Insgesamt leider sehr enttäuschend. In erster Linie bin ich kein Fan davon, komplexe sowie längere Handlungen auf Missverständnissen aufbauen zu lassen. Des Weiteren gelingt es McEwan aber einfach nicht, die benötigte emotionale Involvierung zu evozieren, die für derlei Geschichten unabdingbar ist. Seine Prosa ist nicht per se schlecht, wirkt aber enervierend schmückend denn tatsächlich zweckdienlich. Vor allem aber drückt er sich durch fiktive Resolutionen seiner Hauptfiguren vor tatsächlicher Konfrontation dieser miteinander. Im Grunde genau der Punkt, auf den der gesamte Roman hinarbeitet und der durch ein gesundes Maß an Reibung zum spannendsten Teil der Geschichte avanciert wäre. Schlussendlich fühlt man sich in mehr als einer Hinsicht bei diesem überschätzten Werk beraubt.
Formell wie inhaltlich ein durchaus spannendes Experiment, welches sich eher wie eine Kumulation schöner Aphorismen denn als klassische Narration liest. Die Gespräche zwischen Polo und Khan sind geistreich und geben dem Leser genügend Anstöße, über das Wesen des Konzepts Stadt zu sinnieren. Aber auch Themen wie Erinnerung, Ort, Raum und deren Umkehrungen sind stets präsent. Sicher könnte eine Untersuchung im Zuge des Spatial Turns noch deutlich mehr Erkenntnisse liefern. Aber auch ein lockerer Umgang mit dem Werk birgt schöne, lesenswerte Prosa. Calvino eben.
Die Edition der Folio Society ist wirklich eine der schönsten in meinem Besitz und bringt das Buch nochmal auf ein ganz anderes Level. Wow!
Gemischte Gefühle! Auf der einen Seite unglaublich maßgebend und kreativ in der Art und Weise, den Cyberspace zu verräumlichen und ihm den Anstrich zu verpassen, den das Genre noch heute trägt. Auf der anderen Seite hängt der Roman in der Mitte enorm durch, da sowohl Figuren als auch Leser über die nebulösen Absichten der Geschichte im Unklaren gehalten werden. Das frustriert leider, da in einem solchen Falle starke Charaktere und deren facettenreiche Ausstaffierung die Spannung und das Interesse aufrecht erhalten müssen. Leider lassen sich die meisten Akteure auf ein oder zwei Attribute reduzieren und fungieren eher als Spielbälle Gibsons, um sich dessen metaphysischen Spielereien auszusetzen. Es sei gesagt, dass die Detailfülle des ersten Romanteils die meiste Lust auf mehr macht, da sich hier einfach einer fremden Welt hingegeben wird. Zunehmend stapelt Gibson aber komplexe Konzepte aufeinander, für deren Visualisierung es eventuell einen stärkeren Stil gebraucht hätte. Die Strukturierung und zum Teil erlebte Schnelllebigkeit der kleinteiligen Neuerungen waren die größten Mankos. In jedem Fall ist der Roman aber eine Sichtung wert, einfach um einen Sci-Fi Meilenstein sowie dessen Einfluss auf Kommendes kennenzulernen und zu verstehen. Die Folio-Edition ist nicht nur fantastisch gestaltet, sondern hilft auch enorm bei der Visualisierung einiger Kernkonzepte.