- Die Anatomie
- der Einsamkeit
- Louise Pelt
- Bastei Lübbe
- Belletristik
- Familie
- Geheimnis
- Romanze
- Liebe
- Freundschaft
- Wohlfühlroman
Olive ist Journalistin und möchte unbedingt die Story finden, die ihrer Karriere eine neue Richtung gibt. Dann macht ihre Schwester sie auf einen gruseligen Fund aufmerksam: In Hamburg wurde bei einer Überschwemmung eine Leiche freigelegt, die einen Kompass umklammerte – denselben Kompass, den Olives Großmutter Poppy ihr schenkte und der eigentlich ein Einzelstück sein soll. Olive ist entschlossen, herauszufinden, was es damit auf sich hat, muss jedoch mit dem Fotografen Tom zusammenarbeiten, der sie nicht leiden kann. Doch will sie wirklich herausfinden, was in der Vergangenheit ihrer Großmutter steckt?
Zwanzig Jahre früher findet Claire heraus, dass ihre Zwillingsschwester Iris, mit der sie seit über zehn Jahren keinen Kontakt mehr hatte, verstorben ist. Um herauszufinden, was für ein Leben ihre Schwester führte, verbringt sie Zeit auf der einsamen Insel, die Iris ihr Zuhause nannte. Dort muss sie sich nicht nur mit der unfreundlichen Frankie herumschlagen, die mit Iris befreundet war, sondern auch mit einem Fuchskind, das sie vor dem Tod rettet …
Nach „Die Halbwertzeit von Glück“ ist „Die Anatomie der Einsamkeit“ die neue Familiengeschichte aus Louise Pelts/Lucy Astners Feder, die sowohl Familie, Freundschaft als auch Liebe fantastisch miteinander kombiniert. Speziell das Mysterium darum, wie die beiden Geschichten zusammenhängen, war fantastisch umgesetzt – erst fast am Ende begriff ich schließlich, wie Olives und Claires Geschichten miteinander zusammenhängen, was ein wunderbarer Moment war! Hier fand ich es sehr gut, dass der Zusammenhang nicht offensichtlich war und mich das Mysterium aus diesem Grund stets angetrieben hat.
Dazu gesellt sich auch ein schöner und bildlicher Schreibstil, der es mir leicht machte, die Handlung zu visualisieren. Natürlich spielt das Thema Einsamkeit eine große Rolle und war meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt, sowohl in Olives als auch in Claires Geschichte. Interessant war es hierbei, dass Olives Einsamkeit durch eine Romanze und Claires durch Freundschaft gelöst wurde (und bei beiden Familie eine wichtige Rolle spielte) – das fand ich sehr schön, weil es zeigte, dass verschiedene Arten von Liebe Einsamkeit beseitigen können.
Eine Kritik habe ich allerdings: Während Olives Geschichte mich sehr gefesselt hat und ich es liebte, sowohl die Vergangenheit ihrer Großmutter als auch Olives Beziehung zu Tom zu verfolgen, brauchte Claires Geschichte einige Zeit, um in Fahrt zu kommen. Zwar hat es auch bei Olive ein wenig Zeit gebraucht, bis ihre Reise sie nach Deutschland brachte, aber bei Claire hatte ich für deutlich länger das Gefühl, dass in ihrer Geschichte nicht allzu viel passiert. Eventuell nahm sie zwar Fahrt auf, aber den langsamen Anfang bei Claire hätte ich persönlich gerne durch interessante Charakterdynamiken beschleunigt.
Zusammengefasst haben wir hier eine wunderschöne Geschichte, die am Anfang vielleicht ein wenig langsam ist, aber es auf faszinierende Weise schafft, ein Familiengeheimnis zu erzählen, das einen bis zum Ende am Ball hält!
- Die Halbwertszeit
- von Glück
- Louise Pelt
- Bastei Lübbe
- Belletristik
- Frauen
- Familie
- Freundschaft
- Glück
- Wiedergutmachung
- Vergangenheit
- Liebe
- Highlight
Johanna, Holly und Mylène: Drei Frauen zu drei unterschiedlichen Zeiten, die sich verschiedenen Problemen stellen müssen. Johanna findet an der Grenze der DDR ein siebzehnjähriges Mädchen, das sich vor den Grenztruppen versteckt und zudem schwanger ist. Holly möchte Wiedergutmachung für die Familie ihrer Kollegin leisten, die bei einem Unglück gestorben ist, bei dem Holly hätte umkommen sollen. Und Mylène findet heraus, dass sie adoptiert ist, weshalb sie sich auf eine Schnitzeljagd aufmacht, um ihre wahren Wurzeln zu finden. Die Geschichten der drei Frauen hängen eng miteinander zusammen, und sie alle fragen sich: Was ist eigentlich Glück?
In diesem wunderschönen Roman verwebt Louise Pelt drei packende Geschichten auf wirklich wundervolle Weise, die ich so noch nie gesehen habe. Zum einen schaffte sie es, tatsächlich alle drei Geschichten gleich interessant zu gestalten. Am Anfang mochte ich Hollys Geschichte am meisten, doch sehr bald wuchsen mir auch Johannas und Mylènes sehr ans Herz, sodass ich am Ende alle drei Geschichten mochte.
Zum anderen ist es wohl das erste Mal, dass die erzählten Geschichten auch tatsächlich sehr eng miteinander zusammenhängen. Viele andere Romane dieser Art, die ich gelesen habe, hatten letztendlich eine relativ grobe Verbindung, doch hier hängt alles so stark zusammen, dass es eine wahre Freude war, zu sehen, wie sich das Puzzle schließlich zusammenfügte.
Bei Johanna war ihre Beziehung zu dem Mädchen ein eindeutiges Highlight. Am Anfang ist Johanna eher frostig zu ihr und möchte auf keinen Fall, dass sie ihr ans Herz wächst – aber natürlich geschieht das trotzdem und es war sehr charmant zu lesen, wie Johanna es zunächst nicht wahrhaben will. Die beiden hatten einfach eine wunderbare Freundschaft, die mir ausgesprochen gut gefallen hat. Ich glaube, ich hätte nur den Spannungsfaktor ein wenig verstärkt; denn obwohl theoretisch ständig die Gefahr besteht, entdeckt zu werden, fühlte ich die Gefahr nur am Ende und sonst eher nicht.
Bei Holly war es der Konflikt, dem sie sich stellen muss, der mich am meisten packte – die Tatsache, dass sie sich die Schuld für den Tod ihrer Kollegin gibt und gleichzeitig deren Familie näher kommt, die nichts von ihrer Beteiligung daran weiß, war einfach eine sehr spannende Ausgangssituation. Doch hätte ich mir hier gewünscht, dass speziell ihre Beziehung zu Matt, dem Partner ihrer Kollegin, stärker ausgebaut worden wäre. Die Beziehung zu dessen Sohn Lukas war sehr gut umgesetzt, doch dadurch, dass Holly sich so oft von Matt fernhält, konnte ich mit ihrer Beziehung zu ihm nicht ganz so stark mitfiebern, wie ich es gerne getan hätte.
Mit Mylène hatte ich wohl meine größten Probleme – weil ihre Geschichte meinen absoluten Lieblingscharakter enthielt: Etienne, ihren Exfreund. Er war unglaublich sympathisch, humorvoll und mein persönliches Highlight von Mylènes Geschichte, weshalb ich richtig enttäuscht war, dass er in den letzten zwei Kapiteln überhaupt nicht vorkam. Zwar gab es am Ende einen netten Twist, was Mylènes Verlobten anging, aber dadurch, dass wir den Großteil ihrer Geschichte mit Etienne verbrachten, war ich sehr enttäuscht davon, dass er am Ende im Grunde vergessen wurde.
Auch hätte ich mir gerne eine ausführliche Aussprache mit ihren Adoptiveltern gewünscht, in denen sie ihnen versichert, dass sie immer noch ihre Eltern sind, weil ich es sehr schade fand, dass sie letztendlich von Mylène ignoriert wurden.
Zusammengefasst haben wir hier aber immer noch eine wunderschöne Geschichte, die ich unglaublich genossen habe und die ich trotz ihrer Schwächen vollauf empfehlen kann!
Nachdem Lindas baldiger Ex-Mann sie für seine neue Freundin verlassen hat, braucht sie dringend ein wenig Zeit für sich alleine. In einem Sommerhaus, das die beiden vor Jahren gekauft haben und das inzwischen in Vergessenheit geraten ist, hofft sie, sich selbst zu finden – und definitiv nicht, dass ein mysteriöser Teenager mit raspelkurzen Haaren und blauem Pullover sie zu verjagen versucht. Zugleich folgen wir Sam, die auf die distanzierte Martha trifft und sich nach und nach mit ihr anfreundet. Doch wer ist Martha, warum trägt sie stets den gleichen Pullover und hält sich von allen anderen fern? Linda und Sam finden ihre eigenen Antworten darauf …
Die Kurzbeschreibung der Geschichte ist leider sehr irreführend, denn die Handlung, die sie beschreibt, passiert erst nach 180 Seiten und selbst dann gerät sie erst später richtig in den Fokus. Zugegeben: Die Szenen, die Linda und Martha dann miteinander teilen, fand ich tatsächlich großartig, aber bis dahin dauert es eben eine ganze Weile, die nur sehr langsam vergeht. Zudem war ich immer noch investierter in Sams und Marthas Freundschaft, obwohl Sams Kapitel immer um einiges kürzer waren als Lindas.
Außerdem ist Martha nicht mal der wichtigste Charakter in Lindas Geschichte (wenn auch definitiv ein wichtiger), sondern auch der Jurist Frederik, auf den Linda trifft. Ich wusste für eine ganze Weile nicht, was ich von ihm und ihrer wachsenden Beziehung halten sollte, denn ursprünglich machte Linda eine Auszeit, um herauszufinden, wer sie ohne die Beziehung zu einem Mann ist – und sie dann fast schon buchstäblich in den ersten verlieben zu lassen, auf den sie trifft, kam mir da nicht wie die richtige Strategie vor. Allerdings mochte ich letztendlich die Art und Weise, wie sich ihre Beziehung entwickelte, sehr – und außerdem war Frederik schlicht ein sehr sympathischer Charakter.
In Linda dagegen konnte ich mich leider so gut wie nicht hineinversetzen. Das liegt nicht nur an ihrer Ausgangssituation (Mutter von zwei Kindern, die ihre Scheidung plant), sondern vor allem an ihrer Charakterentwicklung, die dem klassischen Format „vernünftiger Charakter lernt, dass es viel besser ist, locker drauf zu sein“ folgt und aus diesem Grund nichts war, mit dem ich mich identifizieren konnte. Allgemein bin ich diese Art von Handlungssträngen langsam leid, selbst, wenn man davon absieht, dass zumindest zwei von Lindas spontanen Entscheidungen sie buchstäblich fast umgebracht hätten. Das ist allerdings keine Kritik am Roman, sondern schlicht die Beobachtung, dass ich mich als jemand, die zwar ab und an unvernünftig ist, ihr Glück aber letztendlich in der Vernunft gefunden hat, nicht viel mit diesen Handlungssträngen anfangen kann.
Sehr gut gefielen mir die Offenbarungen gegen Ende, mit denen ich überhaupt nicht rechnete und die mich ganz schön emotional zurückließen. Ich liebte es, wie die Geschichte endete – auch, wenn der Anfang ganz schön holprig war. Trotzdem ist es letztendlich nicht meine Art von Buch, weshalb ich es nur denjenigen empfehlen würde, die sich besser in Linda hineinversetzen können.