Lesetagebuch
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Bücherregal lädt …
Happy Fat
 352 Seiten

Das ist eins der Bücher wo ich vorher dachte, dass es mir etwas ganz anderes erzählen würde. Ich hatte gehofft, dass mir das Buch sagt "Dicksein ist gar nicht so schlimm, weil.." (So wie man sagt "Du bist doch gar nicht dick!"). Stattdessen hat es mir erzählt: "Dicksein ist schlimm und der Kapitalismus ist Schuld." (stark vereinfacht). Und das hat mich die erste Hälfte des Buches etwas empört, schließlich wurde ich gut erzogen vom Kapitalismus usw. und dazu gehört, dass meine vielleicht größte Angst im Leben ist, eines Tages aufzuwachen und dick zu sein ("unfickbar" wie Sofie so eindrücklich schrieb und das gehört sich nun wirklich nicht als weiblich gelesene Person!). Ich musste also viel über mich und mein thin privilege nachdenken und hoffe, langfristig etwas gelernt zu haben. Ich habe das also auch alles sehr internalisiert und versuche auch schon eine Weile meine negativen Gedanken in Bezug auf das Thema zu bearbeiten - allerdings glaube ich der Groschen ist erst jetzt gefallen. Ich folge schon einigen nicht-normschönen Menschen auf verschiedenen Kanälen, die ich alle sehr schätze. Habe mir aber vorgenommen das weiter auszubauen. Deswegen habe ich auch die eingestreuten Interviews geschätzt! Auch will ich zukünftig versuchen nicht wie die normschönen, dünnen Influencer_innen zu sein, die etwas für sich beanspruchen obwohl sie nun überhaupt nicht marginalisiert sind, sondern tatsächlich solidarisch den Mund aufzumachen.

Sehr empfehlenswert. Sofie Hagen ist dazu noch unerhört sympathisch (und benutzt viele reizende Fußnoten, so wie ich gerne Klammern, als Bonus Gedanken).

A Promised Land
 768 Seiten

Ich habe es als Hörbuch gehört und es ist ein Genuss Obamas besonnene Stimme zu hören in Zeiten starker Verunsicherung. Auch sonst ist es ein tolles Buch, um die letzten Jahre mit einem anständigen amerikanischen Präsidenten Revue passieren zu lassen. Obama reflektiert sich und seine Entscheidungen kritisch und man merkt, was es für ein ätzender Job es sein muss, wenn man doch eigentlich nur das Beste für alle will und dann republikanische Echsenmenschen um die Ecke kommen, einen sabotieren, blockieren und einem sagen (sinngemäß): "Sorry Bro, je schlechter es der Bevölkerung geht, desto besser ist es für uns! 🌚"

Ich freue mich auf die zweite Hälfte!

The Bear and the Nightingale
 323 Seiten

Mittelalterliches Russland. Ein junges Mädchen kann mit mystischen Kreaturen sprechen. Dann kommt die Kirche und macht - mal wieder - alles kaputt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich mochte die Märchenfiguren und die Protagonistin. Am Ende schwächelte der Plot etwas, wahrscheinlich weil noch was für die Trilogie offenbleiben sollte.

Educated
 352 Seiten

"My life was narrated for me by others. Their voices were forceful, emphatic, absolute. It had never occurred to me that my voice might be as strong as theirs."

Ein beeindruckendes Buch über Familie, Fanatiker, Bildung, Emanzipation, Realitätszweifel, Erwachsenwerden und sich-selbst-finden. Ich war an vielen Stellen geschockt über das, was die Autorin durchstehen musste und konnte aber auch nachfühlen wie wichtig es für sie war, sich selbst im eigenen Narrativ nicht als Opfer zu sehen.

↑ 2021
2020 ↓
Cat Sense
 336 Seiten

Ein informatives von wissenschaftlich Studien (davon gibt es nicht so viele) getragenes Buch über Katzen. Allerdings passt es an einigen Punkten nicht zu meiner Katze, da es viel auf Freigänger-Mischlings-Katzen bezieht und Rassekatzen häufig von ihm ausgenommen werden - letzteres fand ich nicht ganz nachvollziehbar. Bei der Beantwortung meiner Frage ("Will meine Wohnungskatze mit Stammbaum einen Kumpel?") konnte mir das Buch also nicht so wirklich helfen.

Rhythm of War
 1230 Seiten

Brandon Sandersons Stormlight Archive Reihe ist meiner Meinung nach die beste Fantasy Reihe überhaupt. Er ist ein Meister der emotionalen Achterbahn-Fahrt. Ich habe mich gefürchtet, gelacht, getrauert und gehofft. Wie gejagt musste ich immer weiter lessen. Auch hatte RoW einen sehr starken, interessanten Antagonisten - häufig ein schwacher Punkt von Fantasy. Viel mehr kann ich nicht sagen ohne zu Spoilern, immerhin ist es das vierte Buch der Reihe.

"This is life, and I will not lie by saying every day will be sunshine. But there will be sunshine again, and that is a very different thing to say. That is truth."

Rodham
 432 Seiten

Nachdem ich ein Buch über die echte Geschichte von Hillary Rodham Clinton gelesen hatte, folgte nun Fiktion. Ich mag die Idee von Romanen, ein Detail in der Geschichte zu ändern, um dann zu überlegen, was anders passiert wäre - in diesem Fall: was wäre wenn Hillary Bill nicht geheiratet hätte? Curtis Sittenfeld hat einen angenehmen Schreibstil und lässt ihren semi-fiktiven Charakter authentisch und echt erscheinen. Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen.

What Happened
 512 Seiten

Ich kann bis heute nicht verstehen, wie ein Land diese vergammelte Orange ins höchste Amt wählen konnte. Für uns alle war das Wahlergebnis in 2016 schlimm, aber für niemanden war es so schlimm wie für Hillary Rodham Clinton. Noch nie war jemand so qualifiziert für einen Job und hat ihn nicht bekommen, weil sie eine Frau ist. Unfassbar. Schon als das Buch erschien, hatte es mich interessiert, allerdings schmerzte die Realität noch zu sehr und ich wollte nicht auch noch all den Frust von HRC mit(er)tragen. Nun - nachdem der Wahlausgang dieses Jahr positiver ausfiel - wollte ich es aber doch mal lesen. Naja, ich hörte es dann, weil HRC es auch selber liest. Erwartungsgemäß macht sie das sehr gut.

Was soll ich sagen, ich mag sie. Sie ist schlau und würdevoll. Ich fand das Buch entgegen meiner Erwartungen nicht deprimierend sondern inspirierend. Wenn HRC es schafft weiterzumachen nachdem sie gegen die rassistisch-sexistische Orange verloren hat, dann kann ich alles schaffen. "Losing is hard for everyone, but losing a race you thought you would win is devastating." Das Buch ist auch voller guter Zitate, sowohl von ihr selbst als auch von Zitaten, die sie anführt. Auch wenn ich es nicht mag, wenn Menschen die Stärke von Frauen exzessiv betonen (es erscheint sexistisch, so als wäre es unglaublich und besonders herausragend, dass eine Frau stark sein könnte), finde ich es beeindruckend wie sie damit umgeht. “My mistakes burn me up inside. But as one of my favorite poets, Mary Oliver, says, while our mistakes make us want to cry, the world doesn’t need more of that.”

Besonders gut gefallen hat mir der Einblick in ihr Leben, ihre Erfahrungen, Gedanken und ihre Beziehungen zu (bekannten) Personen. Auch hat sie gut herausgearbeitet, welche Rolle ihr Geschlecht bei der Wahl gespielt hat - traurigerweise eine beachtliche (siehe auch: Invisible Women). Sie scheut sich aber auch nicht, ihre eigenen Fehler hervorzuheben. Ich war aber schon vor dem Lesen davon überzeugt, dass sie im Wahlkampf unfair behandelt worden ist und stimme daher auch mit ihrer Konklusion überein: Sicher hat sie Fehler gemacht, aber die erklären nur einen geringen Teil an dem Endergebnis.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe, ist, dass einige Punkte in meinen Augen sehr redundant auftreten (“But her emails! —the internet, 2017”) - aber hey, HRC, wenn du meinst, dass das wichtig die Dinge so zu betonen, steh ich hinter dir.

Am Ende kann ich nachvollziehen, warum 2016 passiert ist, aber fassen kann ich es immer noch nicht.

Last Chance to See
 256 Seiten

Wie man anhand des Autors erwarten konnte, war das Buch sehr lustig geschrieben, ich habe mehrfach wirklich lachen müssen. Gleichzeitig behandelt es ein trauriges Thema: seit 1970 ist die Hälfte aller wilden Tiere auf der Erde verschwunden und das sechste große Massensterben ist noch nicht vorbei. Das Buch erschien 1990 und endet mit einem aktuellen Nachwort von Mark Carwardine zum aktuellen Stand der dargestellten Tiere. Eine Art - der Yangtze Delfin - ist inzwischen ausgestorben, von einer andere Art existieren noch genau zwei Tiere. Beides sind Weibchen. Nach jedem Kapitel habe ich ganz besorgt die Tierart gegoogelt und mir kamen zeitweise die Tränen. Zum Glück geht es mit den Kakapos aufwärts - falls ihr noch kein Weihnachtsgeschenk habt: verschenkt doch eine Patenschaft für einen der drolligen Piepmatzis. Oder esst dieses Jahr mal keinen Braten, das Klima und damit viele Tiere werden es euch danken.

Passagier 23
 432 Seiten

Selten so eine hanebüchene Story gelesen/gehört. Ich glaube Fitzek weiß nicht, wie man Spannung erzeugt, ohne sich für jede Irrung und Wirrung das allerkrasseste auszudenken. Dieses Buch ist die Bildzeitung unter den Thrillern. Ein bisschen bin ich beeindruckt, dass er auf so viele absurde Sachen kommt - gefällt mir zwar nicht, aber dafür gibt es einen Stern. Einen zusätzlichen Stern gibts - Achtung Spoiler - weil ich auch nicht frei von Mord-an-Kinderschändern-Fantasien bin.

Ich habe übrigens die Audible-Hörspiel-Version gehört, die ist ansich gut produziert, allerdings für mein Empfinden von der Lautstärke her an einigen Stellen schlecht abgemischt (z.B. war die Erzählerstimme sehr laut und der Protagonist hat in der nächsten Minute ganz leise geflüstert), was unpraktisch ist, wenn man das Buch unterwegs hören will und keine Lust hat Feinjustierungen vorzunehmen.

The Stone Sky
 432 Seiten

Wow. Die Trilogie von N.K. Jemisin - die erste Trilogie, deren drei Bücher alle einen Hugo Award gewonnen haben - hat wirklich alle Lobpreisungen verdient. Über das erste Buch sagte ich mal, dass es mir nicht so gut gefallen hätte wie manch andere Fantasy/Sci-fi Bücher (4/5 Sterne), weil die Welt so grau(sam) sei. Jetzt, nachdem ich alle drei Bücher gelesen habe, verstehe ich viele Allegorien zu der Welt in der wir leben und weiß deswegen warum diese Reihe vielleicht nicht so sehr wie andere Bücher ein Urlaub aus der Realität sein kann. Auch habe ich selten so mitgefiebert und getrauert mit den Protagonistinnen wie hier.

btw: im Vergleich mit The Priory of the Orange Tree sind die Bücher von Jemisin deutlich besser in so ziemlich allen Punkten, die man bewerten kann. im Nachhinein würde ich Priory auch nicht mehr so gut bewerten, aber es hat mir eine gute Zeit und Laune verschafft, was 2020 viel Wert ist (Zukunftsmenschen, schlagt das Jahr bei Wikipedia nach). Falls jemand also eine Empfehlung von mir will: Lest die Bücher von Jemisin.

This Is How You Lose the Time War
 208 Seiten

Ich hatte mich auf das Buch gefreut und war dann etwas enttäuscht. Der Schreibstil ist sehr flowery, was zu dem Romance-Aspekt passt, allerdings sind die Details der Welt sehr vage gehalten (absichtlich nehme ich an) - wäre es nur eine Romance-Novelle hätte sie mir wohl besser gefallen. Der Titel versprach jedoch time travel und der Aspekt kam mir zu kurz, beziehungsweise war ich die meiste Zeit einfach verwirrt und hab dann aufgegeben zu verstehen, was eigentlich passiert. Also blieb die Romanze, die mich aber leider nicht wirklich abgeholt hat.

Dune
 624 Seiten

So wirklich umgehauen, wie ich es offenbar fälschlicherweise erwartet hatte, hat mich Dune nicht. Die Welt ist interessant und einige Charaktere auch - über Jessica hätte ich zum Beispiel gern mehr gewusst - aber die Erzählweise gefiel mir nicht. Der völlig allwissende Erzähler war mindestens irritierend und die Einschübe vor den Kapiteln haben viel von der Story vorweg genommen. Es war mal etwas anderes im Vergleich zu dem heutzutage häufig genutzten wechselnden POVs, aber ich präferiere es nur so viel zu wissen wie die Person aus deren Perspektive ich die Geschichte in dem Moment betrachte.

Immerhin kann ich jetzt (=nächstes Jahr) den Denis Villeneuve Film gut vorbereitet sehen, er wird die Story bestimmt gut umsetzen.

Ninth House
 448 Seiten

Das Buch handelt von der dunklen Magie der Yale Secret societies. Hier werden zum Beispiel die Aktienkurse durch Gedärme-Lesen vorhergesagt. Dazu gibt es noch eine Art Aufpasser society, zu der die Protagonistin gehört und einen Mordfall auf dem Campus lösen muss. Insgesamt ist es eine Art magischer Krimi, Stephen King kategorisiert es allerdings als Fantasy, also tagge ich das Genre so.

Insgesamt war es für mein ein (besseres) amerikanisches Rivers of London. Ich weiß nicht ob ich dringend eine Fortsetzung brauche - offenbar soll es eine Reihe werden - das Buch hat mich jedenfalls gut unterhalten.

The Priory of the Orange Tree
 848 Seiten

Das feministische Fantasy Buch, das ich jemals las (zugegeben nicht viel Konkurrenz). Drachen, starke weibliche Charaktere, queere Romanzen und eine abgeschlossene Geschichte! Und dann auch noch von einer Frau geschrieben! Was will man mehr? Es hat auch Schwächen - es hat seine Längen, der "Endgegner" ist etwas uninspiriert und anfangs war ich sehr überfordert von all den Namen und Ländern und Kulturen - aber es bekommt dennoch 5 Sterne von mir!

Nachtrag: der Umstand, dass ich dieses Buch 2020 auf der Suche nach einem guten Gefühl und seichter Unterhaltung las, hat sicherlich Einfluss auf die Bewertung gehabt.