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Ich rede, also bin ich
272 Seiten

Sprache gehört zu unseren wichtigsten Werkzeugen, doch nur selten nehmen wir uns Zeit, über ihre Merkwürdigkeiten nachzudenken. Wie lernen wir überhaupt sprechen? Wieso haben sich Dinge wie Witze, ironische Bemerkungen und Füllwörter im Lauf der Zeit etabliert? Wieso vergessen wir im Alter so vieles, was mit Sprache zusammenhängt? Diese und noch mehr Fragen zu Sprache beantwortet Julia Mailänder kurz und knackig in ihrem Sachbuch.

Was mich dabei besonders faszinierte, waren die Antworten zu den Fragen, die ich mir selbst nicht gestellt hatte. Warum sagen wir überhaupt so etwas wie „Du bist so süß, ich könnte dich auffressen!“? Warum führen wir Selbstgespräche? Gibt es eine Ursprache und wieso wurde ausgerechnet Englisch zu einer der weit verbreitetsten? Das alles waren Fragen, die ich mir nicht bewusst gestellt hatte, deren Antwort ich dann aber unbedingt wissen wollte, weil es so faszinierend war, über die Entstehungsgründe nachzudenken.

Die kurzen Kapitel machten es einfach, schnell ein Thema in sich aufzusaugen und gleich zum nächsten zu springen; zwar wünschte ich mir beizeiten durchaus, Mailänder wäre ausführlicher auf gewisse Fragen eingegangen, aber gleichzeitig machte es das Format einfach, kurze und prägnante Antworten auf sie zu finden, statt sich in Ausschweifungen zu verlieren.

Wer auch nur ein kleines Interesse an Sprache hat, wird mit diesem Sachbuch eine interessante Lektüre finden, die sowohl offensichtliche als auch nicht ganz so offensichtliche Fragen zur Sprache gut beantwortet!

Papyrus
752 Seiten

In ihrem Sachbuch erzählt Irene Vallejo die Geschichte des Buches - was ich deshalb erwähne, weil der Untertitel "Die Geschichte der Welt in Büchern" es so klingen lässt, als würde sie sich ein paar Bücher heraussuchen, um unseren Fortschritt als Mensch zu zeigen. Ganz falsch ist das zwar nicht, weil sie durchaus darauf eingeht, wie Bücher unser Leben geprägt haben, aber der Fokus liegt eher auf den Büchern an sich.

Besonders hervorzuheben ist Irene Vallejos wunderschöner, da bildlicher Schreibstil - sie schafft es meisterhaft, mit Worten Bilder zu malen und dadurch ihr Sachbuch fast schon zu einem Abenteuerroman zu machen. Ich war sehr fasziniert davon, wie sie es schaffte, aus Geschichte Geschichten zu zaubern.

Es wird vor allem auf die Anfänge des Buches eingegangen, doch natürlich werden auch Parallelen zur Gegenwart geschlagen. Nur die Mitte habe ich ein wenig vermisst - es kam nicht wirklich heraus, wie sehr der Buchdruck die eigentliche Erfindung des Buches angetrieben hat, weil die Autorin sich vor allem auf Bücher vor dem Buchdruck konzentriert. Das soll jedoch keine Kritik sein, sondern mehr eine Anregung für Teil 2 - sehr gerne würde ich die komplette Geschichte des Buches lesen, die sich mehr auf die Zeit zwischen Gutenberg und der Gegenwart konzentriert, oder auch auf andere Kontinente, die nahezu komplett übergangen wurden.

Deshalb finde ich den Untertitel auch recht unpassend; wir lernen, wie das Buch entstand und es schaffte, über Jahrhunderte zu überleben, doch gibt es noch einiges mehr, das es zu erforschen gibt, wenn man "die Geschichte der Welt in Büchern" erzählen will.

Deshalb würde ich das Buch gerne allen Leseratten wärmstens empfehlen, jedoch darauf hinweisen, dass der Fokus auf dem Anfang liegt - was mich persönlich nicht gestört hat, ich jedoch erwähnt haben möchte. Zum Glück lohnt es sich allein wegen des schönen Schreibstils, einen Blick zu riskieren - selten las ich ein Sachbuch, das sich so romanhaft las wie dieses!