Mein erster hard scifi Roman und hätte ich die Zeit gehabt, hätte ich es in einem Rutsch durchgelesen. Sehr technisch, aber auch sehr technik-kritisch. Manchmal hilft auch der größte Antimateriewerfer nichts!
Mir fällt es schwer in wenigen Worten zusammenzufassen, was dieses Buch mit mir macht. Es ist berührend, lustig, umfassend und leicht nach einer Pause wieder in die Hand zu nehmen. Ich fühle mich als hätte ich ein meisterhaft komponiertes 11-Gänge-Menü zu mir genommen, an dessen Feinheiten ich mich kaum erinnern kann. Aber lecker war es allemal! Interessant finde ich, dass der deutsche Titel dem Buch einen völlig anderen Schwerpunkt gibt, als das englische "The Cider House Rules". Was will uns der Übersetzer damit sagen?
Das Buch liest sich gut weg, ist nüchtern erzählt, aber ziemlich seicht. Unser Hauptcharakter hat bis auf eine tragische Kindheit unverschämt viel Glück und ist sowieso groß, stark, talentiert, fleißig, ehrlich und der beste Heiler und Liebhaber, den die Welt je hervor gebracht hat. Es passieren viele Dinge, die den Plot von England bis nach Indien bugsieren, aber besonders tiefgreifend sind weder die Geschichte noch die eindimensionalen Charaktere. Außerdem haben mich die historischen Ungenauigkeiten (Kürbisse im mittelalterlichen England?) etwas rausgerissen. Der Autor sagt in der Danksagung selbst, einiges sei seiner Fantasie entsprungen. Warum dann nicht gleich Fantasy? Wahrscheinlich weil es sich schlechter verkauft. Fazit: Ganz nette Bestseller-Literatur.