Conversations with Friends
272 Seiten

"Everyone’s always going through something, aren’t they? That’s life, basically. It’s just more and more things to go through"

Es ist mir fast etwas unangenehm wie gut mir das Buch gefallen hat. Die Themen des Buches, die Sprache, die Gedankenwelt hallte sehr in mir nach. Es war als hätte es einen Faden zu einer Facette meiner Person gesponnen, der ich lange keine Beachtung geschenkt habe. Wenn ich jetzt also jemandem erzähle, dass ich das Buch mag oder es mich emotional berührt hat, fürchte ich, zu viel von mir Preis zu geben und dabei fast intim hinter meine Fassade blicken zu lassen. Ähnlich dem Gefühl, wenn jemand sich die eigene Wohnung ganz genau anschaut und versucht daraus zu schließen, was für ein Mensch man ist. Es ist wirklich nicht das erste Mal, dass ich so ein Gefühl nach einem Buch hatte. Gute Bücher sind häufig Projektionsflächen oder Spiegel bzw. Identifikationsmöglichkeiten für einen. Wenn man gar keine #relatable-Momente hätte, könnte man ja kaum etwas mit dem Inhalt anfangen (und sei es nur "oh das ist ja ganz anders als bei mir, wie spannend"). Ich erwähne es in diesem Zusammenhang, weil dieses Buch sich eigentlich genau damit beschäftigt: wer bin ich? Wen will ich hinter die Fassade blicken lassen?

Das Buch lebt nicht von der Story sondern von den ungelenken Charakteren die irgendwo zwischen skurril und echt sind. Deswegen glaube ich, dass das Buch damit steht und fällt, ob man sich auf den etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstil einlassen kann. Und wahrscheinlich hilft es, wenn man Millennial ist. (Ich las eine Rezension, die sich darüber aufregte, dass die Protagonistin kein Interesse an Arbeit und Geld hat und damit dem Buch 1 Stern gab - ich war selbstverständlich auch so empört, mir ist glatt mein Avocado-Toast auf die Immobilienangebote gefallen, die ich mir nie werde leisten können)

Alte weiße Männer
304 Seiten

Angelegt als Schlichtungsversuch, als Versuch auf Menschen zuzugehen, mit denen man sich sonst nicht umgibt und dem ominösen alten weißen Mann zu begegnen. Sophie Passmann war mir dabei leider häufig unterwürfiger (zahm, um Schlichtung bemüht - was ja das Ziel war), als ich es gern gehabt hätte, gleichsam war das Buch dennoch zumindest unterhaltsam. Ich hab aber irgendwie mehr erwartet.

Playing with FIRE
200 Seiten

Ich bin jemand, der wirklich kein Fan von Lohnarbeit ist (wer ist das schon, sagt ihr zurecht). Die Vorstellung, dass ich noch viele Jahre meines Lebens einen Großteil meiner Zeit mit arbeiten verbringen werde, um dann gebrechlich und mit einer mickrigen Rente meinen Lebensabend verbringen zu können, ist gruselig und lässt mich eher wünschen entweder noch reich zu heiraten oder früh zu sterben. Immer wenn ich darüber nachdenke, wie der "klassische" Verlauf eines Erwachsenenlebens ist, bin ich enttäuscht und frustriert und denke mir: das kann's doch echt nicht sein? (#millenial)

Turns out, muss es offenbar nicht. Darum geht es in diesem Buch, um FIRE - Financial Independence, Retire Early. Das Konzept ist fast etwas zu simpel um wahr zu sein finde ich (immer noch), aber offenbar sagt die Mathematik folgendes: Wenn man es schafft, das 25-fache seiner jährlichen Ausgaben anzusparen und anzulegen, kann man frühzeitig in Rente gehen, weil durch die 4-Prozent-Regel dein Geld reichen sollte, wenn du jährlich nicht mehr als eben diese 4% aus dem angesparten Topf herausnimmt. Doch schon sehr simpel. Natürlich muss man es erstmal schaffen in einer angemessenen Zeit (z.B. 10 Jahre) eine entsprechende Menge an Geld (~50% des Einkommens) zu sparen, aber wenn man das schafft, ist man theoretisch befreit von der Lohnarbeit - financially independent.

Das Buch ist gut geschrieben - fast wie Blogeinträge, also gut für die Aufmerksamkeitsspanne von uns Internetkidzz - und wirkt authentisch, weil es die einjährige Reise einer Familie begleitet, die dieses FIRE ausprobiert. Jemand der Lust hat, sich mit dem Themen "Flucht aus der Lohnarbeit", "7 Schritte wie der Kapitalismus für mich arbeiten kann" und "Finanzen machen mir Angst, aber verhungern will ich auch nicht" beschäftigen möchte, würde ich dieses Buch empfehlen. Ich denke es ist auch eine gute Möglichkeit, überhaupt einmal in das Thema "Finanzen (Geist-Emoji)" einzusteigen. Dann kann man immer noch überlegen, ob man zu dem "reich-heiraten-Plan" zurückkehren will oder sich doch mal wie so ein "Erwachsener" mit seiner finanziellen Lage und Zukunft auseinander setzt.

Untenrum frei
256 Seiten

Dieses Buch hat das Ziel, einen zum kritischen Denken anzuregen und das macht es hervorragend.

Es ist sehr humorvoll und gut zu lesen, dabei möchte ich aber genauso wenig wie man einen Menschen (oftmals Frauen), auf ihre Schönheit reduziert, damit den Inhalt übergehen: Das Buch hat viele gute Denkanstöße und kluge Gedanken, die mich noch eine Weile beschäftigen werden. Ich bin gleichzeitig dankbar, dass die Autorin so unterhaltsam schreiben kann, weil ich hoffe, dass sich so mehr Menschen trauen sich mit dem Thema Feminismus auseinander zu setzen - ich habe zuvor auch gefremdelt, mich damit intensiver zu befassen obgleich ich geübt bin, genau deswegen wütend zu sein.

Ich bin sehr froh das Buch gelesen zu haben und werde es sicherlich wieder in die Hand nehmen und einige Passagen lesen. Dabei wünsche ich mir, dass noch viele weitere Menschen dieses Buch lesen, sich inspirieren lassen und nicht davor zurückschrecken, sich als Feminist*in zu bezeichnen.

Testosterone Rex: Myths of Sex, Science, and Society
320 Seiten

"It's time to stop blaming Testosterone Rex, because that king is dead"

Wenn man sich mit tatsächlich Unterschieden zwischen biologischen Geschlechtern und Geschlechterrollen in der Gesellschaft auseinander setzen möchte: recht kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. Ich persönlich fand die ersten drei Kapitel am interessantesten danach flachte mein Interesse etwas ab. Für das was es ist, ist es gut.

Weitere positive Punkte: sehr schönes Cover, man denkt andauernd an Dinosaurier - so mag ich das

Nothing To Envy
336 Seiten

Nach "In Order to Live" das zweite Buch über Nordkorea das ich gelesen habe. Es wirkt sehr gut recherchiert und bietet einen guten Überblick über das fast absurd anmutende Leben in Nordkorea. Wenn einen die Thematik interessiert, ist dieses Buch sehr empfehlenswert.