- Das Patriarchat
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Das Patriarchat ist selbst dort, wo man – und frau – es nicht erwartet, und in der Regel immer dort, wo es nichts zu suchen hat, nämlich in den Leben von Frauen, nicht-binären Personen und allen anderen, die nicht dem „Standard“ entsprechen, der von weißen cis-Männern festgelegt wurde. Selbst im 21. Jahrhundert ist das Patriarchat so stark, dass es in der Regel akzeptiert wird, ohne es zu hinterfragen. Selbst, wenn frau es hinterfragt, hat sie nicht immer die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun, weil alles, was nicht dem Kapitalismus dient, es umso schwerer hat, sich durchzusetzen.
Dabei gibt es so viele Situationen, in denen Frauen und andere Geschlechter benachteiligt werden: In der Sprache (wo sie bei generischem Maskulinum nachweislich nicht mitgedacht werden), im öffentlichen Raum (der z.B. viel mehr Toiletten für cis Männer als für cis Frauen enthält), in der Technik (wo Geräte „für Frauen“ vermarktet und gestaltet werden), auf der Arbeit (wo sämtliche Gegenstände an Männergrößen angelehnt sind), in der Kleidungswahl (dito) und natürlich in der Gesundheit (die kaum Frauen untersucht). Es gibt noch so viel mehr Beispiele, derer wir Leser:innen uns manchmal bewusst sind und manchmal nicht, wobei gerade die Beispiele, der ich mir vor dem Lesen nicht bewusst war, besonders schockierend waren. Es war wirklich traurig, sich bewusst zu werden, WIE viele Benachteiligungen existieren und sogar normalisiert wurden.
Selbst diejenigen, die zu den benachteiligten Gruppen gehören, werden wohl Dinge entdecken, über die sie zuvor nicht nachdachten, während cis Männer wahrscheinlich noch viel, viel mehr lesen werden, das sie überrascht. Leider bin ich mir nicht sicher, inwiefern sie überhaupt zur Leser:innenschaft gehören, doch sie sollten es auf jeden Fall! Aber auch diejenigen, die meinen, bereits zu wissen, auf welche Weisen Frauen es schwerer haben als Männer, werden hier wohl die Augen geöffnet bekommen, weil es einfach so viele kleine, aber wichtige Dinge gibt, die nur auf Männer ausgelegt sind.
Eine gute Empfehlung für alle Leser:innen!
Brendan und Ronan sind beste Freunde, doch als Ronan am ersten Tag des letzten Schuljahres im Rollstuhl zur Schule kommt, ist Brendan komplett überfordert mit der Situation. Ronan hat einen schweren Unfall erlitten, kann sich kaum artikulieren und ist nicht mehr die Person, die er mal war. Brendan möchte herausfinden, was passiert ist und bemüht sich, seinem besten Freund zu helfen, doch wie soll er ihre Freundschaft fortführen, wenn alles, was Ronan zu Ronan machte, verschwunden zu sein scheint?
Colin Morgan kannte ich bisher nur als „Merlin“-Schauspieler und war deshalb positiv überrascht, einen Roman von ihm zu lesen, doch muss ich leider sagen, dass er mir leider nicht so gut gefallen hat, wie ich es mir gewünscht hätte.
Zunächst aber die große Stärke des Romans: Brendans und Ronans Freundschaft. Auch, wenn ich mir mehr Szenen mit Ronan gewünscht hätte, weil es sich teils so anfühlte, als wäre er ein Nebencharakter in seinem eigenen Buch, mochte ich die Szenen zwischen Brendan und Ronan sehr und freute mich, ihre Freundschaft auf andere Weise wieder aufblühen zu sehen. Auch andere Beziehungen wie die zu Brendans Crush Jennifer oder seinem Arbeitgeber Mr. Feeney haben mir gut gefallen.
Doch die Emotionen hinter der Geschichte waren leider hinter dem Schreibstil verborgen. Der schuf eine gewisse Distanz zu den Charakteren, sodass ich nur am Ende Brendans Emotionen spürte und selbst da immer noch hinter dem Filter eines schlichten, nüchternen Schreibstils. Allgemein gibt es viele Szenen und vor allem Dialoge, die vor sich hinplätscherten und keinen Sinn zu haben schienen, sodass selbst die Momente, die mir gefielen, nicht so stark leuchten konnten, wie ich es gehofft hätte.
Außerdem störte es mich, dass viele Fragen, die Brendan sich am Anfang stellt, offen gelassen wurden. Ich war wirklich gespannt darauf, zu hören, was genau mit Ronan passiert ist und welche Botschaft er für Brendan möglicherweise hinterlassen hat, aber keine dieser Fragen wird beantwortet, sodass mich das Ende eher frustriert als emotional zurückließ.
Ronans Darstellung als Mensch im Rollstuhl bzw. als Mensch mit Behinderung kann ich leider nicht beurteilen, weil sie mir zwar problematisch vorkam, ich mich aber nicht versiert genug mit dem Thema fühle, um eine endgültige Aussage zu treffen.
Insgesamt also ein Buch, dessen dargestellte Beziehungen mir zwar gefielen, mit dem ich mich emotional jedoch nicht verbinden konnte.