Bücherregal lädt …
Freunde fürs Leben
544 Seiten

Schon immer hatte Louisa den Traum, das Gemälde „Das vom Meer“ mit eigenen Augen zu sehen – und nicht nur gelingt ihr das auch, sie begegnet sogar dem Maler und die beiden teilen einen besonderen Moment. In derselben Nacht verstirbt er – und vermacht ausgerechnet Louisa sein wertvollstes Gemälde. Komplett überfordert, bittet sie den besten Freund des Malers, Ted, ihr dabei zu helfen, das Bild weiterzuverkaufen, woraufhin die beiden sich auf eine Reise aufmachen, in der Ted Louisa die Geschichte des Gemäldes erzählt, und wie damals vier Freunde einen unvergesslichen Sommer erlebten …

Ich glaube, dieser Roman könnte mein Jahreshighlight werden, denn obwohl bis dahin noch so einige Monate und Bücher ausstehen, dürfte es schwer für einen anderen Roman sein, mich so viele Dinge auf einmal fühlen zu lassen. Ich habe gelacht, geweint, mitgefiebert und mitgefühlt – und dachte am Ende einfach nur: „Wow.“

Dabei könnte ich es eigentlich belassen, doch möchte ich dann doch versuchen, meine Gefühle für diesen Roman ausführlicher zu beschreiben. Sein Fokus liegt auf der Freundschaft zwischen dem Maler, Ted, Joar und Ali, die im Sommer, in dem sie fünfzehn werden, dem Maler dabei helfen wollen, für einen Wettbewerb ein Gemälde zu malen. Gleichzeitig hat jeder von ihnen sein eigenes Päckchen zu tragen, und die Vergangenheit von allen Charakteren spielt dabei eine genauso große Rolle wie der Sommer, den sie erleben. Jeder hat tragische Erlebnisse hinter sich, die ausführlich und emotional erzählt werden, sodass es leicht war, alle Charaktere ins Herz zu schließen und mit ihrer damaligen Gegenwart mitzufiebern. Die Freundschaft zwischen ihnen war großartig umgesetzt, sehr realistisch und gleichzeitig sehr herzerwärmend.

Aber auch Louisa und Teds Erlebnisse nach dem Sommer werden nicht ignoriert; sowohl Louisas Freundschaft mit ihrer verstorbenen Freundin Fish als auch ihre beginnende Freundschaft mit Ted spielt eine große Rolle und sorgte für viele dramatische, aber, im letzteren Fall, auch für viele witzige Szenen. Louisa hat nämlich einen sehr speziellen Charakter, mit dem sie Ted gehörig auf die Nerven geht und die Leserherzen erfreut. Ich musste bei den witzigen Dialogen zwischen den beiden und Louisas Mangel an einem Gesprächsfilter mehr als einmal herzhaft lachen, was für einen angenehmen Kontrast zu den sonst dramatischen Ereignissen sorgte. Die Balance zwischen den beiden ist hervorragend gelungen und machte den Roman nicht nur unterhaltsam, sondern auch tiefgründig. Es gab viele Sätze, die ich mir am liebsten angestrichen hätte, weil sie eine so wichtige Botschaft enthielten, aber auch viele Sätze, die allein wegen ihrem Humor positiv hervorstachen. Wie gesagt: Ich musste mehrmals weinen, aber auch mehrmals lachen.

Sehr gut war das Foreshadowing umgesetzt. Es bereitet uns Leser:innen im genau richtigen Maße Sorgen, aber gleichzeitig entwickeln sich viele Handlungsstränge anders, als ich zunächst erwartet hatte. Das hat mir sehr gefallen, weil es das Leseerlebnis frisch hielt und meine Erwartungen untergrub. Das beste Beispiel dafür ist definitiv das Ende, das ich natürlich nicht vorwegnehmen will, das mich aber sehr positiv überraschte, weil es einen so zufriedenstellenden Abschluss für die Charaktere bot.

Insgesamt also ein fantastischer Roman, der mich zu Tränen rührte und alle Emotionen von Trauer bis zu Hoffnung fühlen ließ!

Ein Mann namens Ove
368 Seiten

Nach dem Tod seiner Frau und dem Verlust seines Jobs reicht es Ove: Er will einfach nur in Ruhe sterben. Doch eine Familie, die neu neben ihm einzieht, macht ihm eine Strich durch die Rechnung. Ove wird in ihre Probleme involviert und verschiebt seine Selbstmordpläne immer weiter und weiter. Langsam, aber stetig wächst ihm die Familie ins Herz.

Ove ist ein äußerst … schwieriger Charakter. Er ist streng, auf Regeln und Ordnung bedacht, sehr von seinem eigenen Standpunkt überzeugt, sehr kritisch gegenüber Personen, die nicht seiner Meinung sind, wird schnell laut, ist uneinsichtig gegenüber seinen Fehlern und hat einige sehr seltsame Vorurteile über seine Mitmenschen (speziell, was die Autos betrifft, die sie fahren). Er ist zwar auch zuverlässig, beschützerisch gegenüber den Menschen, die er mag und durchaus hilfsbereit, wenn es die Situation verlangt, aber um ehrlich zu sein, hat seine fehlende Empathie gegenüber seinen Mitmenschen es mir sehr schwierig gemacht, ihn zu mögen. Ich hatte mehr Mitgefühl mit den Menschen, die von Ove konfrontiert wurden als mit ihm selbst.

Das gesamte Buch hinweg habe ich gehofft, dass Ove ein wenig auftaut, mehr liebenswertere Seiten von sich zeigt und dass seine negativen Seiten öfter kritisiert werden – und teils geschah das auch, vor allem dank Oves Nachbarin Parvaneh. Aber eben nicht genug. So ziemlich alle seine Sichtweisen bleiben gleich und das einzige, was sich ändert, ist, dass er mehr Personen in seinem Leben akzeptiert (die er trotzdem kritisiert, wenn sie etwas tun, was nicht seiner engstirnigen Vorstellung von Richtig und Falsch entspricht).

Wären seine Schwächen stärker als solche hervorgehoben worden, als einfach akzeptiert zu werden, hätte ich über die minimale Charakterentwicklung hinwegsehen können, aber stattdessen bekam ich den Eindruck, dass Ove letztendlich immer richtig liegt und er nicht trotz, sondern wegen seiner mürrischen, kompromisslosen Art gemocht wird. Versteht mich nicht falsch – es ist schön, wenn man seine Liebsten so liebt, wie sie sind, statt sie ändern zu wollen. Aber bei Ove hatte ich teils Schwierigkeiten, zu verstehen, warum er überhaupt gemocht wird, weil er so viele Schwächen hat, über die man im wirklichen Leben nicht so einfach hinwegsehen kann.

Dabei ist Ove durchaus ein guter Charakter. Definitiv keine nette Person, aber er hat Stärken, Schwächen und eine Vergangenheit, die dem Leser erklärt, warum er so ist, wie er ist. Ich habe durchaus eine gewisse Empathie für ihn empfunden und verstanden, warum er so mürrisch geworden ist. Doch das hat mitnichten gereicht, um ihn ins Herz zu schließen; stattdessen habe ich mir gewünscht, dass Ove mehr Verständnis für Menschen zeigen würde, die andere Meinungen haben als er. Leider geschah das nie; mir hätte es hier besser gefallen, wenn Ove sich als Charakter verändert hätte, weil er begreift, wie sein Handeln auf andere wirkt – aber ich wartete vergeblich darauf.

Obwohl die Handlung gut strukturiert war und es schaffte, sowohl Humor als auch Tragödie perfekt einzubauen, gefiel mir das Buch letztendlich nicht besonders, weil ich es einfach nicht schaffte, seinen Hauptcharakter zu mögen, so sehr ich es auch versuchte.

Eine ganz dumme Idee
464 Seiten

Es startet mit einer dummen Idee: Einem Banküberfall. Doch als die vom Bankräuber bedrohte Bankangestellte diesen darüber informiert, dass es sich um eine bargeldlose Bank handelt und droht, die Polizei zu rufen, gerät der Bankräuber in Panik. Er flüchtet in das erstbeste Gebäude, wo gerade eine Wohnungsbesichtigung stattfindet. Kurzerhand nimmt er die Kaufinteressenten als Geiseln. Als Stunden später die Polizei eintrifft und die Geiseln freigelassen werden, ist vom Geiselnehmer keine Spur zu finden - und schnell ist klar: Mindestens eine der Geiseln lügt ...

"Eine ganz dumme Idee" ist ein humorvoller, emotionaler und rundherum unterhaltsamer Roman. Nach und nach werden die Umstände der Geiselnahme und die Lebensumstände der Geiseln aufgeklärt. So gibt es nicht nur interessante Twists, indem durch die Auflüftung von Geheimnissen ein neuer Kontext geschaffen wird, sondern auch viele Gefühle, weil wir wirklich jede relevante Person gut kennenlernen und uns in sie hineinversetzen können.

Hier liegt auch mein einziger (zugegeben verzeihlicher) Kritikpunkt des Romans: Ich habe es geliebt, die Charaktere näher kennenzulernen, aber letztendlich hingen ihre Leben nicht so sehr zusammen, wie ich es mir gewünscht hätte. Das wäre zugegeben zu zufällig gewesen, aber dadurch wirkten manche erzählten Lebensumstände schlicht nicht relevant für die Handlung.

Andererseits trugen sie dazu bei, die Charaktere so sympathisch zu machen, weshalb ich Fredrik Backman letztendlich dankbar bin, dass er so in die Tiefe ging. Nur diejenigen, die erwarten, dass jedes Detail letztendlich Relevanz hat, könnten enttäuscht werden - die meisten tragen ausschließlich dazu bei, uns die Charaktere näher zu bringen.

Letztendlich handelt es sich um eine großartige Geschichte, die mich sowohl zum Lachen gebracht als auch zum Nachdenken angeregt hat. Von daher ist es mitnichten eine dumme Idee, dieses Buch zu lesen ;)