Es muss ungefähr auf Seite 180 gewesen sein, da dachte ich "Verflixt und zugenäht, lasst doch endlich von der armen Frau ab, was ist los mit euch, ihr fertilitätsfanatischen embryomanischen Quälgeister?!?". Auf Buchlänge legt die gepiesackte Protagonistin aus, weshalb sie nienienie Kinder haben möchte und dann wird sie von ihren Liebsten (ihre große Liebe, ihre Mutter und ihre besten frischgebackene-Eltern-Freunde - jetzt könnte man meinen der Vater wäre einsichtiger, aber er ist einfach nicht mehr lebendig, wenn dann würde er vermutlich auch mitmachen...) malträtiert und bearbeitet und ausgequetscht, sie versuchen sie DIE GANZ ZEIT über JAHRE HINWEG umzustimmen und können es einfach nicht verstehen, dass das nicht ihr Ding ist und sie keine Eltern sein will. Man bekommt wirklich großes Mitleid, solche Leute wünscht man nichtmal den schlimmsten Endgegnern an den Hals. Sie lassen sie einfach nicht in Ruhe! Und sie hat eigentlich ein schönes Leben, das wie am Schnürchen läuft, aber auf jeder Seite tauchen neue (oder noch schlimmer; wiederholte) Babyargumentationatoren auf. Uff, das war sehr anstrengend und ab einem gewissen Punkt auch einfach nur nervig. Fragen, mit denen ich zurückbleibe; sind alle in Norwegen so? Oder sind alle so? Gibt es auf der Welt ein Buch mit einem männlichen Protagonisten in ähnlicher Lage?
Im zweiten Teil der Bücher um Cal Hooper sind alle Figuren so sehr damit beschäftigt, 4D-Schach zu spielen, dass gar kein Platz mehr für eine interessante Handlung ist. Ich wünschte, mir hätte es besser gefallen, aber nur dreihundert Mal „Hier? Bei uns im Dorf? Hehe, hier laufen Sachen … ein bisschen anders.“ zu sagen ist noch keine Spannungskurve.
Ich als geneigte Leserin von YouTube-Kommentaren, fühlte mich erhaben-erwachsen, als ich unter dem Trailer zu ebenjener Verfilmung von den Leiden gequälter junger Seelen las, die dieses Buch im Unterricht lesen MUSSTEEEEN und dann wars auch noch Teil der Abiturprüfung oder der BLF (falls es das heutzutage überhaupt noch gibt). Sie waren so gequält, das bloße Sehen des Trailers versetzte sie in üble Zustände, ich dachte mir, "Pah! Ich bin ein freies Vögelchen, mich zwingt niemand mehr Bücher zu lesen, ich will mal sehen, mit was sich die Jugend herumschlagen muss und ob es wirklich so übel ist?! Ich bin ultraerwachsen B-)." Gesagt getan, ein feines Buch finde ich, eine schöne Sache, der Gedanke, was an einem Ort alles geschieht mit allen Leuten über die Zeiten hinweg. Nie fühlte ich mich freier und erhabener beim Lesen eines Buches... Die sollen sich mal nicht so haben, man kann wirklich schlimmeres lesen müssen...
Lange verbrachte ich jeden Tag auf der Website der Stadtbibliothek und gab vergeblich auf webopac den Titel dieses Buches ein, immer waren alle Artikel entliehen (ein Qualitätsmerkmal!). Nun nach einem Jahr Wartezeit, konnte ich es endlich schnappen in der kurzen Unachtsamkeit der anderen Interessierten, stand es vermutlich nur für die Zeitspanne von wenigen Minuten im Regal. Und ich kann sagen, das warten hat sich gelohnt! Sehr traurig und bedrückend, richtig gut geschrieben, ich bringe es schnell zurück zur Bibliothek, damit noch möglichst viele Leute in den Genuss (passt eigentlich nicht zum Inhalt, also ich meine wie es geschrieben ist) dieses Buches kommen.
PS: Amelie, huhuuu! Endlich können wir uns darüber unterhalten!!!
Kurzweilig!
Ich hab einmal, im zarten Alter von 14 muss es gewesen sein, ein Buch von Sibylle Berg gelesen, mit Kurzgeschichten und ich dachte ich werde nie wieder lachen können, wie kann man so düstertraurig mich in die tiefsten Tiefen der Melancholie ziehen?! Und ich schwor mir selbst, um meine Lebensfreude, um die es damals pubertätsbedingt (u.a.) ohnehin nicht allzu gut bestellt war, nicht unnötig zu strapazieren, N-I-E-W-I-E-D-E-R im Leben ein Buch von Frau Berg zu lesen. Die Tage vergingen und todesmutig habe ich dann dieses hier doch gelesen und kann sagen - es war nicht so schlimm wie damals. Jetzt wär ja mal spannend oben besagtes noch einmal zu überprüfen mit gereiftem Blick... aber vielleicht auch lieber nicht, ich habs echt in übler Erinnerung, außerdem ist jetzt Herbst, vielleicht schaffe ich das mal in einem mutigen Moment an einem strahlenden Sommertag am Strand mit Eis. Aber zurück zum Buch, fesselnd geschrieben! Eine üble Wendung, ohje das war ganz gruselig und ganz frei von Melancholie die ganze Sache auch nicht, aber durchaus in verdaulicher Dosis. Und genaugenommen ist das ja sogar eine Liebesgeschichte! Und in meiner AUsgabe gabs auch noch sehr schöne Illustrationen und Collagen:)
Verstörend! Aber auch fesselnd...
Zählen Comic hier eigentlich auch?! Naja, der ist schon besonders gut, deshalb denke ich das geht schonmal... Besonders abgeholt hat mich die Szene in der die wildgewordene Schildkröte sich im herausgedröselten Auge von dem armen alten bestattungsinstitutschef festbieß (festbisste? festbuß? wie heißt das?)? Lachtränen schossen in meine eigenen, glücklicherweise in ihren Augenhöhlen befindlichen Augen, wo sie auch hingehören. Überhaupt, diese Schildkrötenrennen und diese shady Tierärztin?! Ich bin begeistert, ein feiner Humor und absurd und manchmal eklig, das mögen wir. Ich fühle mich zurückversetzt zu damaligen glücklichen Stunden, als ich "Hexe total" entdeckte, irgendwie gibts Parallelen.
Manche Aspekte fand ich gut an dem Buch, aber bei manchen bin ich auch nicht mitgegangen. Was ich gut fand, war der Abschnitt über AI in der medizinischen Diagnostik. Ich dachte eigentlich immer, dass das wenigstens ein guter Anwendungsfall ist. Aber Cory hat gut erklärt, warum AI nicht mal da gut eingesetzt ist. Wäre ja auch zu schön gewesen! Auch die Erklärungen zu Copyright und der AI Bubble fand ich interessant. Der Abschnitt zu AI „Art“ hat mich allerdings nicht überzeugt und ich war auch ehrlich gesagt enttäuscht von seinen Aussagen, dass es ja schon cool sei, mit AI Bilder für eine D&D Kampagne zu generieren … Und auch mit seiner Meinung zu AI „Therapists“ macht er es sich irgendwie zu einfach, finde ich. Da gibt es Bücher, die das besser diskutieren und umfangreicher darlegen, warum das beides keine so gute Idee ist.
Erinnert mich daran, wenn ich von meinen beiden Trustfunds eine Wohnung in New York und ein Haus auf Martha’s Vineyard kaufe, beide nur auf meinen Namen eingetragen zu lassen.