Bücherregal lädt …
72 Stunden mit dir
400 Seiten

Zweiundsiebzig Stunden bevor jemand stirbt, sieht Sydney einen Timer über dem Kopf der Person herunterzählen – ein Geheimnis, das sie bisher bewahrt hat, weil es ihr nur Probleme bereitete. Bis Peter in die Stadt zieht. Als neuer Schüler soll Sydney mit ihm an einem Schulprojekt arbeiten, aber stattdessen hilft er ihr, mit ihrer ungewöhnlichen Gabe umzugehen und den Personen mit Timer einen letzten schönen Moment zu schenken. Nach und nach verliebt Sydney sich in ihn, doch der wichtigste Timer ihres Lebens wird bald zu laufen beginnen …

Die Geschichte verwendet ein klassisches Prinzip, bei dem die Autorin schon von Anfang an klar macht, wie es enden wird, aber gerade das hat mir gefallen und die Umsetzung fand ich insgesamt gelungen.

Dabei konnte ich Sydneys und Peters Romanze für eine ganze Weile nur schwer spüren, weil Peter zwar der perfekte Book-Boyfriend ist (in diesem Fall sowohl eine Kritik als auch ein Lob, weil er zwar sehr sympathisch war, ich mir aber gerne mehr Schwächen gewünscht hätte), Sydney durch ihr Verhalten jedoch keinen Anlass dazu gibt, an irgendwelche Gefühle ihrerseits zu glauben. Erst später in der Handlung werden diese Gefühle dann doch deutlicher. Sydney wird zwar ihre Angewohnheit, in allem das Negative zu sehen, leider nicht los (was ich durchaus nachvollziehen konnte, was mich im Lauf der Handlung aber dann doch gestört hat, weil es sie unsympathisch machte), aber ihre Gefühle gegenüber Peter blühen später richtig auf und entwickeln sich auf realistische Weise.

Ich hatte gehofft, dass die beiden viel Zeit miteinander verbringen, bevor der Timer startet, um den unaufhaltsamen Verlust so noch schmerzhafter zu machen, aber meiner Meinung nach ging der Timer dann doch etwas ZU spät los. Ich war durchaus dankbar, dass die beiden eine Menge Szenen bekamen, in denen sie ihre Bindung zueinander aufbauen konnten, aber dadurch, dass die letzten zweiundsiebzig Stunden (nach denen immerhin das Buch benannt ist!) so spät starten, gab es nur wenig Zeit, diese richtig zu zeigen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Timer schon um einiges früher losgegangen wäre, einfach, damit man ihre letzten drei Tage miteinander richtig und ausführlich erlebt, anstatt dass sie ein wenig zu schnell abgewickelt werden.

Diesbezüglich fand ich das Foreshadowing sehr interessant. Leider gibt es ganz schön viel Miscommunication und Verschieben auf später, was auf Dauer frustrierend zu lesen war, aber das Foreshadowing selbst wurde gut gehandhabt. Ich dachte eine sehr, sehr lange Weile, dass es viel zu offensichtlich ist (im Sinne von: ein Wink mit dem Schlaghammer), doch am Ende hat es mich positiv überrascht, in welche Richtung es letztendlich führte, auch wenn ich mir doch gewünscht hätte, es wäre etwas subtiler gewesen.

Die Probleme, die Sydney und Peter mit sich herumschleppen, begeisterten mich dafür sehr; gerade Sydneys Vergangenheit fand ich besonders interessant und ich liebte es, dass sie so passend und unerwartet zugleich war. Ich hatte zwar meine Ideen bezüglich ihren schlechten Erfahrungen, aber was letztendlich dahintersteckte, habe ich nicht kommen sehen. Das fand ich großartig, weil die Autorin hier Klischees vermied und trotzdem für eine Vergangenheit sorgte, die gut zu Sydney passt.

Eine kleine Kritik, die ich habe, ist der Schreibstil, der zwar locker, mir aber zu modern war. Zugegeben spielt das Buch auch in der Moderne (sogar ChatGPT wird an einer Stelle erwähnt), aber dafür waren die Referenzen bunt durcheinander gewürfelt: Viele alte Filme und Bücher, die ich nicht kannte, manche, die mir durchaus bekannt waren und auch ein paar wenige, die ich erwartet habe. Es war ein bunter Mix, von dem ich mir nicht sicher bin, wie viele ihn verstehen werden, aber ich konnte eher wenig mit ihm anfangen.

Letztendlich war es immer noch eine schöne Geschichte mit Schwächen, aber auch mit Stärken.

& Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens
256 Seiten

Mortimer ist ein Kater, der auf einen kleinen Bücherschrank aufpasst. Eines Tages kommt der Schüler Evan vorbei und nimmt sich spontan die beiden schmalsten Bücher. Zu seiner Verwunderung stellt er fest, dass fast alle Bücher des Bücherwagens offizielle Bücher aus der damals niedergebrannten Stadtbibliothek sind, die alle am selben Tag zurückgegeben wurden. Mehrere Bücher wurden damals von Evans Vater ausgeliehen, eines sogar vom berühmten Autor H. G. Higgins, in dem ein mysteriöses Polaroid-Foto steckt. Was hat es damit auf sich? Was geschah damals in der Bibliothek? Und was hat der Kater Mortimer mit all dem zu tun? Zusammen mit seinem besten Freund Rafi macht sich Evan an die Detektivarbeit …

Dieser wunderschöne Kinderroman ist unglaublich angenehm zu lesen und erzählt eine relativ schlichte, aber dafür sehr einnehmende Geschichte. Verschiedene Sichtweisen puzzeln ein Mysterium zusammen, das mir als Erwachsene zwar teilweise klar war, aber definitiv nicht ganz: Es gab ein, zwei Überraschungen, die ich nicht kommen gesehen habe und die mir deshalb umso mehr gefielen. Tatsächlich wünschte ich mir, dass auch der Haupttwist der Handlung – Mortimers Geheimnis – etwas weniger offensichtlich gewesen wäre, denn schließlich haben die beiden Autorinnen bereits hervorragend gezeigt, dass sie gute, unvorhersehbare und gleichzeitig logische Twists schreiben können!

Aber um ehrlich zu sein, ist das letztendlich eine kleine Kritik, denn die eigentliche Handlung hat mir so viel Spaß gemacht, dass mir die teils offensichtlichen Zusammenhänge nichts ausmachten. Gerade der Mystery-Aspekt war unglaublich gut gelungen, denn ich habe mich durchaus gefragt, wie die verschiedenen Handlungselemente miteinander verwoben sind und auf welche Weise sie aufeinandertreffen würden. So gibt es zum Beispiel auch einen wichtigen Handlungsstrang mit tatsächlichen Geistern, der ebenfalls eine Rolle spielt und für mich lange ein Mysterium war. Allgemein gibt es viele Details, die noch für später relevant und nicht immer offensichtlich sind.

Gleichzeitig ist das Buch nicht nur eine Detektivgeschichte, sondern auch eine emotionale, die speziell das Thema der Schuld in den Vordergrund rückt. Zwar habe ich die Mystery-Elemente am meisten genossen, mochte aber auch die Szenen, in denen wir den Charakteren bei alltäglicheren Geschehnissen folgten.

Ich glaube, das einzige, was mich verwunderte, war, dass das Leben von Evans bestem Freund Rafi gar nicht richtig kommentiert wird. Seine Eltern haben unzählige Regeln für ihn, die das, was er tun darf, stark einschränken, ohne, dass die Geschichte das beurteilt (weder positiv noch negativ). Evan und Rafi machen zwar ein paar Kommentare diesbezüglich, aber alle anderen Charaktere scheinen das Verhalten der Eltern komplett normal zu finden, ohne dass ich mir erklären konnte, ob das zum Humor der Geschichte gehört (was wahrscheinlich ist) oder eine Logiklücke ist (was ich nicht für wahrscheinlich halte, mir aber so vorkam). Ist eigentlich ein verhältnismäßig unwichtiger Teil der Handlung, aber einer, der mir aufgefallen ist.

Doch zusammengefasst haben wir trotz der kleinen Kritikpunkte eine absolut wunderbare Geschichte, die sich gerade für Mystery- und Spannungsfans sehr gut eignet – und nicht nur für Kinder ist!