Wackelkontakt
240 Seiten

Buchklub #5

Ein netter Unterhaltungsroman, dessen strukturelle Idee zwar interessant ist, darüber hinaus aber wenig Neues zu bieten hat. Zwei ineinander verwobene sowie sich abwechselnde Geschichten zeigen viel Potential, die Wechsel sind leicht und spielerisch; mit der Formel wird schlussendlich allerdings wenig gemacht: Weder bricht man mit ihr, noch schafft man es, die Idee auf anderes Level zu heben. Es bleibt Vorhersehbar. Vor allem frustriert, dass die zwei Geschichten ohne ihre Gimmicks im Kern unglaublich konventionell sind und Haas immer wieder darauf besteht, seinem bourgeoisen, männlichen Publikum mittleren Alters zu zeigen, wie schlau er eigentlich ist.

Schwindende Welt
267 Seiten

Buchklub #2

Schwindende Welt offeriert in jedem Fall spannende wie angsteinflößende Denkanstöße innerhalb ihres dystopischen(?) Japans - was für einen verbalen Diskurs natürlich toll ist. So sehr Murata aber mit ihren Ideen in die thematische Breite geht, zeichnet sich ebendort die größte Schwäche des Romans aus: der fehlende Fokus. Figuren, wenn man sie denn so nennen kann, sind lediglich Sprachrohr wie Spielball des Konzepts. Sie alle entbehren nahbaren Eigenschaften ebenso wie Persönlichkeiten, was ein präzises Durchspielen der Szenarios vielleicht hätte kaschieren können. So allerdings wird ausbuchstabiert, was offensichtlich ist und erzählt, was sicher ist. Die konstruierte Welt ist weder räumlich noch in ihrer allgemeinen Beschaffenheit sonderlich ausstaffiert, was sie leider wenig glaubwürdig macht.

Mao II
256 Seiten

DeLillo ist ohne Zweifel ein begnadeter Autor, was die teils mäandrierenden Ausführungen Mao IIs in jedem Falle prosaisch noch unterhaltsam macht. Inhaltlich ist gerade seine Auseinandersetzung mit dem Autor als Terrorist sowie der Macht der Massen nicht nur scharfsinnig sondern teils prophetisch. Ich kam dennoch nicht umhin, mir das Ganze eher als Sammlung anregender Essays denn lose zusammenhängender Handlungsfetzen zu wünschen. Die Figurendynamik ist spannend, aber eben eher Spielball seiner Diskurse, an denen er schlussendlich interessierter wirkt. Nach White Noise ein deutliches Gefälle. Wird mich das davon abhalten, mehr DeLillo aufzusuchen? In keinem Fall!