Bücherregal lädt …
– Pain – Du sollst leiden
 251 Seiten

Nur noch einen einzigen Mord möchte Lana begehen: Den an Kyle Davenport, der der Drahtzieher hinter den Ereignissen war, die sie überhaupt zu einer Serienmörderin machten. Doch Logan kommt ihrem Geheimnis immer näher, als er herausfindet, was genau damals geschah und sogar zu dem Schluss kommt, dass der Scarlet Slayer eine Frau sein muss. Lana bleibt nicht mehr viel Zeit, um ihre Rache zu vollenden …

Der vierte Band konzentriert sich ganz auf Lanas Vergangenheit, Kyle Davenport und den neuen Erkenntnissen, die Logan immer näher an die Wahrheit bringen. Besonders die ersten beiden Aspekte waren äußerst zufriedenstellend; dass Logan endlich erfährt, was Lana damals durchmachen musste (auch, wenn er natürlich nicht weiß, dass es Lana ist, der das geschah), hat mich mit der Hoffnung erfüllt, dass er ihre Beweggründe verstehen könnte, während Lanas Rache an Kyle Davenport genauso süß war, wie ich sie mir vorgestellt habe. Auch dieser Band bleibt deshalb wieder sehr spannend.

Logans immer klarere Schlussfolgerungen waren dafür sehr beängstigend, aber auch irgendwie zufriedenstellend; denn dadurch, dass Lanas Taten tatsächlich Konsequenzen hatten, die Logan bei dem Fall halfen, wirkte es natürlich, dass er nun immer größere Fortschritte machte.

Das Buch endet genau so, wie ich es erwartet habe, wobei ich anmerken muss, dass ich Logans Verhalten am Ende sehr problematisch finde – eine gewisse Handlung ist aus seiner Sicht betrachtet einfach unverzeihlich und das ändert sich auch nicht dadurch, dass sie aus Lanas Sicht erzählt wird, weil er schließlich keinen Zugang zu ihren Gedanken hat und deshalb nicht wissen kann, wie sie sie einschätzt. Kurzum: Von außen betrachtet war sie einfach furchtbar.

Natürlich werde ich den fünften Band trotzdem lesen, denn so oder so bleibt die Reihe trotz ihrer Thematik ein lockeres Lesevergnügen, deren Abschluss ich schon entgegenfiebere.

– Peck & Peck
 544 Seiten

Batter, nach dem verstorbenen Hund seiner Mutter benannt, begeistert sich schon von Kind auf für Lyrik, was seine Eltern etwas verzweifeln lässt, weil sie sich gerne eine stabile Zukunft für ihn wünschen. Doch dann bekommt Batter eine Stelle bei Peck & Peck, einer weltberühmten Lyrikzeitschrift – allerdings nicht, wie er hoffte, als Lektor, sondern als Copyboy. Schon bald wird er in den Sog der beiden Zwillingsbrüder, die den Laden führten und führen, hineingezogen: Der sympathische Declonius, der wegen Unterschlagung ins Gefängnis kam und plötzlich bei ihm im Kopierraum auftaucht, obwohl er sich dem Gebäude gar nicht nähern darf; und der cholerische Salton, dem derzeitigen Chef des Unternehmens, der absolut nichts von Gedichten, aber dafür umso mehr von Kommerzialisierung versteht und das ganze Unternehmen auf den Kopf stellen will. Doch letztendlich liegt es an Batter und seinen (nicht immer guten) Entscheidungen, die die Zukunft des Unternehmens beeinflussen …

Die Geschichte geht definitiv in eine andere Richtung, als man am Anfang denkt: Ich nahm automatisch an, dass Batter nach seiner Anstellung als Copyboy schon bald seine Qualitäten als Lektor zeigen und befördert werden würde, aber das ist keinesfalls der Fall – stattdessen geht es viel mehr um den Einfluss, den die beiden Peck-Brüder auf ihn haben bzw. auf den Einfluss, den er auf sie hat. Und das war das wahrlich Faszinierende: Als begeisterter Lyrikfan, der zuvor im Einzelhandel gearbeitet hat, versteht er beide Peck-Brüder sehr gut und die Szenen zwischen ihm und ihnen gefielen mir ausgesprochen gut. Dadurch, dass Batter so ein sympathischer Protagonist ist, der teils falsche, aber nachvollziehbare Entscheidungen trifft, war es leicht, mit ihm mitzufiebern und dabei zuzuschauen, wie sich das Unternehmen langsam verändert.

Gerade wegen Salton gab es sehr viele angespannte und spannende Szenen und obwohl er selbst eine sehr unsympathische Person war, war er ein erstaunlich unterhaltsamer Charakter, gerade weil er komplettes Chaos in das Unternehmen bringt. Für Declonius hätte ich mir noch etwas mehr Szenen gewünscht, aber es war leicht, ihn trotz seiner Fehler und fehlerhaften Entscheidungen zu mögen.

Aber noch andere Charaktere spielen eine Rolle: Der originale Batter, nach dem unser Protagonist benannt wurde und dessen Geschichten sehr schnell zu meinen Highlights wurden; Batters Mutter, eine Schriftgestalterin, die ihn moralisch unterstützt und deren Wissen über Schriftarten am Ende eine große Relevanz bekommt; Mr Raley, Batters ehemaliger Chef, der zusammen mit Batters Mutter zu den weisesten Charakteren im Buch gehört; Batters früherer Studienkollege Paul, der eine eigene kleine Nebengeschichte hat; und natürlich die ganzen Menschen bei Peck & Peck, die nicht immer eine große, aber dennoch eine wichtige Rolle spielen.

Außerdem hat das Buch viele Wendungen und Offenbarungen, die die Handlung stets spannend gestalten und den Kontext vieler Szenen auf so großartige Weise ändern, dass ich es am liebsten noch einmal mit dem Wissen, das ich jetzt habe, lesen würde. Gerade das Ende sticht hier besonders positiv hervor und war nur schwer aus der Hand zu legen.

Das einzige, was ich mir gerne gewünscht hätte, wären mehr (viel mehr!) Gedichte gewesen, denn es werden zwar so einige erwähnt, aber tatsächlich ausgeschrieben nur eins oder zwei. Das kam mir wie eine verpasste Gelegenheit vor, die Macht von Gedichten auch tatsächlich zu zeigen.

Ich bin mir nicht sicher, inwiefern das Buch vergleichbar mit „Eine Frage der Chemie“ ist, denn da ich Lyrik sehr mag, aber mit Kochen nicht viel anfangen kann, mochte ich dieses Buch persönlich sogar mehr als „Eine Frage der Chemie“; aber ich weiß nicht, wie es auf diejenigen wirkt, die rein gar nichts mit Lyrik anfangen können. Von mir bekommt es auf jeden Fall eine Empfehlung, weil es ein großartiges, emotionales und spannendes Leseerlebnis war!

– Seven Ways to Tell a Lie
 368 Seiten

Vor über einem Jahr war Jonah Teil einer Freundesgruppe, die nach dem Verschwinden ihrer Freundin Enya auseinanderbrach. Jonah selbst ist überzeugt, dass Enya tot ist – bis zu dem Tag, an dem ein Deepfake-Video die Runde macht, in der er und seine ehemaligen Freunde bei einem Busunglück ums Leben kommen. Und es bleibt nicht bei dem Video – zu jedem der Freunde kommt nach und nach ein Deepfake heraus, das ihr größtes Geheimnis aufdeckt, von dem nur Enya wusste. Jonah ist entschlossen, herauszufinden, wer dahinter steckt und ob Enya vielleicht noch am Leben ist. Dazu muss die alte Freundesgruppe wieder zusammenkommen – und sich ihren Geheimnissen stellen …

Dieser Thriller hatte ein hervorragendes Konzept, das großartig umgesetzt wurde, aber leider auch einige Dinge, die mir nicht ganz so gefallen haben. So waren die Deepfakes definitiv mein Highlight – ich liebte es, wie die Videos beschrieben wurden und welche Enthüllungen sie für die Charaktere bereithielten. Keine von diesen Enthüllungen habe ich kommen sehen, was die Szenen, in denen sie vorkamen, umso besser machte. Auch die Art und Weise, wie die Charaktere darauf reagierten, hat mir gefallen, weil es sich zwar um Deepfakes handelt, aber eben um welche, die von der Wahrheit erzählen.

Zudem haben die Deepfakes dazu beigetragen, die Persönlichkeiten der Charaktere ein wenig zu vertiefen. Denn die Charaktere selbst fand ich bis auf Thea (die noch nicht einmal offiziell zur Gruppe gehört, aber schnell zu meinem Lieblingscharakter wurde) recht eindimensional, weshalb ich regelrecht dankbar war, dass die Deepfakes ihnen ein wenig mehr Persönlichkeit verliehen. Hier finde ich, dass es geholfen hätte, Kapitel aus ihrer Sichtweise zu haben. Die gesamte Geschichte wird nämlich aus Jonahs Perspektive erzählt, was mir irgendwann nicht genug war, weil ich gerne gewusst hätte, was in der Gedankenwelt der anderen vorging.

Obwohl bis auf die Deepfakes nicht allzu viel passiert, waren sie genug, um mich über den Roman hinweg investiert zu halten. Das Ende war dafür umso spannender, auch wenn es unter etwas litt, das mir persönlich nicht gefällt: Der kompletten Persönlichkeitsänderung eines Charakters, der sich als der Antagonist herausstellt, ohne, dass es dafür genug Foreshadowing gab. Während ich das mangelnde Foreshadowing verzeihen kann, weil es technisch gesehen vorhanden ist und für mich nur zu subtil war, mag ich es nicht, wenn ein Twist-Bösewicht eine komplett andere Persönlichkeit bekommt, sobald er als solcher entlarvt wird. Klar kann man das mit guter Schauspielerei erklären, aber mich persönlich stellt diese Erklärung nicht zufrieden.

Insgesamt also ein solider Thriller, der vor allem durch seine Deepfake-Handlung überzeugt, aber mehr Charaktertiefe gebraucht hätte.