Der Tausch – Zwei Frauen. Zwei Tickets. Und nur ein Ausweg.
400 Seiten

Claire ist die Frau eines einflussreichen Unternehmers, doch glücklich ist sie nicht: Ihr Mann ist ihr gegenüber gewalttätig, weshalb sie schon seit einer ganzen Weile plant, ihn zu verlassen. Doch ausgerechnet an dem Tag, an dem sie ihren Plan in die Tat umsetzen will, tauscht ihr Ehemann ihre Termine miteinander, wodurch er herausfindet, was Claire vorhat. In ihrer Not bleibt ihr nur ein Ausweg: Sie tauscht mit einer anderen Frau am Flughafen, Eva, die Flugtickets. Was sie jedoch nicht weiß: Nichts, was Eva ihr über ihr Leben erzählte, ist wahr. Als dann noch das Flugzeug, in dem Claire ursprünglich sitzen sollte, abstürzt, gerät sie erst recht in die Bredouille: Sie muss sich für Eva ausgeben und dafür sorgen, dass ihr Mann nicht erfährt, dass sie nie im Flugzeug gesessen hat ...

Das spannendste in diesem Thriller war überraschenderweise der Anfang, in dem Claire die letzten Schritte unternimmt, um ihr Verschwinden zu vorzutäuschen. Nachdem sie Evas Leben übernimmt, entspannt sich die Handlung. Wir erfahren, wie Evas Leben durcheinander geriet und gleichzeitig, wie sie eine Freundschaft mit ihrer Nachbarin Liz aufbaut. Natürlich erfahren wir auch, wie Claire ihr neues Leben lebt und dabei ständig fürchten muss, entdeckt zu werden.

Aber tatsächlich ist die Geschichte an sich nicht unbedingt ein nervenzerfetzender Thriller, sondern fast schon ein Roman mit Thriller-Elementen (und ein paar Überraschungen). Am besten hat mir neben dem spannenden Anfang die Freundschaft zwischen Eva und ihrer Nachbarin Liz gefallen; sie war einfach wunderbar beschrieben und Liz entwickelte sich schnell zu meinem Lieblingscharakter.

Das Ende war verhältnismäßig ... unspektakulär, um es so zu sagen. Die Botschaft hat mir sehr gefallen, aber insgesamt läuft alles ein bisschen zu glatt. Weder Claires Ehemann noch die Leute, mit denen Eva verkehrt, sind am Ende eine ernsthafte Bedrohung. Mir hat es durchaus gefallen, dass beide Frauen sich gegen die Männer in ihrem Leben verteidigen konnten, aber ein bisschen mehr Schwierigkeiten hätte ich mir schon gewünscht.

Von daher komme ich zu dem Entschluss, dass es sich bei diesem Buch um einen durchaus gelungenen Roman handelt - aber nicht unbedingt um einen gelungenen Thriller.

Ein Herz so dunkel und schön
544 Seiten

Nachdem Grey herausgefunden hat, dass er als Rhens Halbbruder der wahre König von Emberfall ist, befindet er sich auf der Flucht, entschlossen, Rhen die Herrschaft zu überlassen. Nur ist das leichter gesagt als getan, denn der wahre Erbe wird nicht nur von Rhen, sondern auch von der skrupellosen Königin Karis Luran und ihren Töchtern gesucht. Als sowohl Grey als auch Karis Lurans Tochter Lia Mara in Rhens Gefangenschaft geraten, weigert Grey sich, Rhen die Wahrheit zu sagen - während Lia Mara sie herausfindet ...

Bereits der erste Teil der Trilogie, "Ein Fluch so ewig und kalt", gehörte zu den besten Jugendbüchern, die ich im letzten Jahr gelesen habe. Glücklicherweise finde ich auch den zweiten Teil sehr gelungen und habe ihn innerhalb kürzester Zeit gelesen!

Brigid Kemmerers große Stärke ist es, ihre Hauptcharaktere sympathisch und ihre Romanzen realistisch zu beschreiben. Sowohl Grey als auch Lia Mara sind mir unglaublich ans Herz gewachsen und ihre aufblühende Romanze fühlte sich wunderbar real an. Doch auch die Nebencharaktere verdienen eine Erwähnung - ich war positiv überrascht, wie schnell es Brigid Kemmerer gelang, dass mir selbst Charaktere mit wenig Screentime (z.B. Parrish, einer von Lia Maras Wachen) ans Herz wuchsen.

Trotzdem hätte ich mir gerne noch mehr Screentime für bestimmte Charaktere und Beziehungen gewünscht - hervorzuheben ist Lia Maras Schwester Nolla Verin, zu der sie eine komplizierte Beziehung hat, von der ich gerne noch mehr gelesen hätte. Es gibt durchaus ein paar wichtige Momente mit ihnen, aber da mich ihre Beziehung besonders faszinierte, hätte ich nichts gegen noch mehr Szenen gehabt!

Wer noch mehr Szenen tatsächlich gebraucht hätte, ist Rhen. Er war ein unglaublich sympathischer und vielschichtiger Charakter im ersten Teil, aber dadurch, dass man hier seine Sicht der Dinge nicht mehr liest, kam er mir stellenweise äußerst kalt und grausam vor. Deshalb hoffe ich, dass sowohl er als auch Harper im dritten Teil wieder Sichtcharaktere sein werden, damit man seine Beweggründe besser versteht.

Das sind jedoch alles keine Kritikpunkte, sondern einfach Dinge, die ich zusätzlich noch gerne gehabt hätte. Die Charaktere, die Romanze und die eigentliche Handlung haben mich rundherum begeistert und ich freue mich deshalb umso mehr auf den dritten Teil!

Ein Fluch so ewig und kalt
560 Seiten

Prinz Rhen von Emberfall ist verflucht. Er lebt in einer Art Zeitschlaufe und verwandelt sich an deren Ende in ein monströses Ungeheuer. Nur durch die wahre Liebe kann sein Fluch gebrochen werden. Rhens Kommandant Grey bringt ihm für seinen letzten Versuch ein Mädchen namens Harper aus Washington D.C., die ganz andere Sorgen hat, als die Märchenprinzessin zu spielen - bis sie sieht, wie schlecht es den Bewohnern Emberfalls geht. Während sie beschließt, ihnen zu helfen, muss Rhen sein Geheimnis vor ihr und allen anderen verbergen ...

Was wie eine ziemlich märchenhafte Handlung ohne Überraschungen klingt, entwickelt sich schnell zu einer wunderbar realistischen Interpretation davon. Im Fokus stehen die Beziehungen zwischen Rhen, Harper und Grey, wobei Brigid Kemmerer sich erfreulicherweise nicht nur auf die (sich sehr realistisch entwickelnde) Beziehung zwischen Rhen und Harper konzentriert, sondern auch auf die Freundschaft zu Grey, die beide teilen. Weil ich überhaupt nicht erwartet habe, neben dem Hauptpaar noch andere wichtige Beziehungen zu verfolgen, freute ich mich, dass auch anderen Freundschaften genügend Platz eingeräumt wurde. Zusätzliche Pluspunkte gibt es dafür, dass alle drei unglaublich sympathische Figuren waren!

Auch die Handlung begeisterte mich, vor allem, weil sie sich ab einem bestimmten Punkt überhaupt nicht so entwickelte, wie ich es vorhersah. Viel mehr kann ich leider nicht verraten, ohne zu spoilern, aber seid euch versichert, dass es sich bei diesem Roman definitiv nicht um eine einfache Interpretation von "Die Schöne und das Biest" handelt!

Der einzige Kritikpunkt besteht für mich in der Qual, die der arme Rhen erleiden muss. Harper sagt von ihrem Bruder Jake an einer Stelle, dass er so aussieht, als hätte das Leben ihn ein paar Dutzend Mal gegen die Wand geworfen, doch auf Rhen hätte diese Beschreibung noch besser gepasst. Ihm geschehen während des Romans so viele schlimme Dinge, dass es ganz schön am Realismus des Romans kratzte. Hier hätte die Autorin meiner Meinung nach eine Grenze ziehen sollen, weil es ab einem bestimmten Punkt schwer wurde, sich mit all seinem Leid zu identifizieren.

Davon abgesehen war der Roman allerdings hervorragend und hat meine Erwartungen in jedem Punkt um ein Vielfaches übertroffen. Ich kann das Buch jedem ans Herz legen, der sich besonders für die Beziehungen zwischen verschiedenen Charakteren interessiert und mal eine etwas andere Märchenfantasy lesen möchte :)