Die drei ??? und das Geisterschiff war die erste ???-Folge, die ich jemals gehört habe. Vielen Dank an dieser Stelle an Paul aus der ersten Klasse (beziehungsweise zweifellos seine Mutter – Frau T., Sie wissen wer Sie sind!), der mir die Kassette mal zum Geburtstag geschenkt hat. Für mich als (bis dahin) Benjamin Blümchen Ultra ein ungeahnter Nervenkitzel!
Ein wahrer Glücksgriff von Pauls Mutter, denn bis heute ist es für mich quasi die ???-Folge – und dann ist sie auch noch gut! Besonders die „Peter! Es gibt keine Geister!“-Stelle ist eines meiner liebsten Justus Jonas-Zitate. Nach der dunklen und körnigen Interpretation in „Rocky Beach“ war es doppelt schön, die drei Detektive ganz normal als Freunde zu erleben.
Eine gute Stelle, die nur im Buch, aber nicht im Hörspiel ist:
„Ich glaube kaum, dass [das Geisterschiff] das nächste Mal angreifen wird. Wie auch?“
„Mit Kanonen!“, rief Peter. „Wenn so eine Kanonenkugel dein Boot trifft, siehst du aber alt aus.“
„Es ist doch bloß eine Geisterkanonenkugel, Peter“, zog Justus ihn auf. „Sie besteht nur aus sphärischer Astralsubstanz und kann dir nichts anhaben.“
Ich wünschte, jemand hätte dem Autor eine Umschalttaste geschenkt. Aber vielleicht muss das so bei naturalistischen Essays...
Eine meiner Lieblingsstellen:
es gab eine zeit, da trainierte ich abhärten. ich hängte über meinen schreibtisch ein bild des geliebten meines freundes, das tat weh, und ich hängte über meinen schreibtisch ein bild von nina hagen. wenn meine freunde an diesen schreibtisch traten, dann sagten sie: oh, nina hagen, dufte! aber warum hängst du dir ein bild des geliebten deines freundes auf? das sagten sie, weil sie nicht wußten, wie sehr das bild von nina hagen mich schmerzte.
Ich habe so lange an dem Buch herumgeknuspert, dass ich angefangen habe, von perikapitalistischen Märkten und Matsutake zu träumen.
Vor etwas über einem Jahr hatte Clara gefragt, ob wir uns das Musical „Operation Mincemeat“ anschauen wollen, wenn wir nach London fahren. Das haben wir gemacht, und ich fand es mega gut.
Seitdem habe ich das Cast Recording ungefähr 3000 Mal gehört, Ewen Montagues eigenes Buch darüber gelesen, neue Tickets für das Musical gekauft (wichtiger Teil des nächsten London-Aufenthalts!), und jetzt auch dieses Buch angehört.
Ich fand gut, wie ausführlich Ben Macintyre alles erklärt, wie viele Hintergrundinformationen er hat, und wie er den Fokus auf die vielen Menschen richtet, die mit der Operation zu tun hatten. Außerdem war ich bei jeder neuen Wendung fasziniert davon, wie nah das Musical an der echten Geschichte geblieben ist. (Wenn ich irgendwo künstlerische Freiheit erlauben würde, dann ja wohl einem Musical.)
Jetzt bin ich jedenfalls umso vorfreudiger, das Musical noch mal zu sehen.
Ich habe bisher ein Buch von Michael Pollan gelesen ("Cooked") und das mochte ich sehr gerne. Dann wurde ein anderes Buch von ihm ("The Omnivore's Dilemma") mal von Michael Hobbes und Aubrey Gordon in Maintenance Phase besprochen, und seitdem stehe ich ihm etwas kritischer gegenüber. Aber ich dachte, ich gebe ihm mit diesem Buch nochmal eine Chance.
"This Is Your Mind on Plants" behandelt drei unterschiedliche pflanzliche Drogen: Opium, Koffein und Mescalin. Das erste Kapitel über Opium fand ich sehr interessant, auch wenn ich da schon das Gefühl hatte, dass er mehr drauf eingehen sollte, mit was für einem riesigen Privileg er als weißer upper-middle class Mann sich dem Thema annähert (es geht in großen Teilen darum, dass er selbst Opium in seinem Garten anbaut und sich damit strafbar macht). Das zweite Kapitel über Koffein war an sich schon interessant aber ich musste auch teilweise sehr die Augen darüber rollen, als er sein Selbstexperiment mit Koffeinentzug beschrieben hat.
Beim dritten Kapitel über Mescalin wurde es meiner Meinung nach richtig haarig. Er hat verschiedene Native Americans dazu interviewed, die ihm eigentlich alle gesagt haben, dass er als weißer Mann die Finger von dieser für sie heiligen Praxis lassen sollte. Er will nämlich eigentlich unbedingt an so einer Zeremonie teilnehmen, aber sagt dann auch selbst, dass das cultural appropriation wäre. Nur um dann doch eine Nicht Native American Person zu finden, die auch Zeremonien anbietet, und ihn zu einer einlädt. Das letzte Kapitel war dann ein Bericht von dieser Zeremonie und hat, finde ich, gezeigt, dass es Pollan nicht wirklich darum ging, die Kultur rund um Mescalin/Peyote zu respektieren sondern es vor allem einfach selbst ausprobieren wollte, egal wie.
Der Titel suggerierte bei mir eine Argumentation pro/con Kapitalismus (mit einem Kompromissvorschlag?). Das ist das Buch aber nicht wirklich. Stattdessen ist es eine Geschichte der Ökonomie mit Fokus auf Biografie und Theorien von Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes. Vor allem die Lehren Keynes scheinen sich mit denen der Autorin zu decken, sie kommen nämlich ziemlich gut weg.
Wer gar nicht gut weg kommt sind Anhänger der Neoklassik oder (noch schlimmer) des Neoliberalismus. Laut Ulrike Herrmann sind sie heute vor allem so populär, weil es nach dem 2. Weltkrieg zu einem natürlichen "Wirtschaftswunder" gekommen sei - trotz der Lehren des Neoliberalismus; nur dass es gelungen ist, den Neoliberalismus als Treiber dieses Booms zu etablieren. Sie lässt kein gutes Haar an Milton Friedman und Ludwig Erhard und ist gerade in den letzten 2 Kapiteln sehr positionsstark und kritisch. Das steht ein bisschen im Kontrast zu den ersten 80% des Buches, die sich eher historisch beschreibend lesen.
Ein bisschen unsicher bin ich noch, ob die aktuelle Wirtschaftslehre wirklich so hoffnungslos ist, wie die Autorin es klingen lässt. Die Warnung, dass sich seit den 1980ern eine "gigantische Spekulationsblase" aufbläht, klingt ungemütlich ähnlich zu der Schar der Crashpropheten der letzten Jahre. Auch an der Effizientmarkthypothese lässt sie kein grünes Haar (das ist die Grundlage meiner persönlichen Altersvorsorge, wohlgemerkt). Und gleichzeitig ist das Buch keine Brandschrift gegen den Kapitalismus, eher ein Plädoyer für eine Rückkehr zu einem Kapitalismus der Realwirtschaft, nicht einen der entkoppelten Finanzmärkte.
Ich habe sehr viel gelernt (wusste vorher eigentlich nichts über Ökonomie). Ohne Frage habe ich (noch) nicht alles aus den vielen verschiedenen Lehren verstanden, aber viel zum Nachdenken und Weiterlesen mitgenommen.
Voll spannend und informativ!
Me and my friends would beat Sam Altman with hammers, I can tell you that much