Bücherregal lädt …
Yesteryear
464 Seiten

Natalie Heller Mills lebt mit Ehemann und fünf Kindern ein traditionelles Leben auf einer Farm, das sie auf ihrem Instagram-Account bewirbt. Natürlich ist das Leben nicht so einfach, wie sie es darstellt, aber Natalie ist gut darin, ihren Fans das zu geben, was sie sehen wollen. Doch dann wacht sie eines Tages auf und findet sich mitten auf ihrer Farm wieder – doch alles ist ein bisschen anders, ihre Kinder und ihr Ehemann, und vor allem das Leben, das sie führt. Es scheint, als wäre sie in der Zeit zurückgereist, denn nun muss sie das Farmleben ohne den Komfort moderner Erfindungen führen. Und es ist die Hölle. Natalie muss entkommen, so schnell es geht … und herausfinden, was mit ihr passiert ist.

Das Konzept der Handlung klang ungemein faszinierend, doch bin ich ein wenig hin- und hergerissen, was die Umsetzung angeht. Denn einerseits war die Lektüre ausgesprochen unterhaltsam, aber andererseits unmöglich zu empfehlen, wenn man nicht den Eindruck erwecken will, Natalies Sichtweisen zu teilen. Sie war so weit entfernt von meinen eigenen Meinungen, dass ich allein deshalb zögere, eine Empfehlung auszusprechen: Weil diese suggerieren würde, dass ich Natalies Sichtweisen zustimme, was definitiv nicht der Fall ist. Sie selbst war eine unsympathische Protagonistin, die es nicht mochte, von anderen für ihren Lebensstil verurteilt zu werden, aber konstant andere wegen ihres Lebensstils verurteilt hat. Jedoch ist sie tatsächlich als unsympathischer Charakter beschrieben, soll heißen: Andere Charaktere äußern sich ihr gegenüber kritisch und ihre Sichtweise wird nicht als die einzig Richtige dargestellt, was für mich ein Pluspunkt war, auch wenn ich Natalie als Charakter nicht mochte.

Spannend fand ich zu meiner Überraschung nicht Natalies neue Situation, in der sie sich mit tatsächlichem Farmleben auseinandersetzen muss, sondern ihr Weg, ihre moderne Farm überhaupt zu bekommen. Dieser Teil der Handlung war wirklich fesselnd und ich konnte mich stellenweise sogar in Natalies Situation hineinversetzen, oder zumindest Mitgefühl mit ihr haben. Anders war da wie gesagt die „alternative“ Realität. Der Twist ihr bezüglich war absolut genial und dabei überraschend logisch, aber die Ereignisse selbst plätscherten ganz schön vor sich hin. Der Kontrast zwischen den beiden Handlungssträngen (dem spannenden Weg zur modernen Farm und dem eintönigen Leben auf der tatsächlichen Farm) war dabei so stark wie Kontrast zwischen den Farmen selbst, und es dauert bis zum Ende, bis man die Relevanz der „Eigentliche“-Farm-Kapitel überhaupt begreift. Und ja, sobald man das tut, ändert sich der Kontext der zuvor eintönigen Kapitel dramatisch, aber trotzdem nicht genug, als dass man die Kapitel plötzlich liebgewonnen hätte.

Insgesamt also eine gute Lektüre, aber leider eine sehr schwer zu empfehlende.

Die Insel des Zorns
352 Seiten

Elliot ist der beste Freund der berühmten Schauspielerin Lana, die eines Tages beschließt, zusammen mit ihm, ihrem Ehemann Jason, ihrem Sohn Leo, ihrer Schauspielerkollegin Kate und zwei Bediensteten Urlaub auf einer griechischen Insel zu nehmen. Doch die Ereignisse, die sich daraufhin entfalten, entwickeln sich ganz anders, als die Beteiligten es sich gedacht hatten – bis ein Mord passiert. Doch wichtig ist dabei nicht nur die Frage, wer ihn begangen hat, sondern auch, welche Ereignisse zu ihm führten …

Dieser Thriller gehört wohl zu den ungewöhnlichsten, die ich bisher gelesen habe – und der Grund dafür ist Elliot, der gleichzeitig einer der Charaktere und unsere Erzählerstimme ist. Er berichtet uns, was genau auf der Insel geschah und wie genau es dazu kommen konnte. Dadurch, dass er ein unzuverlässiger Erzähler ist, der gewisse Aspekte der Handlung bis zu einem gewissen Zeitpunkt verschweigt, kann man sich nie sicher sein, ob das, was er erzählt, tatsächlich wahr ist. Das hat das Leseerlebnis sehr fesselnd gemacht, weil es nicht nur darum ging, das eigentliche Mysterium aufzulösen, sondern auch, herauszufinden, wie genau Elliot mit den Ereignissen zusammenhängt. Was ich hier sehr gut fand, ist, dass das Ende einerseits genau so ist, wie man es erwartet – und andererseits ganz anders, weil die Twists, die zu ihm führen, einen trotzdem überraschen. Insofern ein guter Mix!

Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, waren die vielen Rückblicke. Sie sind zwar durchaus notwendig, um die Geschichte zu verstehen, vor allem, weil verschiedene Perspektiven die Zusammenhänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit deutlich machen, aber sie nehmen einen so großen Teil der Handlung ein, dass ich mir manchmal gewünscht habe, wieder zur Gegenwart zurückzukehren. Dabei sind es nicht mal die Ereignisse selbst, die sich in die Länge gezogen haben, sondern eher Elliots Gedanken; er ist zwar ein sehr unterhaltsamer Erzähler und es hat mir insgesamt Spaß gemacht, seiner Stimme zu lauschen, aber er verliert sich oft in Abschweifungen, die manchmal dann doch ein wenig zu lang sind.

Was ebenfalls erwähnt werden muss, ist, dass es sich hierbei weder um einen klassischen Krimi noch um einen klassischen Thriller handelt, sondern eher um einen Mix, der die Ereignisse erzählt, die zu dem Mord auf der Insel führen. Was eine durchaus interessante Erzählweise ist, die mir persönlich gefallen hat, aber nicht unbedingt eine, die jeder Leser mögen wird.

Von daher gibt es von mir persönlich eine Empfehlung, weil mir die ungewöhnliche Erzählweise sehr viel Spaß gemacht hat, aber auch die Anmerkung, dass vermutlich nicht jeder etwas damit anfangen können wird. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich es konnte!

Das irrationale Vorkommnis der Liebe – Die deutsche Ausgabe von »Love on the Brain«
448 Seiten

Bee Königswasser ist Neurowissenschaftlerin, leidenschaftlicher Fan von Marie Curie und hält nichts von der Liebe. Stattdessen pflegt sie die Lebenseinstellung "Was würde Marie Curie tun?", zu dem sie sogar einen erfolgreichen Twitter-Account pflegt. Als sie ihren Traumjob bei der NASA angeboten bekommt, ist sie überglücklich, was jedoch nicht lange hält, als sie erfährt, dass ihr Laborpartner ihr Erzrivale Levi Ward ist. Schon bald merkt sie, dass Levi ihr ganz und gar nicht feindselig gesinnt ist, doch zögert sie, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Schließlich ist auf die Liebe nie Verlass - oder?

In diesem lockeren, lustigen Roman erzählt Ali Hazelwood nicht nur eine schöne (und auf gute Weise vorhersehbare) Liebesgeschichte, sondern geht dabei durchaus auf ernstere Themen ein, speziell die Ungerechtigkeit standardisierter Tests, die Minderheiten benachteiligen und ohnehin fast nichts über die Qualität der Prüfungsteilnehmer aussagen. Das fand ich besonders faszinierend, weil der Roman an sich leichte Lektüre für zwischendurch ist, ihn diese Themen aber positiv hervorgehoben haben.

Besonders cool fand ich das Finale, das nicht nur spannend war, sondern sogar einen Twist zu bieten hatte, der mich ganz schön überrascht hat. Aus Spoilergründen werde ich hier aber natürlich nicht mehr verraten.

Auch die anderen Charaktere (speziell Rocío und Mareike) haben mir sehr gefallen, sowie der Schreibstil, der sich wunderbar flüssig und angenehm las.

Insgesamt also ein lohnenswerter Zeitvertreib, wenn man ein schönes Buch für Zwischendurch braucht!