- Die Unmöglichkeit
- des Lebens
- Matt Haig
- Droemer Knaur
- Belletristik
- Leben
- Übernatürlich
- Paranormal
- Fähigkeiten
- Freundschaft
- Menschlichkeit
Grace Winters ist zweiundsiebzig Jahre alt, als sie von Christina van der Berg, einer ehemaligen Bekannten, ein Haus in Ibiza vererbt bekommt. Spontan fliegt sie tatsächlich nach Ibiza, um sich selbst und Antworten auf ihre Fragen zu finden. In ihrem Abschiedsbrief schlägt Christina ihr vor, ein paar Orte und Personen zu besuchen und offen für alles zu sein, deutet aber auch an, dass sie ihren Tod vorhergesehen hat, was in Grace noch mehr Fragen aufwirft. Eine der Personen, die sie aufsuchen soll, ist ein gewisser Alberto Ribas, von dem alle Einwohner sie warnen. Auch Grace hält sich zunächst von ihm fern – bis sie auf seiner Website ein Bild sieht, das eine Halskette auf Seegrasgrund zeigt. Ihre eigene Halskette, die sie damals Christina schenkte. Woraufhin sich ein Abenteuer entspannt, das sämtliches Wissen auf den Kopf stellt, an das Grace bisher glaubte …
Diese Geschichte hatte viele kurze Kapitel und einige denkwürdige Szenen, schaffte es aber nicht ganz, mich zu überzeugen. Die paranormale Richtung, die die Geschichte einschlug, setzt nämlich voraus, dass wir als Leser:innen offen gegenüber diesen Themen sind – was bei mir nur halb der Fall ist.
Denn einerseits spricht Matt Haig ein paar wichtige Punkte an: Zum Beispiel die Tatsache, dass die Menschheit sich schon oft genug in ihrem Weltbild irrte, und dass wir immer andere Erklärungen als die Existenz paranormaler Phänomene suchen würden (selbst in einer Welt, in der sie existieren). Das waren meiner Meinung nach tatsächlich valide Standpunkte. Doch andererseits werden bekannte Denkfehler wie der Bestätigungsfehler, der Survivorship Bias und die Frequenzillusion nicht als solche angesprochen, was ich speziell bei Grace, einer Mathematiklehrerin, ungewöhnlich fand. Aus diesem Grund war ich konstant hin- und hergerissen zwischen „das ist alles Unsinn“ und „das ist alles möglich“. Hier hätte ich mir gewünscht, dass neben der Existenz paranormaler Elemente mehr betont worden wäre, dass es immer noch wissenschaftliche Erklärungen für viele Zufälle gibt.
Die Kapitel sind kurz, geben aber trotzdem einen guten Einblick in die Charaktere und schaffen es, ein paar magische Szenen zu erschaffen. Das Pacing dagegen ist sehr langsam, sodass es leider auch Szenen gab, in denen ich mich langweilte. Aus diesem Grund würde ich den Roman nur denjenigen empfehlen, die einerseits ein ruhiges Leseerlebnis haben wollen und andererseits offen für übernatürliche Ereignisse sind.
Nachdem Lindas baldiger Ex-Mann sie für seine neue Freundin verlassen hat, braucht sie dringend ein wenig Zeit für sich alleine. In einem Sommerhaus, das die beiden vor Jahren gekauft haben und das inzwischen in Vergessenheit geraten ist, hofft sie, sich selbst zu finden – und definitiv nicht, dass ein mysteriöser Teenager mit raspelkurzen Haaren und blauem Pullover sie zu verjagen versucht. Zugleich folgen wir Sam, die auf die distanzierte Martha trifft und sich nach und nach mit ihr anfreundet. Doch wer ist Martha, warum trägt sie stets den gleichen Pullover und hält sich von allen anderen fern? Linda und Sam finden ihre eigenen Antworten darauf …
Die Kurzbeschreibung der Geschichte ist leider sehr irreführend, denn die Handlung, die sie beschreibt, passiert erst nach 180 Seiten und selbst dann gerät sie erst später richtig in den Fokus. Zugegeben: Die Szenen, die Linda und Martha dann miteinander teilen, fand ich tatsächlich großartig, aber bis dahin dauert es eben eine ganze Weile, die nur sehr langsam vergeht. Zudem war ich immer noch investierter in Sams und Marthas Freundschaft, obwohl Sams Kapitel immer um einiges kürzer waren als Lindas.
Außerdem ist Martha nicht mal der wichtigste Charakter in Lindas Geschichte (wenn auch definitiv ein wichtiger), sondern auch der Jurist Frederik, auf den Linda trifft. Ich wusste für eine ganze Weile nicht, was ich von ihm und ihrer wachsenden Beziehung halten sollte, denn ursprünglich machte Linda eine Auszeit, um herauszufinden, wer sie ohne die Beziehung zu einem Mann ist – und sie dann fast schon buchstäblich in den ersten verlieben zu lassen, auf den sie trifft, kam mir da nicht wie die richtige Strategie vor. Allerdings mochte ich letztendlich die Art und Weise, wie sich ihre Beziehung entwickelte, sehr – und außerdem war Frederik schlicht ein sehr sympathischer Charakter.
In Linda dagegen konnte ich mich leider so gut wie nicht hineinversetzen. Das liegt nicht nur an ihrer Ausgangssituation (Mutter von zwei Kindern, die ihre Scheidung plant), sondern vor allem an ihrer Charakterentwicklung, die dem klassischen Format „vernünftiger Charakter lernt, dass es viel besser ist, locker drauf zu sein“ folgt und aus diesem Grund nichts war, mit dem ich mich identifizieren konnte. Allgemein bin ich diese Art von Handlungssträngen langsam leid, selbst, wenn man davon absieht, dass zumindest zwei von Lindas spontanen Entscheidungen sie buchstäblich fast umgebracht hätten. Das ist allerdings keine Kritik am Roman, sondern schlicht die Beobachtung, dass ich mich als jemand, die zwar ab und an unvernünftig ist, ihr Glück aber letztendlich in der Vernunft gefunden hat, nicht viel mit diesen Handlungssträngen anfangen kann.
Sehr gut gefielen mir die Offenbarungen gegen Ende, mit denen ich überhaupt nicht rechnete und die mich ganz schön emotional zurückließen. Ich liebte es, wie die Geschichte endete – auch, wenn der Anfang ganz schön holprig war. Trotzdem ist es letztendlich nicht meine Art von Buch, weshalb ich es nur denjenigen empfehlen würde, die sich besser in Linda hineinversetzen können.