. Jemand der Lust hat, sich mit dem Themen "Flucht aus der Lohnarbeit", "7 Schritte wie der Kapitalismus für mich arbeiten kann" und "Finanzen machen mir Angst, aber verhungern will ich auch nicht" beschäftigen möchte, würde ich dieses Buch empfehlen. Ich denke es ist auch eine gute Möglichkeit, überhaupt einmal in das Thema "Finanzen (Geist-Emoji)" einzusteigen. Dann kann man immer noch überlegen, ob man zu dem "reich-heiraten-Plan" zurückkehren will oder sich doch mal wie so ein "Erwachsener" mit seiner finanziellen Lage und Zukunft auseinander setzt.

Untenrum frei
 256 Seiten

Dieses Buch hat das Ziel, einen zum kritischen Denken anzuregen und das macht es hervorragend.

Es ist sehr humorvoll und gut zu lesen, dabei möchte ich aber genauso wenig wie man einen Menschen (oftmals Frauen), auf ihre Schönheit reduziert, damit den Inhalt übergehen: Das Buch hat viele gute Denkanstöße und kluge Gedanken, die mich noch eine Weile beschäftigen werden. Ich bin gleichzeitig dankbar, dass die Autorin so unterhaltsam schreiben kann, weil ich hoffe, dass sich so mehr Menschen trauen sich mit dem Thema Feminismus auseinander zu setzen - ich habe zuvor auch gefremdelt, mich damit intensiver zu befassen obgleich ich geübt bin, genau deswegen wütend zu sein.

Ich bin sehr froh das Buch gelesen zu haben und werde es sicherlich wieder in die Hand nehmen und einige Passagen lesen. Dabei wünsche ich mir, dass noch viele weitere Menschen dieses Buch lesen, sich inspirieren lassen und nicht davor zurückschrecken, sich als Feminist*in zu bezeichnen.

↑ 2019
2018 ↓
Testosterone Rex: Myths of Sex, Science, and Society
 320 Seiten

"It's time to stop blaming Testosterone Rex, because that king is dead"

Wenn man sich mit tatsächlich Unterschieden zwischen biologischen Geschlechtern und Geschlechterrollen in der Gesellschaft auseinander setzen möchte: recht kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. Ich persönlich fand die ersten drei Kapitel am interessantesten danach flachte mein Interesse etwas ab. Für das was es ist, ist es gut.

Weitere positive Punkte: sehr schönes Cover, man denkt andauernd an Dinosaurier - so mag ich das