Lesetagebuch
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Bücherregal lädt …
Anmerkungen zu Hitler
 157 Seiten

Haffner schafft es in lesenswertem Stil, eine Auseinandersetzung mit der Person Hitlers zu formulieren, die in relativer Kürze eine ernsthafte Befassung mit dem deutschen Diktator ermöglicht. Das Buch ist vor allem (aber nicht nur) für jüngere Leser geeignet, denen Ian Kershaws Werk über AH zu schwer und zu teuer ist. Haffner war Zeitgenosse Hitlers und Journalist und wusste, wie man Menschen sprachlich so informiert, dass sie sich nicht langweilen. Ich halte dieses Buch für sehr empfehlenswert, was auch an seinem Preis liegt, den sich auch Schülerinnen und Schüler leisten können.

Medea. Stimmen
 224 Seiten

Christa Wolf porträtiert die antike Medea, indem sie neben der Protagonistin auch andere über sie zu Wort kommen lässt und so das Bild der antiken Kindsmörderin „ver-rückt“. Es handelt sich dabei um einen pointiert weiblichen Ansatz, den sich vor allem Männer mit Ängsten vor starken Frauen „reinziehen“ sollten. Keine Angst, dass es ihnen wie „Turon“ gehen könnte, der die Axt lieber beim Zimmermann gelassen hätte.

Kill Decision
 400 Seiten

Die Frage, ob neben anderen Staaten auch die Bundesrepublik Deutschland ein eigenes Drohnenprogramm auflegen solle, hat sich trotz einiger Schwierigkeiten bei der Beschaffung und Einführung solchen Geräts nicht erledigt. Gleiches gilt für die völkerrechtliche Problematik des US-amerikanischen Drohneneinsatzes gegen realen oder vermuteten Terrorismus gegen die USA überall in der Welt und die Frage, ob nicht die USA mit dieser Politik gerade den Terrorismus provozierten, den sie nach den Erfahrungen des 11. September verhindern und bestrafen wollten. Damit verbunden ist einerseits die Idee, eigene Soldaten bei kriegerischen Konflikten zu schonen. Sollen doch Maschinen tätig werden, während der operierende Soldat in sicherer Entfernung das Geschehen am Monitor verfolgt und Fluggerät samt Waffeneinsatz per Joystick dirigiert. Von dieser Realität ist es nur ein kleiner Schritt zur anderen Idee, Maschinen ihren Einsatz komplett selbst planen und durchführen zu lassen. Die dafür nötige software existiert schon jetzt. Und genau hier setzt dieser wahnsinnig spannende Roman an und sensibilisiert für ein Thema, das in die Debatte über technisierte Kriege gehört. Der Preis von 12,99 € ist günstig für einige Tage Lesevergnügen mit der Garantie nachhaltiger Nachdenklichkeit.

DAEMON
 640 Seiten

Was wäre, wenn sich die Welt wie ein Computer-Rollenspiel entwickelte? Eine spannende Frage nicht nur für Gamer, sondern für alle diejenigen, die die Möglichkeiten der technischen Entwicklung verfolgen und an der Vorstellung interessiert sind, welche gesellschaftlichen und persönlichen Konsequenzen daraus möglich sind. Natürlich – dieses Buch ist ein Gedankenspiel. Aber kein dummes. Vor allem deshalb nicht, weil die von moderner Technik ausgehende Faszination, welche oft nur die speziellen Nutzungsmöglichkeiten im Blick hat, die mit den technischen Folgen einhergehenden Risiken ausblendet. Deshalb ist dieses Buch unterhaltsam und äußerst spannend. Allerdings hinterlässt es den Leser am Schluss mit einer offenen Frage, deren Beantwortung den Kauf des Folgebandes verlangt. Dieser hier ist für 9,99 € zu haben.

Schuld
 208 Seiten

Es gibt Bücher, die deshalb verstören, weil sie das auf den Punkt bringen, was man schon immer gedacht hatte, dass es das gäbe, was man insgeheim stets fürchtete, dass es sei. Alles klar? Ich finde, dass es mit dem Doppel von Recht und Gerechtigkeit so ist. Denn schwarz-weiß ist alles einfach. Dominiert aber das Grau, dann wird Unschuld fleckig oder Schuld verstehbar und zur befreienden Tat oder dem Menschlichen an sich. Dieses Buch bringt Licht ins schwarz-weiß geprägte Hirn und zwingt zum Nachdenken, wenn scheinbar die Fakten klar auf dem Tisch liegen. Letztlich ist es auch unterhaltsam, sprachlich gelungen und mit 200 Seiten nicht übermäßig lang.

Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv
 183 Seiten

Ich habe dieses Buch geschenkt bekommen. Es war meine Frau, die mich beim Einlesen in dieses Buch ertappte, als wir uns in dem kleinen Literatur- und Weingeschäft „Litera“1 in der Kieler Holtenauer Straße befanden und ich mich vom Namen des Verfassers und dem Titel blenden ließ. Weil ich wohl beim Lesen schmunzeln musste, dachte sich meine Gattin, es handele sich hier um Literatur vom Feinsten. Welch Irrtum! Es handelt sich vielmehr um ein Buch, das man jemandem (weiterver-)schenken sollte, der ohnehin nicht liest, aber aus Imagegründen als Leser gelten möchte. Und da er nicht liest, wird er auch nie erfahren, welch Schund ihm hier vererbt wurde. Schmidt nutzt seinen Namen und die heute erfolgreichen Attribute einiger Bestseller, um seinen Euro zu machen. Dass es sich bei seinem Buch um Schund handelt, er nennt es selbst „Verschenkliteratur“, wird von Schmidt nicht mal bestritten. Für mich ist das Beste an diesem Werk, dass es ein gutes Beispiel für hinausgeworfenes Geld und somit eine Warnung für reale Leser ist. Es kostet 7,95 €. Überbezahlt! Man müsste fürs Lesen bezahlt werden.

Der Schwarm
 987 Seiten

Natürlich ist Schätzings Buch Fiction oder sogar Science Fiction. Na und? Es ist gut, macht Spaß zu lesen und zeigt einem auf intelligente Art und Weise, wie dringend wir alle mit unserem Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen aufhören müssen. Ein unverzichtbarer und ergänzender Beitrag zur gegenwärtigen Klimadiskussion. Auch das Meer ist dabei betroffen, denn die Abpufferung des CO² durch die Weltmeere lässt das Wasser allmählich immer saurer werden, was schließlich alle Lebewesen mit Kalkskeletten aussterben lässt. Diese Unterbrechung der Nahrungskette ist irreparabel. Aber am Ende der Nahrungskette stehen wir.

Viva Polonia
 368 Seiten

Zwar ist die Bedeutung von Polenwitzen mittlerweile stark abgeklungen, doch ist der Spruch von der „polnischen Wirtschaft“ immer noch vielen ein Teil ihrer Bewusstheit. So, als wäre das Wort „Polen“ eine Gleichsetzung mit Gefährdung, Unvermögen und Verkommenheit. Steffen Möller macht da die Fensterläden auf und lässt Licht ins Zimmer. Was wir sehen, sind sympathische, manchmal chaotisch-anarchische Menschen und Zustände sowie uns unbekannte Konventionen, die Lust aufs Hinfahren machen, um diese Menschen und ihr Land kennenzulernen.

Nachtzug nach Lissabon
 496 Seiten

Nach der Lektüre dieses Buches ist man ein anderer Mensch als vorher. Jedenfalls ging es mir so, und ich hatte das Gefühl, über dieses Buch mit anderen reden zu müssen. Dabei stellte ich fest, dass ich mit meinen Eindrücken nicht allein war. Das Buch bewegt Menschen und verleitet zu Gedanken darüber, was im Leben wesentlich ist. Mittlerweile habe ich allerdings auch Menschen kennen gelernt, die sich beim Nennen des Titels verzweifelt an den Schädel fassen und bekennen, das Buch spätestens nach hundert Seiten in die Ecke geknallt zu haben. Auch das gibt es.

Matterhorn
 200 Seiten

Es geht in diesem Buch über den Vietnam-Krieg um eine Erhebung an der Grenze Vietnams zu Laos, die die Soldaten „Matterhorn“ tauften und nicht um ein weiteres Werk zum Thema „Alpines Klettern“. Es sind in der Regel ganz junge Männer, die in diesem und in weiteren Kriegen seit diesem kämpfen und sterben und überwiegend lieber anderes täten als politische Pläne umzusetzen, die von ihnen weit entfernt ausgedacht werden. Meist kennen sie die politischen Zusammenhänge nicht, denen sie ausgeliefert sind, haben aber auch keine Alternative zum ihrem Los, wenn sie (meist) bildungsfern und vor allem schwarz sind. Aus heutiger Sicht ist dieser Roman für fast Gleichaltrige auch ein Geschichtsbuch. Sollten darunter Bewerber für die Bundeswehr sein, die sich zunehmend zu einem außenpolitischen Handwerkszeug deutscher Politik entwickelt und den Begriff der „Landesverteidigung“ neu definiert, sollten diese das Werk von Karl Marlantes genau lesen. Der brauchte viele Jahre und fast 700 Seiten, um sich seine Erlebnisse in diesem Krieg in Fernost von der Seele zu schreiben.

Der Chinese
 608 Seiten

Absolut spannend, blutrünstig und ein gelungenes Beispiel für die Geschichte der Globalisierung. Allerdings sicher auch nicht Mankell stärkstes Buch. Ob man hinter diesem Werk eine politische Botschaft des Autors sehen sollte, wie dies einige Leser meinen, sehe ich eher nicht. Selber lesen! Es lohnt sich in jedem Fall.

Die Wohlgesinnten
 1392 Seiten

Dieser französische Bestseller enthält die fiktiven Erinnerungen des homosexuellen SS-Offiziers Maximilian Aue, der die Vernichtung und Verfolgung der europäischen Juden von Juni 1941 bis April 1945 in allen Bereichen des NS-Herrschaftsbereiches miterlebt und aus späterer sicherer Existenz als französischer Unternehmer seine Erinnerungen schreibt. Das Buch verstört in seiner nachempfundenen Genauigkeit und hervorragend recherchierten Präzision historischer Daten und Fakten. Nicht nur vom Gewicht starker Tobak und kein einfacher Stoff. Der Preis von 36,00 € macht das Werk auch so zu einer gewichtigen Investition.

Im Krebsgang
 637 Seiten

Als Abiturthema 2015 vorgesehen haben viele sich durch diesen Text hindurchinterpretiert und -analysiert. Dabei ist vielleicht untergegangen, wie intensiv sich Grass mit der deutschen Psyche auseinandersetzt, die den NS, den Krieg und dessen Folgen lange verdrängte und dadurch vergaß, sich und die Frage nach dem Warum zu reflektieren. Grass zeigt, wie weit die Folgen dieser Leerstelle in die Gegenwart reichen. Die Frage, ob Geschichte sich wiederholen könne, stellt sich hier nicht. Denn es wird deutlich, dass etwas erst zu Ende sein muss, bevor es sich wiederholen kann.

Der Afghane
 352 Seiten

Irgendwann musste ein solches Buch erscheinen: ein maskuliner Kämpfer mit indischen Ahnen und damit auch Genen, jahrelang im Dienst der britischen Königin bewährt und eigentlich des Kämpfens und Tötens müde, soll sich in seinem diesmal wirklich letzten Auftrag als „Maulwurf“ unter Terroristen mischen. Und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf und ein unterhaltsamer Lesenachmittag seinen Anfang. Weit in die Tiefe reicht dieser Roman nicht, der mit seinem Preis von 8,95 € gut für den Urlaub und die Sonnenliege ist. Anschließend jedoch hat man keinen Verlust, wenn man ihn in seinem Zimmer liegen lässt.

Todesengel
 541 Seiten

Bei der Diskussion über die Berechtigung der Besteuerung von Einkommen, Vermögen, Erbschaften usw. wird oft vergessen, dass dieselben Menschen, die bei der Steuererklärung mogeln oder unversteuertes Geld im Ausland bunkern, an den Staat oft hohe Ansprüche haben. Wenn sich der Staat mangels Finanzmasse aber aus wichtigen Bereichen zurückzieht und der Bürger selbst für sich sorgen muss, ist das Geschrei oft groß. Vor allem dann, wenn es um sensible Bereiche wie die Sicherheit im öffentlichen Raum geht, also darum, ob man sich abends noch auf die Straße oder in die U-Bahn wagen darf. Eschbach macht dieses Thema, Sicherheit im öffentlichen Raum, oder: kann der Staat noch seine Bürger schützen?, zum Gegenstand seines Buches und diskutiert seinen Gegenstand in Form eines spannenden Romans. Wie immer gut recherchiert und intelligent aufgebaut. Man muss sich selbst auch seine Gedanken über seine eigene Haltung machen. Das Buch kostet 19,99 €, die sehr gut angelegt sind.

Herr aller Dinge
 689 Seiten

Es gehört zur Faszination, die von aktuellen technischen Errungenschaften ausgeht, dass entweder ihre Gefahren oder ihre Möglichkeiten zur Verbesserung menschlichen Lebens in den Vordergrund gestellt werden. Manchmal werden dabei Ängste vor dem Unbekannten mobilisiert, wie es z.B. bei den ersten Eisenbahnen der Fall war, manchmal verschleiert die Formel von der Verbesserung menschlicher Lebensbedingungen nur die Tatsache, dass die technische Neuerung vor allem dem Profit oder dem Herrschaftsanspruch weniger dient. Andreas Eschbach greift in seinem Buch die erst in ihren Ansätzen sichtbaren Möglichkeiten der Nano-Technologie auf und weist auf aus heutiger Sicht denkbare Risiken hin. Dass dies in einer etwas spinnerten Erzählidee daher kommt, ändert daran nichts und macht das Buch keine Zeile weniger spannend. Die rund 20 € sind gut angelegt.

Eine Billion Dollar
 893 Seiten

Wie schon beim Jesus Video spielt Eschbach mit Realität und Logik und einer faszinierenden Erzählidee. In diesem Fall kommt noch jede Menge Lehrreiches über die Funktionsweise kapitalistischer Volkswirtschaften zusammen. Was macht ein Mensch, der von einem entfernten und unbekannten Verwandten aus grauer Vorzeit ein riesiges Vermögen erbt? Na? Nicht mal all sein Geld verschenken dürfte man heute noch, ohne das Gegenteil des Gewünschten zu erreichen. Bloß warum?

Ein König für Deutschland
 497 Seiten

Der Verdacht, dass die Wahl von George W. Bush getürkt und die Niederlage von Al Gore somit manipuliert war, tauchte schon am Wahltag auf, als Unregelmäßigkeiten bei der Benutzung von Wahlautomaten vermutet wurden. Und wenn man diesen Verdacht als Gewissheit nähme und sie auf einen anderen Zusammenhang übertrüge, genau, dann kommt ein König für Deutschland heraus. Ein intelligenter mit 19,90 € (hardcover) Lesespaß, der einen kleinen Widerhaken im Hinterkopf hinterlässt, wenn man mal das deutsche Verfassungsrecht ausblendet. Denn der Verdacht, dass ein kleiner „trockener“ aber wenig intelligenter Loser von mächtigen Hintermännern gesteuert werden könnte, die sich mit ihm als Strohmann am US-amerikanischen Imperialismus eine goldene Nase verdienen, ist schlimm genug.

Das Buch der Zukunft
 240 Seiten

Das Buch ist keine bloße Zukunftsprognose, und Eschbach nimmt für seine Überlegungen keine Kristallkugel zur Hilfe. Vielmehr besteht der Wert der mit 8,95 € recht preisgünstigen Schrift darin, dass Eschbach den Stand der Technik des Jahres 2008 referiert, was für sich schon faszinierend genug ist. Wer hätte denn das alles gewusst? Von diesem Fundament ausgehend wird dann weiter spekuliert, was mit denkbaren Weiterentwicklungen dieses technischen Standes möglich sein könnte und wie dies dann unsere Welt veränderte. Interessant ist das schon.