anders bleiben
256 Seiten

Ein Sammelband voller Briefe von, an und über die vielfältigen Menschen, die in Deutschland leben, lieben, lernen, die dem strukturellen Rassismus und Sexismus ausgesetzt sind, die gegen ihn ankämpfen, in der Hoffnung und auf der Suche nach einer offeneren, schöneren und stärkeren Gemeinschaft... mir hat das Buch sehr gefallen und ich kann es wärmstens weiterempfehlen. Sehr spannende und abwechslungsreiche Perspektiven und Gedanken!

What's our problem?: A self-help book for societies
746 Seiten

Früher habe ich Tim Urban sehr für seine Deep-Dives zu verschiedenen Themen geschätzt (Künstliche Intelligenz z. B.). Das erste Drittel dieses Buchs fand ich auch sehr interessant, weil er dort viele Konzepte einführt und mit gewohnt lustigen, informativen Zeichnungen erklärt. Die übrigen zwei Drittel sind dann leider ein sehr anekdotisch aufgebauter Rant über Wokeness, Gender Studies und Social Justice Bewegungen, die ihm persönlich zu weit gehen... Aus seiner akademischen, wohlhabenden Sicht mögen das die größten Probleme unserer Zeit sein, ich denke aber, dass er viele tatsächliche Probleme, die Gesellschaften haben (z. B. Armut, fehlende Bildung, schwache Gesundheitssysteme, Umgang mit dem Klimawandel, etc...), einfach ausblendet, um sich stattdessen stundenlang darüber aufzuregen, was man heute alles nicht mehr sagen darf, was früher noch okay war... naja. Zwei Sterne dafür, dass das erste Drittel interessant und informativ war. Den Rest hätte man sich in dieser ausufernden Form definitiv sparen können. Achso und was ist jetzt sein genialer Lösungsvorschlag nach knapp 750 Seiten, wie wir unsere gesellschaftlichen Probleme lösen können? - Besser und vernünftiger miteinander reden und offen für andere Meinungen sein. Wow, das ist ja geradezu revolutionär...

Über Menschen
416 Seiten

"In Bracken ist man unter Leuten. Da kann man sich nicht mehr so leicht über die Menschen erheben. Wirst dich dran gewöhnen müssen."

Eine unterhaltsame, aber anfangs auch sehr anstrengende/teils angestrengte Lektüre, die mich letztendlich aber doch sehr nachdenklich gemacht hat, weil sie für mich ungewöhnliche Blickwinkel eingenommen hat und scheinbar unversöhnliche Gegensätze und Weltsichten miteinander konfrontiert hat. Dazu ein weiteres Zitat, das bei mir hängen geblieben ist:

"Sie weiß selbst nicht einmal, ob es stimmt, dass die meisten Rechten nicht gesprächsbereit sind. Weil sie selbst nicht gesprächsbereit ist."

Es geht aus meiner Sicht aber nicht um eine Verharmlosung oder Relativierung von Schrecklichem wie etwa rechtsradikalen Verbrechen, sondern um das Aushalten und Verstehen von Unterschieden – ohne dem anderen gleich gänzlich die Menschlichkeit abzusprechen, nur weil seine Meinung nicht der eigenen entspricht.

Alte Sorten
256 Seiten

Ich war am Ende sehr bewegt von diesem tollen Buch. Sprachlich ist es wahnsinnig direkt und eine echte Wucht. Ich fand es spannend wie sich der Wandel der Charaktere auch in der Sprache niedergeschlagen hat. Das fand ich sehr passend, dynamisch und fesselnd. Liss und Sally haben mich als Charaktere richtig mitgerissen, auch wenn sie mir einige Rätsel aufgegeben haben, die sich erst nach und nach ergründen ließen. Ein Lesegenuss, den ich nur weiterempfehlen kann.

Lion
272 Seiten

Ein eindrucksvoller Tatsachenbericht, der mich viel zum Nachdenken angeregt hat: über Zufall/Schicksal, Armut, Gewalt, Indien, Gerechtigkeit, Familie, Beharrlichkeit, Hingabe… zwischen den Zeilen ist da wirklich einiges los. Ich bin sehr bewegt.

Geschichte der Sowjetunion
128 Seiten

Ich fand es sehr spannend und interessant mehr über die Entstehungszeit und die ideologischen Hintergründe der Sowjetunion zu lernen. Vieles über Lenin und vor allem Stalin und sein Terrorregime war mir nicht klar. Auch die zahlreichen inneren Konflikte, Bürgerkriege, Hungersnöte, Umsiedelungen und Verschleppungen von ganzen Bevölkerungsgruppen waren mir nicht bekannt. Das Buch hat mir doch einiges an Grundlagen- und Hintergrundwissen vermittelt. Das Leseerlebnis an sich war nur manchmal etwas zäh, weil es einen sprachlich jetzt nicht unbedingt fesselt.

Nüchtern
159 Seiten

In seine persönliche Geschichte der Abstinenz mischt Schreiber Gesellschaftskritik und wissenschaftliche Erkenntnisse hinein. Heraus kommt ein sehr interessanter Essay, der viele Aspekte des Alkoholkonsums und des nüchternen Lebens abdeckt und der den Versuch unternimmt, die Krankheit Alkoholismus vom Stigma zu befreien, das ihr noch immer anheftet. Lesenswert!

Pjöngjang
176 Seiten

Ein persönlicher Bericht von einem kanadischen Trickfilmzeichner, der vor 20 Jahren für mehrere Monate in Nordkorea gearbeitet hat. Ich fand die Einblicke sehr interessant, aber auch wahnsinnig bedrückend, schrecklich und niederschmetternd. Ob es wohl Konsequenzen für seinen Dolmetscher und seinen Fremdenführer gab, nachdem seine Graphic Novel veröffentlicht wurde?