Wie genau war das eigentlich, als Superstar-Philosoph Fichte nach Jena ging und dort mit seinen Ideen über Religion das beschauliche Studentenstädtchen aufmischte? Goethe und Schiller in unmittelbarer Nähe, da wollten Schelling und die Schlegls mitmischen, denn sie wussten: Hier passiert was ganz Großes. Das Buch selbst gibt einen schönen Eindruck und erklärt nebenbei die philosophischen Richtungen, in denen sich die Gedanken bewegten. Gute Lektüre, wenn man das Städtchen mal besuchen will.
Um 1800 erreichte die deutsche Literatur einen Höhepunkt: Sie war vielfältig, gesellschaftlich relevant und europaweit beachtet wie nie zuvor und seitdem. Literarische Epochen lösen sich in rascher Folge ab und überlagern sich: Aufklärung, Sturm und Drang, Klassik und Romantik. Der Buchmarkt, die Literaturkritik, die Salonkultur boomen. Die einfachen Leute können lesen und lesen nur zum Spaß! Unerhört! :D Dieses Büchlein fasst übersichtlich, knapp und verständlich zusammen, was man fwissen muss. Mir wurden jetzt einige Zusammenhänge klarer. Ich fands auch gut, dass Goethes Faust noch mal im letzten Kapitel beispielhaft unter die Lupe genommen wird.
Golo Maurer fabuliert in diesem kunsthistorischen Zeitreisebüchlein über die Erfindung der deutschen Kunst. Deutsche Maler waren schon seit jeher immer in Italien, aber erst durch die jungen, wilden Romantiker wurde das Genre der Ölskizze und Landschaftsmalerei entwickelt. Das spielte sich nicht in Rom oder Neapel ab, sondern in einem Bergdorf hinter Rom, das geheimnisvolle Olevano. Maurer versucht zu ergründen, was es damit auf sich hat und das ist alles sehr lesenswert. Den Stil muss man aber mögen.
William Beckford war ein reicher Sprössling des englischen Adels und wie es sich gehört war auch er im Jahre 1780 auf Grandtour durch Europa. Von den Niederlanden über Deutschland und Österreich erreichte er sein Ziel: Italien. "Träume, Gedankenspiele und Begebenheiten" verfasste er in der Form von stilisierten Briefen an einen fiktiven Adressaten in England und mischt darin seine spöttischen Ansichten und empfindsame Bewunderung für Land und Leute, Kunst und Kultur. Er lässt sich gefühlvoll hinreissen und vermischt darin landschaftliche Beschreibungen mit seinen Einbildungen und Träumereien, weil seine Feder die Briefe "im Schlaf schreibt". Ein bisschen exzentrisch? Ja, sehr. Ich fand es insgesamt sehr lesenswert, es ist als ob man im 18. Jahrhunder Urlaub macht. Die Erkenntnis die bleibt: So viel hat sich gar nicht geändert.
Diese Aphorismen Sammlung lässt einen direkt in Novalis Gehirn schauen und erläutert den Geist der Romantik im Sinne der Poesie. Seine Texte sind nur mit Glauben und Liebe zu verstehen, das verlangt einem manchmal viel ab, ist aber trotzdem sehr lesenswert mit viel Stoff zum Nachdenken. Passt sehr gut in die heutige Zeit.
Gedichte zu Märchenhaften, der Nacht, der Sehnsucht, dazu Bildmotive wie Waldeinsamkeit, Mondenschein und Loreley und die Entgrenzung des Individuums in die Natur oder ins Universum. Schöne Auswahl von den Anfängen in Jena bis zur Spätromantik, von melancholischer Selbstreflexion bis zum fröhlichen Volkslied, von bekannten Gedichten bis zu neuen Entdeckungen.
In dieser Briefsammlung stehen die Briefe von John Keats an seine Geliebte Fanny Brawne im Mittelpunkt, dazu noch ein paar Briefe an seine Freunde sowie ein paar seiner wichtigsten Gedichte. Sehr schöne Zusammenstellung, die ich gerne las. Ein Nachwort der Filmemacherin Jane Campion rundet das Ganze ab.
Gelesen in der Urfassung. Zu Recht ein Meisterwerk!