Bücherregal lädt …
Die Lebensentscheidung
124 Seiten

Da führt Menasse den Leser an der Nase rum. Etwas melancholisch, fast konstruiert mutet die „Fortsetzung“ des Lebens der Hauptfigur aus den letzten beiden Romanen Hauptstadt und Erweiterung an. Es geht in die dritte Lebensetappe und dem Autor gelingt es, unterschiedlich Perspektiven auf Begriffe wie Abschied, Krankheit, Restzeit oder auch Liebe zu geben. Doch die Überraschung folgt zum Schluss.

Zugwind
301 Seiten

Eine beeindruckende Rundschau, was der Ukrainekrieg mit Menschen geschehen lässt. Ob ausgewandert oder geflüchtet nach Europa, ob Rückkehrer oder Besucherin in der Ukraine, Fingerova beschreibt Gefühle, Wahrheiten und Situation mit wenigen Worten. Ebensoviel von dem, was allgemein angenommen wird, widerlegt und zerlegt sie aber auch. Ein wichtiges Buch, zuversichtlich und tröstend zugleich.

Faserland
165 Seiten

Ohne Orientierung und ohne Halt streift ein junger und vermögender Mann durch das Deutschland ein paar Jahre nach der Wende. Rauchend, sich betrinkend und nirgendwo seine Mitte findend, streicht er scheinbar ziellos umher, läst sich treiben und hinterlässt eine Spur angeblicher Freunde, die alle ihren eigenen Tiefpunkt und quasi engültige Schicksale erreicht haben. Eine Erzählung voller Gleichgültigkeit, über eine „verlorene?“ Generation, die in den scheinbar unendlichen Möglichkeiten zu ertrinken droht. Traurig, ernüchternd, bedrückend.

Gym
197 Seiten

Kessler nimmt uns mit in die Welt von Krafttraining und Körperkult. Mittelpunkt und Ich-Erzählerin ist eine angebliche Mutter, aus einem Tiefpunkt in ihr Leben zurückgekehrt, startet sie einen Job im Fitnesscenter. Rasant und schonungslos führt uns die Autorin durch die Entwicklung der Hauptperson und gibt dabei Schritt für Schritt Einblick in die Zeit „vorher“. Auf die Spitze getrieben, sicher. Aber mitreissend und unglaublich greifbar erzählt.

Ausradiert
347 Seiten

Everett zeigt mit diesem Roman, den er schon 2001 veröffentlicht hat, bereits seine grosse Erzählgabe. Sowol in verschiedenen Schreibstilen und auf unterschiedlichen Ebenen als auch mit in ihren Rollen changierenden Figuren treibt Everett diese Geschichte auf ein bizarres und fast schon satirisches Ende zu. Wie immer regt er dabei zu Gedanken und Diskussion zum Zusammenleben unterschiedlicher Ethnien in den Vereinigten Staaten an und geizt dabei nicht mit seinem Humor.

Tal der Schwalben
272 Seiten

Kobler legt einen Roman vor, der ihre Vergangenheit als Krimiautorin nicht verbergen kann. Die Schweiz in einer nicht allzu fernen, dystopischen Zukunft. Verschiedene Leben und Realitäten, die sich kreuzen, Wissenschaft und Natur, Geheimnisse und Erkenntnis, die parallel laufen. Tal der Schwalben versucht eine neue Sicht auf den Stadt-Land-Graben und lässt die unterschiedlichen und sehr eigenwilligen Personen die Erzählung wilde Wendungen nehmen und auf den Höhepunkt zutreiben.

Das achte Leben (Für Brilka)
1279 Seiten

Eine für Haratischwili typische Generationenerzählung, die sich von der Mitte des 19. Jh. bis in die Gegenwart spannt. Die georgische Familie Jaschi im Zentrum zeigt die Autorin das Spannungsfeld Kaukasus, das Aufkommen und der Niedergang der UdSSR sowie die komplexe Situation Georgiens. Einzelnen Familiemitgliedern folgend schildert Haratischwili das Zwischenmenschliche, das Geheimnisvolle und Magische. Eine Geschichte wie ein Bad aus dem man nie mehr auftauchen möchte.