Namiya Gemischtwaren: An diesem Ort teilen Menschen ihre Probleme in einem Brief mit, um am nächsten Tag einen Ratschlag zu erhalten, den sie dann entweder befolgen können oder nicht. Als die drei Kleinverbrecher Atsuya, Shota und Kohei Unterschlupf im Laden suchen, sind sie jedoch überrascht, als dort nach und nach Briefe eintreffen - und zwar Briefe aus der Vergangenheit ...
Fünf miteinander verwobene Geschichten erzählt Keigo Higashino uns in "Kleine Wunder um Mitternacht": Eine Olympia-Sportlerin, deren kranker Ehemann gerne möchte, dass sie ihren Traum weiterlebt, statt sich um ihn zu kümmern; ein verhinderter Musiker, der lieber seine Musik machen statt den Fischladen seines Vaters übernehmen möchte; der Sohn von Namiya, der sich Sorgen um seinen Vater macht; ein musikliebender Junge, der nach dem Bankrott seiner Eltern nicht mit ihnen fliehen möchte; und eine junge Sekretärin, die lieber als Hostess arbeiten möchte, statt anspruchslose, schlecht bezahlte Arbeit in ihrer Firma zu erledigen.
Manche Hilfesuchenden bekommen von Namiya ihren Rat, doch der Großteil bekommt seine Antwort von Atsuya, Shota und Kohei, wobei vor allem Atsuya kein Blatt vor den Mund nimmt und schonungslos ehrlich antwortet. Das hat der Geschichte trotz mancher ernster Themen einen humorvollen Faktor gegeben, weil es sehr amüsant war, zu sehen, was die drei für einen Ratschlag zusammenschustern und wie ihre Hilfesuchenden darauf reagieren.
Am besten hat mir jedoch gefallen, wie alle Charaktere und Geschichten miteinander verbunden waren. Natürlich sind diese Verbindungen streng genommen zu zufällig, um glaubwürdig zu sein, doch dem Autor ist es hervorragend gelungen, sie als das darzustellen, was sie sein sollen: Schicksal. Mit einer Spur Ironie, als man erfährt, wie genau denn unsere drei Kleinverbrecher ins Bild passen. ;)
Insgesamt ein wunderschönes Lesevergnügen mit einem fantastischen Touch und einer Prise Humor, das ich voll und ganz empfehlen kann!
Nora Seed hatte bisher kein einfaches Leben. Sie verliert ihren Job, ihre Katze und den Kontakt zu den Menschen, die ihr mal nahe standen. Aus Verzweiflung will sie ihrem Leben ein Ende setzen - und landet in einer Zwischenwelt, der Mitternachtsbibliothek, in der man ihr die Chance gibt, einen Einblick in die Leben zu erhalten, die sie mit anderen Entscheidungen geführt hätte.
Was wäre, wenn sie ihren Freund geheiratet hätte? Wenn sie verhindert hätte, dass ihre Katze stirbt? Wenn sie mit ihrer Freundin nach Australien gezogen wäre? Wenn sie ihre Karriere als Schwimmerin durchgezogen hätte? Als Polarforscherin? Als Rockstar?
Diese und viele andere Leben probiert Nora aus. Manche sind ein paar Kapitel lang, andere nur wenige Sätze. Der Detailreichtum bei den Leben, die ausführlicher geschildert werden, hat mich dabei positiv überrascht - es fühlte sich wirklich so an, als würden wir einen Ausschnitt einer größeren Geschichte lesen und nicht bloß einen separaten Moment. Bei vielen hätte ich durchaus gerne erfahren, wie es weitergeht, aber andererseits machte es die Magie des Romans aus, es nicht zu wissen.
Das Ende der Geschichte war vorhersehbar, aber deshalb nicht weniger schön; ich mochte die Botschaft, die Matt Haig uns am Ende hinterlassen hat und hoffe, dass viele sich an seinem Roman erfreuen werden!
Wilbur steht am Ende seines Lebens, doch statt nach seinem Tod gleich in die Ewigkeit zu gelangen, muss er davor in den Mitternachtszug steigen, der sein Leben Revue an ihm vorbeiziehen lässt. Erst, wenn er rückblickend den Sinn seines Lebens versteht, kann er mit seinen Liebsten in der Ewigkeit wiedervereint werden. Schnell merkt Wilbur jedoch, dass er sein vergangenes Ich beeinflussen kann – und damit seine Vergangenheit rückblickend ändern. Entschlossen, die vielen Reuen seines Lebens rückgängig zu machen, fängt er an, seinem vergangenen Ich Ratschläge zu geben. Jedoch wird er gewarnt: Sollte er damit fortfahren, wird sich zwar die Vergangenheit seines früheren Ichs ändern, aber dafür bleibt seinem gegenwärtigen Ich die Ewigkeit verwehrt …
Dieser Roman spielt zwar in der Welt der „Mitternachtsbibliothek“, kann aber unabhängig davon gelesen werden, weil es nur eine kleine Referenz gibt, die mich zwar sehr erfreute, für das allgemeine Lesevergnügen jedoch nicht notwendig ist.
Durch die vielen kurzen Kapitel liest sich das Buch flüssig durch, obwohl die Handlung eher ruhig ist und sich eher auf nachdenkliche statt auf spannende Aspekte fokussiert. Wir folgen Wilburs Leben von Anfang bis Ende, was zunächst recht ereignislos abläuft, bis schließlich der Aspekt der Veränderung eingeführt wird – und damit die Reuen in Wilburs Leben. Zwar gab es schon am Anfang ein paar Szenen, die ich interessant fand, aber am meisten hat es mich interessiert, was genau Wilbur falsch gemacht hat und wie es dazu kam.
Was mir ebenfalls sehr gut gefiel, war die Botschaft, die hinter dem Roman steckte. Ich möchte sie natürlich nicht vorwegnehmen, doch sie überraschte mich positiv und ließ mich den Roman am Ende mit einem zufriedenen Lächeln schließen.
Was mir dafür nicht so gut gefiel, war Wilburs Romanze mit Maggie. Ich fand sie leider recht schwach, weil Maggie als Charakter so blass war und erst gegen Ende ein wenig Dreidimensionalität bekam. Allgemein war die Romanze nicht so stark im Fokus, wie ich es erwartet hätte und die schlechten Zeiten wurden mehr hervorgehoben als die guten, was es zusätzlich schwer machte, an eine ewige, alles überwindende Liebe zu glauben.
Wer eine kurzweilige, zum Nachdenken anregende Lektüre lesen möchte, ist hier bestens bedient, nur diejenige, die sich eine schöne Romanze erhofft haben, könnten etwas enttäuscht werden.