Rosalyn „Ross“ Quest gehört zu einer berühmten Familie, die aus Dieben besteht. Doch als ihre Mutter bei einem Diebstahl erwischt wird und die Entführer eine Milliarde Dollar für sie verlangen, sieht selbst Ross keine andere Möglichkeit, als am Thieves’ Gambit teilzunehmen und sich durch ihren Sieg einen Wunsch erfüllen zu lassen. In den verschiedenen Runden muss sie nicht nur einige der schwierigsten Diebstähle durchführen, sondern hat es auch mit Konkurrenz zu tun – unter anderem mit dem charmanten Devroe. Ross, die niemandem traut, will sich gar nicht erst auf ihn einlassen, doch je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto mehr wird ihr Grundsatz auf die Probe gestellt …
In der Theorie habe ich „Wettbewerbsromane“ schon immer geliebt, in der Praxis aber schon einige gelesen, die zu vorhersehbar, klischeehaft und/oder zu fokussiert auf die Romanze waren. Deshalb war ich neugierig, wie „Thieves’ Gambit“ seinen Wettbewerb wohl umsetzen würde … und ich muss sagen, dass der Roman mich positiv überrascht hat!
Nicht nur ist er durchgängig spannend zu lesen, er stellt auch die wichtigen Charaktere angemessen vor. Die Romanze spielt eine relativ große Rolle, fügt sich aber sehr gut in den Rest der Handlung ein und nimmt keine Überhand. Und auch die einzelnen Runden bzw. Aufgaben, denen sich die Charaktere stellen, waren sehr gut umgesetzt und haben mich mehr als einmal überrascht. Ich habe mich sehr gefreut, endlich wieder einen Wettbewerbsroman zu lesen, der mich in Atem hält und mich mit den Charakteren mitfiebern lässt!
Nur eine Kritik habe ich: Das Ende, das zumindest teilweise vorhersehbar war. Wenn man die Kurzbeschreibung liest, weiß man im Grunde schon, was am Ende offenbart werden wird. Zugegeben, „Thieves’ Gambit“ bekommt definitiv Pluspunkte dafür, noch einen anderen unerwarteten Twist eingebaut zu haben, den ich sehr genial fand, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass dafür der erwartete Twist anders umgesetzt worden wäre als in so vielen anderen Romanen seiner Art.
Nichtsdestotrotz hat mir das Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich schon auf den zweiten Teil!
Miss Ruby ist eine Diebin, die in Raubüberfällen spezialisiert ist – eine Fähigkeit, die sie nicht nur nutzen möchte, um sich selbst zu bereichern, sondern auch, um ihr Familienerbstück, den Rubin von Cimota, in die Finger zu bekommen. Dafür muss sie verschiedene Crews rekrutieren und verschiedene Heists komplettieren, während Logico hinter ihr her ist, die Rote Maske eine würdige Rivalin bietet und Boss Charcoal sie gerne für sich rekrutieren will …
Im neuesten Band der Murdle-Reihe folgen wir diesmal nicht Logico, sondern helfen der Diebin Miss Ruby dabei, mehrere Raubüberfälle zu planen. Das Zuordnungsprinzip ist immer noch das gleiche, außer, dass statt Gegenständen Jobs an die Charaktere verteilt werden müssen und auch das Timing bei zwei Schwierigkeitsgeraden eine Rolle spielt. Besonders letzteres gefiel mir sehr gut, weil es eine neue Art von Rätsellogik zuließ („X muss getan werden, bevor Y getan werden kann“), die meiner Meinung nach sogar noch stärker hätte genutzt werden können.
Dafür gibt es in diesem Band keine „der Täter lügt, die anderen sagen die Wahrheit“-Rätsel. Diese waren in den regulären Murdle-Bänden zugegeben mit Abstand die schwierigsten, aber gerade deshalb mochte ich sie sehr, weil sie die grauen Zellen tatsächlich anstrengten – hoffentlich kommen sie im nächsten regulären Murdle-Band wieder vor.
Besonders gut gefiel mir, dass in manchen der Lösungstexte nicht nur die Person erwähnt wurde, der der Diebstahl gelungen ist, sondern auch die Jobs der anderen Personen. Das gab den Rätseln nicht nur eine nette Prise Realismus, weil man sich den Heist so tatsächlich gut vorstellen konnte, sondern machte das Zuordnen der anderen Jobs, Orte etc. sogar relevant. Es ist der bisher einzige Band, bei dem ich das Gefühl hatte, dass nicht nur der Täter eine Rolle spielt, sondern alle involvierten Personen einen Rätsels. Deshalb hätte ich es gerne noch öfter gelesen, wie sämtliche Teile der Lösung im Lösungstext erwähnt werden! (Witzig war es übrigens auch, bei den Lösungen des ersten Schwierigkeitsgrads zu sehen, was Logico so treibt und wie seine Schlussfolgerungen auf Außenstehende wirken. ;))
Außerdem setzt das Buch auch eine Rätselart von „Merry Murdle“ ein, wo man bei den Endrätseln die Verdächtigen aufgrund der Hinweise selbst schlussfolgern muss, was ich unglaublich spaßig fand. Wer weiß, vielleicht gibt es sogar bald einen Band, bei denen auch die anderen Aspekte selbst geschlussfolgert werden müssen? Mir würde das sehr gefallen.
Was die Rätselschwierigkeit angeht, würde ich sie auf leicht bis mittel ansetzen – nur bei Rätsel 47 („The Soho Soup Swap“) brauchte ich einen Hinweis zur Lösung, alle anderen waren ohne Probleme gut lösbar. Das Ende war übrigens überraschend herzerwärmend und beantwortete zudem eine wichtige Cliffhanger-Frage von vor ein paar Murdle-Bänden, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Insgesamt also ein angenehmer Rätselband für Zwischendurch, der mir sehr viel Spaß gemacht hat!