Vor etwas über einem Jahr hatte Clara gefragt, ob wir uns das Musical „Operation Mincemeat“ anschauen wollen, wenn wir nach London fahren. Das haben wir gemacht, und ich fand es mega gut.
Seitdem habe ich das Cast Recording ungefähr 3000 Mal gehört, Ewen Montagues eigenes Buch darüber gelesen, neue Tickets für das Musical gekauft (wichtiger Teil des nächsten London-Aufenthalts!), und jetzt auch dieses Buch angehört.
Ich fand gut, wie ausführlich Ben Macintyre alles erklärt, wie viele Hintergrundinformationen er hat, und wie er den Fokus auf die vielen Menschen richtet, die mit der Operation zu tun hatten. Außerdem war ich bei jeder neuen Wendung fasziniert davon, wie nah das Musical an der echten Geschichte geblieben ist. (Wenn ich irgendwo künstlerische Freiheit erlauben würde, dann ja wohl einem Musical.)
Jetzt bin ich jedenfalls umso vorfreudiger, das Musical noch mal zu sehen.
Ich habe bisher ein Buch von Michael Pollan gelesen ("Cooked") und das mochte ich sehr gerne. Dann wurde ein anderes Buch von ihm ("The Omnivore's Dilemma") mal von Michael Hobbes und Aubrey Gordon in Maintenance Phase besprochen, und seitdem stehe ich ihm etwas kritischer gegenüber. Aber ich dachte, ich gebe ihm mit diesem Buch nochmal eine Chance.
"This Is Your Mind on Plants" behandelt drei unterschiedliche pflanzliche Drogen: Opium, Koffein und Mescalin. Das erste Kapitel über Opium fand ich sehr interessant, auch wenn ich da schon das Gefühl hatte, dass er mehr drauf eingehen sollte, mit was für einem riesigen Privileg er als weißer upper-middle class Mann sich dem Thema annähert (es geht in großen Teilen darum, dass er selbst Opium in seinem Garten anbaut und sich damit strafbar macht). Das zweite Kapitel über Koffein war an sich schon interessant aber ich musste auch teilweise sehr die Augen darüber rollen, als er sein Selbstexperiment mit Koffeinentzug beschrieben hat.
Beim dritten Kapitel über Mescalin wurde es meiner Meinung nach richtig haarig. Er hat verschiedene Native Americans dazu interviewed, die ihm eigentlich alle gesagt haben, dass er als weißer Mann die Finger von dieser für sie heiligen Praxis lassen sollte. Er will nämlich eigentlich unbedingt an so einer Zeremonie teilnehmen, aber sagt dann auch selbst, dass das cultural appropriation wäre. Nur um dann doch eine Nicht Native American Person zu finden, die auch Zeremonien anbietet, und ihn zu einer einlädt. Das letzte Kapitel war dann ein Bericht von dieser Zeremonie und hat, finde ich, gezeigt, dass es Pollan nicht wirklich darum ging, die Kultur rund um Mescalin/Peyote zu respektieren sondern es vor allem einfach selbst ausprobieren wollte, egal wie.
Ich habe so lange an dem Buch herumgeknuspert, dass ich angefangen habe, von perikapitalistischen Märkten und Matsutake zu träumen.
Stellenweise brutal, manchmal lustig und auch traurig, aber immer in Leipzig hüpft das Buch zwischen den Zeiten hin und her und das mochte ich sehr gern! Ich habe außerdem viel über Bestattung und Schlachten gelernt und bin mir ganz sicher, dass ich sehr genau weiß in welchem Rewe das Kennenlernen stattfand. Ich möchte hier meine Lieblingsstelle zitieren, ich habe sie gewissenhaft geübt, um sie an geeigneter Stelle im Alltag vorzutragen und vorzugaukeln, dass sie meinem eigenen Humor entsprang und zwar: „[…] sagte sie und lachte ihr Lachen, das klang, als würde man eine Kiste Meerschweinchen schütteln.“. Genial! (Den Feminismuspreis wird das Buch wohl eher nicht gewinnen, Damen treten in kleiner Zahl in Erscheinung und dann als Mütter oder Objekte der Begierde, sonst nicht, das kennen wir schon, das ist alt und faulig, das mögen wir nicht.)
Danke für’s (lange) ausleihen, Amelie.
Dieses Buch fand ich blöd, die beiden Hauptcharaktere waren stupid und außerdem war es US military propaganda.
“I guess I need some new experiences of my own. Something that shifts my behavior.”
“Nothing wrong with that.”
“But isn’t it just a dangling carrot? Nobody back home sees anything new in me. They just think I’m jaded.”
“Why’s it important for them to see a change?”
“I dunno … so I don’t feel like I’m crazy?”
“Then you’ll be chasing that carrot for a long time.”
“It’s not even a good carrot.”
Ich wünschte, jemand hätte dem Autor eine Umschalttaste geschenkt. Aber vielleicht muss das so bei naturalistischen Essays...
Eine meiner Lieblingsstellen:
es gab eine zeit, da trainierte ich abhärten. ich hängte über meinen schreibtisch ein bild des geliebten meines freundes, das tat weh, und ich hängte über meinen schreibtisch ein bild von nina hagen. wenn meine freunde an diesen schreibtisch traten, dann sagten sie: oh, nina hagen, dufte! aber warum hängst du dir ein bild des geliebten deines freundes auf? das sagten sie, weil sie nicht wußten, wie sehr das bild von nina hagen mich schmerzte.
Dieser Comic ist so gut.