Rewitched
430 Seiten

An ihrem dreißigsten Geburtstag soll Belle sich der ÄquiHexen-Anhörung stellen, um zu überprüfen, ob sie ihre magischen Kräfte gut genutzt hat. Sie befürchtet sofort, dass sie durchfallen wird, weil sie ihre Magie bereits seit einige Jahren unterdrückte – und tatsächlich stellt das Gericht nach einem vielversprechenden Anfang fest, dass Belle ihrer Kräfte nicht mehr würdig ist. Doch bekommt sie eine letzte Chance, um sich zu beweisen: Wenn sie innerhalb von dreißig Tagen sechs bestimmte Hexenprüfungen besteht, darf sie ihre Magie behalten. Doch das ist um einiges schwieriger, als Belle erwartet hat …

Die definitiv größte Kritik an diesem Roman ist, dass die „eigentliche“ Handlung buchstäblich erst ab der Hälfte startet. Aufgrund der Kurzbeschreibung und speziell dem Untertitel erwartete ich, dass das Üben der Hexenkräfte um einiges früher beginnen würde, aber bis dahin vergeht wie gesagt die Hälfte der Geschichte. Zugegeben: Während dieser ersten Hälfte passieren immer noch wichtige Dinge – Belle bekommt die Einladung, geht zur Anhörung, wird evaluiert, fällt durch, sucht und findet einen anderen Weg, entscheidet sich dann für einen Mentor und lernt ihn schließlich auch kennen, und währenddessen verbringt sie zudem Zeit mit den anderen Charakteren. Doch dadurch, dass ich die ganze Zeit darauf wartete, über die Übungstage zu lesen, kam es mir so vor, als würde in der ersten Hälfte so gut wie nichts passieren.

Die zweite Hälfte fand ich um einiges besser, weil ich dort endlich investiert in die Handlung wurde. Ich mochte Belle und die Magieübungen, ihre Zweifel und Wünsche bezüglich ihrer Buchhandlung, ihre Beziehungen zu meinen Lieblingscharakteren (ihren Mentor, den ich auf keinen Fall vorwegnehmen möchte, sowie ihren Love Interest Rune und ihre beste Freundin Ariadne) und die Handlung im Allgemeinen. Es war zwar nicht perfekt, weil viele Nebencharaktere leider nicht genug Zeit bekamen, um einen starken Eindruck zu hinterlassen (die Ausnahme ist Belles Mentor, der mühelos mein Lieblingscharakter war), aber ich fand die zweite Hälfte um einiges interessanter als die erste Hälfte.

Die größte Stärke war wohl Belle selbst, in die ich mich gut hineinversetzen konnte. Die Art und Weise, wie sie sich entwickelt, war sehr zufriedenstellend, sodass selbst Phasen, die nicht spannend waren, mich nicht allzu störten. Zugegeben hätte ich mir trotzdem gewünscht, es hätte mehr Risiken und allgemein mehr Spannung gegeben, aber da es sich um eine Cozy Fantasy handelt, habe ich das auch nicht erwartet.

Allerdings gibt es trotzdem ein Finale, das nach zwei wichtigen Offenbarungen stattfindet, von denen mir eine sehr gut gefallen hat und eine leider nicht. Sie tappt nämlich in die Falle, die Persönlichkeit eines Charakters um 180 Grad zu drehen, ohne Hinweise auf den wahren Charakter zu hinterlassen, sodass dieser Twist zu plötzlich und unrealistisch erschien. Der andere Twist war dafür sehr gut – und zwar, weil es keinen Twist im traditionellen Sinne gab. Mehr möchte ich hier nicht verraten, doch bin ich froh, dass meine größte Befürchtung sich nicht bewahrheitete.

Insgesamt also ein durchwachsener Roman, der etwas zu lange braucht, um zu starten, sich aber danach in eine schöne Fantasygeschichte verwandelt.