Ich beschloss, so lange unglücklich zu bleiben, wie es nur ging, denn das Glück brachte nichts als Trägheit und Stillstand, oder vielleicht sogar - Gott bewahre - ein Haus. Das konnte ich mir nicht leisten. (S.10)
Moskau, 2006. Die Studentin Karina ist jung, mittellos und träumt davon, nach Europa auszuwandern. Gemeinsam mit Tonya, ihrer besten Freundin, die dieselben Träume teilt wie sie, schummelt sie sich durchs arme Leben in Moskau. Sie teilen sich betrunkene Männer, ihr letztes Kleingeld, legendäre Partynächte und Familienkonflikte. Als die Möglichkeit eines Stipendiums in Berlin aufploppt, gibt sie alles - und Tonya gibt ihr schmerzhaft zu verstehen, dass sie ihren Traum wohl grösser stellt als die Freundschaft zu ihr.
In der Protagonistin Karina steckt sehr viel vom Leben der Autorin drin, auch sie studierte in Moskau politischen Journalismus und wechselte dann zu einer Uni in Berlin, wo sie seither wohnt. Da ich selbst zwischen 2001 und 2007 oft in Russland war, war mir vieles nicht unbekannt, was sie über die russische Kultur und Eigenheiten preisgab. Genau das fand ich sehr spannend und sorgte bei mir für viele Erinnerungen. Ohne diesen Bezug hätte ich das Buch aber wohl kaum beendet. Mir gefiel ihre Sprache nicht, zu plump. Zwar witzig, aber nicht in meinem Geschmack.
Zeko wohnt in Berlin und ist fleissig auf Grindr unterwegs. Er trifft sich mit vielen Männern. Aber er denkt immer nur an Hassan, wenn er andere Männer küsst oder mit ihnen schläft. Hassan ist der Nachbarsjunge in Adana, wo sein Grossvater wohnt. Dieser nannte Hassan immer nur den "Hundesohn". Zu Beginn des Buches geht es neun Tagen, bis Zeko Hassan endlich wiedersehen wird. Im Laufe des Romans werden die Tage langsam heruntergezählt. Während dieser Countdown läuft, geht es viel um schwulen Sex, um Sprache (sowohl der deutschen als auch der türkischen, arabischen, französischen), um den Islam (Zeko ist praktizierender Muslim), um Freundschaft, um Rassismus.
Ozan Zakariya Keskinkılıç schreibt wunderschön poetisch und stellt die Sprache auch immer wieder in den Vordergrund, was mir sehr gefiel. Mir fehlte letzten Endes aber doch ein wenig eine fassbare Handlung.