Vertreibung und Völkermord. Bis in die heutige Zeit hinein gibt es Teile der Gesellschaft, die dem Drang folgen, Feinde zu markieren und diese zu bekämpfen. Die Überlebenden versuchen, für sich und die folgenden Generationen eine sichere Zukunft aufzubauen. Was bleibt, ist oft das Schweigen in den Familien. Das wird in diesem Buch am Beispiel Armenien erzählt. Wir alle sollten lernen, uns für diese Schicksale zu interessieren. Ich habe "Auf der Straße heißen wir anders" deshalb sehr gern gelesen, denn es weckt die Neugier auf die Menschen, die um uns herum keinen Platz finden, um von sich zu erzählen und die oft versuchen, unsichtbar zu bleiben.
Kein leichtes Thema. Faszinierend, wie Karin Kalisa diese Geschichte entwickelt. Zu Beginn die Rückkehr der Tochter in die alte Heimatstadt, nachdem sie von der schweren Erkrankung der Mutter erfährt. Sie trifft alte und neue Weggefährten und gemeinsam plant man, einen neues Radioformat aufzubauen. Ab dem zweiten Kapitel wird es dann extrem emotional. Die Mutter erzählt über ein Geschehen, das kein Kind erleben sollte und bei dem selbst das nächste Umfeld weggesehen hat. Zum Schluss die Reflektion. Wie geht man damit um? Welche juristischen Wege bestehen? Eine Lektüre, die nachwirkt.
Ein Backfisch umschwärmt zu intensiv einen verheirateten Maler, ein bisschen Spuk, ein Galerist auf der Suche nach seinen Wurzeln, eine spröde Farmerin, die etwas verbirgt. Ich hatte wenig Sympathien für diese Geschichte und die meisten der beteiligten Personen.
Helen Brown erzählt von der Trauer, als der kleine Sohn Sam bei einem Autounfall stirbt. Cleo, die Katze tröstet in der folgenden Zeit und bringt nach und nach wieder etwas Heiterkeit in die Familie. Jeder Katzenbesitzer kann das sicher nachvollziehen und das Buch gern lesen.
Ein neuer Versuch, in die Geschichte des Mittelalters einzutauchen. Ein unterhaltsamer Roman, der dazu einlädt, etwas tiefer über die Staufer, dem Dom in Speyer oder die Burg Trifels zu recherchieren. In der letzten Viertelstunde wurde es leider etwas gefühlsduselig. Professionell gelesen von Johannes Steck
Eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Die Geschichte beschreibt sehr anschaulich, mit welchen Problemen die Frauen zu Beginn des letzten Jahrhunderts zurecht kommen mussten: funktionieren und überleben. Mich hat die Resilienz der Protagonistin sehr beeindruckt. Die Zeiten waren, wie wir wissen, besonders hart. Ich denke, die wenigsten Großmütter haben so ausführlich aus ihrem Leben berichtet. So hat Annett Gröschner mit diesem dramatischen wie auch poetischen Roman die kargen Antworten meiner Großmütter ergänzt.
Auf 150 Cassetten hat die Großmutter Klara aus ihrem Leben erzählt. Möglicherweise ein Fundus für einen eindrucksvollen Roman. So ist aus diesen Berichten dann auch eine Trilogie entstanden. Für mein Empfinden sind die politischen Auswirkungen und Konflikte zu knapp thematisiert. Stattdessen werden endlos die Gedanken über die personelle Besetzung, Brautschau und die sonstige Organisation im Kinderheim beschrieben. So ist daraus eine eher flache Story entstanden.
Detailreich und doch kurzweilig. Timothy Garton Ash hat mit diesem Buch ein gute Grundlage geschaffen, um Geschichtswissen aufzufrischen oder zu vertiefen.
Nach den "Baltimores" las ich gleich in einen weiteren Roman von Joël Dicker und lernte eine ganze Kleinstadt kennen und wie es für Schriftsteller so im Verlagswesen ablaufen kann. Gut beschriebene Charaktere und eine Geschichte, die mich zeitweise an die Fernsehserie TwinPeaks erinnerte. Auf jeden Fall blieb es durchgehend spannend und zum Ende wurde auch (zum Glück) meine Frage aufgelöst, warum die Art der Dialoge zwischen Nola und Harry Quebert mich so irritierten.
Es war mein erstes Buch von Joel Dicker und sein Erzählstil hat mich gleich gepackt, erst recht, weil Torben Kessler vorgelesen hat.
Es beginnt recht entspannt und harmonisch mit dem Aufwachsen dreier Cousins, erzählt in Rückblenden. Dabei deutet der Autor mehrmals eine kommende Katastrophe an. So blitzte immer wieder der Satz in meine Gedanken: 'Na, da bin ich ja mal gespannt. '
Man spürt, dass der Autor auch als Romanschreiber viel Theaterlust in seine Texte bringt. Es gibt eine Reihe von Anekdoten über die Mutter und aus dem Theaterleben. Manches ist schon sehr komisch, aber manchmal wirkt es auch etwas überzeichnet. Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten.