Bücherregal lädt …
Was sie nicht weiß
384 Seiten

Sam Frost bekommt einen besorgten Anruf: Seine Frau Bryden hat scheinbar vergessen, ihre dreijährige Tochter vom Kindergarten abzuholen. Kurz darauf wird sie vermisst gemeldet – und nur wenig später entwickelt sich der Fall zu etwas sehr viel Größerem. Detective Jayne Salter verdächtigt Sam, seine Frau umgebracht zu haben, doch gibt es mehrere Hinweise auf verschiedene Täter, unter anderem auch auf Derek Gardner, mit dem Bryden sich nur wenige Wochen zuvor getroffen hat. Jayne ist entschlossen, den Täter zu finden, doch das ist nicht so leicht, weil alle etwas zu verbergen haben …

Ich habe mir von diesem Thriller so einiges versprochen, doch obwohl er Spaß zu lesen machte, zeigte er in verschiedenen anderen Aspekten große Mängel. Zunächst einmal ist er anfangs zwar sehr spannend, als es um die Suche nach Bryden geht, doch die Suche nach Verdächtigen gestaltet sich um einiges ruhiger, trotz einiger Offenbarungen, die in diesem Teil der Handlung gemacht wurden.

Diese empfand ich zunächst als Stärke: Wir Leser:innen erfahren Geheimnisse gewisser Charaktere, von denen sie auf keinen Fall wollen, dass sie herauskommen – dadurch entstand ein Spannungselement, wann immer die Charaktere sich mit dem Risiko konfrontiert sahen, dass es doch herauskommen könnte. Allerdings gab es von diesen „Lesergeheimnissen“ etwas zu viele, sodass ich letztendlich das Gefühl hatte, es würde für uns Leser keine Geheimnisse und Twists mehr geben, sondern nur für die anderen Charaktere. Hier finde ich, dass die Spannung von unbekannten Geheimnissen stärker hätte genutzt werden sollen, um an den richtigen Stellen für überraschende Twists zu sorgen, statt uns Leserinnen offen zu verraten, um welche Geheimnisse es sich handelt.

Dadurch, dass wir Leserinnen so viel wissen, die Polizei jedoch so wenig, kam es mir zudem vor, als wären Jayne und ihre Kollegen recht unfähig, weil es mir so vorkam, als würden sie verzweifelt von Verdächtigem zu Verdächtigem springen und Fortschritte nicht durch eigene Ermittlungen, sondern durch Fehler anderer machen.

Die verschiedenen Fährten, die es gibt, haben mir prinzipiell gut gefallen, die Anzahl der Charaktere jedoch nicht. Es gibt recht viele, die für einen kurzen Moment eine Sichtweise bekommen, bis eine schlichte Leerzeile anzeigt, dass eine andere Sichtweise startet. Und ehe man sich in diese einlesen konnte, startet wieder eine neue, was mich mehrmals verwirrt hat, weil ich immer eine Weile brauchte, um mich in die aktuelle Sichtweise reinzufühlen und nur selten genug Zeit bekam, um das tatsächlich zu tun.

Zuletzt haben wir die Auflösung, die sehr abrupt erfolgte und leider viele Fragen und Charakterschicksale offen ließ. Ich war regelrecht vor den Kopf gestoßen, als die Geschichte so plötzlich aufhörte, ohne uns zu verraten, welche Konsequenzen die Taten gewisser Charaktere haben, weil mich das brennend interessierte und ich deshalb enttäuscht war, diesbezüglich nichts zu erfahren.

Insgesamt also ein Thriller, der sich zwar gut lesen lässt, jedoch einige gravierende Mängel aufweist. Ich hoffe trotzdem, dass andere Leser mit ihm eine Freude haben, doch mein Fall war er leider nicht.