Nach realen Erlebnissen von Betty Oudkerk als Betreuerin in einem jüdischen Kindergarten in Amsterdam. Die Geschichte wird einem nahe gehen, denn es geht um Kinder, die 1941 deportiert werden sollen. Es geht um Kollaboteure und ein Netzwerk im Untergrund, die einigen wenigen helfen, einen sicheren Platz bei Pflege- oder Adoptiveltern zu finden. In einer Szene beschreibt Betty, wie sie sich angesichts der Grausamkeiten von ihren Gefühlen abkoppelt, damit sie weiter ihre Aufgaben erfüllen kann. Vielleicht ist es diese Distanziertheit, die ich auch im Schreibstil empfinde. Die Charaktere in diesem Buch bleiben für mich eher fremd.
USA: Die Geschichte der Waisenzüge ist historisch belegt: Zwischen 1853 und 1929 brachten Sozialorganisationen Kinder von den übervölkerten Großstädten im Osten der USA per Zug in den Mittleren Westen zu Pflegefamilien. Die junge Molly heuert im Rahmen einer sozialen Auflage bei der betagten Vivian an, um deren Speicher aufzuräumen. Beide haben ihre Kindheit und Jugend in Pflegefamilien erlebt. Es schafft die Verbindung, dass Vivian von ihrer Vergangenheit erzählt. Christina Baker Kline beschreibt in ihrem Buch sehr bewegend von dem oft steinigen Weg der Kinder.
Etwas anstrengende Lektüre, wenn einem der Protagonist nicht so sympathisch ist. Dennoch bietet der Stoff einen guten Einblick in die Zeit der 1970er Jahre, die gesellschaftlichen und moralischen Ansprüche und Konflikte, besonders im katholischen Umfeld.
Die Charaktere und Zeitgeschehen waren fiktiv mit Episoden, die tatsächlich, aber in anderer Konstellation ähnlich stattgefunden haben. Mit zwei Geschichten, jeweils in zwei Jahrhunderten werden die Erlebnisse der Frauen betrachtet und wie sie der Verleumdung, Geringschätzung und Aneignung ihrer Ideen ausgesetzt waren.
Zutiefst berührt. Die Geschichte der Familie Rabinowicz, die sich ausgehend von den 1920er Jahren, mit dem Wunsch nach einem sicheren Leben über mehrere Stationen in Frankreich niederlässt. Die wahre Geschichte der deportierten Geschwister und Eltern wird vier Generationen später anhand der Gespräche zwischen Enkelin und deren Tochter erzählt. Sie recherchieren mit Hilfe von Forschungsberichten, finden die Veröffentlichung einer früheren Lagerärztin, auch Zeitungsartikel und bringen Stück für Stück den Weg von Geschwister und Eltern der einzig überlebenden Großmutter ans Licht. Es zeigt auf, dass die vermeintliche Sicherheit in Frankreich ein Trugschluss war und wie die französischen Behörden an den Deportationen mitgewirkt hatten. Was ich noch nie so gelesen habe ist die Beschreibung, wie die Pariser auf die Rückkehr der Überlebenden unmittelbar nach der Befreiung reagiert haben. Sehr beeindruckt hat mich auch, wie Anne Berest den Bogen aufgebaut hat, indem sie die Rekonstruktion der Ereignisse anhand der dokumentarischen Fundstücke mit Rückblenden verknüpft. Ich las Rezensionen, die das Buch langatmig fanden. Ich fand es angesichts der tragischen Thematik, die bis in die heutige Generation wirkt, angemessen.
Sabin Tambrea erzählt seine eigene Familiengeschichte. Wir erfahren, wie er als Kleinkind die politischen Bedrohungen wahrgenommen hat. Auszüge aus den Briefen der Eltern berichten über die seelischen Nöte, über die Ereignisse im Alltag und den Weg der Familie nach Deutschland. Der Großvater hinterlässt ein Tagebuch, dass seine Zeit in politischer Gefangenschaft beschreibt und noch einmal deutlicher macht, wie brutal die Repressionen in Rumänien stattfanden. Trotz aller Tragik spürte man den Zusammenhalt der Familie, liebevoll und tröstend kümmern sie sich umeinander. Das tut auch dem Leser gut. Lieblingsbuch, weil ich bislang nur wenig über Rumänien und die politischen Verhältnisse wusste und weil Sabin Tambrea nicht nur als Schauspieler die Charaktere gut vermitteln kann.
Man spürt, dass der Autor auch als Romanschreiber viel Theaterlust in seine Texte bringt. Es gibt eine Reihe von Anekdoten über die Mutter und aus dem Theaterleben. Manches ist schon sehr komisch, aber manchmal wirkt es auch etwas überzeichnet. Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten.
Vertreibung und Völkermord. Bis in die heutige Zeit hinein gibt es Teile der Gesellschaft, die dem Drang folgen, Feinde zu markieren und diese zu bekämpfen. Die Überlebenden versuchen, für sich und die folgenden Generationen eine sichere Zukunft aufzubauen. Was bleibt, ist oft das Schweigen in den Familien. Das wird in diesem Buch am Beispiel Armenien erzählt. Wir alle sollten lernen, uns für diese Schicksale zu interessieren. Ich habe "Auf der Straße heißen wir anders" deshalb sehr gern gelesen, denn es weckt die Neugier auf die Menschen, die um uns herum keinen Platz finden, um von sich zu erzählen und die oft versuchen, unsichtbar zu bleiben.
Kein leichtes Thema. Faszinierend, wie Karin Kalisa diese Geschichte entwickelt. Zu Beginn die Rückkehr der Tochter in die alte Heimatstadt, nachdem sie von der schweren Erkrankung der Mutter erfährt. Sie trifft alte und neue Weggefährten und gemeinsam plant man, einen neues Radioformat aufzubauen. Ab dem zweiten Kapitel wird es dann extrem emotional. Die Mutter erzählt über ein Geschehen, das kein Kind erleben sollte und bei dem selbst das nächste Umfeld weggesehen hat. Zum Schluss die Reflektion. Wie geht man damit um? Welche juristischen Wege bestehen? Eine Lektüre, die nachwirkt.
Ein Backfisch umschwärmt zu intensiv einen verheirateten Maler, ein bisschen Spuk, ein Galerist auf der Suche nach seinen Wurzeln, eine spröde Farmerin, die etwas verbirgt. Ich hatte wenig Sympathien für diese Geschichte und die meisten der beteiligten Personen.
Helen Brown erzählt von der Trauer, als der kleine Sohn Sam bei einem Autounfall stirbt. Cleo, die Katze tröstet in der folgenden Zeit und bringt nach und nach wieder etwas Heiterkeit in die Familie. Jeder Katzenbesitzer kann das sicher nachvollziehen und das Buch gern lesen.
Ein neuer Versuch, in die Geschichte des Mittelalters einzutauchen. Ein unterhaltsamer Roman, der dazu einlädt, etwas tiefer über die Staufer, dem Dom in Speyer oder die Burg Trifels zu recherchieren. In der letzten Viertelstunde wurde es leider etwas gefühlsduselig. Professionell gelesen von Johannes Steck
Eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Die Geschichte beschreibt sehr anschaulich, mit welchen Problemen die Frauen zu Beginn des letzten Jahrhunderts zurecht kommen mussten: funktionieren und überleben. Mich hat die Resilienz der Protagonistin sehr beeindruckt. Die Zeiten waren, wie wir wissen, besonders hart. Ich denke, die wenigsten Großmütter haben so ausführlich aus ihrem Leben berichtet. So hat Annett Gröschner mit diesem dramatischen wie auch poetischen Roman die kargen Antworten meiner Großmütter ergänzt.
1941 - Anne lebt in der Kleinstadt Friedeberg in Pommern bei ihren Eltern. Bei einem Badeausflug lernt sie Wilhelm kennen und folgt ihm nach Berlin. Was Anne nicht weiß - Wilhelm ist in der Waffen-SS und arbeitet für die Gestapo. Es kommt zu einem brutalen Streit und Anne flieht zu ihrer Freundin Elsie. ......Kein Verglich zu "Marseille 1940", Sätze wiederholen sich. Ich habe das Gefühl, der Autor hat sich nicht genug Zeit genommen.