Bücherregal lädt …
Smeralda Bohms Bestiarium
352 Seiten

Smeralda Bohm ist eine zwölfjährige Kryptozoologin, deren größter Traum es ist, ein Bestiarium aller verborgener Wesen zu erstellen. Das ist nicht immer leicht, weil fast keiner sie ernst nimmt und sie natürlich größte Vorsicht walten lassen muss. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein Waldelf taucht in ihrer Schule auf, ein Kommissaranwärter bittet sie um Hilfe wegen eines möglichen Basiliskenfalls, und sie bekommt eine Einladung zu einer Eignungsprüfung der Alten Anatomie, um in großem Format Kryptiden zu untersuchen. Und Smeralda ahnt bald, dass sie trotz ihres beachtlichen Wissens noch so einiges zu lernen hat …

Ich mag die Kombination aus Fantasy und Wissenschaft und dieses Kinderbuch hat sie wirklich gut umgesetzt! Smeralda hat einen sehr nüchternen Schreibstil, der den wissenschaftlichen Teil gut einfängt, aber auch für unfreiwillig witzige Momente sorgt, weil sie sich zwar hervorragend mit Kryptiden auskennt, aber dafür weniger mit Menschen, Gefühlen und allgemeinem Verhalten. Es wird zwar nie ausgesprochen, aber Smeralda gehört recht offensichtlich dem autistischen Spektrum an, was sehr gut zum Roman gepasst hat.

Zugegeben hat es sie dafür auch manchmal unsympathisch gemacht, denn oft behandelt sie ihre Familienmitglieder und Freunde sehr verletzend, ohne es zu merken und ohne andere Lösungen in Betracht zu ziehen. Gegen Ende wurde sie etwas empathischer, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sie ihre Lieben nicht richtig zu schätzen wusste bzw. es nicht richtig ausdrücken konnte. Doch gerade deshalb freue ich mich darauf, ihre Entwicklung in späteren Bänden zu sehen, in der Hoffnung, dass die Nebencharaktere noch wichtigere Rollen einnehmen werden.

Denn obwohl die Nebencharaktere gar nicht so oft auftauchen, wie ich es erwartet habe, haben sie einen starken Eindruck hinterlassen. Speziell Kenji, Smeraldas bester Freund, und Kommissaranwärter Juri Konstantin waren mir sehr sympathisch und ich hätte gerne noch mehr von ihnen und den anderen Charakteren gesehen. Zusammen mit den Kryptiden, natürlich – sie wurden gut dokumentiert und die schönen Illustrationen von Helge Vogt hauchen ihnen erfolgreich Leben ein, aber die allermeisten spielen nur eine kleine Rolle. Hier war mein Liebling der Waldelf Nicholas Lavendel, der zum Glück eine große Rolle spielt.

Smeraldas Intelligenz kommt größtenteils gut hervor, zusammen mit der Naivität, die in manchen Bereichen damit einhergeht, sowie Szenen, in denen sie sie auf erfolgreiche oder witzige Weise zeigen konnte. Allerdings fand ich es zweifelhaft, dass sie die Alte Anatomie lange nie in Frage stellte, denn es war überdeutlich, dass ihr nicht zu trauen ist. Ja, ihre Begeisterung für Kryptiden blendete sie, aber gerade als Wissenschaftlerin hätte sie meiner Meinung nach mehr Fragen stellen sollen.

Was ein wenig unter Smeraldas Schreibstil leidet, sind die emotionalen Szenen. Es gibt zwar welche, die mir sehr gefielen und die mich berührten, aber der Schreibstil machte es nicht immer leicht, sich in sie fallen zu lassen, weil Smeralda selbst so große Probleme damit hat, eigene und andere Gefühle zu verstehen. Aus diesem Grund würde ich das Kinderbuch speziell den Kindern empfehlen, die Monstergeschichten und wissenschaftliche Ansätze lieben, aber dafür weniger denjenigen, die ein „klassisches“ Abenteuer lesen wollen. Mir persönlich hat es gut gefallen, doch könnte ich verstehen, wenn es anderen nicht so geht!

Das Mädchen, das in den Wellen verschwand
384 Seiten

Jedes Jahr wird ein Mädchen als Braut des Meeresgottes ausgewählt, um die schrecklichen Stürme in Minas Heimat für ein Jahr zu stoppen. In diesem Jahr jedoch opfert sich Mina, damit ihr Bruder Joon mit der ursprünglich gewählten Braut des Meeresgottes, Shim Cheong, zusammen sein kann. Mina landet in der Geisterwelt und folgt einem roten Faden, der sie zum Meeresgott führt. Doch Shin, der Beschützer des Meeresgottes, schneidet ihren Faden durch und trennt so Minas Seele von ihrem Körper. Als Mina sie schließlich wieder zurückerlangt, wird dabei ein Schicksalsfaden zwischen ihr und Shin gesponnen – ein Faden, der ihrer beider Leben miteinander verbindet …

Dieser Fantasyroman basiert auf der koreanischen Mythologie und liest sich fast schon wie ein Märchen: Absolut wunderschön und sehr bildgewaltig. Nicht nur war die Romanze hier sehr süß umgesetzt, sondern vor allem auch die Geisterwelt: Mithilfe der starken Bilder, die Axie Oh in ihrer Sprache benutzt, baute sie sich buchstäblich vor mir auf. Allgemein konnte ich die Handlung so gut vor meinen Augen sehen, als würde ich einen Film schauen. Das fand ich sehr beeindruckend, von daher ein großes Lob an die Autorin!

Die Handlung selbst ist zugegeben nichts Weltbewegendes – es gibt zwar den ein oder anderen Twist, aber im Grunde nichts, was einen überrascht. Doch schlimm fand ich das nicht; es hat gut getan, einfach mal eine schöne Fantasyromanze zu lesen, die mir das Herz erwärmt hat. Dafür hat mich etwas anderes ein wenig gestört: Die Tatsache, dass Mina insgesamt sehr passiv ist. Sie hat zwar ein paar (wenige) heldenhafte Szenen, spielt ansonsten aber die Frau in Nöten, was ich ein wenig schade fand. Hier hätte ich mir gerne eine aktivere Rolle für sie gewünscht.

Davon abgesehen haben wir hier eine hervorragende Fantasyromanze, die durch ihr Setting, ihren Schreibstil und ihr umgesetzte Mythologie begeistert!